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Schauspieler und Filmemacher George Inci

George Inci (Foto: Beatrice v. Moreau)
Filmplakat "Baba" (Quelle: Inci Pictures Filmproduktion)
Filmplakat "Basim" (Quelle: Inci Pictures Filmproduktion)

George Inci lebt seit 25 Jahren in Moabit. Geboren wurde er in Kelkit/Türkei. Mit vier Jahren kam er mit seinen Eltern und Geschwistern nach Deutschland. Nach Moabit gezogen ist er, nachdem er mit seiner älteren Schwester Neukölln und die Eltern zwei Jahre vor seinem Abitur verlassen hat. Er ist ein Beispiel gelebter Integration.

George Inci ist Schauspieler und Filmemacher. Was ihn ausmacht ist ein großer Wille und eine starke Persönlichkeit. Er hat sich seine Ausbildung selbst finanziert und stetig an seiner Karriere als Schauspieler gearbeitet. Bekannt wurde er über die Serie "König von Kreuzberg", war aber auch schon in großen Kinoproduktionen wie "In 80 Tagen um die Welt" mit Jackie Chan und Arnold Schwarzenegger zu sehen. Die Liste seiner Filmauftritte ist lang.

Doch die Schauspielerei alleine reicht ihm nicht mehr. Die ewigen Rollen vom Kleinkriminellen bis zum Autodieb, die man im deutschen Fernsehen „als Türke“ angeboten bekommt, waren George Inci nicht mehr Herausforderung genug. Seit einigen Jahren hat er begonnen, seine eigenen Filme zu realisieren. Doch wie macht man Filme, wenn man bisher immer vor der Kamera gearbeitet hat? „Ganz einfach.“ sagt George Inci und lacht. „Man macht Filme.“ Und genauso pragmatisch ist er die Sache auch angegangen. Learning by doing war das Prinzip. Er lieh sich eine Kamera und legte los. „Basim“ sein erster vollkommen allein realisierter Film wurde gleich ein 80 Minüter. Es geht um die Wirklichkeit in den Medien. Bezeichnend für Inci, dass er sich gleich einem so großen Thema widmete. Er hat den Film komplett selbst finanziert. Vor zwei Jahren feierte Basim Premiere im Babylon in Mitte.

Ermutigt durch diesen ersten Erfolg, flog er nach Marokko und drehte dort seinen nächsten Film „Baba“. Es ist die Geschichte seines Vaters. Gerade wurde der Film beim Internationalen Filmfestival in Bogotá/Kolumbien gezeigt. Die Geschichte von „Baba“ ist hart. Eine Mutter bringt Zwillinge zur Welt. Sie hat nicht genug Milch, um beide Kinder zu ernähren und muss sich entscheiden. George Inci verbindet in seinem Film zwei Welten. Die Handlung beginnt in Berlin in einem modernen Café. Die Menschen essen reichhaltig. Dazwischen ein orientalischer Musiker, der über seine Musik aus seinem Leben erzählt. Seine Zuhörer sind bunt gemischt. Berliner eben. Sie werden entführt in die wunderschöne Welt der marokkanischen Sahara. Wenn der Blick aus der Geschichte auf sie zurückgelenkt wird, sind sie geschockt. Vor ihnen sitzt nicht mehr nur ein Fremder mit einer Flöte, sondern ein Mensch. Nur durch ein Wunder ist er am Leben.

Gute Geschichten liegen seit Jahren in Incis Schrank. Bereits vor zwölf Jahren wurde er als Autor für sein Drehbuch „Hirschen“ gefördert. Die normaler Weise sich anschließende Produktionsförderung blieb aus. Dafür waren wohl die Netze der „Freunderlwirtschaft“ im Filmförderungsbereich zu eng gestrickt.

George Incis Vielseitigkeit ist sein Markenzeichen. Gerade wurde „Baba“ von einem Festival in Polen angefragt, das Preise für Kameramänner vergibt. Natürlich hat Inci die Kamera bei „Baba“ selbst geführt. „Wem es an Mitteln fehlt, der muss das mit Kreativität ausgleichen!“ meint er schmunzelnd.

Die fehlenden Mittel sind wohl das Problem aller aufstrebenden Filmemacher. Nach jahrelangen Anträgen bei diversen deutschen Filmförderungen ist George Inci es leid. „Bei mir war die Filmförderung eher eine Filmverhinderung. Anstatt einfach Filme zu drehen, habe ich jahrlang Förderungsanträge gestellt. Seitdem ich einfach angefangen habe, Mitstreiter zu suchen und drauf los zu drehen, bin ich endlich wieder im kreativen Prozess," so Inci.

Seine Liebe zum Film ist ungebrochen. Für die Umsetzung seiner Komödie „Hirschen“ hat Inci im letzten Jahr zusammen mit seiner Schauspielkollegin und Koproduzentin, Beatrice von Moreau, ein ganzes Dorf in Osttirol begeistert. Am Ende haben von der freiwilligen Feuerwehr bis zur Musikkapelle alle mitgeholfen. „Das war ein großes Geschenk," berichtet Inci. „So viel Hilfe und Unterstützung von Menschen zu bekommen, die wir vorher gar nicht kannten war für mich und meine Koproduzentin umwerfend!

Der Vertrieb wird die nächste große Herausforderung. Wir wünschen uns, dass der Film mindestens so viel einspielt, um alle Beteiligten rückwirkend bezahlen zu können. Dafür haben wir den Film sowohl in deutsch als auch in englisch gedreht. Dadurch haben wir die Möglichkeit, ihn weltweit auszuwerten.“ Keine kleine Herausforderung. 90 Prozent der Schauspieler kommen aus Tirol, und dort lernt man eher italienisch als englisch. „Wir haben also eine neue Sprache erfunden: das Tiroler englisch, was dem Film noch eine zusätzliche Komik verleiht," bemerkt Inci lachend.

Das moderne Heimatmärchen „Hirschen“ ist derzeit in der Postproduktion. Die Website des Filmes www.hirschen-film.com ist bereits online. Dort findet man Informationen über die Geschichte, die Darsteller und die ersten Teaser (kurze Filmausschnitte).

Nach seiner Heimat gefragt, ist es für Inci schwer eine Antwort zu geben. „Nach 25 Jahren ist es wohl am ehesten noch Moabit. Genau genommen habe ich keine Heimat. Ich habe Deutschland viel zu verdanken, aber wie soll man sich in einem Land heimisch fühlen, in dem man immer nur als Fremder gesehen wird.“ Vielleicht war es ihm deshalb so wichtig „Hirschen“ als Heimatkomödie zu drehen. Inzwischen hat George Inci seine Heimat wohl vor allem in sich selbst gefunden. Das strahlt er zumindest aus. Er musste für alles in seinem Leben kämpfen, aber man sieht ihm den Kampf nicht an. Er brennt für das, was er tut. Film ist sein Leben, dafür hat er immer alles gegeben, gegen den Widerstand seines Elternhauses und gegen den Widerstand der Branche. Ein Künstler von dem man hoffentlich noch viel hören und sehen wird.

Text: Elisabeth v. Moreau, November 2011