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Annette Kraß, Moabiter Theaterspektakel

Annette Kraß (liegend) und ein Bühnenkollege
Annette Kraß, vorn links, mit dem Ensemble

Moabiter Theaterspektakel: Wie die zehnte Saison 2012 lief und was für 2013 geplant ist, verrät uns Annette Kraß

Es war ein sehr erfolgreiches Jubiläumsjahr: "Wir konnten mit unserem modernen Stück (der Boulevardkomödie 'Gerüchte, Gerüchte', Anmerk. d. Red.) viele Leute ansprechen. Insgesamt kamen rund 850 Zuschauer, aber in Moabit gibt es immer noch genug Potential an Leuten, die uns noch nicht kennen," so Annette Kraß vom Verein Moabiter Theaterspektakel. 2012 lief alles bestens für die ehrenamtlich arbeitende Truppe, die traditionell auf einer Freilichtbühne im Hof des Stadtschlosses spielt - bis auf einmal, als eine Schauspielerin krank wurde und ihr Part von einer Kollegin und Annette mit übernommen werden musste.

Das erinnerte an eine verrückte Situation vor Jahren, als sich ein Darsteller das Fußgelenk während der Vorstellung brach. „Wir brauchten also dringend Ersatz,“ erzählt Annette Kraß noch immer amüsiert. „Unser Regisseur kannte eine Schauspieler-Agentin, die uns einen Profi-Schauspieler zur Verfügung stellte. Der meinte, für eine Amateurgruppe wie unsere keinen Text lernen zu müssen, sondern alles aus der Improvisation heraus zu spielen. Das ging gründlich in die Hose und brachte uns in Teufels Küche. Er sprach uns z.B. mit falschen Namen auf der Bühne an. Unser Regisseur ist dann schnell in die erste Reihe geeilt und hat sich als Souffleur nützlich machen wollen. Leider war der Darsteller halb taub, hörte ihn also nicht. Dafür konnten die immer lauter werdenden Einwürfe des Regisseurs vom Publikum bis zur letzten Reihe wahrgenommen werden. Alles in allem wurde es ziemlich schräg, aber wir haben die Vorstellung irgendwie zu Ende gebracht und wenigstens hatte das Publikum seinen Spaß mit dem Theater im Theater.“ Da das Wetter diesen Sommer so durchwachsen war, musste öfter drinnen gespielt werden, was "viele besser fanden, weil sie so näher dran waren am Stück und es intensiver erlebten. Andere wiederum kommen nur, wenn wir draußen spielen."

Wegen des erstmaligen Eintrittgeldes kamen einige Moabiter nicht mehr, andere hingegen spendeten früher mehr als es jetzt Eintritt kostete. "Insgesamt hatten wir in diesem Jahr auf jeden Fall mehr Einkünfte." Und die werden dringend gebraucht für Regie, Bühne, Kostüme, Maske usw.Annette Kraß ist gebürtige Wilmersdorferin und wuchs beschaulich im Grünen in Konradshöhe auf. Später wohnte sie in Wedding, Moabit und auch mal für ein Jahr in Hessen. Mittlerweile lebt sie seit 13 Jahren in Moabit. Wenn sie nicht gerade Theater spielt, arbeitet die ausgebildete Biologie- und Kunstlehrerin für den Moabiter Schulgarten. Sie textet sehr gern, weshalb sie dort vor allem für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist. 2003 kam sie durch eine Nachbarin zum Theaterspektakel. Nach dem die Truppe im ersten Jahr Improtheater machte, wurde 2004 mit Molieres "Tartuffe" das erste "richtige" Stück aufgeführt. "Bei unseren ersten Produktionen haben wir öfter mal auf der Bühne übernachtet, um nicht unsere häufig sehr aufwändigen Bühnenbilder und auch die Lichttechnik etc. jedes Mal wieder auf- und abbauen zu müssen." Seit dem spielt Annette Kraß jedes Jahr mit. Am liebsten würde sie hauptberuflich Theater machen. Unter ihren zahlreichen Schauspieler-Lieblingen sind Romy Schneider, Martina Gedeck und Sandrine Bonnaire. 

