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Stadtteilplenum Moabit West

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Jugendverkehrsschule, Refo-Areal und Carl-Bolle-Schule in Gefahr - Zwischenbilanz der Bezirkspolitik mit BVV-Politikern auf dem Stadtteilplenum Moabit West im September 2014

von links: Moderatorin Susanne Torka, Thorsten Reschke (CDU) und Thilo Urchs (LINKE)

Irina Kaplan vom CJD
Nils Ehrhardt vom THEATER X

von links: Marc Urbatsch (Grüne), Sascha Schug (SPD) und Alexander Freitag (Piraten)
Moderatorin Susanne Torka, Thorsten Reschke (CDU) und Thilo Urchs (LINKE)



Michael Rannenberg bei seinem Redebeitrag zur Refo-Kirche
Plakat vom Moabiter Ratschlag e.V.

Das Stadtteilplenum am 16. September 2014 – wie gewohnt organisiert vom Moabiter Ratschlag e.V. und dem Quartiersmanagement Moabit West im Stadtschlosstreff und moderiert von Susanne Torka - widmete sich besonders dem Thema Zwischenbilanz der Kommunalpolitik im Bezirk Mitte.

Unter dem Tagesordnungspunkt „Aktuelles aus dem Kiez“ ging es dieses Mal zunächst um das Projekt „WAS?!“, die Abkürzung steht für „Wirtschaft - Ausbildung - Schule“. Irina Kaplan vom Trägerverein CJD Berlin stellte sich der „Herausforderung, drei Jahre Arbeit in zehn Minuten darzustellen.“ Wie würde man „WAS?!“  in einem Satz beschreiben? Ein Qualifizierungsangebot für Schüler aus (Vor-) Abgangsklassen und Schulabgänger, um sie für den Berufseinstieg fit zu machen. Dafür wurden zahlreiche Kooperationspartner wie die Sekundarschulen und Oberstufenzentren an Bord geholt. Und es gab viel zu klären, z.B. was sich hinter dem Wort Tischler verbirgt. Etliche der Moabiter Jugendlichen, die durch das Projekt unterstützt wurden, wussten nicht, dass dieser Beruf mit Holz zu tun hat. Bei „WAS?!“ gab es zudem Förderunterricht in Mathe, Englisch, Deutsch und individuelle Sprachförderung. „Wir wollten in den drei Jahren einen Mehrwert für das Quartier schaffen“, so Projektleiterin Irina Kaplan, die gleichzeitig Mitglied im Quartiersrat Moabit West ist. Wie sieht es aus mit der Nachhaltigkeit des Projekts? „WAS?!“ tat viel zur Verbesserung der Ausbildungsreife von Jugendlichen, und es gab zum Projektende eine Fallübergabe an den Jugendmigrationsdienst Berlin-Mitte sowie an die Projekte „Ausblicke“ und „Hürdenspringer+“ des Unionshilfswerks. „Wir möchten unser erlangtes Wissen gern weitergeben“, so Kaplan, „und beteiligten uns auch an der Ideenwerkstatt Moabit West.“ Dadurch wurde die Grundlage für ein Projekt geliefert, das gerade ausgeschrieben wurde. Insgesamt rund 380 Teilnehmer wurden durch „WAS?!“ in den vergangenen drei Jahren individuell betreut, rund 80 davon sind inzwischen in Ausbildung gegangen. Weitere Details zum Projekt finden Sie in der aktuellen Ausgabe der „moabiter Inselpost“ http://www.moabitwest.de/fileadmin/content-media/media/ZEITUNG_moabiterINSELPOST/2014-07_MIP_20-2014_Web.pdf Mehr Informationen zum Träger hier: www.cjd-berlin.de

