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August-Stadtteilplenum

Moderatorin Susanne Torka im Scheinwerferlicht auf der Bühne
Ahmed Shah, künstlerischer Leiter vom JugendtheaterBüro Berlin
Saveed Krishnamurthy, Projektleiter JugendtheaterBüro
Sandra Rabbow, pädagogische Leiterin

Bürgergarten, Großmarkt-Neubau und Junges Theater in Moabit

Das Stadtteilplenum Moabit West am 17. August 2010

Im Scheinwerferlicht auf der Bühne sitzend - Moderatorin Susanne Torka hatte einen ungewohnten Auftritt bei der August-Ausgabe des Stadtteilplenums, das im Saal des JugendtheaterBüros in der Wiclefstraße 32 stattfand. Aus dem Nebenraum drang der Gesang des dort probenden Cantoreichors, als sich etwa 35 Menschen in die harten Kirchenbänke zwängten, um ihr und den Protagonisten zuzuhören und im Plenum mit zu diskutieren.

Wer bewirbt sich für den Bürgergarten?

"Wer will mitmachen?", zuerst rief Elke Fenster vom Verein Moabiter Ratschlag alle Interessierten dazu auf, sich an der Ausschreibung für den neuen Bürgergarten zu beteiligen. Ihr Verein wolle nicht unbedingt selbst Träger werden und fände daher die Bildung einer Gruppe von Interessierten gut. Diese müsse dann die genauen Bedingungen mit dem Bezirksamt aushandeln. Zum Zwecke der Gruppenbildung und Bewerbung wird es am 30. August ein Treffen um 18 Uhr im Stadtschloss geben. Mehr zum Bürgergarten finden Sie hier.

Neuer Großmarkt an der Siemensstraße - Bürgerinitiative kontra Bezirksamt

Quartiersrat Norbert Onken berichtete als Vertreter der Bürgerinitiative Siemensstraße (kurz: BI) über deren dreistündigen Termin mit Bezirksvertretern am 16. August. Die Einspruchsfrist gegen den Bebauungsplan des Bahngeländes mit dem Großmarkt des Investors Hamberger sei abgelaufen. In der BVV war ein Beschluss gefasst worden, nach dem sich Bezirksamt und BI über Details bei der Verwirklichung,  wie zum Beispiel den Erhalt des Pappelbestand an der Siemensstraße, einigen sollten. Onken sprach von viel Unmut, der bei dem Gesprächstermin aufkam, "weil die Anwohner nur ihnen bereits bekannte Argumente von Stadtrat Gothe und seinen Amtskollegen vorgetragen bekamen". Neu sei lediglich die Idee eines Grünflächenamtsmitarbeiters gewesen, statt der Pappeln kleinwüchsige Hainbuchen anzupflanzen. Würde es dazu kommen, könne die versprochene Fassadenbegrünung entfallen.

Die BI, die vor allem die Anwohner vertritt, wendet sich aus mehreren Gründen gegen die Bebauung in der vorgesehenen Form: sie ist gegen "die Wucht der Bebauung, die Gewalt für den Kiez bedeute", gegen die massive Versiegelung der Fläche (97 Prozent), das "Verstellen der Frischluftschneiße" durch den 180 Meter langen Neubau sowie gegen die geplante Vernichtung der Pappelreihe, die für die Anwohner identitätsstiftend sei und ihren Wohnort definiere. Auf das Problem ist inzwischen auch die Presse (Tagesspiegel) und das Fernsehen (rbb-Abendschau) aufmerksam geworden. Norbert Onken betonte, dass die BI kompromissbereit sei. Frank Bertermann von Bündnis 90 / Die Grünen in der BVV Mitte sagte, dass seine Fraktion dem Bauantrag nicht zustimmen würde, käme es nicht zu einem Kompromiss zwischen den Beteiligten. Er sprach von "einer sehr unglücklichen Verquickung", da unklar sei, was passieren würde, wenn Investor Hamberger nicht in der geplanten Form bauen dürfe und ganz von seinem Moabiter Vorhaben abspränge, da die Bahn als Eigentümerin dann auch das Projekt Bürgergarten auf dem anderen Teil ihres Grundstückes platzen lassen könnte. Seiner Meinung nach sei ein Spatenstich im Herbst verfrüht, "man solle dann noch kein Geld in den Bürgergarten versenken." Käme es allerdings zum Großmarkt-Bau, ohne dass auf die Anwohner eingegangen werde, wären von deren Seite aus Entschädigungsklagen denkbar, so ein Vorschlag von Quartiersrätin Regina Vetter.

