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Dienstag, 17.08.2010
19:00

Stadtteilplenum Moabit West

Sonntag, 29.08.2010
14:00 - 19.09.2010 14:00

Offener Garten 2010

Freitag, 03.09.2010
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Die Lange Nacht der Chöre

Freitag, 10.09.2010
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Turmstraßenfest

Samstag, 11.09.2010
11:00

Turmstraßenfest

Sonntag, 12.09.2010
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Turmstraßenfest

Samstag, 02.10.2010
14:00

Kiezfest für Moabit Ost

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Hall of Fame - Portraits von Ehrenamtlichen in Moabit West

Elf Portraits von Ehrenamtlichen in Moabit West

Als Hall of Fame wird eine Ruhmeshalle bezeichnet, in der die bedeutendsten Vertreter des jeweiligen Bereiches geehrt werden. Die vorliegende Hall of Fame ist eine Abwandlung davon, - denn wer wollte es wagen, zu beurteilen, wessen ehrenamtlicher Beitrag zum Leben im Kiez bedeutungsvoller ist als der Anderer? Darum wurden die elf Ehrenamtlichen, die in dieser Ausstellung portraitiert werden, auch nicht ausgewählt sondern im Rahmen des Ehrenamtstages 2005 ausgelost.

Das Ziel dieser Ausstellung ist es, einige der Menschen, die sich hier im Quartier im vergangenen Jahr 2005 / 2006 eingebracht haben, vorzustellen, um damit auch Anderen Mut zu machen und sie zu motivieren: es ist ganz leicht, sich, im besten Sinne, einzumischen - und die Wirkung ist enorm!  Die, die das bereits tun, erzählen in dieser Ausstellung ein wenig darüber und welche Bedeutung die ehrenamtliche Arbeit für sie hat.

Es hat mir viel Freude gemacht, mich meinen Gesprächspartnern und -partnerinnen mit meinen Fragen und dem Objektiv der Foto-Kamera nähern zu dürfen, und von jeder Begegnung habe ich etwas mitgenommen. Ich bedanke mich bei allen für ihr Vertrauen und ihre Offenheit.

Übrigens: eine andere Definition beschreibt eine Hall of Fame als eine „große, legale Fläche, an der oft große, gute Bilder zu sehen sind“. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Kennenlernen der portraitierten Ehrenamtlichen.         

 

               

Eveline Nieder

Eveline Nieder

Die Ehrenamts-Urkunde wurde ihr überreicht für ihr Engagement für den Dodoverein e.V., der das Dodohaus, den Kulturtreff in der Huttenstrasse, betreibt. Sie ist im Vorstand und hilft bei allen Veranstaltungen tatkräftig mit.

Das ist aber noch längst nicht alles – Eveline Nieder ist eine, die nicht wegguckt. Getreu ihrem Motto „Wenn einer Hilfe braucht – na, dann helfe ich eben, das ist doch selbstverständlich“ ist die gebürtige Berlinerin, seit sie 1980 in den Kiez zog, immer in irgendeiner Weise ehrenamtlich aktiv. Sei es der Nachbar, der sich nicht mehr alleine versorgen kann und Unterstützung benötigt, seien es Tiere, die besondere Zuwendung brauchen oder auch die Pflanzen, die das Straßenbild in ihrer Umgebung prägen: „Das hält mich frisch“, sagt die 69jährige.

Die Nachbarn fragen Eveline um Rat, wenn sie Probleme mit einer Behörde oder etwas zu klären haben. Jeder weiß: Eveline nimmt die Dinge in die Hand! „So war ich schon als Kind,“ erzählt sie und ihre Augen leuchten „ich bin in Oberschlesien auf dem Gestüt meiner Tante aufgewachsen, da musste jeder mit anpacken. Als wir 1945 von dort fliehen mussten, habe ich als Achtjährige die ganze Familie mit Essen versorgt – ich war nämlich gut im Organisieren!“ Ihre Augenfältchen lachen verschmitzt.

