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Freitag, 19.02.2016

Bleiben die historischen Gaslaternen oder kommen neue LED-Leuchten?



Moderatorin Susanne Torka
Aischa Ahmed vom QM Moabit West
Elke Fenster, Moabiter Ratschlag e.V.
Quartiersrat Steve Rauhut (Refo)
Evelyn Hoffschröer von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Bereich Öffentliche Beleuchtung
Volker Elingshausen (Petition für den Erhalt der Gasleuchten)
Karl Bösel, Präventionsbeauftragter der Polizei in Moabit

Der Moabiter Ratschlag e. V. und die S.T.E.R.N. GmbH luden zum Stadtteilplenum am 16. Februar 2016 in den Nachbarschaftstreff. Es moderierte wie gewohnt Moderatorin Susanne Torka.

Unter dem Tagesordnungspunkt „Aktuelles aus dem Kiez“ berichtete Aischa Ahmed zunächst über die anstehenden Wahlen für Quartiersrat und Aktionsfondsjury. Unter dem Motto „Setze Dich ein für Moabit West!“ werden interessierte Frauen und Männer als Kandidaten für die beiden Gremien der Bürgerbeteiligung gesucht. Es sollten Menschen sein, die mit entscheiden möchten über bauliche, soziale und integrative Projekte in ihrem Umfeld. Am 12. April wird es dazu eine Informationsveranstaltung im Nachbarschaftstreff geben. Bis zum 25. April kann man sich entscheiden, ob man kandidieren möchte. Am 17. Mai stellen sich alle Kandidaten beim Stadtteilplenum vor. Gewählt wird vom 17. bis 21. Mai an verschiedenen Orten in Moabit, bevor am 21. Mai dann die neuen Besetzungen der beiden Gremien feststehen und bekannt gegeben werden.

Den Kandidaten-Aufruf finden Sie hier.

Noch ein Hinweis: Für kleinere Projekte, die der Nachbarschaft dienen, kann man Aktionsfondsmittel beim QM beantragen. Das sind Summen in einer Höhe von maximal 1.500 Euro, die keine Honorarmittel beinhalten dürfen. Alle 8 Wochen entscheidet die Aktionsfondsjury darüber, was gefördert wird.

Um das Haus Berlichingenstraße 12 war es bereits beim Plenum im Januar gegangen. Dort hatte Elke Fenster vom Moabiter Ratschlag e.V. einen Aufruf für den Beibehalt des Objektes als Unterkunft für von Wohnungslosigkeit bedrohte Personen verlesen, dem sich das Plenum anschloss. Den Bewohnern waren ihre Zimmer gekündigt worden. Dieser offene Brief ging nicht nur an die Hausbesitzer, sondern auch an den zukünftigen Mieter, einen Hostel-Betreiber. Von diesem hieß es, dass er Flüchtlinge in dem Haus unterbringen will. Tenor des Aufrufs war es, dass Obdachlose nicht ausgespielt werden sollen gegen Flüchtlinge. „Das wollten wir transparent machen“, so Elke Fenster. Daraufhin bekam sie Post eines Anwalts in Vertretung des neuen Betreibers, dass der neue Mieter nie vorhatte, dort Flüchtlinge unterzubringen.

Der Aufruf hat seine Wirkung nicht verfehlt, berichtete Quartiersrat Steve Rauhut (Refo), weil der neue Betreiber gegenüber Bezirksstadtrat Stephan von Dassel (Grüne) äußerte, vom Mietvertrag zurücktreten zu wollen. Es gibt ein breites Bündnis von Unterstützern, berichtete Steve Rauhut, die nicht zulassen wollen, dass die in der Berlichingenstraße 12 lebenden 28 Männer verdrängt werden. „Sie können hoffentlich weiter dauerhaft dort wohnen.“ Der Stadtrat hatte den Bewohnern in einem Brief seine Unterstützung zugesichert. Die momentane Rechtssituation ist, dass die Bewohner bleiben dürfen. Langfristig muss an dem Gebäude jedoch baulich viel getan werden. Durch den öffentlichen Druck kommt es nicht zu einem Rauswurf. Steve Rauhut hat die Hoffnung, dass ein Konsens mit den Eigentümern erreicht wird, auf jeden Fall „lohnt es sich zu kämpfen!“