Das JugendtheaterBüro hat viel vor

Nicht umsonst tagte das Stadtteilplenum dieses Mal in einem Theatersaal. Der Ort war gut überlegt - was hier sonst alles passiert, erfuhren die Plenumsgäste aus erster Hand. Auf der Bühne trugen drei Mitarbeiter des JugendtheaterBüros, Ahmed Shah, Sandra Rabbow und Saveen Krishnamurthy, enthusiastisch vor, wie ihr Projekt zustande kam, aus welchen Bereichen es besteht, was es für Aktivitäten gibt, und wie die kommenden Vorhaben aussehen. Das zur Initiative "Grenzen-Los" gehörende JugendtheaterBüro wird bis 2012 vor allem aus EU- und Bundesmitteln finanziert. Die kurzweilige Vorträge der drei wurde illustriert durch kurze Filmbeiträge, unter anderem zum Thema Identität, die von und mit den Jugendlichen entstanden. Wichtig sei, dass die Jugendlichen aus Moabit und anderen Teilen Berlins ohne Zwang, sondern ganz freiwillig bei dem Projekt mitwirken. Die rund 45 involvierten jungen Frauen und Männer inszenieren alle drei bis vier Monate neue Szenen und Stücke zu selbst recherchierten Themen. Aktuell steht - als Vorbereitung für das im Herbst 2011 geplante "Internationale Jugendtheaterfestival" im Haus der Kulturen der Welt - ein Mini-Festival im Dezember 2010 an. Vom 8 bis 10. Dezember sollen unter dem Motto "Moabiter Brennpunkt-Tage" kritische Theaterstücke von jungen Leuten aus dem Kiez aufgeführt werden.  Für das große Festival, das unter anderem aus dem Hauptstadtkulturfonds finanziert wird, suchen Shah, Rabbow und Krishnamurthy noch Helfer und Sponsoren. Am 26. August findet dazu um 18 Uhr im JugendtheaterBüro ein Netzwerktreffen für alle Interessierten statt.

Was wird aus dem Gebäude neben der Refo-Kirche?

Über den Ort - durch Jugendtheater und die diversen Chöre avancierte das Gebäude langsam zu einer Art "Kulturkirche" - gab es natürlich auch Auskunft. Die Jugendlichen haben sich die Proben- und Aufführungsräumlichkeiten, in denen das Stadtteilplenum tagte, selbst erschlossen und auch die Bühne mit gebaut. Fraglich ist jedoch, wie lange die Theatertruppe in diesen mit viel Energie eingerichteten Räumen in der Wiclefstraße bleiben kann, da sie mit der Eigentümerin Landeskirche nur einen Zwischennutzungsvertrag mit dreimonatige Kündigungsfrist abschließen konnte. Die Kirche plant, das Haus zu verkaufen. Das Quartiersmanagement Moabit West hatte die Kirchgemeinde angefragt, doch leider konnte kein Kirchenvertreter zum Plenum erscheinen. Die Gemeinde ließ verlauten, dass sie nicht wisse, ob es schon Verkaufsverhandlungen der Landeskirche gäbe, dass sie aber sicher rechtzeitig davon unterrichtet werde. Der auch beim Plenum anwesende technische Leiter des neuen Hansatheaters bot den Theatermachern an, sich dafür einzusetzen, dass die jungen Leute auch in seinem Haus, das bald eröffnen werde und dessen Finanzierung "zu 80 Prozent gesichert sei", proben und auftreten können. Mehr zum JugendtheaterBüro finden Sie auf dessen Internetseite. 

Markthalle, Fest-Termine, Spielhallenboom und kommende Plenumsthemen

Der Umbau der Arminiusmarkthalle soll in wenigen Tagen beginnen, die Wieder-Eröffnung ist bereits für den 20. November 2010 geplant. Für das Turmstraßenfest, und dort insbesondere für die "Soziale Meile", werden noch Akteure gesucht - hier der Kontakt zu den Organisatoren. Der Moabiter Ratschlag feiert parallel zum Turmstraßenfest den "Tag der Stadtteilzentren": am Samstag (11. September) mit einem Kinderflohmarkt mit Familienprogramm im Schulgarten und am Sonntag (12. September) mit einem Fest im Stadtteilhaus. Das beginnt mit einem Jazz-Brunch im Hof, bietet Lesungen, unter anderem mit Krimiautor Horst BosetzKY, und endet mit einem Moabit-Quiz "für Lokalpatrioten, Spaßvögel und Knobelfreunde".

Und noch zwei Tipps: am 18. September wird es vor dem SOS-Kinderdorf in der Waldstraße von 10 bis 15 Uhr einen Sperrmüllmarkt geben, und das JugentheaterBüro hat sein Musikprojekt "MOABEATZ" gestartet, mehr dazu hier.

Der anhaltende Spielhallen-Boom in Moabit soll Thema beim kommenden Plenum im September werden. Dazu sollen Vertreter des Bezirksamts und - wegen der sehr hellen Außenreklame vieler "Spielhöllen" - auch der Baubehörde eingeladen werden. Und noch ein Ausblick: im Oktober soll es um die "Aktionsräume Plus" gehen, und für das November-Plenum hat Bezirksstadträtin Schrader ihre Teilnahme angekündigt. Mehr Information zur Tagesordnung beim September-Plenum gibt es wieder vorab hier auf unserer Seite. 

Text und Fotos: Gerald Backhaus