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Stadtteilplenum im Januar 2017


Die Moabiter Polizei ist auch beim Plenum dabei
Beatrice Pfitzner, QM Moabit West
Mitarbeiterinnen von Reachout

Bitte alle mitsingen!
Die Vorsänger: Beatrice Pfitzner, Jutta Schauer-Oldenburg und Torsten Gardei am Piano
Alexander Kujus (Waldstraßen-Initiative)
Moser und Dimmer (Waldstraßen-Anwohnerinnen)
Lotta (ZK/U)
Ilona Arabella Troncoso Munoz (Kindercafé Fräulein Knopfauge)

Der Moabiter Ratschlag e. V. und die S.T.E.R.N. GmbH luden zum ersten Stadtteilplenum im neuen Jahr am Dienstag, 17. Januar 2016, in den Stadtschlosstreff ein. Susanne Torka moderierte wie gewohnt, es kamen rund 40 Gäste.

Zunächst ging es unter „Aktuelles aus dem Kiez“ um die Stadtteilwerkstatt Moabit West. Sie findet am 25. Februar 2017 von 10.30 bis 16 Uhr im Stadtschloss statt, gab Quartiersmanagerin Beatrice Siegert bekannt. Sie freut sich im Namen des ganzen QM-Teams bereits im Vorfeld auf eine große Beteiligung. Es soll bei der Werkstatt um Fragen wie diese gehen: Wo gibt es besonderen Bedarf im Kiez, welche Projekte sind gewünscht, und wo liegen die Schwerpunkte bei der Mittelvergabe? Mit einem Budget von rund 300.000 Euro steht dem QM in den kommenden drei Jahren etwas mehr Geld zur Verfügung, weil das Land Berlin zusätzliche Fördermittel für die Integration von Geflüchteten zur Verfügung stellte. Die Ergebnisse der Stadtteilwerkstatt dienen dem QM als Grundlage seines Integrierten Handlungs- und Entwicklungskonzeptes (IHEK) für die nächsten Jahre. Hier geht es zur Einladung: http://www.moabitwest.de/Stadtteilwerkstatt-Februar-2017.6028.0.html Das QM-Team freut sich über eine Anmeldung bis zum 20. Februar 2017.

Beatrice Siegert rief dazu auf, sich für Fördermittel aus dem Aktionsfonds zu bewerben. Dieser wurde extra konzipiert für die Finanzierung kleinteiliger Projekte. Nachbarschaftsfeste, Bepflanzungsaktionen und ähnliches können so mit bis zu 1.500 Euro gefördert werden. Wichtig zu wissen: finanziert werden keine Honorare, sondern nur Sachkosten. Musiker-Gagen für ein Stadtfest z. B. sind aber auch finanzierbar. Nächster Abgabetermin für Bewerbungen ist der 15. Februar 2017. Hier mehr dazu: http://www.moabitwest.de/Projektideen-fuer-den-Aktionsfonds-gesucht.6041.0.html

Als nächsten Tagesordnungspunkt stellten zwei Mitarbeiterinnen von Reachout dieses Projekt für  "Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus" vor. Reachout ist ein Projekt vom ARIBA e.V. und wird gefördert durch das Berliner "Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus". Die Beratung ist im November 2016 von Kreuzberg nach Moabit gezogen, und zwar in Räume des Refo-Campus in der Beusselstraße 35 (3. und 4. Etage). Neben der Dokumentation von Überfällen und Beratung der Opfer von Gewalt wirkt das Projekt auch auf dem Gebiet der Bildung. So können interessierte Schulen z. B. eine Bildungsreferentin von Reachout zu sich einladen. Reachout begleitet Menschen direkt nach einem Angriff bis hin zum Gerichtsprozess, wenn die Polizei die Täter gefasst hat. Eine aktuelle Foto-Ausstellung zeigt Tatorte  berlinweit in allen Bezirken. Bis zum 31.1.2017 kann man sie in der Wolfdietrich-Schnurre-Bibliothek, Bizetstraße 41, in Weißensee besichtigen. Reachout ist auf der Suche nach weiteren Ausstellungsorten für diese Fotos, was immer auch mit Veranstaltungen und Workshops kombiniert wird, z. B. in Bibliotheken. Die Reachout-Mitarbeiterinnen wiesen auf ein zweites Projekt unter gleicher Trägerschaft (ARIBA e. V.) hin. Es handelt sich dabei um eine psychologische Beratungsstelle, mit der sie eng zusammenarbeiten. Dort werden traumatisierte Opfer nach Gewalterfahrungen psychologisch betreut.

