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Stadtteilplenum am 15. März 2011

Stephan von Dassel bei seinem Vortrag über die Seniorenpolitik in Mitte
Ingo Gust vom VISAP e.V., der die Stadtteilzeitung "moabiter INSELPOST" produziert...
...fand gleich neue Leser vor Ort unter den Plenumsteilnehmern
Elke Harms präsentierte die Ergebnisse der LISA-Studie

Vom Gierigen Riesen, Moabits neuester Zeitung und der Seniorenpolitik im Bezirk Mitte

Das dritte diesjährige Stadtteilplenum im Nachbarschaftstreff "Stadtschloss Moabit" unter der Regie vom Moabiter Ratschlag e. V. und der S.T.E.R.N. GmbH, moderiert von Susanne Torka, stand ganz im Zeichen älterer Menschen in Moabit. Dazu war Bezirksstadtrat für Soziales und Bürgerdienste, Stephan von Dassel, in die Rostocker Straße gekommen, um die Seniorenpolitik im Bezirk Mitte und besonders in Moabit zu erläutern.

Unter "Aktuelles aus dem Kiez" wurden zunächst drei Projekte und Einrichtungen vorgestellt. Anhand von Fotos, u.a. von einer Aufführung im französischen Grenoble, gab es mit dem "Gierigen Riesen" die Präsentation einer ungewöhnlichen Straßenmal-Theater-Inszenierung. Die beiden "Riesen"-Macher sind die Malerin Silke Kruse und ihr Partner Gert Engel, der die Musik beisteuert. Bei dem Projekt malen Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren einen idyllischen Garten auf eine große Packpapierfläche. Der Riese, der den Garten verschlingt, wird am Ende besiegt, und der Garten entsteht wieder neu. So lernen die Kinder, mit struktureller Gewalt, die für sie bedrohlich ist und sie ängstigt, umzugehen.

Viele Plenumsteilnehmer hatten bereits einen Blick hinein geworfen, denn die erste Ausgabe wurde Anfang März im Kiez verteilt und liegt auch im Nachbarschaftshaus aus: die "moabiter INSELPOST". Ingo Gust, erster Vorsitzender des VISAP e.V. , stellte den Trägerverein und die aller zwei Monate erscheinende Stadtteilzeitung vor. Schwerpunkt war sein Aufruf an die Anwesenden, sich mit  Leserbriefen, Themenvorschlägen und Fotos zu beteiligen, damit aus der "INSELPOST" eine richtige 'Mitmachzeitung' der Moabiter wird. Die Redaktion wünscht sich explizit die Beteiligung von älteren Menschen, so dass u.a. eine Seniorenseite entstehen kann.

Sven Kirschke berichtete im Anschluss darüber, was seine "Kontaktstelle Pflege Engagement" macht. Ziel dieses Projektes der StadtRand gGmbH ist es, "gemeinsam die Lebensqualität von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen zu verbessern". Kirschke erläuterte die drei Säulen des Projektes -  Selbsthilfe, Teilhabe und Freiwilligenarbeit - und warb besonders für ehrenamtliches Engagement im Pflegebereich. "Wenn die Oma mit ihrer hohen Telefonrechnung nicht klar kommt, wer verbringt dann die Zeit in der Telekom-Warteschleife und klärt das Problem? Pflegedienstmitarbeiter haben für so etwas in der Regel gar keine Zeit und deren Qualifikationen sind bei dieser Sache nicht zwingend vonnöten. Ein Ehrenamtlicher wäre die Lösung!"

Damit war das Plenum thematisch schon beim Schwerpunkt der Veranstaltung angelangt. Bezirksstadtrat Stephan von Dassel erklärte zunächst, warum es bezirkliche Seniorenpolitik gibt und ließ das Plenum auch ab und zu raten, zum Beispiel nach der Zahl der Frauen und Männer im Alter über 65 Jahre. Von den 330 000 Menschen im Bezirk Mitte sind rund 51 000 in dieser Altersgruppe, davon in Moabit West knapp 4 900, was hier einem Bevölkerungsanteil von 12 Prozent entspricht. Zum Vergleich: im Regierungsviertel und um den Alexanderplatz herum sind 20 Prozent der Bewohner über 65. Insgesamt sind der Bezirk Mitte und ganz Berlin im Deutschlandvergleich relativ jung. Etwa jeder fünfte Mensch im Rentenalter (und jeder vierte im erwerbsfähigen Alter), der in Mitte lebt, erhält soziale Unterstützung vom Staat.

Das Bezirksamt versucht, seine Leistungen so angemessen, zuverlässig und bürgernah wie möglich zu gestalten. Die Beamten sollen Anwälte der Senioren sein. Das ist nicht einfach bei der Zahl der Fälle bzw. der dünnen Personaldecke im Amt, nach der jeder Sachbearbeiter im Durchschnitt nur zehn Minuten Zeit pro Fall und Woche hat, so von Dassel. Bewährte Instrumente der Seniorenarbeit im Rathaus sind die Geburtstagsbriefe an über-achtzigjährige Jubilare, die Sozialkommissionen und die Seniorenfreizeiteinrichtungen der freien Träger, von denen glücklicherweise und durch viel Protest der Älteren bezirksweit nur zwei geschlossen werden mussten. Der Bezirksstadtrat machte auf die neue Service-Broschüre aufmerksam, die Gesundheits- und soziale Themen zusammenfasst.