Das Theaterspektakel besteht aus einem festen Stamm von sieben bis acht Frauen und Männern. Einige sind fast jedes Jahr dabei, "aber wir spielen immer wieder in einer neuen Zusammensetzung, wodurch die Atmosphäre jedes Mal unterschiedlich ist." Die meisten der Schauspieler kommen aus sozialen Berufen wie Erzieher, es gibt aber auch eine Landschaftsplanerin, einen Comic-Zeichner und eine ausgebildete Juristin. Neuzugänge sind herzlich willkommen, "wir mussten allerdings schon vielen Interessenten absagen."

Ein Problem will bei der Stückeauswahl immer bedacht sein, das ist die Rollenverteilung: "Alle spielen gern viel, und die Wenigsten möchten sich mit einer kleinen Rolle zufrieden geben, was uns in diesem Jahr bei unserem Ensemble-Stück mit mehreren gleichwertigen Hauptrollen gut glückte." Ausgesucht werden die Stücke vom Regisseur. Da es sich um ein Freilichttheater mit beschwingter Sommerabend-Atmosphäre handelt, waren es bislang immer Komödien. Allerdings wechseln die Genres zwischen modernen Stoffen und denen alter Meister wie Shakespeare, Moliere und Gogol.

Mit Regisseur Poyraz Türkay, dem vierten Regisseur in den zehn Jahren ihres Bestehens, startet die Truppe bald in die nächste Spielzeit. Die wird gerade intensiv geplant. Das Konzept wird etwas verändert: Im Sommer 2013 wird es mehrere Aufführungsorte geben, aber die endgültige Stückauswahl ist noch nicht erfolgt. "Momentan werden zwei bis drei Vorschläge des Regisseurs von den Ensemblemitgliedern quer gelesen und danach wird gemeinsam ausgesucht," verrät Annette Kraß, "Fest steht aber, dass es wieder eine energievolle lebendige moderne Komödie wird. 2012 hatten wir unser bislang spielerisch anspruchsvollstes Stück mit viel Rhythmus, hohem Tempo. Da wollen wir gern dran bleiben, uns weiter fordern und weiterentwickeln. Aber vielleicht wird es auch mal ein witziger Krimi werden."

Spielort wird 2013 nicht nur die Haus- und Hofbühne im Stadtschloss sein. "Wir gaben in diesem Jahr - nach einem Auftritt vor Jahren im Artenschutztheater - zum zweiten Mal ein Gastspiel innerhalb Moabits, und zwar in der Arminiusmarkthalle. Damit haben wir uns ein ganz neues Publikum erschlossen. Das waren vor allem Leute, die wahrscheinlich nie den Weg ins Stadtschloss gefunden hätten." Deshalb werden 2013 verschiedene Moabiter Orte bespielt: Erneut geht es in die Markthalle, in deren Keller jetzt auch der Bühnenfundus untergebracht werden konnte, zudem in die Refo-Kirche, hoffentlich den Englischen Garten, und vielleicht auch zum ZKU in den neuen Stadtgarten. Zudem soll nicht mehr freitags, sondern nur noch samstags und sonntags gespielt werden, dafür aber an neun statt sechs Wochenenden. "Damit kann sich die Mundpropaganda besser entwickeln, denn 2012 waren gerade die letzten beiden Wochenenden super besucht und danach war leider Schluss."  2013 soll es deshalb auch im Oktober noch Aufführungen geben, Anfang Juni ist die Premiere.

Annette Kraß, nach einem großen Wunsch befragt, gibt zu, dass sie gern mal in einem Zwei- oder Vierpersonenstück spielen möchte, "in dem ich ganz intensiv in eine Rolle gehen kann. Vielleicht so etwas wie "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" Der Wunsch könnte sich schon bald erfüllen, denn das Theaterspektakel plant konkret, große Inszenierungen oder auch Einakter im Winterhalbjahr aufzuführen.

www.moabiter-theaterspektakel.de

 

Text: Gerald Backhaus, Fotos: Günter Schmid, Flyer: Theaterspektakel