Nachdem beim Augustplenum das Konzept für den Refo-Campus als Ganzes von Steve Rauhut vorgestellt wurde, stand dieses Mal das dort ansässige Jugendtheaterbüro im Fokus. Nils Erhardt berichtete über Aktionen und Probleme des seit fünf Jahren auf dem Refo-Areal in der Wiclefstraße 32 befindlichen Jugendtheaters, das sich inzwischen THEATER X nennt. Er zeigte dazu den neuen Flyer vom THEATER X, wobei das X, ein Symbol aus der Gebärdensprache, das auch mit den Moabiter Arbeiterunruhen zu tun hat, für die Kraft der Jugendlichen steht. 15 bis 22 Jahre alt sind sie, im Kern rund 25 Jugendliche, mit denen alles gemeinsam konzipiert wird. „Es geht uns allen nicht nur ums Theaterspielen, sondern auch ums Theatermachen“, sagte Nils. „Es geht uns vor allem um demokratisches Zusammenarbeiten. Wir wollen ein Ort für den Kiez sein, der offen ist.“ Die Betriebsstruktur setzt auf eine operative Leitung anstatt auf einen Intendanten. In dem Leitungsgremium sitzen alle Bereiche von Künstlerischer Leitung bis Technik. Jeder Bereich wird vertreten von einem Tandem bestehend aus einem Erwachsenen und einem Jugendlichen. Nils erwähnte die erfolgreichen Theaterstücke der jungen Moabiter Bühne wie „Salam Günther“ und „90-60-90 Rollenscheiß“, ein Stück, das zum Theatertreffen der Jugend eingeladen wurde und gerade den 1. Preis beim Bundesverband deutscher Amateurtheater gewann.

Ende 2013 gab es eine viel beachtete 96-Stunden-Renovierungsaktion zusammen mit dem rbb, wobei THEATER X, Cantorei und Refo-Konvent an einem Strang zogen, um u. a. das Foyer neu zu gestalten. „Dieses Jahr kam etwas, was uns viel Ärger machte: nach freundlichen Hinweisen aus der Nachbarschaft bekamen wir Besuch vom Bauamt.“ Schließlich drohte der Entzug der Zulassung wegen des Brandschutzes, es gab viele Gespräche dazu, auch durch die Vermittlung des QMs. Die Probleme schienen lösbar, als direkt vor der Sommerpause die Bombe platzte: der Gebäudeeigentümer, die evangelische Landeskirche, verkündete den Abriss des Gebäudes. „Wir fielen aus allen Wolken und wehren wir uns natürlich dagegen,“ so Nils und zeigte einen Brandbrief der Jugendlichen. Hier geht es zum Brandbrief vom THEATER X: http://www.grenzen-los.eu/jugendtheaterbuero/theater-x/ Ansonsten gibt es im Blog der Reformationscommunity die wichtigsten Informationen: www.reformationscommunity.de

http://www.reformationscommunity.de/

Es gibt ein sehr überzeugendes Alternativkonzept zum Abriss, der alles kaputt machen würde. Dieses Konzept wird am 26.9. um 17 Uhr in der Refokirche vorgestellt. Die Theatermacher setzen große Hoffnung auf politische Unterstützung, z.B. haben sie deswegen bereits engen Kontakt zum Bezirksbürgermeister Dr. Hanke. Auch innerhalb der Kirchenleitung gäbe es starke Fürsprecher für das Konzept, ergänzte der auch anwesende Steve Rauhut vom Refo-Konvent, aber das Verwaltungsamt sei bislang dagegen und befürwortet den Abriss und lukrative Neubauten.

Als Schwerpunkt des Plenums wurde eine Zwischenbilanz zur Kommunalpolitik in Mitte gezogen. Dazu gab es eine Diskussion mit Vertretern der BVV-Fraktionen. Vorn saßen (von links): Marc Urbatsch (Bündnis 90/Die Grünen), Sascha Schug (SPD), Alexander Freitag (Piratenpartei), Thorsten Reschke (CDU), Thilo Urchs (Die Linke). Zunächst gab Moderatorin Susanne Torka allen fünf Männern Gelegenheit zu einem Redebeitrag. Ihre Zwischenbilanz?

Marc Urbatsch von Bündnis 90 / Die Grünen sagte, dass die Bekämpfung der Ferienwohnungen gut läuft, auch wenn es langsam anfing, aber leider gäbe es nicht die vorgeschlagene berlinweite Zentralisierung der Kontrollen. „Aber wir haben genug Personal dafür in Mitte.“ Er ist für die Wiedereinführung von Milieuschutzsatzungen, denn „den Wandel hier sozial verträglich zu gestalten ist eine Herausforderung.“ Was gerade dem Refo-Areal droht, empfindet er als Synonym für das, was im Kiez an mehrere Stellen passiert. Die Grünenfraktion in der BVV ist gegen den Abriss unterstützt das Konzept des Refo-Konvents.