Auf dieses Talent greift Eveline auch heute noch so manches Mal zurück: mit ihrer kargen Rente kann sie z.B. keine Blumenzwiebeln oder Sträucher kaufen, um damit die Pflanzkübel vor ihrem Haus an der Hutten- Ecke Ufnaustraße oder ihre Balkonkästen zu bepflanzen. Sie hat allerdings inzwischen ausgezeichnete Kontakte zu den Gärtnern aus der nahe gelegenen Kleingarten-Kolonie – sie ist eben noch immer gut im Organisieren …

Fotografiert wird Eveline nicht so gerne - aber vor der Film-Kamera stand sie schon häufiger: als junge Frau wirkte sie in Nebenrollen bei den berühmten Märchenfilmen der DEFA mit, im Moabit-Video „Frühstück ab Acht“ spielte sie eine Kneipenwirtin und das tschechische Fernsehen drehte einen Dokumentarfilm über ihr Leben. Und im Dodohaus kann man sie bei jeder Veranstaltung live erleben, in farbenprächtige Kostüme und Gewänder gekleidet, die aus aller Welt ihren Weg zu Eveline Nieder in die Huttenstraße gefunden haben.

 

 

 

Sebastian Leenen

Sebastian Leenen

Der 33jährige Schlaks arbeitet seit 15 Jahren ehrenamtlich und engagiert sich immer für mehrere Sachen gleichzeitig. Die Ehrenamts-Urkunde erhielt er für seinen Einsatz für die Bethania Gemeinde und die Diakoniegemeinschaft e.V.: er arbeitet in der Gemeindeleitung, ist der Webmaster für die Internetseite der Gemeinde und, da er gelernter Kommunikations-Elektroniker ist, übernimmt er alle Aufgaben, die im technischen Bereich anfallen – und bei Bedarf auch darüber hinaus. Je nach dem, was gerade anfällt, kann man ihn auch im  Blaumann mit vollgestaubtem Gesicht und mit Werkzeug in der Hand antreffen. Das gehört für Sebastian mit dazu: „Hier dieser Kiez und die Bethania Gemeinde, die geben mir sehr viel Zuhause; diese Gemeinde ist ein sehr starkes und schönes Netzwerk. Wir achten aufeinander, “ sagt er.

Gerade hat er sein Studium zum Diplom Religionspädagogen abgeschlossen und darf sich nun Diakon nennen. Ihm ist bewusst: “Als Diakon muss man sehr viel ehrenamtlich arbeiten, das gehört dazu.“ Aus Erfahrung weiß er, dass ehrenamtliche Helfer gut daran tun, auf sich selbst zu achten: „Als Ehrenamtliche sind oft Leute tätig, die nicht Nein sagen können. Das ist eine Gefahr dabei, man muss als Ehrenamtlicher auch lernen, auf sich selbst zu achten.“

Sein Vorhaben ist kein Geringes: „Ich möchte Menschen in ihrer Entwicklung fördern; ich sehe hier im Kiez oft Menschen, die sehr verstrickt sind in sich selbst. Wenn ich so jemanden erlebe, macht mich das traurig, denn ich fühle, dass diese Leute nichts aus ihrem Leben gemacht haben. Ich sehe solche Leute, und erkenne mich selbst in ihnen, so, wie ich selbst vor einigen Jahren war, und ich weiß, dass ich diesen Menschen was geben kann.“

„Ich möchte mit meiner künftigen Arbeit ein Netz von Ehrenamtlichen aufbauen und selbst daran mitwirken. Die höchste Anerkennung, die man einem Ehrenamtlichen für seine Leistung geben kann, ist es meiner Meinung nach, ihm etwas zurück zu geben, dass ihm in seiner Entwicklung weiterhilft. Ich möchte gerne Angebote machen, Impulse und Anregungen geben für eine Entwicklung.“

 

 

 

Gaby Servatkiewicz

Gabriele Serwatkiewicz

„Gemacht, geboren und aufgewachsen in Berlin, in Charlottenburg – aber schon ganz nah bei der Gotzkowskybrücke “, sagt Gabriele Serwatkiewicz und der Berliner Mutterwitz blitzt aus ihren Augen. Vor sieben Jahren hat die 59jährige dann ´rübergemacht´, auf die Moabiter Seite. Seither lebt sie in der Waldstraße und fühlt sich dort sehr wohl. 

Hier hat sie nämlich alles nah beieinander: ihre Wohnung, Freunde und Freundinnen - und das SOS Kinderdorf Moabit und die Erlöser-Gemeinde am Wikingerufer. In beiden Einrichtungen ist sie als ehrenamtliche Mitarbeiterin regelmäßig anzutreffen. Bei SOS betreut sie den „Bücherwurm“, die hausinterne Bibliothek, in der Erlöser-Gemeinde unterstützt sie „Laib und Seele“, das soziale Projekt, das Lebensmittelpakete zum Preis von einem Euro an Bedürftige abgibt.