Moderatorin Susanne Torka ergänzte, dass es auf http://wem-gehoert-moabit.de/ einen ausführlichen Artikel dazu gibt, dort ist auch der Brief verlinkt. Auch wir hatten im Artikel über das Januar-Plenum über die Berlichingenstraße 12 berichtet: http://www.moabitwest.de/Wohnen-in-Moabit-Schwerpunkt-des-Stadtteilplenums-am-19-Januar-2016.5740.0.html

Außerdem wies sie hin auf den 24. Februar. Da findet von 17 bis 19 Uhr ein Vernetzungstreffen zum Thema Berlichingenstraße 12 im JugendtheaterBüro Berlin, Wiclefstraße 32 statt. Im Anschluss wird um 19.30 Uhr ein Theaterstück zur Gentrifizierung aufgeführt. Es heißt „Berliner Pflanzen – Berlinli Bitkiler“ und stammt vomEnsemble Die Bunten Zellen“ aus dem „Theater der Erfahrungen“.

Schwerpunktthema des Plenums im Februar war eine neue Straßenbeleuchtung für den Kiez. Genauer gesagt ging es um die Bürgerbeteiligung bei der Auswahl von neuen Straßenlaternen in Moabit. Der Polizist Rüdiger Holstein hatte schon im Januar auf die aktuelle LED-Musterstrecke in der Waldstraße zwischen Turm- und Wiclefstraße hingewiesen. Die Moabiter – Anwohner wie Geschäftsleute in den betreffenden Straßenzügen – sollen an der Entscheidung beteiligt werden, welche Leuchten in Zukunft ihre Wege heller machen. „Schauen Sie sich bitte diese Lampen an und bewerten Sie diese auf dem Informationsblatt.“

Als Gast war dieses Mal Evelyn Hoffschröer zum Thema geladen. Sie ist in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt für „den winzigen Bereich“ Öffentliche Beleuchtung zuständig. Sie hatte zwei ihrer acht Kollegen dabei, Frau Fenk und Herrn Trinkler. Zu Beginn erläuterte sie kurz die aktuelle Situation und brachte dazu Zahlenmaterial mit. Ihr Bereich ist – neben „bedeutenden Anstrahlungen“ wie die der Siegessäule – verantwortlich für die rund 189.400 Elektroleuchten und 34.600 Gasleuchten, die z. Z. auf den Berliner Straßen und Plätzen stehen. Die Gasleuchten sollen laut Senatsbeschluss bis auf einen Restbestand von 3.000 Stück umgerüstet werden. 2015 kam der Moabiter Präventionsbeauftragte der Polizei, Karl Bösel, auf Evelyn Hoffschröer zu und wünschte mehr Licht auf den Straßen und Gehwegen im Kiez, um die Sicherheit und/oder das Sicherheitsgefühl der Bewohner zu verbessern. Die derzeitigen Gasaufsatzleuchten in den Seitenstraßen der Waldstraße müssten umgerüstet werden, um heller zu leuchten. Da hier kein denkmalgeschütztes Erhaltungsgebiet ist, müssen sie nicht erhalten werden. Außerdem sind sie aus energetischer Sicht unvorteilhaft, da rund 97 Prozent des Gases dieser Leuchten in Wärme und nicht in Licht umgewandelt werden. Würde das Gas in Strom umgewandelt, könnte man mit der Energie einer Gasleuchte 24 Elektroleuchten versorgen. 1.400 Berliner Gaslaternen wurden daher schon umgerüstet auf LED, was z. B. in der Kreuzberger Falckensteinstraße anzusehen ist. Was man wissen muss: eine auf LED umgerüstete Gasleuchte spart zwar viel Energie, strahlt aber nicht heller. Polizist Karl Bösel wollte aber mehr Licht in den Straßen von Moabit, für die er zuständig ist. Dafür müssen andere Laternentypen eingesetzt werden.