Sascha Schug von der SPD, der in der BVV Sprecher seiner Fraktion für Stadtentwicklung ist, benannte als Erfolg der letzten 2-3 Jahre vor allem die Entwicklung im Ottopark/Kleinen Tiergarten. „Das war eine Parkplanung mit sehr viel Bürgerbeteiligung!“ Mit den Neubauprojekten in der Lehrter Straße sei er noch nicht glücklich, Milieuschutz aber schafft es seiner Ansicht nach nicht, die große Wohnraumnachfrage in Berlin zu befriedigen. Das Refo-Thema sei für Sascha Schug ziemlich neu. Er versuchte bereits, dazu die Kirche zu erreichen. Für seine Fraktion kann er noch keine Zusagen machen, „wir sind noch im Diskussionsprozess.“

Alexander Freitag von der Piraten-Fraktion in der BVV Mitte listete Erfolge auf, die sich bei genauerem Betrachten als Misserfolge entpuppten: Der Antrag der Piraten auf mehr Bänke im Ottopark konnte sich nicht durchsetzen. Auch den Antrag auf den barrierefreien Zugang zur Arminiushalle setzte der Betreiber leider nicht um. Zur Jugendverkehrsschule, die von der Schließung bedroht ist, sollte es seiner Meinung nach einen Bürgerentscheid geben. Alexander Freitag wies auf die Internetplattform www.openantrag.de hin, dort kann man selbst Anträge einstellen, die die Piraten dann ggf. übernehmen.

Thorsten Reschke, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der BVV Mitte, sagte, dass  man schon zufrieden sein müsse, wenn man Dinge wie die Schließung von Jugendeinrichtungen trotz der Haushaltszwänge des Bezirks verhindert hat. „Wir konnten uns noch nicht durchringen, anders zu finanzieren, z.B. in dem man externe Träger einbindet.“  Die Jugendverkehrsschule wäre eines der ersten Objekte, das geschlossen würde. Das Bezirksamt lässt dabei jetzt aber die BVV mitreden. Alle Fraktionen werden Fragen haben, was dann mit den Kindern passiert, die momentan dort lernen. Mit einer Entscheidung, ob Schließung und Wohnungsneubau oder nicht, ist frühestens im Oktober zu rechnen. Thorsten Reschke berichtete von der hohen Erwartungshaltung der Bürger an die Bezirkspolitik, z.B. bei Skandalen wie dem Seniorenhaus am Hansaufer, und sagte, dass der Bezirk leider nur wenig intervenieren kann. „Wir können nur etwas mit den Muskeln spielen, aber ob sich ein privater Investor darauf einlässt…“ Immerhin hat es beim Hausbesitzer Akelius Wirkung gezeigt, so dass wegen des Hauses am Hansa-Ufer verhandelt wird.

Auch Thilo Urchs, Fraktionsvorsitzender der Linken, der besonders auf die Probleme in Moabit in den Bereichen Jugend, Bildung und Integration verwies, sagte: „Wir können nur Schadensbegrenzung betreiben, weil die eigentlichen Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene fallen.“ Trotz verschärfter Haushaltslage dürften keine Schulen geschlossen werden. Was das Thema Wohnen und Gentrifizierung angeht, meinte Thilo Urchs, dass Milieuschutz in anderen Teilen Mittes nicht erfolgreich sei. Eine zentrale Ferienwohnungs-Registrierungsstelle hätte auch er gut gefunden, und das Hamberger-Baugrundstück wäre gut für Wohnungen gewesen. Ein neuer Schwerpunkt in der politischen Arbeit sei für ihn die Demokratie, also eine verstärkte Einbindung der Bürger. Anders als in manchen aktuellen Fällen, "wo  Bezirksbürgermeister Hanke und Stadträtin Smentek durch Aktionismus aufgefallen seien", so Urchs. Er beklagte eine hohe Fluktuationsrate bei den Mitarbeitern im Bezirksamt und den Fall der Allegro-Grundschule in Tiergarten-Süd, die plötzlich Räume an das Lehrerseminar abgeben soll – eine bezirkliche Entscheidung, an der die Schule und die Gremien nicht beteiligt wurden. Auch für ihn war das Refo-Areal heute zum ersten Mal auf der Tagesordnung.

Nach diesen Redebeiträgen gab es einige Fragen aus dem Publikum. 