Als Gabriele Serwatkiewicz 1997 arbeitslos wurde und trotz Qualifikation und Weiterbildungen keine neue Stelle in Sicht war, ging sie in Frührente. Zugleich reifte aber auch ihr Entschluss, „etwas zu tun, was anderen zu Gute kommt.“ Sie schaute sich im Kiez um und überlegte, was ihr Spaß machen würde – und bot SOS und der Erlöser-Gemeinde ihre Mitarbeit an.

Die Arbeit im „Bücherwurm“ und die Mithilfe bei „Laib und Seele“ gefallen ihr gut. „Es macht mir Freude, etwas für Menschen zu tun, die nicht so gut dastehen“, sagt sie. „Und in den jeweiligen Teams fühle ich mich sehr wohl und aufgehoben; das ist so was wie eine zweite Familie für mich."

Durch eine ernste Erkrankung hat sie in den letzten Jahren gelernt, was geschehen kann, wenn man das eigene Wohlergehen vernachlässigt: „Soziales Engagement und die Achtsamkeit für sich selbst müssen ausgewogen sein. Gerade als Ehrenamtliche ist es wichtig, dass man sich nicht ´überzieht´und sich damit selber schadet“, sagt sie. 

Gabriele Serwatkiewicz sorgt für notwendige Ausgewogenheit in ihrem Leben und deshalb gibt es für sie auf die Frage, was sie sich für die Zukunft wünscht, eine klare Antwort: „So lange wie möglich mitarbeiten“!

 

 

 

 

Grit Liebner

Grit Liebner

Die 31jährige allein erziehende Mutter ist eine echte Brandenburger Pflanze aus Zeuthen. Nach Berlin kam sie der Liebe wegen, Sohn Peer ist inzwischen fünf Jahre alt – und alle Besucher des Nachbarschaftstreffs kennen ihn von seinen nachmittäglichen Besuchen bei Mama.

„Teilen ist eine wichtige Sache“, sagt die junge Frau und rückt die Stühle zurecht. „Teilen muss man lernen – und es gibt viele Leute, die das nicht können – oder nicht mehr können. Ich bringe meinem Sohn bei, dass es wichtig ist, zu teilen, und dass es nicht bedeutet, dass man weniger hat. An einer anderen Stelle bekommt man ja auch wieder etwas.“

Grit Liebner weiß, wovon sie spricht. Seit drei Jahren ist sie ehrenamtliche Mitarbeiterin im Nachbarschaftstreff des Nachbarschaftshauses Stadtschloss Moabit. Sie arbeitet unter anderem in der Küche mit, wenn dort die Kochgruppe das Mittagessen für die Nachbarn zubereitet.
Aber auch bei Veranstaltungen kann man auf sie zählen: kaum eine Feier im Stadtschloss, wo sie nicht als Helferin dabei ist, und bei vielen MoViT-Abenden (Moabiter organisieren Veranstaltungen im Treff) hat Grit Liebner nachmittags mit vorbereitet und sich am Abend um den Service gekümmert. Und wenn im Schulgarten Moabit einer der jahreszeitlichen Bazare stattfindet, sagt Grit Liebner auch nicht Nein, wenn sie als Helferin gefragt wird.

Die Arbeit im Stadtschloss und die kollegialen und menschlichen Kontakte, die dadurch entstanden sind, gefallen Grit Liebner: „Ich arbeite sehr gerne hier, denn hier habe ich alles, was ich mir immer gewünscht habe: Familie, Freunde. Hier stehen wir zusammen, hier können wir uns aufeinander verlassen.“

Ihr größter Wunsch:“ Ich würde gerne eine Ausbildung für den Service-Bereich in der Gastronomie machen. Diese Aufgabe habe ich ja auch im Treff und das macht mir großen Spaß. Am liebsten würde ich gerne selbst ein Café führen – gemeinsam mit den Menschen, mit denen ich gut zusammenarbeiten kann.“ 

Ihr zweitgrößter Wunsch: „Noch lange in der Küche des Nachbarschaftstreffs mitzuarbeiten.“

 

 

 

Hans Quaas

Hans Quaas

„57 Jahre, verheiratet, Sternzeichen Stier“ – so stellt der gebürtige Weddinger sich selbst vor. Er könnte auch genauso gut sagen: „DJ für Tanz-Partys“ oder „Hobby-Koch“ – auch das wäre zutreffend.

