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Norbert Onken, Quartiersrat in Moabit West

Norbert Onken, Klara-Franke-Preisträger 2011
Häufiger Wirkungsort von Norbert Onken ist die Rostocker Straße, hier vor dem Stadtschloss/Nachbarschaftshaus

 

Norbert Onken ahnte schon, dass auch er für den Preis in Frage kommen könnte. Er wurde von drei Personen unter dem Vorwand, er solle etwas über Hamberger vortragen, zur Klara-Franke-Veranstaltung gelockt und sollte seine Familie dazu mitbringen. "Ich habe etwas gerochen“, sagte er, „überraschend war es aber trotzdem, daß die Laudatio auf mich zu hören war. Wie die Auswahl und Verkündigung vor sich gehen, wußte ich nicht.“ Die ‚Kiezmutter’ Klara Franke – und auch den Preis - findet Onken faszinierend. „Sie ist ja gar nicht tot“, sagt er, „solange jemand an einen denkt, ist man nicht tot. Wie sollte Klara Franke tot sein? Die Leute sprechen doch mit ihr. Selbst die Lieder und Gedichte auf sie, die es mittlerweile gibt, sind dialogisch. Nein, Klara Franke lebt. Das wurde besonders deutlich an den drei Tagen, an denen ihr 100ster Geburtstag gefeiert wurde.“ Für sich selbst möchte er keine Bühne. „Ich habe allerdings keine Scheu, auf Versammlungen öffentlich etwas zu sagen, wenn es um Sachfragen geht.“ Jutta Schauer-Oldenburg hielt die Laudatio für den diesjährigen Preisträger des Klara-Franke-Preises, und meinte treffend: „Wer sich auf öffentlichem Parkett bewegt, muss mit Pleiten, Pannen, mit Beschimpfungen, aber auch mit Ehrungen rechnen.“ 

Aus dem Münsterland nach Berlin  

Norbert Onken wurde für sein anhaltendes Engagement für Moabit geehrt. Er ist mit seinem Kiez verwachsen, lebt seit 30 Jahren in der Oldenburger Straße. Geboren  im nördlichen Münsterland, zog es ihn als junger Mann zunächst nach Bielefeld, wo er  Philosphie und Literaturwissenschaft studierte.  Nach Berlin kam er, um dem Militärdienst zu entgehen - und weil er als Provinzler die Erfahrung des Lebens in einer Großstadt machen wollte. Bevor er nach Moabit zog, lebte der Neu-Berliner Onken zunächst drei Jahre in Neukölln. „In Moabit habe ich besonders die schlechte Luft bemerkt. Die wenigen Schritte morgens zum Zeitungsladen und zurück genügten, die Haare nach Rauch stinken zu lassen. Das wurde nach 1989 in relativ kurzer Zeit viel besser durch die Stillegung der Braunkohlekraftwerke der DDR und die entschlossene Reduzierung der Kachelofen – Heizung.“ 

"Alles" über seine Haare 

Apropos Haare: Waren die schon immer so lang? Ja! Seit er 15 oder 16 Jahre alt war, trägt er die Mähne als ein Zeichen persönlicher Freiheit. „Ich dachte mir damals: Überall, wo Menschen Befehlen gehorchen und gebeugt werden sollen, schneidet man ihnen die Haare kurz, schert man sie. - Und dann war da noch die biblische Geschichte von Samson.“

Als seine beiden Kinder  in den Kinderladen und später in die Schule kamen, ergab sich das ehrenamtliche Engagement ihres Vaters quasi von selber. Man redet mit den anderen Eltern. „Ich wurde Elternvertreter in der James-Krüss-Grundschule – man wächst da einfach hinein.“ Onken ist derzeit externes Mitglied in der Schulkonferenz der 1. Gemeinschaftsschule Moabit. 

Norbert Onken im Quartiersrat Moabit West 

So ähnlich ging es auch mit dem Quartiersrat Moabit West, dem er seit 2005 angehört. Wie es dazu kam? „Als das Quartiersmanagement-Gebiet bis zur Oldenburger Straße, in der ich wohne, erweitert wurde,  brauchte es auch Quartiersräte  aus dem Erweiterungsgebiet. Mehrere Schulen kamen damals dazu, Bildungschancen in Problemgebieten waren im Fokus und die Schulen sollten auch Kommunikationsscharnier zum Kiez sein. Man steht immer in der Konsequenz dessen, was man vorher gemacht hat und im Geflecht derer, mit denen man zu tun hat. Das ist ein ein Bedingungsgefüge, das einen treibt und zieht,“ meint Onken, „ich lerne den Kiez immer besser und immer mehr Leute kennen.“ 

