Suche

Newsletter bestellen für


Veranstaltungen

Sonntag, 07. August 2016 , 12:00 Uhr

4. Gütermarkt 2016

Sonntag, 04. September 2016 , 12:00 Uhr

5. Gütermarkt 2016

Samstag, 10. September 2016 , 14:00 Uhr

Moabiter Kiezfest 2016

Sonntag, 02. Oktober 2016 , 12:00 Uhr

6. Gütermarkt 2016

Logo EnergiesparratgeberMit dem EnergieSpar-Ratgeber können Sie Heiz- und Stromkosten senken

Cordula Stobernack, Carl-Bolle-Grundschule

Cordula Stobernack

Das Schulhaus von der Straßenseite aus
Die Schulleiterin vor dem Namensgeber
Der Schulhof
Cordula Stobernack auf dem Schulfest 2010
Carl Bolle in groß im Schulkorridor...
...und hier etwas aus seinem Lebenslauf

"Mir macht es ganz viel Freude, mit Kindern zu arbeiten. Ich sehe gern etwas wachsen und werden," sagt Codula Stobernack über ihre Motivation, jeden Tag in die Carl-Bolle-Schule zu kommen. Dabei hat sich das Berufsbild eines Schulleiters total geändert, erzählt sie. "Sie sind nicht mehr der Erste unter Gleichen, sondern eine Art Manager. Sie müssen einen Betrieb managen." Vieles wird heute aus der freien Wirtschaft übernommen, wie zum Beispiel Zielvereinbarungen und Qualitätskontrollen, so die Frau, die sich auskennt. Stobernack, die im Grunewald aufwuchs und schon immer Sprachen liebte, wollte zwar seit frühester Kindheit Lehrerin werden, startete ihr Berufsleben aber zunächst in der Werbebranche. Sie leitete vor ihrem Germanistikstudium an der FU Berlin zeitweise ein Familienunternehmen. Damit hat sie einen großen Vorteil gegenüber vielen ihrer Berufskollegen, die nach der Schule gleich auf die Uni gingen und von dort wieder in die Schule kamen, also nur die Sphäre von öffentlichem Dienst und Verwaltung kennen. Dass die Schulen heute transparenter werden und Personalentwicklung stattfindet, findet sie sehr gut. "Aber das Handwerkszeug, um den engagierten Kollegen Freiräume für die aufwändige Schulentwicklungsarbeit zu geben, das haben wir leider noch nicht. Man bekommt einen anderen Blick für die Dinge, spürt aber auch die Grenzen." Ein Beispiel für diese Grenzen hat sie gleich parat. Schulleitungen tragen die Gesamtverantwortung, so sieht es das Schulgesetz vor. Dazu gehört ja nicht nur, dass korrekt unterrichtet wird, und dass die Schule auch organisatorisch auf die individuellen Bedingungen der Schülerinnen und Schüler ausgerichtet ist. Letztlich ist eine  Schule heute auch ein "Dienstleistungsunternehmen", und als solches ist sie auf Leistungsträger und Mitarbeiter, die sich mit dem Ganzen identifizieren, angewiesen. Wie aber kann Schulleitung hier im Sinne der Gesamtverantwortung ein großes Engagement "belohnen"? Auch das Berufsbild des Lehrers hat sich stark verändert. Es ist durch die vermehrte konzeptionelle Arbeit, Evaluationen, Profilbildung der Schule und einen deutlich größeren Anteil der erzieherischen Arbeit viel komplexer geworden. Das Ermöglichen gleicher Bildungschancen für alle Kinder ist eine Herausforderung, deren Bewältigung nur durch gute Teamstrukturen und eine bereit gefächerte Professionalisierung des Kollegiums in unterschiedlichen Bereichen zu erreichen ist. Erfolg und Wertschätzung sind die eine Seite, aber diesen Dingen auch Zeit und Raum zur Entwicklung geben zu können, ist ein nicht zu unterschätzender Motivationsschub. Aber diese zeitliche Entlastung ist in unserem Kontingent nicht vorgesehen. Das ist sehr schade, denn so verschiebt sich das Bild von Erwartungen und Voraussetzungen.