„Kochen ist meine Philosophie, damit kann man anderen eine Freude machen,“ sagt Hans Quaas. Am liebsten kocht er nach den Rezepten von Fernseh-Koch Tim Mälzer, „der hat eine sehr kreative Küche – und es ist trotzdem einfach nachzumachen.“ Wenn Hans übers Kochen spricht, gerät er geradezu ins Schwärmen: „Das ist wie bei der Musik: man kann Freude wie eine Blume weitergeben,“ sagt er und macht Blümchen-Augen. Man spürt, wie wichtig ihm dieses Thema ist. 

Dabei ist Hans Quaas beruflich einmal in eine ganz andere Richtung gestartet: er lernte Autoschlosser, fuhr dann aber als Binnenschiffer auf Rhein und Main und arbeitete später als Heizer bei der US Army „für 2,08 DM pro Stunde.- Jetzt ist es schon fast wieder so“, sagt Hans Quaas. Als Rentner kennt er das.

Er arbeitet ehrenamtlich in der Küche des Nachbarschaftstreffs mit, unterstützt den Hausmeister des Stadtschlosses und hilft im Computerraum. „Die Arbeit in der Küche des Treffs hat mir sehr gefallen, das Zusammenarbeiten mit den Kollegen haben wir immer irgendwie hingekriegt – trotz fliegendem Personal-Wechsel“, sagt Hans Quaas rückblickend. Zur Zeit ist er als ´Ehrenamtler´ im Freiwilligendienst hauptsächlich im Computerraum des Stadtschlosses tätig. Er hofft aber, bald wieder in der Küche ´mitmischen´zu können.

Hans Quaas ist ein religiöser Mensch geworden, nachdem er einmal eine Begegnung mit dem Tod hatte. Damals begann er, die Sinnfrage zu stellen; Antworten darauf fand er in seinem Glauben. Hans trat den Zeugen Jehovas bei. Wichtig sind ihm „Partnerschaft, Ehrlichkeit, Vertrauen und ein höflicher, rücksichtsvoller Umgang miteinander:“ „Kein faules Wort soll nicht aus deinem Munde gehen“, zitiert er dazu aus der Bibel.

 

 

 

Huda Wesha

Huda Weshah

Huda Weshah ist seit 1999 ehrenamtlich im Haus der Weisheit aktiv. Sie gibt dort jeden Samstag und Sonntag Arabisch-Unterricht für Kinder. „Das ist für mich keine Arbeit, das ist eher wie ein Hobby“, sagt die gebürtige Jordanierin, die seit  1992 in Berlin lebt. „Mir gefällt daran, dass ich den Kindern etwas geben kann. Den anderen Kindern möchte ich gerne dasselbe geben, wie meinen eigenen. Andere Kinder sind für mich wie meine eigenen, ich freue mich, wenn sie sich entwickeln, so wie man sich über eine Pflanze freut, die wächst und gedeiht.“

Anfangs war sie nur gefragt worden, ob sie vorübergehend eine erkrankte Arabisch-Lehrerin vertreten könne. Sie sagte zu – und entdeckte, wie viel Spaß ihr das Unterrichten machte. Ihre ursprünglichen Berufspläne waren auch tatsächlich in diese Richtung gegangen: eigentlich hatte sie vorgehabt, nach dem Abitur, dass sie noch in Jordanien ablegte, zu studieren, um Lehrerin zu werden.
Aber wie das häufig so geht: durch den Umzug nach Berlin, ihre Heirat, und die rasch aufeinander folgenden Geburten der beiden älteren Söhne ging das nicht mehr. Als Arabisch-Lehrerin im Haus der Weisheit kann sie nun einen Teil ihrer früheren Träume umsetzen. Eben darum bereiten ihr die Arabisch-Stunden ebensoviel Freude wie den Kindern. Anfangs hatte sie nur Vorschulkinder, jetzt kommen jedes Wochenende Kinder bis 15 Jahre in ihren Unterricht, um arabisch schreiben, lesen und sprechen zu lernen.
Ihre eigenen Kinder sind übrigens auch mit dabei. „Wenn ich über etwas spreche, was meinem Herzen nah ist, dann spreche ich arabisch“, sagt Huda. “Ich möchte gerne, dass meine Kinder auch arabisch lesen und schreiben können.“

