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Dienstag, 28.01.2014

Die Straßenbahn kommt - Bericht vom Stadtteilplenum im Januar 2014

Matthias Horth berichtete von den Straßenbahnplänen
Andreas Szagun von der AG Verkehr
Die Landschaftsarchitektin Margret Benninghoff und Katharina Homann vom Moabiter Ratschlag e.V. (von rechts)

 

Fährt sie durch die Turmstraße oder Alt-Moabit? - Neues über die Straßenbahn gab es beim Stadtteilplenum im Januar 2014

Die Straßenbahn kommt nach Moabit, so viel steht fest. Aber wo genau wird die Tram lang fahren? Und wann kommt sie? Das bis auf den letzten Platz stark besuchte Stadtteilplenum am 21. Januar 2014, organisiert vom QM Moabit West und dem Moabiter Ratschlag e.V., stand ganz im Zeichen der Verlängerung von Straßenbahnlinien.

Doch zunächst gaben die Landschaftsarchitektin Margret Benninghoff und Katharina Homann vom Moabiter Ratschlag e.V. einen Bericht über die Umgestaltung des Spielplatzes hinter dem Stadtschloss, also zwischen Rostocker und Berlichingenstraße. Seit Sommer 2013 gab es im Auftrag des Bezirksamts Mitte ein Verfahren zur Kinder- und Jugendbeteiligung und jetzt steht die fertige Planung. Der wellige Asphaltbereich bleibt erhalten, neu gestaltet werden hingegen die kleine Sandecke, die u. a. einen steinernen Wachhund bekommt. Die große Sandfläche wird durch Spielgeräte aufgewertet. Das Herzstück des Spielplatzes - der ovale Platz mit der Pergola - bekommt teilweise ein schattenspendendes Dach. Die defekte Wippe und das Karussell werden ausgetauscht und es wird ein weniger "kaputtbares" Sitzkarussell angeschafft. Zur großen Freude vieler Kinder bekommt der Bolzplatz einen Kunstrasen, und die Kletterwolken-Skulptur wird zum "Frechen Fred".

Zum Hauptthema des Plenums, der Straßenbahnführung nach Moabit, gab Matthias Horth, der für den ÖPNV Zuständige in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, den neuesten Stand der Planungen bekannt. Die gut 2 km lange Tram-Strecke von Mitte bis zum Hauptbahnhof durch die Invalidenstraße ist noch nicht fertig. Sie soll voraussichtlich 2015 in Betrieb genommen und darüber hinaus weiter nach Moabit verlängert werden. Wie die Bahn vom Hauptbahnhof zur U 9 am U-Bahnhof Turmstraße gelangen wird - diese vorläufige Endstation steht fest - ist noch unklar. Überlegt wird, so Matthias Horth, ob die Trasse nördlich durch die Rathenower Straße und die Turmstraße oder weiter südlich und gradlinig durch die Straße Alt-Moabit bis hin zum U-Bahnhof Turmstraße verlängert wird. Bei beiden Varianten gibt es laut eines Kriterienkatalogs Plus- und Minuspunkte. Das erbrachte eine Untersuchung im Auftrag des Senats. Durchgeführt wird sie u.a. von der Firma Intraplan, Deutschlands "Päpsten für Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen", so Horth. Für die rund 2 km lange zweigleisige Turmstraßen-Variante mit drei Haltestellen spricht vor allem eine deutlich bessere Erschließung im nördlichen Moabit, dagegen stehen u.a. höhere Kosten (14,3 Mio. Euro) und die große Kurvigkeit der Strecke. Bei der 1,6 km langen südlicheren Streckenführung durch Alt-Moabit mit zwei Haltestellen, u.a. an der Einmündung zur Kirchstraße, ist es genau umgekehrt: Kosten "nur" 11,8 Mio. Euro, viel geringere Kurvigkeit, dafür aber eine schlechtere Erschließung und eine teilweise Überschneidung mit dem Einzugsbereich des S-Bahnhofes Bellevue.