Bevor sie nach Moabit kam, unterrichtete sie an einer Schule in Wedding. Cordula Stobernack war Klassenlehrerin von 1. bis 6. Klassen. "Während dieser Zeit habe ich zwei Schlenker gemacht." Für mehrere Semester erfüllte sie neben ihrer Lehrertätigkeit einen Lehrauftrag an der TU, wo sie in Seminaren Lehramtsstudenten auf ihre Unterrichtspraktika vorbereitete und diese auch abnahm. "Das war ein großer Kontrast, bis mittags hatte ich die Kleinen und nachmittags die Großen," erinnert sie sich. "Kinder da abzuholen, wo sie gerade sind," findet sie keine glückliche Formulierung für Methodik, aber was damit gemeint ist, dahinter steht sie voll und ganz. Mehrere Jahre lang bildete sie im Stadtbezirk Mitte Lehrer zum Thema "Binnendifferenzierung" fort. Bei dieser Maßnahme, die sie selbst entwickelte, und zu der die Teilnehmer ein halbes Jahr lang einmal in der Woche kamen, ging es darum, Kinder richtig zu fordern und zu fördern. Das praktizieren sie und ihr Kollegium auch jetzt jeden Tag in der Carl-Bolle-Schule. "Bei Überforderung reagieren Kinder mit Abwehr, bei Unterforderung mit Langeweile, in der Schneise dazwischen muss man sich bewegen, am besten einen Tick über der Normalanforderung." Im Idealfall bekommt also jedes Kind die Anforderung, die es braucht. "Es ist absolut herstellbar, im Unterricht verschiedene Niveaus anzubieten. Wochenplanarbeit, Lernbüfett und Projektarbeit sind zum Beispiel gut dafür geeignet, einen Inhalt so zu strukturieren, dass unterschiedliche Zugänge und Bearbeitungen möglich sind." 

Cordula Stobernack führte ihre alte Schule im Wedding gemeinsam mit einer Kollegin in eine Fusion mit einer anderen Schule zu der jetzigen Anna-Lindh-Schule. "Dabei habe ich gemerkt, dass es mir sehr liegt, eine Schule zu organisieren." Sie bewarb sich in Moabit und kam 2006 als kommissarische Schulleiterin an die Carl-Bolle-Schule. Schon als Lehrerin wurde ihr ein besonderer Blick für diejenigen nachgesagt, die besonderer Hilfe bedurften. "Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen benachteiligt sind, so wie zum Beispiel Kinder mit Förderbedarf oder Lernschwierigkeiten, liegen mir besonders am Herzen." Ihnen etwas zu geben, das ausgleicht und sie stärkt, das hat sie schon immer motiviert.

Momentan besuchen die Bolle-Schule mit ihren rund 60 Mitarbeitern, etwa 370 Kinder. Ein geburtenstarker Jahrgang wurde in diesem Jahr eingeschult. "Manchmal habe ich in einem Monat eine Variation von zehn Schülern," so die Schulleiterin. Diese hohe Fluktuation kommt durch das Einzugsgebiet zustande, "da hier viele Migrantenfamilien nur zeitweise leben und in dann andere Stadtteile umziehen." Die Kinderschar der Schule stammt aus 23 Herkunftsländern. Hauptanteil sind  Mädchen und Jungen aus türkischen, arabischen und libanesischen Familien, aber auch polnische Kinder kommen verstärkt. Daher ist die Vermittlung deutscher Sprachkenntnisse unabdingbar und eine der erfolgreichen Hauptsäulen der Bildungsarbeit der Schule. "Es ist schön, zu beobachten, wie schnell die Kinder bei uns Fuß fassen, weil sie durch unser intensives Sprachförderprogramm recht schnell Deutsch gelernt haben. Um so trauriger sind dann die Kinder und auch die Lehrerinnen und Lehrer, wenn durch einen Umzug dieser Prozess der Integration unterbrochen wird, denn oft haben wir auch schon eine vertrauensvolle Elternarbeit aufgebaut." Aber gegen eine preiswertere Wohnung in einem anderen Bezirk sind dann alle machtlos. 

"Fritzchen kann noch nicht lesen und rechnen. Ich hab nicht genug Geld und viel zu wenige Lehrer." Diesen Blick sollte man sich keinesfalls aneignen. Aufbauend und lustmachend ist das Gegenteil, so Cordula Stobernack: "Die wichtigste Voraussetzung für die Arbeit an einer Schule ist, dass man nicht defizitorientiert, sondern ressourcenorientiert denkt und handelt."

Mehr Details zur Schule finden Sie unter: www.carl-bolle.cidsnet.de

 

 

Text und Fotos: Gerald Backhaus