Durch eine Erbschaft, die dem Bezirk zufiel, können Erholungsreisen für Bezieher von Wohngeld und Grundsicherung finanziert werden. Stephan von Dassel erläuterte zudem innovative Projekte seines Amtes. Eines davon war die Umfrage zu den Lebensumständen von Senioren, für die 3 000 Menschen befragt wurde, die Geburtstagsbriefe erhalten, und über deren vergleichsweise großen Rücklauf er sich freute. Ein anderes war die Studie zu "generationsübergreifenden Nachbarschaftsprojekten". In der Planungsphase befindet sich eine Kooperation mit dem Studentenwerk. Durch diese sollen junge Menschen, die ein kostengünstiges Dach über'm Kopf suchen, an Senioren mit ausreichend Wohnraum vermittelt werden. Als Gegenleistung sind kleine Hilfen im Alltag angedacht.

30 Arbeitsplätze für die Alltagshilfe schafft der Bezirk zur Zeit. Damit soll zum Beispiel in solchen Fällen, wenn Ältere, die zwar nicht pflegebedürftig sind, aber nicht mehr alles selbst erledigen können, geholfen werden, "also z.B. wenn jemand mal eine Glühlampe ausgewechselt haben will." Ein weiterer wichtiger Punkt der Seniorenpolitik sind die Rathauskantinen. Deren Schließung hätten gerade die Älteren verhindert, so von Dassel. Die Kantine im Rathaus Tiergarten in Moabit soll dank eines neuen längerfristigen Pachtvertrages im April wieder eröffnet werden. Zudem ist geplant, Freizeitangebote für Senioren in die Kantinen zu integrieren. Warum - das liegt für den Stadtrat auf der Hand: "Die Menschen irgendwohin zu lotsen ist immer schwierig, aber in der Kantine sind sie schon alle da."

473 Menschen über 60 Jahre, die im Bezirk Mitte leben, wurden zu ihrer Situation in Bezug auf Faktoren wie Gewicht, Bewegung, Alkoholkonsum, Pflegebedürftigkeit, Bezugspersonen und soziale Unterstützung befragt. Darunter waren 116 Männer und Frauen aus Tiergarten. Elke Harms vom Bezirksamt gab die Ergebnisse der LISA-Studie bekannt, über die wir auf unserer Seite schon berichtet haben. Fazit dieser Befragung war, dass - wie vermutet - ein deutlicher Zusammenhang zwischen sozialer Lage und gesundheitlicher Belastung besteht. "Je niedriger der soziale Status, desto höher ist das Gesundheitsrisiko", so Harms.

Erwin Scherner, seit 1991 Mitglied der Seniorenvertretung, gab Informationen über die Kandidatenaufstellung zur Wahl der neuen Seniorenvertretung im November 2011. Bei der gewählten Interessenvertretung der älteren Bewohner von Mitte handelt es sich um ein unabhängiges, parteipolitisch und konfessionell neutrales und ehrenamtlich tätiges Gremium. Die jetzige Truppe ist überaltert. Außerdem sind aus Gesundheitsgründen nur noch 13 der 17 Gewählten aktiv. Nachrücker wie in anderen Stadtteilen gibt es nicht. Scherner selbst kandidiert auch wieder und appellierte an die Anwesenden, es ihm gleich zu tun, wenn sie selbst im Rentenalter sind, bzw. ältere Menschen für das Thema zu sensibilisieren.

Danach startete Susanne Torka die Diskussion zum Thema. Mehr Bekanntheit tut der Seniorenvertretung wirklich Not. Nur 0,23 Prozent der wahlberechtigten Senioren in Mitte gaben beim letzten Mal ihre Stimme ab, so Jutta Schauer-Oldenburg. Diesen November soll das anders werden, 50 000 Euro wird das Land Berlin für Öffentlichkeitsarbeit ausgeben, um den berlinweit einheitlichen Wahltag im November bekannt zu machen, sagte Bezirksstadtrat von Dassel. Elke Fenster vom Moabiter Ratschlag, die die LISA-Studie intensiv studiert hatte, informierte über den bereits bestehenden Runden Tisch, an dem neue Angebote für Ältere entwickelt bzw. Bestehendes gezielter auf Senioren zugeschnitten wird.

Wichtige Termine, die im Plenum bekannt gegeben wurden, finden Sie unter „Aktuelles“ bzw. in unserem „Veranstaltungskalender“ rechts.

Den Bericht zum vergangenen Plenum im Februar finden Sie hier.  Das nächste Stadtteilplenum am 19. April wird sich u.a. mit der Spielhallen-Problematik beschäftigen. Mehr Information zur Tagesordnung gibt es vorab auf unserer Seite.

 

Text & Fotos: Gerald Backhaus