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Samstag, 10. September 2016

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Mittwoch, 19.05.2010

Jugendliche Straftäter im Fokus - Das Stadtteilplenum Moabit West im Mai

Die Tagesordnung in Schönschrift
Führt charmant durch den Abend: Plenums-Moderatorin Susanne Torka
Uwe Horstmeier vom Zentrum des Jugendrechts Mitte beim Vortrag über die Rechtskunde-Projektwochen

Rechtskunde-Projektwochen, Prävention der Polizei und die Erfahrungen einer Jugendrichterin 

Susanne Torka vom Moabiter Ratschlag e. V. moderierte wieder in bewährter Qualität das Mai-Stadtteilplenum im Nachbarschaftstreff "Stadtschloss Moabit". Diesmal berichteten zum Schwerpunkt Jugendkriminalität u.a. Jugendrichterin Kirsten Heisig und Karl Bösel, Präventionsbeauftragte der Polizei, von ihrer Arbeit. 

Zuerst informierte Beatrice Pfitzner vom QM über den aktuellen Stand der Fördermittelvergabe des Quartiersfonds III.  510.000 Euro stehen für drei Jahre zur Verfügung. Zu den drei Schwerpunktbereichen wurden 51 Projektanträge gestellt, die meisten - 32 - im Bereich Bildung und Erziehung. Nach dem Marathon durch die Instanzen - Bewertung und Erstellen einer "Hitliste" durch den Quartiersrat, Steuerungsrunde mit Förderempfehlungen sowie Ämterrunde - stehen jetzt die Projekte fest, die finanziert werden sollen. Details über alle geförderten Projekte finden Sie hier.

Weil er noch nicht mit der Teilnehmerzahl zufrieden ist, hat Celal Altun von der Türkischen Gesellschaft erneut für die Beteiligung am Kiezfest am 19. Juni geworben. 40 Stände stehen für 20 Euro Standmiete zur Verfügung. Das Straßenfest, das vom Quartiersmanagement finanziert wird, findet dieses Jahr im Rahmen der Moabiter Kulturtage statt. Am 10. Juni wird das Bühnenprogramm festgelegt, am 14. Juni werden die Standnummer an die Nutzer verteilt. Hier das Anmeldeformular und mehr Details. 

Ist Hurensohn eine Beleidigung, die schlimmer wiegt als eine Körperverletzung? Worin unterscheiden sich Raub und Diebstahl? Diese und viele andere Fragen werden bei den "Rechtskunde-Projektwochen" des Zentrums des Jugendrechts Mitte unter anderem zusammen mit den Schülern der Moabiter Hedwig-Dohm-OberschSchule geklärt. Uwe Horstmeier, der ein Jura-Grundstudium absolviert hat und selbst Lehrer an einer Weddinger Hauptschule ist, berichtete über den Ablauf dieser Projektwochen, von denen er bislang 120 durchführte. An einem konkreten Beispielfall wie der Bedrohung mit einem Messer auf dem Schulhof exerzieren die Schüler durch, wie die Mühlen von Polizei und Justiz mahlen. Das geht bis zu einer Gerichtsverhandlung mit echtem Richter, bei der die Mädchen und Jungen selbst als Angeklagte,  Zeugen, Opfer und Schöffen mitwirken. Zu den Zielen dieser Rechtskunde-Wochen gehört, dass die Jugendlichen ihr eigenes Verhalten im Alltag hinsichtlich strafrechtlichen Verhaltens hinterfragen, und Kenntnisse über typische Jugenddelikte und -strafen erlangen.

"Kein Erklär-Bär" ist Karl Bösel vom Polizeiabschnitt 33
Jugendrichterin Kirsten Heisig faszinierte durch ihre lebendige Erzählweise

"Wir wollen Straftaten verhindern. Also wirken wir, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.," sagte Karl Bösel, Präventionsbeauftragter vom Polizei-Abschnitt 33, über seine Arbeit in Moabit. Der baumlange Kerl mit Handschellen am Gürtel bezeichnete sich selbst als jemanden, der die Sprache der Kinder und Jugendlichen spricht und "nicht der große Erklär-Bär" ist. Um verstanden zu werden, müsse man sich manchmal drastisch ausdrücken, etwa so: "Wer kifft, bekommt keinen Führerschein." Wohl jeder, der in Moabit zur Schule geht, kennt ihn, denn er grast regelmäßig alle Schulen im Kiez ab. Doch Bösel ist nicht nur für junge Leute da. Er und seine insgesamt 160 Kollegen, die für Moabit zuständig sind, beraten zudem Menschen, die ihre Häuser und Wohnungen einbruchssicherer machen wollen. Sie haben Tipps für Bauherren, die im neuen Ottopark und Kleinen Tiergarten bauen, und helfen auch Stalking-Opfern, wie Bösel von einem aktuellen Fall aus dem Viertel berichtete. Auf die Frage aus dem Plenum, was man bei beratungsresistenten Elternhäusern mache, die sich nicht um ihre straffällig gewordenen Kinder kümmern, antwortete er: "In solchen Fällen kontaktiere ich das  Familiengericht Pankow."