Wie wird mit Beschlüssen der Stadtteilvertretung umgegangen, wurde da gefragt. Bei der SPD fließen sie mit ein, so deren Vertreter Sascha Schug, z.B. beim Ottopark. Marc Urbatsch (Grüne): „Wir haben uns viele Anträge der Stadtteilvertretung zu eigen gemacht, scheiterten jedoch einige Male damit an den Mehrheiten.“ Für Thorsten Reschke (CDU) setzten die Planungen für den Kleinen Tiergarten früh ein, „da wurde viel Mühe in die Bürgerbeteiligung gesteckt, aber irgendwann muss man Entscheidungen fällen.“ Die Thusnelda-Allee zuzumachen ginge z.B. nicht wegen der BVG, in solchen Fällen sei die bezirkliche Kompetenz begrenzt.

Wann darf die Stadtteilvertretung an SPD-Fraktionssitzungen teilnehmen, so wie bei den Grünen? Sascha Schug (SPD): Jede Fraktion stimmt selbst darüber ab, wer dabei sein kann, das sind Mehrheitsentscheidungen.

Ein Ur-Moabiter fragte, warum die erfolgreiche Finanzstadträtin ausgebootet wurde und seitdem Dr. Hanke für Finanzen zuständig ist? Weshalb wurde bei dem Bezirkshaushalt getrödelt? Sascha Schug (SPD): „Ich hatte mich für Frau Hänisch eingesetzt. Den Haushalt zu spät abzugeben, das war ein Fehler, das gebe ich zu. Es war ‚suboptimal’, dadurch gab es ein Jahr lang den Nothaushalt.“

Diese Politikerriege ist kinderfeindlich, behauptete ein Plenumsteilnehmer. Man ließ z.B. das Poststadion vergammeln, und warum blieb die geplante Schließung der Jugendverkehrsschule so lang unter der Decke? Sascha Schug (SPD) weiß nicht, warum das Bezirksamt damit nicht an die BVV ging. Grund war wohl, dass es nur ein Teil der Schule sei (ein Standort) und nicht die ganze Schule, und dass alles an dem Weddinger Standort konzentriert werden soll. Marc Urbatsch (Grüne) meinte, dass die spannende inhaltliche Debatte aller Fraktionen dazu gerade beginnt. Wohnraum zu schaffen sei ja auch wichtig. „Wir werden aufarbeiten, warum das Bezirksamt die BVV nicht in die Entscheidung einbezogen hat.“ Generell vertrat auch er die Ansicht, dass in der Bezirkspolitik aufgrund der Haushaltszwänge und der oftmals bei Land und Bund liegenden Kompetenzen nur „Rückzugsgefechte“ geführt werden können. Thorsten Reschke (CDU): „Die BVV wurde zur Jugendverkehrsschule nicht gefragt.“ Er sieht aber auch einen Vorteil, falls die Schließung unvermeidlich sei: „Da die Fläche dem Land Berlin gehört, könnten wir richtig bestimmen, was dort genau gebaut wird.“ Man müsse dort also nicht mühsam mit einem Privatinvestor verhandeln, um günstige Wohnungen zu schaffen.

Michael Rannenberg, von 1970 bis 2010 Pfarrer der evangelischen Heilandskirchgemeinde, berichtete von der 2004 erfolgten Fusion seiner Heilandskirche mit der Reformationskirche. „Als letztes Projekt konnte ich das Theaterprojekt als eine Art trojanisches Pferd dort hineinhieven.“ Rannenberg kritisierte die Abrisspläne der Landeskirche heftig und rief die anwesenden Politiker und das Plenum auf: „Ihr müsst der Kirche klar machen, dass sie nur eine Berechtigung hat, wenn sie sozial ist. Ihr sollt die Kirche an ihren Auftrag erinnern!“

Für Sascha Schug (SPD) sei das Problem des Refo-Areals ein ganz neues Thema. „Wir werden es in der Fraktion diskutieren und ich werde mich gegen den Abriss einsetzen“, versprach er, denn „da ist dringender Handlungsbedarf.“ Thorsten Reschke (CDU): „Inhaltlich trage ich das gern mit.“ Er verwies aber darauf, dass Anträge der BVV immer toll klängen, aber oft null Wirkungen hätten. „Die Entscheidungen fallen woanders. Aber ich spreche gern mit dem Technokraten in der Kirche. Wir können da aber nur unsere Muskeln aufpumpen, besser wäre es sicher, den Verteidigern des Konzepts der Erhaltung den Rücken zu stärken.“ Steve Rauhut (Refo-Konvent) bemerkte, dass am 29.9. die Entscheidung innerhalb der Kirche fallen wird. Es ist eine politische Entscheidung, „Sie alle sollten schnell an die Kirchenleitung appellieren!“