Bürgerinitiative gegen das überdimensionierte Hamberger-Projekt  

 Und das nächste Problem folgt immer auf dem Fuße. Seit Monaten  engagiert  Onken sich in der Bürgerinitiative Siemensstraße vor allem in Sachen Bebauung des Hamberger Geländes. Auf dem ehemaligen Gewerbegelände soll ein Gastrogroßmarkt entstehen, dessen gigantische Ausmaße die  Lebensqualität im Kiez stark beeinträchtigen könnten. Onkens Fazit: „Wir haben bis jetzt kaum etwas erreicht, kriegen aber von Investor und Baustadtrat gesagt, dass wir viel erreicht hätten. Also stimmt, daß wir kaum etwas erreicht haben. “  „Schwierig war, dass wir polemisch dargestellt wurden als ein paar Leute, die sich an verdorrte Äste ketten. Uns wurde zudem unterstellt, dass wir Hamberger verhindern wollten, aber das war nie der Fall.“ Vielmehr trieben ihn und die anderen Anwohner die Frage um, warum das Ganze so groß und so maßlos gebaut werden muss. „Macht es eine Nummer kleiner!“ Der Bürgerinitiative wurde vorgeworfen, sie wolle Investitionen und Arbeitsplätze verhindern. „Aber das stimmt einfach nicht. Wir haben nur gesehen, dass da städtebaulich etwas passiert, was so nicht geschehen sollte und was schädlich ist für Moabit.“ Die Anwohner wurden denunziert als „Fenstergucker in ihrem sozialen Biotop, die sich da wohl fühlen und keine Aufwertung ihres Gebietes wollen.“ 

„Ein früher Entwurf der Gruppe Planwerk im Rahmen des Städteumbaus West von 2005/2006 sah eine Grünfläche mit angelagertem Gewerbe vor,“ erzählt Norbert Onken, „nun baut man, umgekehrt, eine riesige Gewerbehalle mit angelagertem, erheblich gestutzten Garten.“  In der frühen Darstellung sei das Gebäude wesentlich kleiner geplant gewesen, es gab einen breiten Grünstreifen zwischen Straße und Gebäude, und die Emdener Straße war nicht verschlossen so wie jetzt, wo die Frischluftschneise versperrt wird. „Jener Entwurf, der im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erstellt wurde, deckt sich frappant mit den Vorschlägen der Anwohner in der BI Siemensstraße. Leider haben wir ihn erst kurz vor der Abstimmung des B – Plans in der BVV gefunden.“

Was bisher durch bürgerschaftliches Engagement von Einzelnen, von Initiativen und in den verschiedenen Gremien im Kiez geschafft wurde, dazu fällt Norbert Onken sofort eines ein: die gute Vernetzung der Menschen in Moabit, die persönlichen und die „Blickbeziehungen“, die etwa Moabit Ost, Stephankiez, Turmstraße und Moabit West verbinden. 

Billige Prachtstraßen für Moabit 

Auf die Frage, was er sich für Moabit wünscht, antwortet er –  da gibt es Parallelen zu Klara Frankes  „billiger Prachtstraße“: Ja, „prächtige Straßen mit moderaten Mietpreisen. Prächtig,  lebens- und liebenswert. Ich wünsche mir eine Aufwertung von Moabit - aber nicht im Sinne von Gentrifizierung wie in manchen Gegenden der Stadt, die einen an ‚gated communities’ denken lassen.“  Seiner Meinung nach werden die gesellschaftliche Spannungen größer, je mehr die soziale Durchlässigkeit  und Mischung abnimmt. „Problematisch wird es, wenn – und wo – man man sie nicht mehr sieht, die Trinker, die Junkies, die Armen, die Bettler. Wenn man sie nicht mehr sieht, weil sie verdrängt wurden in Außenbezirke oder sonstwie Ghettos.“  Quartiersrat Norbert Onken fürchtet eine solche Entwicklung auch für Moabit: während  soziale Probleme von hier an die Ränder der Stadt gedrängt werden, lassen Vorteile wie Innenstadtlage und Verkehrsberuhigung einen immer homogeneren Kiez entstehen. Solche Homogenität aber lehnt er entschieden ab. „Es gibt das Thema Verdrängung z. B. auch in der Physik und in der Psychologie. Vielleicht können wir dort etwas lernen für Stadtplanung und Stadtpolitik. Über Druck z. B., oder über die Wiederkehr des Verdrängten.“ Dass Veränderungsprozesse sozial verträglich ablaufen und die Interessen der Moabiter nicht unter die Räder kommen, daran will er weiter arbeiten.

Text & Fotos: Gerald Backhaus