Die „neuen Quartiersleuchten für den Beusselkiez“

Aus diesem Grund entschloss sich der Senat dazu, die “Musterstrecke Waldstraße und Projektgebiet“ einzurichten. Hier werden derzeit an 49 Standorten sieben verschiedene Leuchtentypen präsentiert. Da es in der Waldstraße einen relativ untypischen breiten Mittelstreifen – „fast wie ein Park“ – gibt, bestehen Sonderanforderungen für die Beleuchtung im Vergleich zu normalen Wohnstraßen. Die modernen LED-Leuchten, die derzeit in der Waldstraße stehen, erinnern gar nicht an die alten Gaslaternen.

Die Idee ist, dass Bewohner und Gewerbetreibende mit aussuchen sollen, welche Leuchten endgültig aufgestellt werden. Neben der Waldstraße sollen dann weitere Wohnstraßen im Beusselkiez, z. B. Wiclefstraße und Oldenburger Straße, mit moderner, energiesparender LED-Technologie beleuchtet werden. Zum Zwecke dieser Bürgerbeteiligung liegt das Informationsblatt des Senats u. a. im Rathaus, bei der Polizei und im QM-Büro aus. Es wurden verteilt in den Geschäften der betroffenen Straßen, und auch im Internet kann man auf der Seite der Senatsverwaltung über die neuen Leuchten abstimmen. Ob es nun Typ „Avanza“, „Lucento“, „City Spirit“ oder eine andere der insgesamt wird, entscheiden alle, die mitmachen.

Zur Abstimmung gibt es Stimmzettel beim Quartiersmanagement Moabit West (Rostocker Straße 3, 10553 Berlin) und beim Polizeiabschnitt 33 (Perleberger Straße 61a, 10559 Berlin). Einsendeschluss ist der 30. April 2016. Im Internet kann man abstimmen unter: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/bauen/beleuchtung/de/abstimmung.shtml

Die Senatsverwaltung wird im Frühjahr auch Führungen durch die Waldstraße veranstalten, und zwar am 24.2. um 17.30 Uhr, am 9.3. um 18 Uhr, am 23.3. um 18.30 Uhr, am 6.4. um 20 Uhr und am 20.4. um 20.30 Uhr.

Im Mai wird ausgewertet, und das Ergebnis dieser ergebnisoffenen Befragung der Bürger wird dann bekannt gegeben. Evelyn Hoffschröer rechnet mit folgenden drei Ergebnis-Varianten: Gibt es ein eindeutiges Ergebnis für eine der sieben Leuchten, erfolgt die Umrüstung etwa 2018. Variante 2: Es gibt kein eindeutiges Ergebnis, dann wird es ggf. eine Neubestückung/Erweiterung der Musterstraße geben. Bei Variante 3 (keine oder zu wenig Resonanz) bleibt alles, so wie es ist, es passiert also nichts. Frau Hoffschröer zeigte und erläuterte Beispiele zu bisher in Berlin eingesetzten Leuchtentypen, z. B. am Oliver Platz, Ludwigkirchplatz, die so genannte Friedrichstadt-Leuchte usw. Momentan werden gerade 5.000 Elektroleuchten auf LED umgerüstet.

Dass man auf der Seite der Senatsverwaltung anonym abstimmen kann, auch bei dem Informationsblatt, ist so gewollt: „Die Hemmschwelle sollte so gering wie möglich sein.“

Auf die Frage aus dem Plenum, wie man sicherstellen kann, dass nur Bewohner der betroffenen Straßen mitmachen, antwortete sie, dass das nicht geht. Es ist nicht auszuschließen, dass sich andere Leute an der Abstimmung beteiligen.

