Suche


Veranstaltungen

Freitag, 18. August 2017 , 19:00 Uhr

Speisekino Moabit #16 - Food & Footage

Sonntag, 27. August 2017 , 14:00 Uhr

ADFC-Radtour durch Mitte

Freitag, 01. September 2017 , 19:00 Uhr

Unterstützung für die Jugend-Verkehrsschule Moabit

Sonntag, 03. September 2017 , 11:00 Uhr

Gütermarkt am ZK/U

Donnerstag, 07. September 2017 , 14:00 Uhr

6. Moabiter Energietag

Freitag, 08. September 2017 , 18:00 Uhr

6. Festival für selbstgebaute Musik 2017

Freitag, 08. September 2017 , 19:00 Uhr

Speisekino Moabit 2017 #19 / Food + Footage

Samstag, 09. September 2017

Lange Nacht der Chöre 2017

Dienstag, 12. September 2017 , 00:00 Uhr

6. Festival für selbstgebaute Musik 2017

Donnerstag, 14. September 2017 , 00:00 Uhr

6. Festival für selbstgebaute Musik 2017

Logo EnergiesparratgeberMit dem EnergieSpar-Ratgeber können Sie Heiz- und Stromkosten senken

Analphabetismus in Deutschland – Schwerpunkt beim Stadtteilplenum Moabit West im Mai 2015

Claire Zynga (GBZ), Sabine Theuser (Senat) und Moderatorin Susanne Torka (von links)
Gisbert Preuss vom Koordinationsbüro für Stadtentwicklung

Aischa Ahmed vom Quartiersmanagement Moabit West
Aziz Lamere, NARUD e.V.

 

Das Stadtteilplenum im Mai, zu dem der Moabiter Ratschlag e. V. und die S.T.E.R.N. GmbH am 19. Mai 2015 in den Nachbarschaftstreff einluden, war trotz des herrlichen Biergartenwetters und eines sehr speziellen Themas gut besucht. Es moderierte wie immer Susanne Torka.

Unter dem Tagesordnungspunkt „Aktuelles aus dem Kiez“ berichtete Gisbert Preuss vom Koordinationsbüro für Stadtentwicklung zunächst über die Wahl der Stadtteilvertretung Turmstraße. 25 der insgesamt 29 Kandidaten können gewählt werden. Alle dieser Frauen und Männer, darunter sind acht Fortsetzer und 21 neue Kandidaten, werden in der Stadtteilzeitung „Ecke Turmstraße“ vorgestellt. Bald stellen sie sich auch persönlich der Moabiter Wählerschaft vor. Das geschieht am 28. Mai 2015 um 19 Uhr in der Heilandskirche. Dort berichtet zudem die bisherige Stadtteilvertretung darüber, was sie bis jetzt alles getan hat. Die Kirche ist am 28. Mai bereits ab 18 Uhr geöffnet, damit genug Zeit dafür ist, sich über die aktuellen Themen in Moabit zu informieren. Später erfolgt die geheime Wahl. Danach soll es Gespräche zu Themen wie Verkehr, Infrastruktur, Grün und Geschäftsstraßenmanagement geben. „Kommen Sie zur Wahl, damit wir ein breites Spektrum in der Vertretung haben“, ermunterte Gisbert Preuss die Anwesenden. Wahlberechtigt sind alle, die im Sanierungsgebiet und in den angrenzenden Straßenzügen leben, dort arbeiten und/oder ehrenamtlich tätig sind. Ob Sie wählen dürfen, können Sie in der Zeitung „Ecke Turmstraße“ sehen. Dort ist das betreffende Gebiet, das deutlich größer als das eigentliche Sanierungsgebiet ist, abgebildet.

