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´Drei Walnüsse für Aschenbrödel´

- Heidrun Knief-Schneiker vom BUND Moabit (Mitte, knieend) und Wolfgang Leder, Leiter des Baumreviers vom SGA Mitte (ganz rechts) beobachten das Einsetzen des Walnussbaumes (Foto: Johannes Soldner, Naturlehrpfad Moabit)
Jetzt ist es vollendet: mit dem Walnussbaum, der am Samstag, 21 April an der Ecke Waldstr./Waldenser Str. gepflanzt wurde, sind Gehwege und Grünstreifen der Waldstraße wieder voll ´be-baumt´.
Alle halfen mit, den Baum an seinem neuen Platz einzupflanzen, wo er -wenn er gesund bleibt- die nächsten 140 Jahre stehen bleibt.
Insgesamt 37 neue Bäume wurden in den letzten Tagen in der Waldstraße im Bereich zwischen den Einmündungen von Wiclef- und Waldenserstr. gepflanzt, unter anderem auch drei Walnuss-Bäume.

- Die Blätter des Blauglockenbaumes sehen denen des Trompetenbaumes ähnlich, der ebenfalls aus Asien stammt (Foto: Wikipedia)
Darüber hinaus wurden verschiedene Zierobstbäume wie Birne, Kirsche und Apfel gesetzt.
Diese stehen vornehmlich im Gehwegbereich, da sie nur kleine Kronen entwickeln, aber stark blühen.
Im Mittelstreifen wurden dafür verschiedene Ahornbäume, Eschenarten und Eichen gesetzt.
Diese Laubbäume entwickeln große, Schatten spendende Kronen.
Ein für das Berliner Straßenbild sehr ungewöhnlicher Baum ist der Blauglockenbaum (=Polownia tomentosa).
Blauglockenbäume stammen ursprünglich aus Asien und wurden bisher eher in klimatisch wärmebegünstigten Regionen Europas angepflanzt.
Der "Exot" treibt im Frühjahr. noch bevor die Blätter kommen, blauweiße glockenförmige Blüten aus. Er bekam einen Platz ziemlich genau in der Mitte des Grünstreifens, nahe der Rosen-Pergola.
Die Pflanzung des Blauglockenbaumes in der Waldstraße ist für Wolfgang Leder ein Experiment, mit dem die Tauglichkeit des Baumes für das öffentliche Straßenland im städtischen Bereich testet.

- Barbara Hüppauf ist aktives Mitglied der Gruppe Naturlehrpfad Moabit. (Foto: Johannes Soldner)
Einige Tage zuvor hatten die Mitarbeiter des Straßen- und Grünflächenamtes (SGA) dort 20 Robinien gefällt, die durch Schwammbefall im Stammbereich stark geschädigt waren. Dadurch waren die Bäume zum Unsicherheitsfaktor geworden. Schwamm ist eine häufig auftretende Alterserscheinung bei den feuchtigkeitsempfindlichen Robinien, die eine durchschnittliche Lebenserwartung von 50 – 60 Jahren haben.
Die Fällung der Robinien veranlasste die Akteure des Naturlehrpfades Moabit, über mögliche neue Bäume in der Waldstr. nachzudenken. Die Gruppe interessiert sich für alles, was mit Sträuchern, Pflanzen und Bäumen auf öffentlichem Straßenland in Moabit geschieht und engagiert sich für den Erhalt und den Schutz der Natur im Stadtteil. Darum hat sie einen guten Kontakt zu Herrn Leder, dem Leiter des Baumreviers des SGA Mitte.
Die Naturlehrpfad-Akteure erarbeiteten eine Vorschlags-Liste von Bäumen –speziell von ´fruchtenden´, d.h. fruchttragenden Bäumen, die von ihrer Konstitution her geeignet sind, um im öffentlichen Straßenland überleben können. Dies war der besondere Wunsch von Barbara Hüppauf. Ihr war aufgefallen, dass Kinder aus dem Kiez wenig darüber wissen, dass Bäume auch Früchte hervorbringen und wünschte sich deswegen, dass unter den neuen Bäume auch solche sein sollten, auf denen Essbares wächst.
Herr Leder konnte dieses Anliegen gut nachvollziehen, und wählte für die Neubepflanzung in der Waldstr. nicht nur Zierobstbäume sondern auch 3 Walnussbäume aus. Die haben den Vorteil, dass sie nicht nur zu den fruchttragenden gehören, sondern außerdem nicht allzu pflegeintensiv sind – ebenfalls ein starkes Argument für den Leiter der Baumabteilung.