Simone Motzkus, Anwohnerin, Mitglied der Stadtteilvertretung und Quartiersrätin, findet die LED-Leuchten nicht heller als die Gasleuchten. Eine Prüfung des Senat ergab aber das Gegenteil, entgegnete Evelyn Hoffschröer. Die schwächste in der Waldstraße eingesetzte Leuchte hat 1.000 Lumen (91 Lumen pro Watt), die stärkste Leuchte hat 2.700 Lumen (57 Lumen pro Watt).

Doris, eine Anwohnerin, fragte, ob noch weitere Straßen von einer Umrüstung der Gaslaternen betroffen sind. – Hoffschröer: Potentiell sind alle Gasleuchten betroffen, außer den Leuchten in den vom Landesdenkmalsamt beschlossenen Erhaltungsbereichen, z. B. im Viertel Voltstraße in Wedding und in einigen Teilen Charlottenburgs.

In welchem Zeitraum amortisiert sich die Umrüstung? – Hoffschröer: bereits in neun Jahren, da Fördermittel der EU mit hineinkommen.

Online kann eine Person 100 Mal anklicken, dass die Gasleuchten erhalten werden sollen. Was passiert dann? – Hoffschröer: Das kann passieren. Wir wissen noch nicht, ob umgerüstet wird, aber es gibt langfristig das Ziel eines klimaneutralen Berlins.

Matthias Schnauss vom Moabiter Ratschlag e. V. lobte das ergebnisoffene Verfahren und dass darüber diskutiert wird. Da es ja aus Sicherheitsgründen heller werden soll: gibt es dazu etwas Empirisches? Und wollen die befragten Leute es auch heller, wenn sie wissen, dass ihre Gaslaternen dafür wegkommen? Darauf antwortete Polizist Karl Bösel, da er „als Schuldiger genannt wurde.“ Er bringt Verständnis auch für Aspekte wie Nostalgie und Heimatverbundenheit auf, aber als Polizist geht er natürlich von der Kriminalitätsrate aus. Er möchte, dass es weniger geknackte Autos in den Straßen mit den nostalgischen Gaslaternen gibt, und ist überzeugt davon, dass ein erhöhtes Entdeckungsrisiko durch mehr Licht die Täter abschreckt. Harte Zahlen zu den Diebstählen aus Kraftfahrzeugen gibt es. Außerdem würden sich Senioren nicht vor die Tür trauen, wenn es „so funzlig“ ist. Da müsse man Abhilfe schaffen.

Georg Thieme, Anwohner und Vertreter des Geschäftsstraßenmanagements Turmstraße, bemerkte, dass die alten Leuchten deutlich dunkler geworden seien. Er erfragte, ob es eine Messung gäbe. Direkt um die neuen Leuchten hingegen findet er es sehr hell, doch die Lichtstreuung sei nicht groß, so dass die Umgebung viel dunkler erscheine. Er verglich einige der Muster-Leuchten in der Waldstraße mit Schreibtischlampen, die für eine Straßenlaterne zu fokussiert seien. - Frau Hoffschröer: Der klassische Weg nach der Entscheidung für einen Leuchtentyp ist, dass ein Lichtplaner genau schaut, wie die Leuchten optimal im Straßenraum platziert werden, damit so etwas wie mit der zu dunklen Umgebung nicht passiert. Das wurde bei der Musterstrecke noch nicht gemacht, weil das Ganze sonst zu teuer geworden wäre.

Kann man die Muster-Leuchten heller oder dunkler machen? – Evelyn Hoffschröer: ja, sie werden genau angepasst an den entsprechenden Standort. „Wir können gut umrüsten, so dass man keine Veränderung des Lichts merkt“, bemerkte sie. Aber es wäre schön, mal etwas Neues auszuprobieren, außerdem gab es ja den polizeilichen Wunsch nach einer helleren Straßenbeleuchtung.

