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Geschichte des Ortsteils Moabit

Die Insel Moabit

die Insel Moabit von oben betrachtet
Moabit ist einmal komplett von Wasserstraßen umgeben

Traditioneller Industriestandort, dicht bebautes Wohngebiet, dieser Ortsteil des Bezirks Mitte wird von natürlichen und künstlichen Wasserstraßen umgeben.

Die Spree, der Charlottenburger Verbindungskanal, der Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal, sowie West-, Nord- und Humboldthafen grenzen Moabit ein. Aber erst seit 1875, dem Jahr der Fertigstellung des Charlottenburger Verbindungskanals, nachdem der Berlin- Spandauer Schifffahrtskanal 1859 eröffnet wurde, ist Moabit, mit seinen 21 Brücken, tatsächlich eine Insel.

Das ländliche Moabit

Quelle: Postkarte Mitte Museum
In der ersten Hälfte des 19. Jh. war Moabit noch Ausflugs- und Vergnügungsort und hatte noch ländliche Züge. Die Moabiterbrücke , zuerst Baillif brücke 1821 aus Holz errichtet, wurde in den Jahren1868-69 neu gebaut. Sie war die erste Brücke Moabits und stellte die Verbindung mit dem südlichen Tiergarten her.

Lange bestand der „Hintere Tiergarten“ (frühere Bezeichnung von Moabit) ausschließlich aus Moor-, Heide- und Waldlandschaft. Im späten 17.Jahrhundert stand ein einziges Haus, nämlich das des kurfürstlichen Zaunwärters, im Wald.

Erst im Jahre 1716 entstand die erste Kolonie. Zwischen der heutigen Strom- und Werftstraße wurden 24 Parzellen an Hugenotten, französische, religiös verfolgte Flüchtlinge, vergeben, um Wohnhäuser und Maulbeerbaumplantagen zur Seidenraupenzucht zu errichten.

Der Name „Moabiter Land“ entstand höchstwahrscheinlich mit dieser ersten Ansiedlung der Hugenotten und wird 1738 erstmals erwähnt. Er geht zurück auf das Land der Moabiter, das im Alten Testament Asylland für die flüchtenden Israeliten war. So wie die Israeliten das gelobte Land Kanaan über den Jordan sehen konnten, waren die Franzosen von der florierenden und anziehenden Stadt Berlin durch die Spree getrennt.

Die französischen Einwanderer scheiterten mit ihren Unternehmungen sehr bald und verkauften ihre Grundstücke an wohlhabende Berliner, die sich dann Landhäuser errichteten.

Mehrere Gasthäuser und Schänken entstanden, unter anderen das des Franzosen Martin. Das Gebiet nord-westlich der französischen Kolonie verdankt ihm den Namen „Martinickenfelde“.

Moabit blieb also lange Ausflugs- und Erholungsort, vor allem für die „kleinen Leute“ aus Berlin.

Im 19. Jahrhundert: die Industrialisierung

aus: Engel, Jersch-Wenzel, Treue: Geschichtslandschaft Berlin - Tiergarten, Moabit, Nicolai-Verlag, 1987.
der Firmensitz der Meierei Bolle an der Straße Alt-Moabit

Im Jahre 1801 zählte Moabit 120 Einwohner. Ende des 19. Jahrhunderts dagegen wohnten dort schon 93 463 Menschen.
Grund dafür war die florierende Industrialisierung, die hauptsächlich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts das Leben des Viertels prägte.

Die erste Phase der Industrialisierung fand am Ufer der Spree, im Gebiet Alt-Moabit, Stromstraße, Kirchstraße statt. Verschiedene Industriezweige siedelten sich dort an.

Schon 1835 verlegte F. A. Schumann seine Porzellanmanufaktur von Sachsen nach Moabit. In der Nähe gründete Schomburg 1853 seine Porzellanfabrik, so dass das Gebiet Standort der Moabiter Porzellanindustrie wurde und das Luxusprodukt Porzellan zum Gebrauchsgut wurde.

1836 entstand die Maschinenbauanstalt der königlichen Seehandlung.

Als 1847 August Borsig, der „Lokomotivkönig“ ein neues Eisenwerk (mit später bis zu 2000 Beschäftigten) an der Stromstraße, Kirchstraße und Alt-Moabit errichtete, wurde diese Gegend nördlich der Spree ein bedeutender Industriestandort.

1879 nahm die Carl Bolle Molkerei die Arbeit auf, expandiert 1886 auf dem Gelände der Schumann Porzellan-Manufaktur und entwickelt sich zum modernsten Betrieb der Branche in Europa.

Der östliche Teil Moabits wurde außerdem von Militär und Justizeinrichtungen geprägt. 1847 wurde das Zellengefängnis fertig gestellt, dann in der Nähe andere Strafanstalten, sowie Gerichte (1906: Neues Kriminalgericht, Turmstraße), Exerzierplätze und 1848 die Kaserne des 2. Garde-Ulanen-Regimentes.

aus: S.T.E.R.N. GmbH: Beusselkiez & Hutteninsel; Transit Buchverlag 1994. S.93
Industriegebiet und Hutteninsel im Jahre 1929

Seit der Eingemeindung 1861 gehört Moabit verwaltungsmäßig zu Berlin und wurde bei den neuen großen städtischen Bebauungsplänen berücksichtigt. Die Infrastruktur wurde ausgebaut: neue Straßen angelegt, neue Wohnungen (Siedlung Neu-Moabit), neue Brücken, Kanäle gebaut. Die Transportmittel entwickelten sich, 1900 fuhr die erste elektrische Straßenbahn durch Moabit. Das Stadtbild des Viertels änderte sich rapide.

