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Großer Spielplatzaktionstag im Rahmen der Moabiter Olympiade auf dem Stephanplatz
Herbert Rücke
Moabit, Afrika, Asien, Lateinamerika, Moabit
Flache Hallen mit zwei Schornsteinen, die einem merkwürdig bekannt vorkommen, mitten auf einer Insel im Meer. Dies Bild hängt mit anderen ähnlichen im Nachbarschaftstreff in der Rostocker Straße. Farbig bemalte Digitalfotografien von Herbert Rücke. Es ist der Schlot des Siemens Turbinenwerks verdoppelt auf einem von Meereswogen umspülten Eiland. Symbol für die Hutteninsel oder für Moabit, das auch eine Insel ist? "Damit das Bild wirkt, mussten es zwei Schornsteine sein", sagt der Künstler. Aus zusammengesetzten Fotos entsteht eine neue Realität, Landschaften, die es so nicht gibt. Mit dem Fotografieren hat Rücke bereits in jungen Jahren angefangen und mit dem Malen seit seiner Kindheit nie aufgehört. Aufgewachsen in Dortmund hat ihn die Spannung zwischen Natur und Technik schon immer fasziniert. Die alten Stahlwerke in der Landschaft. Die Kokereien, in denen alle halbe Stunde die heiße Kohle mit Wasser gekühlt wurde, wobei riesige Dampfwolken aufstiegen. Der Kontrast zwischen exakt geradem und organischem, ein Hochspannungsmast oder ein Baum in der Landschaft.
Nach Moabit kam Rücke zum ersten Mal schon 1972 zum Studium der Elektrotechnik und Informatik an der Technischen Universität. Damals hat er es aber nur ein Jahr ausgehalten. Die Wohnung in der Ottostraße war einfach zu kalt. Das Haus wurde auch bald abgerissen. Er wohnte lange Jahre in Charlottenburg am Savignyplatz. Später ist Rücke in die Computer-Branche eingestiegen und hat sich nach einigen Jahren selbstständig gemacht. Er ist viel in der Welt herumgekommen. Reisen nach Afrika, Asien, Lateinamerika, nach Äthiopien, Eritrea, Nicaragua, Grenada um nur einige Stationen zu nennen. Mit einem früheren vietnamesischen Studienkollegen wollte er eine IT Firma in Vietnam gründen. Das Projekt war seiner Zeit jedoch zu weit voraus. Anfang der 90er Jahre unterrichtet Rücke Dozenten eines technischen College in Saudi Arabien und lernt dabei auch etwas vom Islam kennen. Ende der 90er Jahre arbeitet er für das Fischereiministerium in Windhuk, Namibia. Eine im Lande entwickelte Datenbank zur Kontrolle der Überfischung soll in Betrieb genommen werden. Rücke erspart dem armen Land eine millionenschwere sinnlose Investition, wird aber gefeuert, weil private Interessen eines Vorgesetzten dabei baden gehen. "Auch hier ist die IT-Branche voll von Raubrittern und Betrügern, nicht nur in der Dritten Welt. Wer aufmerksam Wirtschaftsnachrichten verfolgt, kann immer wieder von Ermittlungen und Verurteilungen lesen, wie kürzlich bei der Bundesagentur für Finanzaufsicht, " kommentiert er.
Seit vier Jahren lebt Rücke wieder in Moabit. Er schätzt die zentrale Lage, das grüne Spreeufer und den Großen Tiergarten. "Ich bin oft mit dem Fahrrad unterwegs, zur Zeit am liebsten auf dem neuen Berlin-Kopenhagen-Radweg bis Spandau." Hier sind auch die meisten Fotos entstanden, die den ausgestellten Bildern zu Grunde liegen. Das Kraftwerk Moabit ist dabei und der neue Hauptbahnhof wirkt in drei Farben ganz unterschiedlich. Die Fotos sind nicht einfach nur koloriert. Wie der Zufall bei Planung und Bau von Industrieanlagen eingreift, so läßt Rücke ihn durch seine Maltechniken wirken. "Ich verwische die Farben mit dem Schwamm oder benutze Folien für besondere Effekte. Beim nächsten Bild lässt sich das nie mehr genau so wiederholen, es kommt immer etwas neues heraus." Es ist seine erste Ausstellung und Rücke ist gespannt auf die Reaktionen des Publikums. Einen Kalender mit stimmungsvollen Aquarellen seiner Reiseeindrücke hat er in kleiner Auflage produziert. Der ist für 20 Euro zu haben.
Die Bilder können auch im Internet betrachtet werden unter: www.flickr.com/photos/berlinercollagen