Mehr zur Wahl der Stadtteilvertretung Turmstraße finden Sie hier: stv-turmstrasse.de und hier www.turmstrasse.de/oeffentlichkeitsarbeit/stadtteilzeitung.html

Aischa Ahmed vom Quartiersmanagement Moabit West berichtete über die Ergebnisse der Stadtteilwerkstatt Moabit West. Dort wurde u. a. ermittelt, welchen Bedarf es auf welchem Gebiet gibt, was für Angebote in Moabit fehlen usw. Daraus entstanden konkrete Ideen und in der Folge das Integrierte Handlungskonzept (IHEK). Das Ganze ist allerdings ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Wichtige Themen sind Bildung, Arbeit und Wirtschaft, die Verflechtung der Gewerbetreibenden mit anderen Akteuren, die Nachbarschaft und dabei besonders die Beteiligung der unterschiedlichen Bewohnergruppen. Für sie sollen vermehrt Anreize geschaffen werden, um sie besser für die Bürgerbeteiligung zu erreichen und dafür zu begeistern. Außerdem im Fokus liegen die Bereiche Wohnen und Kultur („Insel der kulturellen Zentren“). Der Quartiersrat erstellte am 5. Mai ein erstes Votum für die unterschiedlichen Ideen. Am meisten Zustimmung fand das Bildungsprojekt „Übergänge begleiten“, bei dem es vor allem darum geht, Eltern zu erreichen. Auf Platz zwei kam ein Projekt, bei dem es um mehr Verantwortung für den Kiez geht, gegen Vermüllung und für mehr Begrünung und weitere „Inseln zum Verweilen“. Den dritten Platz teilen sich die Projekte „Kino für den Kiez / Kino interkulturell“ und „Berufsbildung mal anders“. Frühestens zum 1. Januar 2016 werden diese Projekte starten.

Im Anschluss stellte Aziz Lahmere vom NARUD e.V. (Network for African Rural and Urban Development) das Register Mitte vor. Dabei handelt es sich um eine Anlaufstelle, bei der sich alle Betroffenen und Menschen, die Zeuge von Diskriminierungen rassistischer und jeglicher anderer Art wurden, melden können. Diese Meldungen erfasst der NARUD e.V. in einer öffentlich zugänglichen Datenbank, in der zu sehen ist, was wo in Mitte passiert ist. Dieses Register gibt es seit 2014, nach dem bereits vor 15 Jahren eine ähnliche Stelle im Osten Berlins aufgrund rechtsextremistischer Vorfälle eingerichtet wurde. Der NARUD e.V. ist bemüht, in jeder Region des Bezirks Mitte eine Anlaufstelle zu schaffen. Zur Beratung darüber, wie mit Diskriminierungen umzugehen ist und wie man sich wehren kann, leitet die Registerstelle an verantwortliche Ämter und soziale Träger weiter. Die Hauptaufgabe des Registers ist das Sichtbarmachen von existierenden Diskriminierungen, so lautet der Auftrag des NARUD e.V.

Wie man Anlauf- bzw. Meldestelle werden kann, wurde gefragt. Die Bereitschaft dazu reicht schon aus, so Aziz Lamere. Am besten wäre es, für jede Religion eine eigene Anlaufstelle zu haben, sagte er.

Gibt es vorgefertigte Bögen, nach denen die konkrete Diskriminierung abgefragt wird? „Ja, die gibt es. Es gibt auch Fortbildungsmaßnahmen und monatliche Netzwerktreffen der Register aller Berliner Bezirke. Eine Harmonisierung der Bezirke wird von der Organisation „ReachOut-Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus“ des ARIBA e.V., der die Datenbank zentral für ganz Berlin koordiniert, betrieben.

Welche Zahlen gibt es für Mitte? Mitte hat von allen Bezirken die höchste Zahl, antwortete Aziz Lamere. Es waren seit Beginn der Zählung 2014 knapp 100 gemeldete Fälle. Gründe dafür seien u. a., dass es in Mitte die meisten Demonstrationen und Denkmale gibt.

Hier findet man die Register aller Berliner Bezirke: reachoutberlin.de/index.php

Kontakt zum Register Mitte: www.berliner-register.de

Zum Schwerpunkt des Maiplenums, dem Tabuthema „funktionaler Analphabetismus“, sprach zunächst Claire Zynga vom Grund-Bildungs-Zentrum Berlin (GBZ). Etwa jeder siebente Erwachsene in Deutschland kann nicht oder nur unzureichend lesen und schreiben. Das ergab die Leo-Level-One-Studie im Jahr 2011. Unter den untersuchten 18 bis 64jährigen Erwerbsfähigen, die sich als funktionale Analphabeten heraus kristallisierten, verfügten die allermeisten über mindestens ausreichende Deutschkenntnisse (Alpha-Level 1-3). 58,1 Prozent gaben Deutsch als ihre Erstsprache an. Nicht zu fassen ist folgende Zahl: fast 80 Prozent dieser Menschen haben einen Schulabschluss – trotz ihrer mangelnden Grundbildung. Außerdem ergab die Studie, dass zusätzliche 25 Prozent der Erwachsenen in Deutschland auf Alpha-Level 4 sind, was bedeutet, dass sie einfache Texte zwar lesen, aber nur mit vielen Fehlern selbst schreiben können. Hinzu kommen noch die Menschen, die nur über geringe Deutschkenntnisse verfügen und Probleme in ihrer Muttersprache haben.