Unklar ist auch noch, ob die Straßenbahn eigene Trassen mit Gleisbett bekommt oder auf Schienen, die direkt in der Straße verlegt werden, im Autoverkehr "mitschwimmt". Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Matthias Horth zeigte dem Plenum sowohl die Turmstraßen- als auch die Alt-Moabit-Variante im Querschnitt und wies auf die Unterschiede hin, die für und gegen einen besonderen Bahnkörper mit den Straßenbahngleisen oder Gleise in der Straße sprechen. Fest steht vor allem eines: Verfügt die Tram über einen eigenen Bahnkörper, schneidet sie - was Schnelligkeit und Pünktlichkeit angeht - generell besser ab als der Bus.

Bis jetzt spricht sich das Untersuchungsvotum mit 42 zu 39 Punkten knapp für die Süd-Variante durch Alt-Moabit aus. Beim Stadtteilplenum hingegen sprachen sich alle Redner unter den Gästen für die Turmstraßen-Variante aus, darunter auch Andreas Szagun von der AG Verkehr des Moabiter Ratschlag e.V. Diese AG beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit der Tram. Er sieht vor allem verkehrstechnische Probleme, wenn die Straßenbahn auf der übergeordneten Hauptverkehrsstraße Alt-Moabit (23.000 Autos am Tag) fahren sollte. Auf der Turmstraße wurden nur 8.000 Autos am Tag gezählt. Für die Nord-Variante spricht vor allem auch der Wunsch nach weiterer Verlängerung der Linie gen Westen.

Unklar ist außerdem, wo genau die Tram eigentlich ihre Endstation haben soll: ob im Bereich der Thusneldaallee vor der Heilandskirche oder am Rathaus Tiergarten. Auf den dritten Rang kam bei der Bewertung eine Endhaltestelle in der Jonasstraße (34 Punkte), mit 35 Punkten etwas besser schnitt die "Seitenlage Kleiner Tiergarten / Alt Moabit" ab. Favorit mit 37 Punkten ist die Endhaltestelle "Mittellage Alt Moabit in der westlichen Thusneldaallee", die gut zu realisieren wäre, aber die Verlängerungsoption Richtung Beusselstraße nicht gut berücksichtigt. Andreas Szagun von der AG Verkehr kritisierte zudem, dass sie beide Kreuzungen nördlich und südlich der Thusneldaallee blockieren würde. Für eine Endhaltestelle direkt in der Turmstraße gab es noch keine abschließenden Bewertungen. Möglich wäre eine Haltestelle auf der Mittelinsel am U-Bahnhof Turmstraße, was optimale Umsteigemöglichkeiten bieten würde. "Alles mit Wendeschleife scheidet aus," sagte Matthias Horth. Es werden Zwei-Richtungs-Fahrzeuge mit Führerhäusern vorn und hinten eingesetzt. Die seien städtebaulich verträglicher, aber teurer und enthalten weniger Sitzplätze als die Straßenbahnmodelle mit nur einem Führerhaus.

Vielen Plenumsbesuchern wäre es am liebsten, wenn gleich eine Streckenverlängerung über die Turmstraße hinaus bis hin zum S-Bahnhof Beusselstraße und von dort zur Seestraße mitgeplant würde. Jürgen Schwenzel von der AG Verkehr appellierte an die Bezirkspolitiker, dieses Anliegen auf Landesebene durchzusetzen.