Volker Elingshausen stellte sich vor als pensionierter Lehrer, der Stadtführungen macht. Seine Tochter wohnt in Moabit, weshalb er hier viel mit dem Enkel im Kinderwagen spazieren geht. Er setzt sich mit einer Petition für den Erhalt der Gasleuchten ein. In seinem Flugblatt heißt es: „Mit dem Vorwand der Kriminalitätsprävention will der Berliner Senat die historischen Gaslaternen in Teilen Moabits komplett abbauen und durch billige LED-Elektroleuchten, wie sie in der Waldstraße zu besichtigen sind, ersetzen.“ Berlin sei die Welthauptstadt der Gaslaternen, weltweit steht die Hälfte hier. Andere Städte würden Berlin darum beneiden, führte Volker Elingshausen an. Düsseldorf wolle mindestens 4.000 Gaslaternen erhalten, also mehr als Berlin, wo nur 3.000 erhalten werden sollen. London wirbt mit Gaslaternen und stellt sie wieder auf. Er bezeichnet sich als Realist und findet, dass sie nicht überall erhalten werden müssen, „aber wenigstens in den gewachsenen Gründerzeitgebieten!“ Eine akzeptable Lösung wäre es, die vorhandenen Laternen auf LED umzurüsten, dann bleibt wenigstens die Optik gewahrt wie in der Falckensteinstraße. Gerade sammelte er hier in den betroffenen Moabiter Straßen Unterschriften, darunter von 54 Geschäftsleuten. Diese Liste wurde Baustadtrat Spalleck überreicht. Er und Bezirksbürgermeister Hanke stimmten zu, so Volker Elingshausen, und wünschten sich auch die optische Erhaltung der Gaslaternen, egal ob mit oder ohne LED. Er betonte, dass es in nicht kriegszerstörten Gründerzeitvierteln wie Prenzlauer Berg keine Gasbeleuchtung mehr gibt, weil sie dort zu DDR-Zeiten leider entfernt wurden. Anders sei das in Moabit. Da es hier um lediglich etwa 400 Leuchten geht, würden die „den Senat auch nicht umbringen.“ Laut Kriminalitätsatlas 2013 ist Moabit West eines der am wenigsten belasteten Gebiete. Er empfindet die polizeiliche Prävention daher als vorgeschobenes Argument, um hier umzurüsten. Das Lichtkonzept des Senats von 2015 beinhaltet ein behutsames Vorgehen. Mehr Licht verbessert nicht unbedingt die Sicherheit. Sind die Kontraste zur Umgebung stark, kann zu viel Licht sogar verunsichern. Mehr Licht = mehr Sicherheit, diese Gleichung könne nach Meinung von Volker Elingshausen allzu leicht in die Beleuchtungsfalle locken. Aus diesem Grund plädierte er für den wenigstens optischen Erhalt der bestehenden Situation in Moabit. Die neuen Leuchten bezeichnete er als „Ikea-Ästhetik“. „Solche Laternen passen in neu gebaute Einfamilienhausviertel, nicht aber in Gründerzeitgebiete.“ Außerdem sei es lächerlich, das Ganze auf nur vier Straßen in Moabit zu beschränken.

An der Anwohnerbefragung des Senats bemängelte er, dass kein qualifiziertes Ergebnis möglich sei, weil auf dem Informationsblatt und der Internetseite die Variante fehlt, die historischen Gasleuchten zu erhalten.

Karl Bösel rechtfertigte noch einmal seine Position. Es gibt mehr aufgebrochene Autos, Schlägereien sowie mehr Angst vor Straßenraub, wenn es zu dunkel ist. Er hat Vertrauen in die Lichtplaner, dass es durch eine Umrüstung auf jeden Fall besser würde. Moabit sei zwar ein Gründerzeitgebiet, Berlin aber eine Millionen-Stadt und allein in Moabit leben 75.000 Einwohner. Sicherheit gehe da doch vor Geschmack und Nostalgie.