Ursachen für Analphabetismus

Bei jedem ist es etwas anderes, z. B. seelische Probleme in der Schule und/oder im Elternhaus, Versagensängste, ein Migrationshintergrund gehören dazu. Nicht selten ist der Verlust an Lese- und Schreibfähigkeiten (in der Kindheit gelernt und später aufgrund von wenig Anwendung verlernt).

Das Grund-Bildungs-Zentrum Berlin besteht aus einem Team von vier Frauen und wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Bildung, u. a. mit Kooperationspartnern wie der Volkshochschule (VHS). Grund-Bildung wird hier als Querschnittsthema verstanden. Dazu brachte Claire Zynga Beispiele aus Handlungsfeldern wie der Gesundheit („Wer nicht gesund war früher in der Schule, hat vielleicht viel Stoff verpasst.“), der Arbeit/Ökonomie (z.B. haben manche Leute Probleme mit dem Umgang mit Geld), Justiz („Menschen haben Probleme dadurch, dass sie Verträge nicht lesen können, z.B. Handyverträge“), Kultur und Bürger-Engagement/Beteiligung. Ein Beispiel dazu: „Wie kann ich mich wo engagieren?“ Das kann schwierig werden, wenn man die Texte zur Aktivierung gar nicht versteht. Wenn diese Hürde genommen wurde, stellen sich Erfolgserlebnisse ein, von denen Claire Zynga einige zitierte: „Zum ersten Mal war ich in einem Museum! Zum ersten Mal habe ich eine Frage gestellt. Ich war bei einem Elternabend usw.“)

Das GBZ ist die Anlaufstelle nicht nur für Betroffene, sondern auch für Kursleiter, Einrichtungen, Unternehmen, Lehrer sowie Erzieher. Aber: „Wir geben selbst keine Kurse für Analphabeten, sondern sind eine zentrale Informations- und Vernetzungsstelle.“ Weitergehende Informationen sind auf www.grundbildung-berlin.de zu finden. Dort werden die Texte auch vorgelesen, es gibt zudem Videos und eine Infosammlung in leichter Sprache. Ganz wichtig ist der Grundbildungs-Atlas, der zeigt, wo es in welchem Berliner Bezirk welches konkrete Kurs-Angebot gibt.

Das GBZ bietet einmal im Monat Schulungen für Sozialarbeiter und andere Interessierte an, zu denen auch immer Betroffene eingeladen werden. Dort werden Fragen behandelt wie diese: Wie erkenne ich einen funktionalen Analphabetismus? Wohin kann ich diese Person daraufhin ansprechen und zur Hilfe weiterleiten?

Sabine Theuser von der Kontaktstelle Grundbildung der Senatsverwaltung für Bildung (http://www.berlin.de/sen/bildung/bildungswege/grundbildung) begann ihre Ausführungen damit, dass 7,5 Millionen erwachsene Erwerbstätige hierzulande keine einfachen Texte erfassen oder selbst verfassen können. Diese unerwartet hohe Zahl - ähnlich schockierend wie der Pisa-Studien-Schock bei den Schülern – brachte Bund und Länder dazu, eine nationale Strategie zu entwickeln. Sie verwies auf die Kampagne, die z. Z. vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln zu finden ist. „Lesen und Schreiben - mein Schlüssel zur Welt“ - diese aktuelle Kampagne dient der Sensibilisierung der Öffentlichkeit, 2012 lief sie schon mal. Im Rahmen der nationalen Strategie richtete jedes deutsche Bundesland eine Kontaktstelle ein, teilweise verortet bei den VHS-Landesverbänden oder an den Ministerien wie hier in Berlin. Die Kontaktstelle Grundbildung ist Ansprechpartner für Träger, Verwaltungen und Sozial- und Wirtschaftspartner wie den DGB und die Bundesagentur für Arbeit. Ein Netzwerk wurde 2013 gegründet, in diesem finden sich 30 Einrichtungen zusammen. Ein „Runder Tisch Alphabetisierung und Grundbildung“ findet regelmäßig statt.