- Der letzte der drei Walnuss-Bäume – und damit der letzte von allen neuen Bäumen in der Waldstraße- wurde am Samstag unter eifriger Mitwirkung von großen und kleinen AnwohnerInnen an seinem neuen Platz eingepflanzt. (Foto: Johannes Soldner)
Die neuen Bäume kommen alle aus der Baumschule und haben deswegen zurück geschnittene Wurzelballen. Die Wurzeln werden erst jetzt, nach dem Einpflanzen, ungehindert wachsen können.
Eine Faustregel besagt, dass ein Baum ca. drei Jahre braucht, um seine Wurzeln zu entfalten und an einem neuen Platz richtig anzuwachsen. Erst dann hat er sein Wurzelwerk so ausgebildet, dass er in der Lage ist, sich selbst zu versorgen.
So lange dauert es, bis ein Hauptwurzelstrang Kontakt mit dem Grundwasser bekommt. Bis dahin ist ein Baum auf zusätzliches Wasser von außen angewiesen.
Auf dem freien Feld ist das der Regen. In der Stadt genügt die Menge an Regenwasser, die an den wenigen unversiegelten Stellen einsickern kann, nicht, um die Bäume alle mit Wasser zu versorgen, da muss gegossen werden.
Das SGA wird zwei Mal pro Woche die Bäume wässern. Um den Bäumen im Sommer bei Hitzeperioden über ´Durststrecken´ hinweg zu helfen, wurden die Wurzelballen vor dem Einpflanzen mit einem Substrat bestreut, dass Wasser aufnimmt, speichert und langsam wieder abgibt, so dass der Wasserhaushalt der Bäume auch ausgeglichen ist, wenn der Regen einmal für längere Zeit ausbleibt.
Rund 10 Liter am Tag benötigt so ein neu eingepflanzter Baum – an heißen Tagen auch mehr.
„Das ist eine Gießkanne am Tag“, sagt Heidrun Knief-Schneiker vom BUND Berlin, die ebenfalls in der Gruppe Naturlehrpfad Moabit aktiv ist. „Vielleicht finden sich ja in der Waldstraße Anwohner, die sich im Sommer um den Baum vor ihrem Haus kümmern“, hofft die Umwelt-Ingenieurin.

- Baumscheiben von neu gesetzten Bäumen werden mit Granulat aufgefüllt. Das SGA hat damit gute Erfahrungen gemacht.(Foto: Johannes Soldner)
Bei den Neuanpflanzungen in der Waldstraße hat Wolfgang Leder eine neue Methode zum Schutz und zur Unterstützung der Bäume angewendet: Die Baumscheiben sind nicht, wie bisher üblich, mit Grund abgedeckt.
Stattdessen wurden die Baumscheibe um den Baumstamm herum mit einer rund 20 cm starken Lage Lavagranulat aufgefüllt: zunächst wird eine Schicht dunkler Steine eingebracht, die Minerale an die Erde abgeben.
Darüber kommt eine zweite Schicht aus hellen Steinen zur Abdeckung an der Oberfläche.
Lavagranulat bietet einige Vorteile gegenüber der herkömmlichen Methode. Zunächst schützt die Vielzahl kleiner, kantiger Steine die Erde im Bereich der Baumscheibe davor, sich z.B. durch Druck oder durch das Gewicht parkender Wagen zu verdichten.
Wenn das geschieht, haben die neuen Wurzeln kaum noch die Möglichkeit, zu wachsen und sich auszubreiten. Außerdem erleichtert Lavagranulat die Pflege.
"Die Steine verhindern die Verkrautung der Baumscheiben“, sagt Wolfgang Leder. „Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass Baumscheiben, die mit hellem Lavagranulat abgedeckt sind, nicht so schnell vermüllen. Zudem sind solche Baumscheiben auch sehr viel weniger mit Hundekot verschmutzt; Hunde mögen die hellen Steine offensichtlich nicht so sehr“. Umso lieber mag Herr Leder sie.

- Wolfgang Leder, Leiter des Baumreviers das SGA Mitte, im Gespräch mit einem Anwohner. (Foto: Johannes Soldner)
Trotzdem können die Baumscheiben wie bisher bepflanzt werden. Das Pflanzloch muss nur etwas großzügiger angelegt werden, da die Erdschicht unter den Steinen freigelegt werden muss.
„Vorsicht beim Graben“, warnt Heidrun Knief-Schneiker, „Stamm und Wurzelwerk dürfen nicht verletzt werden! Denn: dem Baum geht es gut, wenn es den Wurzeln gut geht“.
Wenn wir also mit den neuen Bäumen pfleglich umgehen, haben wir in ein paar Jahren wunderschön blühende Zierobstbäume entlang der Gehwege und große Laubbäume mit üppigen Kronen im Mittelstreifen der Waldstraße.
Auf die Walnüsse im Herbst müssen die Kinder im Kiez allerdings noch etwas länger warten: Walnuss-Bäume tragen in der Regel ab dem 30. Lebensjahr. Die drei, die jetzt eingepflanzt wurden, sind aber mit ihren 20 Jahren erst noch „Teens“.
Die ersten Nüsse in der Waldstrasse gibt’s dann also vermutlich 2017. Das sind doch schöne Aussichten!
Wolfgang Leder
Baumrevier des Straßen- und Grünflächenamt, Bezirksamt Mitte
Tel: 2009 3 3108
mobil: 0173 625 48 61
E-Mail: wolfgang.leder[at]ba-mitte.verwalt-berlin[.]de
Dipl.-Ing. Heidrun Knief-Schneiker
Netzwerk für 20 grüne Hauptwege in Berlin
BUND Berlin e.V.
Crellestr. 35
10827 Berlin
Fon: +49 - (0)30 - 78 79 00-32
Fax: +49 - (0)30 - 78 79 00-18
E-Mail: schneiker[at]bund-berlin[.]de








