Suche


Veranstaltungen

Dienstag, 02. Mai 2017 , 18:00 Uhr

Ausstellungs -Eröffnung "AF/CH" - ...

Mittwoch, 03. Mai 2017 , 15:30 Uhr

Einweihung Theater X - Erweiterungsbau

Donnerstag, 04. Mai 2017 , 15:00 Uhr

Kiez-Spaziergang "Zusammen leben - zusammen älter werden"

Sonntag, 07. Mai 2017 , 11:00 Uhr

Gütermarkt am ZK/U

Dienstag, 09. Mai 2017 , 19:00 Uhr

Runder Tisch gegen Gentrifizierung in Moabit

Samstag, 13. Mai 2017 , 10:00 Uhr

Hansa-Viertel - Stadt von morgen

Samstag, 13. Mai 2017 , 11:00 Uhr

Kiez-Rundgang Moabit: Handel im Wandel

Samstag, 13. Mai 2017 , 19:00 Uhr

Kino für Moabit "Menschen am Sonntag"

Mittwoch, 17. Mai 2017 , 18:00 Uhr

Stadtteilplenum Moabit West

Logo EnergiesparratgeberMit dem EnergieSpar-Ratgeber können Sie Heiz- und Stromkosten senken

Richtig teure Autos im sozialen Brennpunkt?


Michael Groß und Remisen-Manager Yvo Konzag

 

Ein Mekka für Oldtimer-Fans in unserem Kiez: die "Classic Remise"

Unter typischen Oldtimer-Kunden - so kommt es bei Jaguar-Spezialist Michael Groß in der "Classic Remise" wie aus der Pistole geschossen - gibt es einige Liebhaber, denen der Wagen wirklich am Herzen liegt. "Aber das sind nur 10 von 100. Die Mehrheit erwirbt einen altes Auto als Statussymbol. Je hochwertiger und teurer, desto besser! Besitzer ganz teurer Wagen haben vom Schrauben meistens gar keine Ahnung." Interessant ist, wie sich deutsche und englische Oldtimer-Fahrer im Verhalten unterscheiden, Michael Groß skizziert da eine typische Situation: "Der Engländer zieht sich eine schmutzige Jacke über, legt sich unter sein Auto und schaut nach, was da klappert. Was macht der Deutsche? Ruft den ADAC an." Die Szene hat sich stark gewandelt - von den Liebhabern hin zu den Sammlern, ähnlich wie in der Kunstszene. Entscheidend ist der Kaufpreis. Gespart wird dann aber leider beim Drumherum wie der Wartung und Pflege, bemängelt Michael Groß. Da werden die Reifen oft bis zur letzten Rille runtergefahren. "Zitat Kunde: 'Meine haben doch noch so ein schönes Profil!' Aber es gibt Reifen, die sind bis zu 15 Jahren alt und total bretthart, wenn sie zu mir in die Werkstatt gebracht werden. Eine tickende Zeitbombe!"

Michael Groß war einer der ersten Mieter in der "Classic Remise", die früher "Meilenwerk" hieß und heute insgesamt rund 30 Firmen beherbergt. Rund 100 Leute arbeiten hier. Fünf Mitarbeiter hat der Spezialist für klassische Jaguar-Modelle, dessen Kunden aus ganz Deutschland, aber auch Großbritannien und Frankreich kommen. Michael Groß bietet in seiner 550 Quadratmeter großen Werkstatt das komplette Leistungsspektrum an. Er vermittelt Oldtimer, besorgt Ersatzteile und übernimmt auch die vollständige Restauration wie z.B. die eines E-Type S 1 FHC oder eines XK 150 OTS.

Richtig teure Autos im sozialen Brennpunkt-Kiez? Das weit über die Grenzen Berlins bekannte Mekka für Oldtimer-Fans befindet sich in der Wiebestraße Ecke Sickingenstraße in Moabit im QM-Gebiet Moabit West. In dem 1901 als Straßenbahndepot errichteten Gebäude gegenüber des Siemens-Geländes stehen zwischen 250 und 300 Wagen, die die Herzen von Automobil-Liebhabern höher schlagen lassen. Auf den 16.000 Quadratmetern herrscht eine große Vielfalt an Typen, unter den schicken alten Autos finden sich Alfa Romeos, Bugattis und - weltweit einmalig - auch so ein Prachtstück wie ein Bentley vom Typ "Patterson Dartmoor Coupé". Besitzer von Oldtimern können ihren Liebling in der kalten Jahreszeit in einer der 88 Einstellboxen überwintern lassen. Mittlerweile kommen aber auch immer mehr Architekturinteressierte vorbei, so Yvo Konzag, der die "Classic Remise" als "Center Manager" und Prokurist der Lange CI GmbH leitet. Als Remisen bezeichnete man im Süddeutschen früher Wagenhallen für Kutschen. In Berlin dagegen denken viele zuerst an ein kleines Haus im Hinterhof, erzählt er.

Die Moabiter "Classic Remise" entstand vor rund zehn Jahren, nach dem das denkmalgeschützte Gebäude rund drei Jahrzehnte lang verfiel. Und sie begrüßt in der letzten Zeit immer mehr jüngere Leute als Kunden. Die Dreißigjährigen, die Yvo Konzag der Youngtimer-Szene zurechnet, bekommen ein Vintage-Auto auch schon verhältnismäßig preisgünstig: "Das fängt unter 10.000 Euro an, denken wir nur an den VW Käfer oder einen 23er Mercedes aus den 70er Jahren." Aber es geht in der Oldtimer-Szene preislich auch bis hin zu zweistelligen Millionenbeträgen. Konzag berichtet von einem Bugatti Atlantic, der für rund 30 Millionen Dollar bei einer Auktion den Besitzer wechselte. Von diesem Modell wurden seinerzeit in den 30ern nur ganze vier Stück gebaut, einen davon besitzt der Modemacher Ralph Lauren. Wagen wie diese werden wie Kunstobjekt gehandelt, viele werden nie gefahren, sondern verschwinden - ähnlich wie wertvolle Gemälde im Tresor - in einer gut gesicherten Garage.

Die Kundschaft der "Classic Remise" ist international, so der Manager, "die Leute kommen teilweise auch aus dem arabischen Raum, den USA und aus Russland hierher." Sie seien sehr zufrieden, was sich in der Stabilität der gewerblichen Mieter des Oldtimer-Komplexes spiegelt, um die 80 Prozent der Firmen sind seit dem Anfang vor zehn Jahren dabei.

Wie sich Yvo Konzag die Oldtimer-Szene und seine "Classic Remise" in zehn Jahren vorstellt? Die Faszination wertvoller alter Automobile wird gerade in den Zeiten von Finanzkrisen nicht abreisen, glaubt er. Chinesen und Russen werden als Kunden immer bedeutender werden, und die "Classic Remise" wird eines der führenden Oldtimer-Kompetenzzentren Deutschlands. Und das befindet sich in Moabit!

www.remise.de

Text & Fotos: Gerald Backhaus