Als Jugendrichterin am Amtsgericht Tiergarten wirkt Kirsten Heisig. Sie sei "ein Fachidiot, aber ein guter," sagte sie über sich zu Beginn ihres Vortrages über ihre Tätigkeit, durch die sie über die Jahre Straftäter in vielen Berliner Bezirken kennen gelernt hat. "Früher war es kuscheliger. Da gab es den 14-jährigen mit dem kleinen Ladendiebstahl oder der Graffiti-Schmiererei," berichtete sie, während 14-jährige - ab diesem Alter ist man strafmündig - heute in vielen Fällen schon mehrfach bei der Polizei waren, zum Beispiel wegen Waffeneinsatzes. "Kommt so ein Jugendlicher nach Monaten zu mir in den Gerichtssaal, kann es passieren, dass er fragt, um welchen Handy-Diebstahl es hier eigentlich gehe." Mit dieser Anekdote thematisierte Heisig ein Hauptproblem der Justiz: Bis zu 6 Monate vergehen oft zwischen Straftat und Verhandlung. Als pädagogisch sinnvoller erachtet sie dagegen, dass Delikt und die Reaktion darauf, also das Urteil, gerade bei Jugendlichen in engem zeitlichen Zusammenhang stehen. Der Grund: "Jugendliche haben ein anderes Zeitgefühl, Kindheit ist immer jetzt!" Es gibt Lösungsansätze, um Tat und Urteil schneller zueinander zu bringen. In bestimmten Fällen, also solchen bei einfacher Beweislage und Delikten, die unterhalb einer Jugendstrafe liegen, kann ein vereinfachtes beschleunigtes Jugendverfahren angewendet werden. Dann trudeln die Akten nicht in Registraturkörbchen durch die Instanzen, sondern werden mit einem gelben EILT-Aufkleber von Boten gebracht, und im Idealfall vergehen nur 3 bis 4 Wochen bis zur Gerichtsverhandlung. Das ist nur möglich, wenn alle Beteiligten wie Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht gezielt miteinander kommunizieren, was leider nicht der Regelfall ist, so Kirsten Heisig. Sie ruft direkt den Polizeibeamten an und teilt ihm mit, was aus dem von ihm Festgenommenen geworden ist. So etwas motiviert alle Beteiligten.

 

Zu den häufigsten Strafen, die sie verhängt, zählen Arrestwochen, häufig kombiniert mit anderen Maßnahmen, sowie "Schulbesuchsweisungen". Diese überwacht sie - was sonst Aufgabe der Jugendgerichtshilfe wäre - höchstselbst in Zusammenarbeit mit den betreffenden Lehrern. Schwänzen die Verurteilten dennoch zu oft die Schule, kommen sie zum Beispiel in den Arrest. Die Jugendrichterin liebt "knackige Maßnahmen, und keine Maßnahmen-Cocktails." Arrest ist natürlich kein Allheilmittel. Manch einer fühlt sich danach als "ganzer Kerl" und ist stolz darauf, arrestiert gewesen zu sein. Außerdem sei die Rückfallquote mit rund 70 Prozent sehr hoch, so die Richterin.

Zum Schluss noch Kirsten Heisigs praktischer Hinweis für den Fall, dass man stark vernachlässigte Kinder und untätige Jugendämter bemerkt, wie von einer Plenumsteilnehmerin berichtet wurde: "Man braucht das Amt nicht, sondern kann sich in dringenden Fällen direkt ans Familiengericht wenden." Nach einer kurzen Pause fügte die engagierte Richterin, die sich nicht überall mit ihrem Eifer beliebt macht, süffisant hinzu: "Dann kommt auch das Jugendamt schnell in Schwung und wird aktiv."

Nach der lebhaften Diskussion mit Kirsten Heisig und Karl Bösel wurde über die Themen für kommende Plena gesprochen. Eines könnten die Spielkasinos werden. Norbert Onken berichtete von einem Vorstoß einer Plenumsbesucherin in Sachen Kasinos und Wettbüros im Kiez. Wie das Problem durch Eingaben von Moabiter Bürgern zum Thema im Abgeordnetenhaus gemacht werden kann, dazu bald mehr auf unserer Seite. Fest steht bereits, dass das Plenum den Antrag auf Thematisierung dieses Problems unterstützt. Um was genau es beim nächsten Stadtteilplenum im Juni geht, ist im Moment noch offen. Das Bildungsnetzwerk, Aktionsräume Plus, die QM-Zusammenarbeit mit Moabit-Ost, das aktive Zentrum Turmstraße und der neueste Stand bei der Arminius-Markthalle u.a. wurden vorgeschlagen. Mehr Information zur Tagesordnung gibt es wieder vorab hier auf unserer Seite.

 

 

Text und Fotos: Gerald Backhaus