Der Berliner Senat hat aber noch mehr vor, so Sabine Theuser. Letztes Jahr fand die Eröffnung des GBZ statt, eine Einrichtung, die mit 200.000 Euro pro Jahr (2014 und 2015) gefördert wird, „hoffentlich auch danach noch.“ Der Senat beschloss, eine eigene Strategie für Berlin zu entwickeln, um das Thema selbst weiter voran zu bringen. Das geschieht mit etwa 30 Maßnahmen, zu denen die Anregungen aus verschiedenen Ressorts stammen. Die Strategie ist noch in Arbeit, sie wird gerade zur Beschlussfassung fertig gestellt.

Gelder aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) will die Senatsverwaltung für Bildung gemeinsam mit der Justizverwaltung verwenden, um Alphabetisierungskurse in Berlin aufzulegen. Dafür stehen 5,5 Mio. Euro aus dem ESF zur Verfügung. Es handelt sich dabei allerdings nicht um eine Vollfinanzierung durch EU-Mittel, sondern einen 50-Prozent-Anteil. Die andere Hälfte muss das Land Berlin investieren.

Aus dem Plenum gab es die Anregung, dass Probleme durch die Lese- und Rechtsschreibschwächen zwar ein wichtiges Thema sind, aber behördliche Anträge, z. B. die vom Sozialamt, doch auch in einfacher Sprache verfasst werden könnten.

Quartiersrat Knut Pankrath fragte, was mit den Kindern und Jugendlichen an den Schulen passiert, die das Lesen und Schreiben dort nicht lernen? – Das GBZ ist ein reines Erwachsenen-Projekt, so Claire Zynga, wobei es natürlich Eltern und damit Schulen tangiert. Gerade an den Schulen sei es im Übrigen ein großes Tabuthema.

Susanne Müller vom Jugendmigrationsdienst beklagte, dass sie aufgrund der sprachlichen Hürden oft nicht wisse, wie viel Vorbildung ihre Klientel aus anderen Kulturkreisen mitbringt. Als Ursachen für Analphabetismus würden dann oft äußere Umstände genannt. Nur wo gibt es Diagnostiker, die bei Erwachsenen feststellen, woher das Problem kommt? Eine Diagnose wäre für sie sehr wichtig, damit sie die genau richtigen Maßnahmen ergreifen kann. Claire Zynga vom GBZ empfahl das Legasthenie-Zentrum Berlin (http://www.legasthenie-zentrum-berlin.de) um festzustellen, wo das Problem liegt. Bei Kindern wird das finanziell gefördert, junge Erwachsene müssen das selbst zahlen. Sabine Theuser vom Senat ergänzte, dass eine Diagnostik meistens in Zusammenhang mit einer Kursteilnahme, z.B. bei der VHS, stattfindet. „Und sonst bei Psychologen und Neurologen, die dazu Testverfahren haben und die Ergebnisse dieser Tests interpretieren können.“

Übrigens, darauf machte Claire Zynga vom GBZ aufmerksam: nicht alle Legastheniker haben eine mangelhafte Grundbildung. Das Eine hat in den meisten Fällen nichts mit dem Anderen zu tun. So gibt es z.B. Professoren oder Forscher mit Legasthenie.

Hasan Aba vom Jugendmigrationsdienst empfahl, dass als langfristige Perspektive schon in der Schule damit begonnen werden sollte, auf die Lese- und Schreibkenntnisse zu achten und sich diesem Problem bereits dort bei den Kindern und Jugendlichen zu stellen. Sabine Theuser (Senat) bat in diesem Punkt und generell um Verständnis. Da die Studienergebnisse erst seit ein paar Jahren vorliegen, gab es vorher zu diesem Thema nur Vermutungen. Sie arbeitet seit der Gründung 2012 in der Kontaktstelle Grundbildung, und erst jetzt findet ihrer Ansicht nach langsam eine allgemeine Sensibilisierung für das Thema Analphabetismus statt. Ihr sei auch klar, dass es allein mit Projektgeldern schwierig sein wird, das Problem auf Dauer zu lösen. Claire Zynga (GBZ) betonte noch einmal, wie wichtig es gerade sei, mit Erwachsenen zu arbeiten, weil die oftmals Eltern sind und dadurch auch die Kinder betroffen sind.