Gelegentlich geht es auch um mehr als um Sprache lernen: „Wenn die Kinder oder ihre Familien irgendwelche Schwierigkeiten mit Deutschen haben, dann reden wir darüber auch. Sie fühlen sich manchmal wegen ihrer Herkunft abgelehnt. Ich sage ihnen dann immer, dass es nicht die Herkunft ankommt, sondern auf das Benehmen, das Auftreten in der Öffentlichkeit.“

 

 

 

 

Kerstin Trebbow

Kerstin Trebbow

Die gebürtige Rügenerin  („Ich bin ein Fischkopp“)  ist seit  2001 in Berlin / Moabit. Weil sie auch schon vor ihrem Umzug hierher viel ehrenamtlich gearbeitet hat, wollte sich Kerstin Trebbow im Quartiersmanagement - Büro erkundigen, wo und wie sie sich denn hier im Kiez engagieren könne. Dort liefen gerade die Vorbereitungen für das erste Frauenfest auf Hochtouren und man war froh über jede helfende Hand.

„So hat das hier mit mir angefangen“, sagt Kerstin und lacht. Heute arbeitet sie regelmäßig in der Kochgruppe des Nachbarschaftstreffs mit, sie hilft bei Festen und Veranstaltungen im Stadtschloss, unterstützt MoViT (Moabiter organisieren Veranstaltungen im Treff) und ist auch bei Basaren im Schulgarten immer bereit, einzuspringen.
„Manchmal ist es ganz schön anstrengend“, sagt Kerstin. „Aber es macht mir auch große Freude. Ich würde nicht so viel mitmachen, wenn das hier nicht für mich wichtig wäre. Hier ist es für mich wie eine Familie.“

Sehr angenehm findet die gelernte Bürokauffrau den guten Kontakt zu den Kollegen und den lockeren Umgang miteinander. „Der Austausch ist für mich wichtig, da kann ich mich gut integrieren. Und die vielen verschiedenen Nationalitäten, die hier zusammenkommen finde ich spannend.“

Kerstin weiß auch genau, worauf es ihr ankommt im Miteinander: „Umgangsformen sind mir wichtig. Wenn zu mir einer nicht nett ist, dann bin ich auch nicht nett! Aber die meisten Leute im Treff sind froh, dass es so was gibt, wo sie hingehen können, wo sie sich mit anderen treffen und miteinander quatschen können.“
 
Die Arbeit hat im Treff hat auch immer eine soziale Komponente: manchmal geht es auch darum, einem Menschen einfach nur zuzuhören; jemand anders hat ein Problem und braucht einen Ratschlag, und ein Dritter will eine Auskunft ….- aber für Kerstin ist das alles Teil ihrer ehrenamtlichen Arbeit: „Ich möchte nicht nur nehmen, ich möchte auch geben!“ sagt sie. „Und ich möchte gerne noch lange hier arbeiten.“

 

 

 

 

LInda Möhle

Linda Möhle

„Ich doch nicht“, wehrt die 42jährige Moabiterin ab, als  sie von dem Portrait über ihre ehrenamtliche Arbeit erfährt. „Ich mache doch gar nicht soviel; ich bin doch nur Elternvertretung in der Schule unserer beiden Ältesten.“

´Die beiden Ältesten´, das sind Klara (10 Jahre) und Hannah (8 Jahre). Sie besuchen die Wartburg-Grundschule. Ihr kleiner Bruder Theo, 3 ist noch im Kinderladen. In dieser Einrichtung ist Linda Möhle auch ehrenamtlich aktiv, seit sechs Jahren ist sie dort im Vorstand.

„Mein ehrenamtliches Engagement hat mit unseren Kindern zu tun; da ist natürlich auch ein Eigennutz dabei: da, wo man was erreichen will, etwas verändern oder bewegen möchte, muss man sich einbringen – und das ist eben manchmal unentgeltlich,“ sagt Linda Möhle, „und ich habe den Wunsch, mich einzubringen, um etwas zu verbessern. Für mich ist das selbstverständlich.“  Sie sieht das ganz pragmatisch: „Ehrenamtliches Engagement ist auch eine Zeitfrage, wenn man drei Kinder hat.“