Zum französischen Gymnasium befragt, sagte Thorsten Reschke (CDU), dass es nicht darum ginge, es zu schließen, eher im Gegenteil. Weil es eine große berlinweite Bedeutung habe, sollte es nicht als normales Gymnasium im Bezirk gelten. Er würde gern einen neuen Versuch starten, es in die Trägerschaft des Landes zu geben, was „die Senatsfinanzverwaltung sicher nicht so gut findet.“

Sollte man für das Konsolidierungskonzept des Schulentwicklungsplans mehr Zeit haben? Für Sascha Schug (SPD) war eigentlich genug Zeit, nur wurde lange nichts Konkretes von Stadträtin und Schulamt vorgelegt. Alle Gremien waren eingebunden, fand er. Dem widersprach Thilo Urchs (Linke): Nach der Sommerpause standen im Konsolidierungspapier plötzlich Schulschließungen drin. Er sprach die fehlende Bürgerbeteiligung bei den Plänen zur Schließung der Moabiter Carl-Bolle-Schule an.

Elke Fenster vom Moabiter Ratschlag e.V. fragte konkret zu einer im Stadtschlosstreff anstehenden Baumaßnahme. Es geht um einen Fahrstuhl für die Kurt-Tucholsky-Bibliothek in der ersten Etage, für den die Gelder genehmigt sind. Der Bau könnte daran scheitern, dass es zu wenige Bauleiter beim Bezirksamt gibt. Thorsten Reschke (CDU) sagte dazu, dass kaum Investitionsgelder genutzt werden können, „weil wir damit die Schulden abbezahlen“. Und von den 12 oder 13 Bauleiterstellen in Mitte könne ein Drittel nicht besetzt werden, ein Drittel sei dauerkrank, „und die anderen rackern wie verrückt.“ Er beklagte, dass gerade die Leistungsträger durch die schlechte Haushaltssituation den Bezirk Mitte verließen und zum Senat und in andere Bezirke wechselten. Auch Marc Urbatsch (Grüne) konnte Elke Fenster nicht beruhigen, dass es anders wird. Es wird weiter Personal in der Verwaltung abgebaut, „wir sparen im Moment auf Kosten der Substanz. Und bei über 20 Prozent liegt der Krankenstand in der Verwaltung, da führt Berlin!“

Frank Bertermann, Vertreter der Grünen im BVV-Stadtentwicklungsausschuss, trug zur Präzisierung bei: Im Oktober wird das Bezirksamt der BVV etwas zur Jugendverkehrsschule vorlegen.

Ein Mitglied der Stadtteilvertretung fragte danach, wie der Bürgerbeteiligungsprozess bei der Jugendverkehrsschule stattfinden soll, wer soll das organisieren? Alexander Freitag (Piraten): „Bürgerbeteiligung ist oft nur eine Infoveranstaltung, und das war es dann.“ Er plädierte für einen Bürgerhaushalt, es gäbe Ansätze dazu. Aber momentan könne man in Mitte sowieso nur über Schulden diskutieren. Das Bezirksamt muss die Bürgerbeteiligung vor Ort organisieren, ein Termin dafür steht noch nicht fest. Thorsten Reschke (CDU) sagte, dass eine Veranstaltung dazu beantragt sei. „Wir möchten gern wissen, was uns die Schließung bringt.“

Die neue Umgehungsstraße ist offen, wann aber werden Spielstraßenschilder u. ä. für die Siemensstraße aufgestellt? Grünen- und SPD-Vertreter versprachen, diese Frage mitzunehmen, „diese Schilder stellt aber sicher eine Landesstelle auf.“

Was ist mit den geänderten Bauplänen bei Hamberger? Dort soll u. a. ein Kellergeschoss entstehen. Wie geht das, obwohl er schon zu baggern anfängt? Marc Urbatsch (Grüne): Die Bebauungsplanänderungen sind jetzt in öffentlicher Auslegung und die BVV muss sie dann erneut beschließen.