Evelyn Hoffschröer betonte, dass bei allen Umrüstungen eine komplette neue Leuchte installiert wird. Auch die Masten werden also demontiert, daher ist das Wort „Umrüstung“ eigentlich nicht korrekt. Die Gasleuchte kommt in die Werkstatt, wird wieder aufgearbeitet und kommt dann an einen Gasleuchtenstandort. Im Moabiter Projektgebiet geht es nur um 150 bis 160 Gasleuchten. Zur Anwohnerbefragung: Wenn einem keine Leuchte gefällt, braucht man nichts anzukreuzen, sondern kann einen Kommentar hinterlassen.

Steve Rauhut lobte die Bürgerbeteiligung, kritisierte aber gleichzeitig das Verfahren, dass man oft anklicken kann. Außerdem wird er als Fahrradfahrer von den Straßenlaternen oft geblendet, daher sein Wunsch für die Befragung: Die bestehenden Gaslaternen mit LED-Bestückung müssten als Variante bei der Abstimmung angeboten werden.

Ein Anwohner aus der Emdener Straße monierte, dass eine Gasleuchte bei ihm in die Hochparterrewohnung blendet und Gaslaternen außerdem eine Energieverschwendung sind. Der Nachteil der Umrüstung sei seiner Meinung nach aber, dass die Straßen aufgerissen werden. – Evelyn Hoffschröer beruhigte ihn damit, dass Straßen und Gehwege nicht komplett aufgerissen werden müssen bei der Demontage der Laternen.

Quartiersrätin Simone Motzkus beobachtet die Beleuchtung in Moabit seit längerem. Ihr fiel auf, dass Laternen vielleicht nur mal geputzt werden müssten, damit sie heller strahlten. An der Kreuzung Wiclef-/Waldstraße z. B. findet sie es sehr dunkel, aber dort würde Reinigen sicher auch ausreichen. An anderen Stellen hingegen leuchten die Lampen sogar tagsüber, da wird Energie verschwendet. Motzkus wünscht sich, dass auch die historische Variante bei der Befragung berücksichtigt wird. Und was passiert, wenn die Befragten sich entscheiden, dass gar nicht umgerüstet werden soll? - Hoffschröer: Dann wird die Waldstraße einheitlich bestückt mit Elektro-LED-Leuchten mit weißem Licht, während in den anderen Straßen die Gasleuchten erhalten bleiben. Der Ansatz war jedoch, dass es heller wird auf den Straßen, so der polizeiliche Wunsch. Deshalb wurde der Erhalt der historischen Laternen bei der Anwohnerbefragung gar nicht als Variante aufgeführt.

Herr Bhaduri ist für Gaslaternen, „aber in der Waldstraße brauchen wir viel Licht wegen der Kriminalität!“ Außerdem hätte der Senat bereits eine Million – Evelyn Hoffschröer präzisierte „3,8 Mio Euro“ – durch die Umstellung auf LED eingespart.

Anwohnerin Doris machte Volker Elingshausen ein Kompliment für sein Engagement für den Erhalt von Berlins Gaslaternen und fragte, wer bestimmt, dass Denkmalschutz größeren Einfluss in Charlottenburg als in Moabit hat? Sie vertrat die Ansicht, dass echte Bürgerbeteiligung Hinhören der Behörden bedeute, was die Bürger möchten und nicht. Es sollte nicht darum gehen, sich das eigene Ziel absegnen zu lassen.

Volker Elingshausen: Die Gaslaterne ist eines der am meisten bedrohten Kulturgüter. Gaslaternen bleiben nur in einigen kleinen Gebieten Berlins stehen. Seiner Meinung nach blenden sie nicht, wenn sie in die Wohnung hinein leuchten.