Ihre Verantwortung als Mutter bezieht sich für Linda Möhle nicht nur auf den familiären Umkreis; sie sieht das auch in einem übergeordneten Zusammenhang: „Wenn ich mich ehrenamtlich engagiere, hat das ja Auswirkungen in verschiedene Richtungen. Es geht dabei ja letztendlich auch um gesamtgesellschaftliche Fragen, mit denen man sich beschäftigt, auch wenn es vordergründig nur mit der Schule oder dem Hort zu tun  hat. Und die eigenen Kenntnisse entwickeln sich dadurch ja auch weiter.“

So dicht dran zu sein, schärft den Blick, sagt Linda. „Ich bin ein Freund von kleinen Strukturen und Einheiten, weil man sich da mehr einbringen, mehr mitwirken kann. Man ist dichter dran und steht mehr im Austausch. Das war ein Hauptgrund, als wir die Schule für unsere Töchter ausgesucht haben. Die derzeitige Entwicklung im Schul- und Hortbereich macht es aber schwerer, dass Leute sich einbringen können. Ich würde mir wünschen, dass die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass andere leichter mitwirken  können.“

 

 

 

Mustafa Karaca

Mustafa Karaca

Mustafa ist im Kiez um die Oldenburger Strasse eine Institution. Mustafa kennt hier alle - und alle kennen ihn. Sein Zeitungsladen ist Anlaufstelle, Treffpunkt und Informations-Zentrale zugleich. Nicht selten rufen Eltern an und wollen wissen, ob das Töchterchen oder der Sprössling nach der Schule schon vorbei gekommen sei. Und meistens kann Mustafa sie beruhigen: „Heute war eine Stunde früher Schluss, da sind die Kinder zum Spielplatz in der Emdener Strasse gegangen,“ beruhigt er die Anrufenden ….

„Ich liebe Kinder,“ sagt der gebürtige Türke und breitet die Arme aus, als wollte er alle Kinder dieser Welt umschließen. „Früher habe ich immer gesagt: wenn ich mal Millionär bin, dann werde ich ein ganz großes Haus mit vielen Zimmern  kaufen. Da würde ich dann die Kinder aufnehmen, die keine Eltern haben; die könnten dann dort wohnen und würden dort unterrichtet; sie hätten dann da ein Zuhause.“
 
Als Kind wünschte er sich, Polizist zu werden, sein zweiter Lieblingsberuf war Lehrer. Er ist nichts von beiden geworden – und doch hat er beides in sein  Leben integriert: Mustafa mischt sich ein, wenn er mitkriegt, dass Kinder untereinander Konflikte haben:  „Wenn was nicht stimmt, sind immer beide Seiten beteiligt. Ich bin ein Anwalt der Kinder.“
 
Das hat ihn auch dazu bewogen, sich als Elternvertreter in der Hedwig-Dohm-Oberschule zu engagieren. Seine beiden älteren Söhne besuchen die Oberschule am Neuen Ufer und Mustafa verfolgt interessiert die Konferenzen, an denen er als Elternvertreter teilnimmt: „Ich finde es interessant, mitzukriegen, was alles so läuft in der Schule und wie etwas geplant und besprochen wird. In der Schulkonferenz werden so wichtige Frage wie Handyverbot oder Rauchverbot auf dem Schulgelände oder eine Schließanlage für die Eingangstüre diskutiert und entschieden.“
Zudem ist Mustafa auch als Trainer und Betreuer der Handballmannschaft seiner beiden älteren Söhne ehrenamtlich aktiv, getreu seinem Motto: „Man sollte nicht erwarten, dass alles von selbst kommt, sondern man muss selbst handeln.“

 

 

 

 

Hall of Fame - Portraits von Ehrenamtlichen: Simone Seipold

Simone Seipold

Die Ehrenamtsurkunde erhielt sie für ihre Mitarbeit im Quartiersrat. „Das hat eine gewisse Komik“, findet Simone Seipold, „schließlich nimmt der Quartiersrat nur einen winzigen Teil meiner Zeit in Anspruch. Der Hauptteil meiner ehrenamtlichen Arbeit ist es aber, den Träger Olle Burg zu vertreten; das ist enorm aufwändig und zeitintensiv und immer unbezahlt! Diese Arbeit kann sowieso nur jemand machen, der im Thema drin ist, das kann kein Außenstehender ´erledigen´. Das ist nur zu leisten, weil ich mich mit der Arbeit identifiziere – sonst ging das alles gar nicht. Ich glaube, das ist sowieso mein Ding: mich zu engagieren für das, was ich gut finde.“

