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Das "Theater 89" in der Moabiter Putlitzstraße

Bei der Produktion DEINE SCHNAUZE WIRD DIR IN SIBIRIEN ZUFRIEREN © Vera Rüttimann

Geschäftsführer Hans-Joachim Frank

Verstecktes Kleinod entdeckt!

Moabit hat ein neues Theater

Man nehme: 

1 verwunschenen alten Gemeindesaal aus dem Jahre 1905 (mit allem, was dazugehört: Parkett, Empore, großartigem Flair)

1 schon in der DDR gegründetes vielfach preisgekröntes Freies Theater – das theater 89  

und führe sie in Moabit zusammen: Da kommen spannende Theatertage mit brisanten politischen Themen auf die Moabiter zu. Im Hinterhaus der Pulitzstraße 13 in Moabit versteckt sich ein architektonisches Kleinod: Ein historischer Gemeindesaal mit ungeheurem Charme – wie geschaffen für ein ebenso einzigartiges kleines Theaterjuwel wie das theater 89.  

1987 als erstes Freies Theater der DDR von dem ehemaligen Berliner Ensemble-Mitglied und heutigen Geschäftsführer Hans-Joachim Frank gegründet, setzt sich das theater 89 seit seiner Gründung im Schwerpunkt kritisch mit den Idealen des Sozialismus und Kommunismus auseinander, das Theater hat aber darüber hinaus im Laufe der Jahre eine Vielzahl von Stücken unterschiedlichster Autoren aufgeführt, darunter etwa Beckett, Böll, Bauer, Büchner, Fleißner, Goethe, Hochhuth, Serreau und Shakespeare um nur einige zu nennen.

Das theater 89, bislang in der Torstraße ansässig war, stieß auf der Suche nach einer neuen Wirkungsstätte auf den historischen Gemeindesaal in Moabit. Das Ensemble wusste gar nicht, worüber es sich mehr freute: Über den charismatischen Saal oder den bunten Stadtteil. „Moabit ist lebendig, eine tolle Mischung aus unterschiedlichsten Leuten“ schwärmt Frank. Der Mietvertrag läuft noch bis Ende 2014 –so lange wie die Konzeptförderung, die dem Ensemble das Überleben ermöglicht. Die vom Senat eingesetzte Kommission zur Neuvergabe der Förderung hat bedauerlicherweise das theater 89 nicht mehr empfohlen.

Das ist schade und die Spielzeit daher auch zunächst nur bis zum Ende der Förderung beplant: Bis dahin wollen Frank und sein Ensemble das Projekt „Erinnerung“ vorantreiben und wenn möglich vervollständigen. 

Das Projekt „Erinnerung“ befasst sich mit Entstehung und wirtschaftlichem Zusammenbruch der DDR und dem damit einher gehende ideologische Desaster:

„Deine Schnauze wird Dir in Sibirien zufrieren“ – die Erinnerungen des Berliners Erwin Jöris (mittlerweile 100 Jahre alt), der Konzentrationslager der Nazis und den Gulag überlebt hat. Der erste Teil („Spartakus und Reichskanzlei“) wurde bereits im April 2013 uraufgeführt, auf zwei weitere Teile („Hinterhöfe der Weltrevolution“ und „Eis Eis Eis“) darf das Publikum noch gespannt sein. 

Ebenfalls im Rahmen des Projekts „Erinnerungen“ erarbeitet das theater 89 drei Stücke um „Gipfelgespräche“: Zunächst die Gespräche zwischen Stalin, Pieck, Ulbricht und Grotewohl, dann die zwischen Chruschtschow, Kennedy und Ulbricht und schließlich diejenigen zwischen Kohl, Krenz und Gorbatschow. 

Mit einer Uraufführung am 6. September 2013 wird in der neuen Spielstätte in der Pulitzstraße aber zunächst ein Stück ausserhalb des Projekts „Erinnerung“ präsentiert: Aufgeführt wird „Das Sex-Patent“, von Hans-Henner Hess in einer Inszenierung von Gabriele Förster, bei dem es um eine düstere Zukunft geht, in der die Sexualfunktionen der einzelnen Menschen nicht mehr ihrem freien Willen überlassen werden, sondern einem Patentschutz unterliegen und teuer bezahlt werden müssen. 

Moabit darf sich also auf spannende Theaterarbeit freuen und vielleicht fördert der Senat ja auch mal entgegen der Empfehlung seiner Kommission dieses kulturelle Kleinod in einer kulturell eher schwach ausgeprägten Region.

Auf Nachtkritik.de finden Sie einen detaillierten Bericht über die gestrichene Konzeptförderung für das Theater 89, Dank dafür an die dortigen Kollegen: http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=8430&catid=126

Spielplan und mehr unter www.theater89.de

 

 

Text: Claudia Voggenreiter / Theaterfotos: Vera Rüttimann/ Fotos Direktor: GB