Evelyn Hoffschröer: Es gibt keine behördliche Pflicht zur Bürgerbeteiligung bei der Beleuchtung. Sie ist aber dankbar für jede Kritik. Wenn die Anwohner mitteilen, dass sie die Gasleuchten behalten wollen, dann behalten sie sie. Außerdem greift sie die Kritik am Abstimmungsverfahren auf und lässt prüfen, ob man feststellen kann, von wie vielen IP-Adressen aus abgestimmt werden kann bzw. ob das technisch noch zu ändern ist.

Um ein - natürlich nicht repräsentatives - Meinungsbild im Plenum bat Susanne Torka. Es gab also eine Abstimmung darüber, wer für den Erhalt der historischen Gaslaternen ist, und wer für helleres Licht durch neue Leuchten in Moabit? Die Mehrheit meldete sich für die Gaslaternen.

Zur Beleuchtung des Fritz-Schloß-Parks befragt, berichtete Evelyn Hoffschröer vom Lichtkonzept, an dem sie von 2008 bis 2011 mitgearbeitet hatte. Die Bezirke wurden gefragt, welche Wege in Grünanlagen beleuchtet werden sollten. Das Ergebnis steht im Lichtkonzept. Parkwege könnten vom Bezirk gewidmet werden, nur dann könne der Senat sie beleuchten. Im Fritz-Schloß-Park ging es um drei Wege, die beleuchtet werden sollten. Laut Susanne Torka gab und gibt es sehr unterschiedliche Meinungen dazu. Ein Teil der Beleuchtung des Fritz-Schloß-Parks landete im Ottopark.

Eine Anwohnerin regte sich darüber auf, warum es keine Beleuchtung im Fritz-Schloß-Park gebe, die anderen Parks wären ja auch beleuchtet. Herr Trinkler entgegnete, dass der Ottopark schon vorher vom Senat beleuchtet wurde. Polizist Karl Bösel ergänzte, dass es sehr viel Kriminalität im Ottopark und wenig im Fritz-Schloß-Park gab. - Hat sich das geändert? - Bösel: Ja, die erfolgreichen baulichen Interventionen im Ottopark führten zu weniger Kriminalität.

Wer sich für weitere Details zur „neuen Quartiersleuchte für den Beusselkiez“ interessiert, hier die Kontaktdaten:

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
Abt. X Tiefbau - Objektbereich Öffentliche Beleuchtung
Württembergische Straße 6
10707 Berlin
E-Mail: beleuchtung[at]senstadtum.berlin[.]de

Störungen bzw. Schäden an den öffentlichen Beleuchtungsanlagen
Vattenfall Europe Netzservice GmbH
BerlinLicht
Puschkinallee 52
12435 Berlin
Tel.: 0800 1102010 (kostenfrei)
E-Mail:
BerlinLicht[at]Vattenfall[.]de

Störungsmeldung an Vattenfall

Lichtkonzept
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
Frau Reich-Schilcher
Brückenstraße 3
10179 Berlin-Mitte
E-Mail:
claudia.reich-schilcher[at]senstadtum.berlin[.]de

Termine und Verschiedenes:

Susanne Torka: Für Häuser mit Sozialwohnungen gibt es Flyer, die über den Mietzuschuss aufklären, bitte verteilen!

Die Geschichtswerkstatt Tiergarten, die am 9.2.2016 startete, findet immer dienstags statt, man kann noch dazu stoßen. Es geht um Einkaufen und Kneipen in Moabit über die Jahrhunderte, die Ladenstruktur in der Wilsnackerstraße wird analysiert, und im April gibt es eine Führung durch den Großmarkt.

Die Berichte der vergangenen Stadtteilplena finden Sie wie immer unter folgendem Link: http://www.moabitwest.de/Das-Stadtteilplenum.171.0.html 

Text & Fotos: Gerald Backhaus