Simone Seipold ist überzeugt: „Ich finde, Arbeit muss Spaß machen“. In der Kinder- und Jugendeinrichtung hat die Erzieherin viel Gelegenheit für Spaß dieser Art. Seit sechs Jahren ist die gebürtige Berlinerin im Vorstand der Ollen Burg e.V. „und vorher auch immer mal wieder, du weißt schon – das Rotationsprinzip“.  Ihr überlebensnotwendiger Ausgleich sind ihre Fahrradreisen: „Niemals würde ich darauf verzichten wollen!“

Simone Seipold hat in ihrer Kindheit und Jugend auch einiges von dem erlebt, was für viele Kinder aus der Ollen Burg Alltag ist: „Ghetto-Kind“ aus dem Märkischen Viertel und die Mutter allein erziehend. Sie hat gekämpft – im sprichwörtlichen wie im übertragenen Sinn. Mit Acht begann sie, Judo zu lernen: „ Das habe ich sehr intensiv gemacht, weil Judo eben mein ´roter Faden´ war. Mit 16 war ich schon ehrenamtliche Judo-Lehrerin für Kleinere.“

„Kinder sollten einen ´roten Faden´ haben, damit sie wissen, wo sie sich entlang hangeln können. Das bringt Selbstbewusstsein, da wird man aufgefangen. Da sind gemeinsame Interessen und Aufgaben und Ziele – da kommt man nicht auf dumme Gedanken. Das ist so wie hier bei uns mit dem Theater oder dem Fußball“.

„Das Leben  müsste für mich gerechter sein. Wenn ich mir anschaue, um welche Summen es bei  Banken- und Korruptions- Skandalen so geht und wenn ich dann sehe, wie wir hier ackern müssen, welchen Verwaltungsaufwand wir betreiben müssen, um nur einen Bruchteil davon zu bekommen, um damit gute Arbeit machen  zu können – das ärgert mich schon sehr!“

 

 

 

Hall of Fame - Portraits von Ehrenamtlichen:

Dorothea Gützkow

wird geehrt für ihre ehrenamtliche Arbeit in der Diakoniegemeinschaft Bethania e.V. und für die Bethania Gemeinde. Sie ist in der Gemeindeleitung tätig, macht Öffentlichkeitsarbeit und moderiert Gottesdienste, d.h., sie wählt die Lieder, Texte und Musiker aus und ist verantwortlich für Organisation, Ablauf und Themenfestlegung von Gottesdiensten.
Im Verein ist sie Ansprechpartnerin für einige Projekte der Diakoniegemeinschaft, ist zuständig für den Schaukasten und die Artikel auf der Internet-Seite und arbeitet mit am Gemeindebrief -  und außerdem vieles, was sonst noch so anfällt: Sonderveranstaltungen wie etwa die Kultur-Bethania mit Lesungen und Weinverkostungen, das St. Martins-Essen, und … und …. und ….

Man kann es kaum glauben, aber es kommt vor, dass Dorothea Gützkow „nichts zu tun hat“.  Dann kocht sie für die Gemeindemitglieder einen großen Topf Suppe - „denn ich finde es schön, wenn wir nach dem Gottesdienst nicht gleich auseinander laufen, sondern noch ein Weilchen zusammen sitzen, miteinander reden und gemeinsam essen.“

Seit 16 Jahren lebt die gelernte Krankenschwester in  Berlin. Hier studierte sie auch Sozialpädagogik und arbeitete danach in der Erziehungs- und Familienberatung. Wirklich glücklich war sie damit aber nicht. In einer Zeit voller Krisen und Zweifel kam eine unerwartete Wende: sie besuchte auf Einladung von Pastor Volker Tepp den Gottesdienst der Bethania Gemeinde – und ward „vom Blitz getroffen“, so beschreibt sie noch heute diese Erfahrung. Das Thema dieses Gottesdienstes berührte sie zutiefst. Sie erlebte es als etwas sehr persönliches – und wurde Mitglied der Gemeinde.

Das liegt jetzt sieben Jahre zurück. Inzwischen ist Dorothea Gützkow fest verwurzelt in der religiösen Gemeinschaft. „Ich bekomme so viel in der Gemeinde! Da, wo andere was für mich tun, möchte ich auch etwas für andere tun“, sagt sie. Die Basis dafür ist ihr Glaube. „Dorothea heißt Gottesgabe,“ sagt sie „und ich habe ein starkes Motto: Ich bin von Gott geliebt und angenommen – bedingungslos!“

 

 

Eva-Maria Kaes