In vier Zeilen wurde im Konsolidierungspapier über das Schicksal der Carl-Bolle-Schule entschieden, also dass sie zum Schuljahr 2015/16 auslaufen solle und dort der Grundschulbereich der Heinrich-von-Stephan-Schule entstehen wird. „Soll jetzt alles, was in 10 Jahren dort geleistet wurde, den Bach runter gehen“, fragte Quartiersmanagerin Beatrice Pfitzner: „Wie wird die Carl-Bolle unterstützt, um bei dem Prozess nicht unterzuegehen?" Sascha Schug (SPD) gab zu, dass das Verfahren jetzt besser laufen müsse, alle sollten beteiligt werden. Grundsätzlich findet er die Idee der Heinrich-von-Schule aber gut, nur sollten die Stärken der Carl-Bolle-Schule dabei mit eingebracht werden. „Ich wünsche mir ein sehr gutes Zusammenwirken!“ Thilo Urchs (Linke): „Die Gemeinschaftsschule ist unser Modell.“ Bei einer Beteiligung aller wäre das für ihn denkbar. Er kritisierte erneut, dass die zuständige Stadträtin bewusst die Sommerpause genutzt hätte, als BVV und Schulen nicht erreichbar waren, um Schließungspläne zu konkretisieren. Laut Quartiersrat Norbert Onken, der zusammen mit Jutta Schauer-Oldenburg bei Schulstadträtin Smentek zu Besuch war, gab es untrügliche Zeichen für das drohende Schicksal der Carl-Bolle-Grundschule: Jahrelang wurden keine Gelder für die Schule freigegeben, und dann kam die Abberufung der Schulleiterin. Waren das Anzeichen dafür, dass die Schule aufgelöst werden soll? „Was machen Sie dafür, dass dabei nun die Gremien einbezogen werden?“ fragte er. Thorsten Reschke (CDU) befand, dass auch die geplanten Umzüge des Max-Planck-Gymnasiums und ein anstehender Umbau der Allegro-Grundschule Irrsinn wären und viele neue Kosten bedeuten würden. Zudem beklagte er, dass „wir (die BVV) nie genug Zeit für Entscheidungen haben.“ Das wäre etwas, das unbedingt zu ändern wäre.

Zur Jugendverkehrsschule (JVS) wurde mehrfach gefragt: 1. Kennen Sie das Konzept zur Umweltgerechtigkeit? 2. Kennen Sie den möglichen Träger (Wendepunkt in Steglitz), der sie betreiben würde? 3. Kennen Sie die wahren Kosten der JVS von 12.000 Euro pro Jahr (während die nicht kassenwirksame Kosten 48.000 Euro betragen)? Thorsten Reschke (CDU) kennt das Konzept noch nicht, auch die Steglitzer kennt er noch nicht, aber „das sollte man sich anschauen.“ Und was interne Verrechnungskosten angeht, würde der Bezirk bei Schließung der JVS seiner Schätzung nach rund 22.000 Euro pro Jahr einsparen.

Das Plenum dauerte länger als geplant, so dass der Tagesordnungspunkt Termine und Sonstiges schnell abgehandelt wurde. Susanne Torka verkündete neue Themen für kommende Plena. Da soll es u. a. wieder um das Dauerbrennerthema Wohnen in Moabit gehen und die Pläne mit den Grundstücken von BMW und Hamberger sowie um Konzepte zur Verkehrserziehung. „20 Jahre Sozialabbau in Moabit“, besonders durch Kirchenschrumpfung, z.B. ausgedünnte Stellen für Kinder- und Seniorenarbeit, schlug Michael Rannenberg als Thema vor. Quartiersmanagerin Carola Fuchs wies auf den „Tag des Handwerks“ am 19./21.9. in Moabit hin – hier mehr dazu: http://www.moabitwest.de/Tage-des-Handwerks-in-Moabit-am-19-und-20-September-2014.5358.0.html

Vergangene Stadtteilplena

Den Artikel des letzten Stadtteilplenums im August können Sie unter folgendem Link nachlesen: http://www.moabitwest.de/Wohnen-in-Moabit-war-das-Hauptthema-beim-Stadtteilplenum-am-26-August.5341.0.html

Die zusammengefassten Ergebnisse und Inhalte der Stadtteilplena sind HIER nachzulesen.

Text & Fotos: Gerald Backhaus