Die daraus resultierende Bevölkerungszunahme ist auch Ursache für die Errichtung von Schulen (1852: erste staatliche Schule), Kirchen (St. Johanniskirche, von Schinkel entworfen und vom König bezahlt), Krankenhäusern (1872, Krankenhaus Moabit) und Markthallen (1891, Arminius Markthalle). Das Kraftwerk Moabit wurde 1899 gebaut.

Die zweite Phase der Industrialisierung fand im heutigen Moabit-West statt. Auf den Martinickenfeldern gründete L. Löwe 1888 die Waffen- und Munitionsfabrik. Zusammen mit AEG nahm er lange eine dominierende Stellung im sozialen und politischen Leben des Viertels ein.

Das 20. Jahrhundert und die Perspektiven

aus: S.T.E.R.N. GmbH: Beusselkiez & Hutteninsel; Transit Buchverlag 1994. S.40
Ein Streikposten wird von 10 Schutzleuten verhaftet, 1910

Die wirtschaftliche Krise, die Rezession und die zum erheblichen Teil miserablen Wohn- und Lebensbedingungen führten die Arbeiterbevölkerung Moabits zum starken politischen Bewusstsein. 1910 demonstrierten in Tiergarten 150 000 Berliner gegen das Dreiklassenwahlrecht. Der Streik in der Sickingenstraße im September 1910 fand eine internationale Resonanz in der Presse. Während der Mai-Feier 1929 kam es auch in Moabit zu blutigen Straßenkämpfen. Soziale Konflikte führten regelmäßig zu Mieter- oder Arbeiterstreiks, die in gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei endeten.

Aus den Standesamtsbezirken Moabit, Tiergarten-Viertel, Untere Friedrichstadt, Schöneberger Vorstadt und unter Einbeziehung des Tiergartens und des Zoologischen Gartens entstand nach der Verwaltungsreform von 1920 der Bezirk Tiergarten.

Foto Heimatarchiv Charlottenburg
Im Jahre 1948 waren die Spuren des Krieges noch allgegenwärtig. Hier an der Ecke Beusselstraße/Zwinglistraße waren viele Häuser von Bomben stark beschädigt worden. Diese Häuser wurden später abgerissen.

Als die NSDAP an die Macht kam, mussten viele Sozialdemokraten und Kommunisten ihren Widerstand gegen das Regime mit ihrem Leben bezahlen.
Die Synagoge in der Lewetzowstraße wurde während des Progroms des 9. Nov. 1938 verwüstet. Sie wurde 1941 das erste Sammellager in Berlin für die Deportation jüdischer Bürger. Vom Bahnhof Putlitzstraße wurden insgesamt 35 000 Menschen in die Vernichtungslager transportiert (Im Januar 2007 wurde eine Gedenksäule am Eingang Quitzowstraße aufgestellt).

Schon im November 1943 wurde besonders der Beusselkiez stark von Bombenangriffen getroffen. Nach den Endkämpfen im April und Mai 1945 waren über zwei Drittel des Wohnraums zerstört. Die Straßen glichen einer Trümmerlandschaft.

Im Jahr 1945 wurde Tiergarten, also auch Moabit, Teil des britischen Sektors. Der Wiederaufbau musste geleistet werden, da so viele Gebäude zerstört oder stark beschädigt waren. Zwischen 1958 und 1961 wurde auch Moabit an das U-Bahnnetz angeschlossen. Der Westhafen wird 1956 in Betrieb genommen. Der Großmarkt Beusselstraße eröffnete 1965.

In den 60er und 70er Jahren wurden viele ausländische Gastarbeiter nach Berlin geholt. Sie zogen auch nach Moabit. Heute macht ihr Anteil um die 30% der Moabiter Bevölkerung aus, inzwischen in der dritten Generation. 

Foto Mitte Museum
Die Moabiter-Brücke im Jahre 2006. Im Hintergrund, auf dem ehemaligen Bolle-Meierei- Gelände am Spreebogen, die neuen Bauten mit dem Bundesinnenministerium. Die Brücke, mit den 1981 neu aufgestellten Bärenskulpturen von Günter Anlauf, steht jetzt unter Denkmalschutz.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 ist Moabit wieder ein Bestandteil des Zentrums von Berlin und wurde bei der Bezirksreform 2001 mit den Bezirken Mitte und Wedding zusammengelegt. Sie bilden zusammen den neuen Bezirk Mitte.

Infolge seiner Lage in unmittelbarer Nachbarschaft des Regierungsviertels wurden viele Neubauten wie z.B. das Bundes Innenministerium auf dem ehemaligen Bolle-Gelände gebaut. Neue Wohnungen am Moabiter Werder - vorwiegend für Regierungsangestellte - und der neue Hauptbahnhof (Lehrter Bahnhof), größter Kreuzungsbahnhof Europas, geben dem östlichen Teil von Moabit ein neues Erscheinungsbild.

Diese Veränderungen und Erneuerungen haben leider bisher wenig Einfluss auf das Leben der Menschen in Moabit West.

Frau Jacqueline Goineau