Ein Plenumsteilnehmer, der aus dem südindischen Westbengalen stammt, bemerkte, dass dort jeder lesen und schreiben könne. „Wenn ich in Indien erzähle, dass in Deutschland viele nicht lesen und schreiben können oder dass ein Kind nach drei Jahren in der Kita immer noch kein Deutsch sprechen kann, dann glaubt mir das keiner.“ Er fragte danach, wie die Situation in anderen Ländern sei? Die deutsche Leo-Studie hatte eine andere Definition als z.B. die Studien in ihrem Heimatland Frankreich, so Claire Zynga. Dort gelten nur 7 Prozent derjenigen, die eine französische Schule besuchten, als Analphabeten. In der deutschen Studie hingegen wurden auch diejenigen betrachtet, die keine deutsche Schule besucht hatten. Bis 2011 – vor der Studie - passierte hierzulande faktisch nichts, während andere Länder wie Irland schon früher aktiv wurden.

Aus dem Plenum heraus meldete sich eine neue Quartiersrätin aus Moabit-Ost, die früher selbst Legasthenikerin war und im Alter von 40 Jahren die Erzieherausbildung absolvierte. Sie findet, dass beide Hilfe brauchen: Erwachsene und Kinder. Es sei grauenvoll und unverantwortungsbewusst, was Lehrer tun, wenn sie ein Zeugnis ausstellen, dass besagt, dass ein Kind lesen und schreiben kann und das nicht der Wahrheit entspricht. Sie selbst hatte einen Test beim Legasthenikerverein gemacht und konnte mit Hilfe einer Diagnose von dort die meisten ihrer Erzieherprüfungen mündlich machen, und zwar mit großem Erfolg.

Laut Claire Zynga (GBZ) gibt es noch zu wenig Informationen über den Zusammenhang zwischen Legasthenie und mangelnder Grundbildung. Unsere Kurse schließen niemanden aus, so Sabine Theuser (Senat), auch nicht medizinisch festgestellte Legastheniker können teilnehmen. Der Vorteil dabei sei es, dass die Kurse nur wenige Teilnehmer haben. Und Unterschiede zwischen Legasthenikern und Menschen mit mangelnder Grundbildung werden deshalb gemacht, weil verschiedene Probleme auch eine unterschiedliche Didaktik erfordern, und die wird nicht von jedem Kursleiter beherrscht. „Durchrutschende Schüler“, die mit Abschluss entlassen werden, obwohl sie nicht lesen und schreiben können, sind oftmals ein Zugeständnis des Lehrers, um den Kindern nicht den weiteren Lebensweg zu verbauen. Das sah die Quartiersrätin aus Moabit-Ost ganz anders: „Man kann doch Kinder rechtzeitig fördern, in dem man sie z.B. zum Logopäden oder Ergotherapeuten schickt. Das könnten doch auch Lehrer tun!“

Ein Sozialarbeiter im Plenum verwies darauf, dass die Ursachen für Analphabetismus oft in frühkindlichen seelischen Belastungen und späteren toxischen Einwirkungen zu suchen sind. Als Erwachsene wollen einige der Betroffenen die Chance ergreifen, dagegen etwas zu tun, weshalb das GBZ grundsätzlich zu begrüßen sei.

Hasan Aba vom Jugendmigrationsdienst bemerkte noch einmal, dass die Strukturen in den Schulen oft zu starr und dass Eltern oft überfordert sind. „Lehrer, die bei der Bewertung die Augen zudrücken - das ist eine positive Diskriminierung!“ Damit würden sie dem Kind den weiteren Weg verbauen, denn es wird früher oder später darüber stolpern.

Laut Sabine Theuser gibt es das Alpha-Siegel. Das ist ein Gütesiegel dafür, dass man sensibel und kompetent mit Analphabeten umgeht. Ihre Kontaktstelle Grundbildung und das GBZ wollen alle Träger und Senatsverwaltungen dazu motivieren, sich dahingehend zu engagieren. Man könne alle Menschen teilhaben lassen, z.B. in dem man leichtere Texte verfasst.