Es liegt jetzt am zuständigen Bezirk Mitte, sagte Senatsvertreter Horth, sich zur Trassenführung zu positionieren. Vielleicht spielt auch eine Rolle, ob und was für ein Einkaufszentrum ins Schultheiß-Gelände in der Stromstraße kommt? Das Bezirksamt stoppte jedenfalls schon einmal vorsorglich seine Planungen für die Umgestaltung des Kleinen Tiergartens östlich der Stromstraße wegen der Straßenbahnpläne. Neue Bäume müssten sonst vielleicht wieder weichen, wenn die Straße für die Tram verbreitert werden muss. Auf Reaktionen aus dem Plenum ging Matthias Horth konstruktiv ein: ja, auch eine U-Bahn nach Moabit wurde geprüft, sie sei aber im Vergleich zur Straßenbahn viel zu teuer und auf Jahrzehnte nicht möglich, weil Berlin andere U-Bahn-Projekte mit viel größerer Priorität habe. Außerdem werde die S21 vom Nordring Richtung Hauptbahnhof viel Verkehr abfangen. Kappt man die momentan drei Buslinien, die durch die Turmstraße fahren, wenn die Tram kommt? "Ein Bus wird sicher überleben, aber nicht parallel zur Straßenbahn." Warum überhaupt eine Straßenbahn, sind die Busse nicht besser? Das verneinte Horth, weil eine Straßenbahn ab einer bestimmten Fahrgastzahl die bessere Variante für die Stadt sei. 15.000 Busgäste zählt die Turmstraße momentan pro Tag, schon ab 7.000 Passagiere lohnt sich eine Tram, denn "ein Straßenbahnfahrer befördert zwei bis drei mal so viele Leute wie ein Busfahrer." Dadurch würden sich die Investitionskosten für die Tram irgendwann amortisieren. Ein Teil der momentan 15.000 Fahrgäste zwischen Hauptbahnhof und Beusselstraße seien zwar Menschen, die zum oder vom Flughafen Tegel führen, der Großteil aber fährt nur zwischen Hauptbahnhof und Moabit oder innerhalb Moabits. Eine Nachnutzung Tegels als Hochschule würde "ähnlich viel Quell- und Zielverkehr wie der Flughafen bedeuten". Das sei allerdings hypothetisch und alle Prognosen dahingehend schwierig.

Dass die Tram angeblich schlechter getaktet würde als die Buslinien, entkräftete Matthias Horth. Die M10 wird aus dem Osten kommend bis zum Hauptbahnhof ganztägig und zwischen 6 und 24 Uhr in sehr dichter Taktfolge verkehren, teilweise sogar aller fünf Minuten. Das wäre auch auf der weiterführenden Strecke nach Moabit möglich. Horth rief die Anwesenden dazu auf, ihre Positionen dazu zu benennen, damit sie eventuell in die Planungen mit einfließen können: "Wir sind noch im Prozess, und Sie können sich einbringen!" Auch wenn momentan noch nichts hieb- und stichfest ist, was die Moabiter Straßenbahn angeht, hat sich das informative Plenum über das sehr komplexe Verkehrsvorhaben also sehr gelohnt. Als optimistischen Ausblick führte Horth die französische Hauptstadt an. Paris nahm in den letzten Jahren 20 km neue Straßenbahnlinien in Betrieb und dient den Berliner Verkehrsplanern als Vorbild, auch was die städtebauliche Aufwertung durch Straßenbahnen angeht.

Wer sich intensiver informieren möchte, hier ein Tipp: Die Fachzeitschrift SIGNAL vom Berliner Fahrgastverband IGEB berichtet detailliert über die Straßenbahnpläne:http://signalarchiv.de
http://signalarchiv.de/Meldungen/10002649

Zum Ende der Veranstaltung wurden von Moderatorin Susanne Torka die Themen der kommenden Plena bekannt gegeben: im Februar wird es um die Verkehrsmaßnahmen am Neuen Ufer und in der Sickingenstraße gehen sowie um die Frage, wie man eine Initiative gründet, um z. B. seine Straße zu verschönern. Beim Märzplenum steht "Armut in Moabit" im Fokus, dazu sind Betroffene aufgerufen, sich zu melden und über ihre Lage zu berichten. Annette Kraß wies auf die weiteren Bunbury-Termine des Moabiter Theaterspektakels hin: http://www.moabitwest.de/Moabiter-Theaterspektakel-spielt-Oscar-Wilde-ab-25-Januar-geht-es-weiter.5099.0.html und Rudolf Blais auf die Petition zum Kleinen Tiergarten.

Text & Fotos: Gerald Backhaus, Plakat: Moabiter Ratschlag