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Russisch-deutsche Literatur - Das Neueste von den Moabiter Dichtern

Nora Gaydukova

Nora Gaydukova über die russisch-deutsche Moabiter Dichtergruppe, „Schloss Moabit 2“ und Zukunftspläne

Ganz sommerlich und gut gelaunt ist Nora Gaydukova von den "Moabiter Dichtern", als ich sie im neuen Café TIRREE in der Birkenstraße treffe. Wir sitzen draußen bei Kaffee oder gutem Kuchen und es geht um das neue Buch, das die Literaten planen, Schnell sind wir auch bei der politischen Lage in Russland, ihrem bevorstehenden Besuch in Moskau und dem anstehenden Kulturfestival Wedding/Moabit, für das sie sich noch nicht angemeldet hat. Aber zurück zum Buch. 2012 gaben die „Moabiter Dichter“ ihr Werk „Schloss Moabit 2“ heraus, das Nachfolgewerk ihres zweisprachigen deutsch-russischen Sammelbandes "Von ...ensk nach Berlinsk: Schloss Moabit - Lyrik und Prosa" heraus. "Schloss Moabit 2" wurde gefördert durch das Programm „Soziale Stadt“ der Europäischen Union, vermittelt durch das Quartiersmanagements von Moabit West. 2014 soll nun ein drittes Werk voller Prosatexte und Poesie und mit Illustrationen publiziert werden. „Moabit und die globale Welt“ lautet der Arbeitstitel. Thematisch soll es darin vor allem um Gefühle – positive wie negative – gehen und um neue Gelegenheiten, die sich durch die größere Mobilität vieler Menschen und die Globalisierung ergeben. Nora Gaydukova selbst wird als „Amerikanische Etüden“ ihre Reiseeindrücke in den USA verarbeiten. Prompt erzählt sie auf die Frage nach Unterschieden zwischen Europäern und Amerikanern eine Anekdote: Als ihr Flugzeug von Boston nach Washington verspätet startete, flog der Pilot einfach schneller und holte viel von der Zeit auf. „Das wäre unmöglich in Deutschland,“ mutmaßt sie, „hier gibt es Vorschriften, wie schnell man fliegen darf.“ Sie fand die Amerikaner „nicht so fettleibig wie erwartet“ und staunte über eine Demonstration gegen Gen-Food vor dem Weißen Haus. Später fällt ihr noch etwas ganz Alltägliches ein: als sie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den Westen kam, war sie sehr überrascht von den im Vergleich zu Russland viel größeren Tellern, die hier zum Essen verwendet werden. In dem neuen Buch „Moabit und die globale Welt“ wird es u.a. Texte über Veränderungen in der deutschen und russischen Gesellschaft geben. Auch die verschärfte politische Situation in Russland wird Thema. In Gaydukovas Heimatland bekommen Opositionelle, Künstler, Intellektuelle, Homosexuelle, asiatisch aussehende Menschen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, aber auch ausländische Nichtregierungsorganisationen wie die deutsche Konrad-Adenauer-Stiftung immer mehr Probleme im täglichen Leben. Im Unterschied zu Deutschland, wo man die Polizei zu Recht als „Freund und Helfer“ betrachtet, haben viele Russen Angst vor der Willkür der Polizisten. Die Autorinnen und Autoren des neuen Werks der Dichtergruppe, die am 2.9.2013 in der Jüdischen Gemeinde aus ihrem Buch „Schloss Moabit 2“ liest, sind wieder Menschen mit sehr unterschiedlichem Hintergrund. Eine lebt teilweise in Moskau, ein anderer ist ein sehr bekannter Dichter, dessen Werke Nora Gaydukova übersetzte, eine ist eine aus der DDR stammende Kunsthistorikerin und Dichterin, einer ist deutscher Jude und war zu DDR-Zeit im Gefängnis, einer leitet ein Studententheater und wieder ein anderer ist Tartare. Auch ihre beiden Töchter Sonja und Polina sind involviert.

Im September ist eine Lesung im Atelier von Lubina in St. Petersburg geplant. Bei dieser Gelegenheit möchte Nora Gaydukova um gute Texte von in Russland lebenden Autoren werben. Parallel plant sie, die gerade zehn Monate lang eine Ausbildung zur Galerie- und Kunstassistentin absolvierte, eine Ausstellung mit allen Illustration aus „Schloss Moabit 2“ und früheren Büchern zu kuratieren. Gezeigt werden soll – na klar – im titelgebenden Stadtschloss Moabit in der Rostocker Straße 32. „Vielleicht aber auch mobil auf der Straße mit gleichzeitigen Performances“, die Lesungen sollen mit Inszenierungen und Musik begleitet werden. Vielleicht findet eine Aktion ja mal im TIRREE statt? Das Kunst-Café wäre ein bestens geeigneter Ort auch für die Moabiter Dichter.

Kontakt

Nora Gaydukova (Projektleitung "Moabiter Dichter") 

noragaydukova[at]mail[.]ru

http://literaturwerkstatt.blogspot.de/

moabiterdichter/blogspot.de

2012 hatten wir schon über das Projekt und die Frau dahinter berichtet - und zwar hier.

Text & Fotos: Gerald Backhaus