Zum Schluss wurde die Frage nach Schulungen für Mitarbeiter des Jobcenters gestellt. Ja, Sensibilisierungskurse werden vom GBZ auch dort angeboten, und auch speziell für Job-Coaches.

Termine und Verschiedenes:

Beim Juniplenum am 16. Juni 2015 geht es u. a. um die Umgestaltung der Waldstraße. Deshalb findet das Treffen auch dort statt, und zwar im Café des SOS-Kinderdorfs in der Waldstraße 23.

Weitere Ideen für kommende Plena wurden von Susanne Torka gesucht, „etwas, dass wir noch nicht gemacht haben oder etwas, dass lange nicht dran war“. Aus dem Plenum kamen folgende Vorschläge:

- Thema Flüchtlinge, zur Situation in den Notunterkünften, Mittagsversorgung der Flüchtlingskinder usw.

- Baustelle Großmarkt Hamberger war im Quartiersrat virulent, wie ist der aktuelle Stand, werden Hambergers Versprechen gehalten?

- Neues vom Gelände der Schultheiß-Brauerei

- Mieten-Problematik

- Religionen in Moabit - mehr als interreligiöser Dialog, auch zu Extremismus und den Religionen untereinander

Der NARUD e.V. lud herzlich ein zum 6. Interkulturellen Fußballturnier am 13. Juni 2015 von 10 bis 18 Uhr auf dem Sportplatz Lüderitz-/Transvaalstraße ein. Ein Fußballturnier der Freundschaft aus Solidarität mit Flüchtlingen soll das werden. Zum Mannschaften anmelden oder um einen Stand dort zu machen usw., bitte melden unter Tel. (030) 91515416 oder interkulturelles.fussball[at]narud[.]org

Der NARUD e.V. veranstaltet zudem am 30. Mai von 10 bis 16 Uhr eine Fortbildung für Multiplikatoren und Vereine zum Thema Förderung. Referieren werden u. a. Vertreter von Brot für die Welt und Aktion Mensch. www.narud.org

Kommen Sie zum Gehsteigfest: Das „Fest der Nachbarn“ wird am 29. Mai von 15 bis 19 Uhr in der Rostocker Straße gefeiert. Hier mehr dazu: www.moabitwest.de/Nachbarschaftsfest-am-29-Mai-2015.5556.0.html

Beatrice Pfitzner vom QM Moabit West wies auf das 3. Bildungsfest hin, das am 11. Juni von 14 bis 18 Uhr auf dem Otto-Spielplatz stattfindet.

Matthias Schnauss bewarb die Fahrradfahr-Kurse im Schlupfwinkel – hier Details dazu: www.moabitwest.de/Der-Kurs-Radfahren-Lernen-beginnt-am-21-Mai-2015.5552.0.html

Nicola Kluftinger wies auf den Kinderflohmarkt am 30. Mai im Schulgarten hin: www.moabitwest.de/Kinderflohmarkt-im-Schulgarten-Moabit-am-30-Mai-2015.5554.0.html

Das Sommerferienprogramm des Schulgartens sowie wichtige Termine im Sommer wie das Sommerfest und die diesjährige Moabinale stehen nun fest. Dazu finden sie bald eine Information auf unserer Webseite.

Susanne Torka wies darauf hin, dass sich der Tisch gegen Gentrifizierung am Mieten-Volksentscheid beteiligt und bat um weitere Unterschriften.

Die Initiative „Sie waren Nachbarn“ stellte an der Ellen-Epstein-Straße ein Schild auf, dass an die Deportation der Juden von Moabit aus erinnert und an das Dilemma des noch immer fehlenden Denkmals. Vor einer entscheidenden Sitzung des Lottostiftungsrats sendete die Initiative eine Petition an den Regierenden Bürgermeister Müller, damit er sich für Gelder aus dem Lottotopf für das Denkmal einsetzen möge. Hier geht es direkt zur Initiative: sie-waren-nachbarn.de

Die zusammengefassten Ergebnisse und Inhalte der Stadtteilplena sind HIER nachzulesen.

Text & Fotos: Gerald Backhaus