Fachspezifische Beratungsstellen wie Reachout gibt es mittlerweile fast bundesweit, anfangs nur in Ostdeutschland, jetzt auch bald flächendeckend im Westen. Reachout stellte sich als Nachbar beim Plenum vor, um zu erfahren, was im Kiez passiert, um zu dokumentieren und um Betroffene zu unterstützen.
Kontakt:
ReachOut, Beusselstr. 35 (Hinterhaus 4. Etage), 10553 Berlin, Tel. 030 / 69 56 83 39, http://www.reachoutberlin.de E-Mail: info@reachoutberlin.de

Neben Reachout existiert auch ein Projekt namens Registerstelle in allen Berliner Bezirken. Diese sammelt Vorfälle auch unterhalb von körperlichen Bedrohungen, also z. B. Beleidigungen, Nazi-Schmierereien an Häuserwänden und ähnliches. Der Träger NARUD e.V. deckt den Bezirk Mitte ab und wertet die Vorfälle aus.
Kontakt: Registerstelle Berlin Mitte, NARUD e.V. , Genter Straße 7 , 13353 Berlin, Mail: register[at]narud[.]org, Tel. 30 915 154 16,
Web: www.narud.org

Zum Einstieg in das Hauptthema „Konflikte im öffentlichen Raum“ gab es eine musikalische Darbietung ganz besonderer Art. Quartiersrat Torsten Gardei setzte sich ans Klavier und sang gemeinsam mit Quartiersrätin Juttas Schauer-Oldenburg und Beatrice Siegert die vor 11 Jahren entwickelten Moabiter „Goldenen Straßenregeln“. Da der Text zuvor verteilt wurde und auch durch den QM-Praktikanten vorn hoch gehalten wurde, stimmten die Plenumsgäste ein und sangen kollektiv mit. In diesen „Goldenen Straßenregeln“ für das bessere Zusammenleben im Kiez ging es u. a. um die Vermeidung von  Müll und Krach, um das Finden von Kompromissen, die Chancengleichheit von Mann und Frau, das Miteinander aller Religionen, "Jung und Alte vertragen sich", um Toleranz und Rücksicht. Ziel ist es anzustreben, dass man hier gut leben kann - “So sind die wahren Moabiter, helfen wie die Samariter!" Das Lied endete mit „Allen ist klar, Moabit ist dann wunderbar.“ Im Anschluss spielte und sang Torsten ein zweites eigenes Lied über Moabit.

Nach dieser Einstimmung auf das Schwerpunktthema gab es Berichte aus einzelnen Straßen, in denen es Konflikte gab und gibt.

Zur Lage in der Waldstraße sprach Alexander Kujus. Er leitet von Anfang an das teilweise durch QM-Mittel geförderte Nachbarschaftsprojekt Anwohnermagnet zur Belebung der Waldstraße (www.waldstrasse-moabit.de) Was ihm dabei auffiel, ist, dass sich viele Leute durch die Einladungen der Gruppe nicht erreicht fühlten. Bemängelt wurde von Anwohnern, mit denen er ins Gespräch kam, die Situation in Moabit, die durch den Flüchtlingsansturm am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) vor gut einem Jahr ausgelöst wurde. Die Anwohner fühlten sich in ihrer Sicherheit bedroht. Das führte soweit, dass sich durch die Nachbarschaftsinitiative nicht vertreten fühlten und die Polizei wegen der ab und zu stattfindenden kleinen Nachbarschaftsfeste riefen. Es hätte sogar eine Demonstration in der Waldstraße gegeben.

An dieser Stelle intervenierten Frau Dimmer und Frau Moser, beide Anwohnerinnen der Waldstraße und Mitorganisatorinnen der erwähnten Demonstration. "Um Flüchtlinge ging es bei der Demo gar nicht, sondern um die erlebte Gewalt in der Waldstraße!" Ganz gerührt durch das Lied betonten sie, dass Moabit für sie ein Ort sei, in dem man gut leben kann - ein multikultureller Ort, an dem man ein hohes Maß an Toleranz braucht. Manchmal sei der Grat dabei sehr schmal: sie erlebten ausufernde Gewalt in der Waldstraße und dagegen organisierten sie eine Demo der Anwohnerschaft. "Wir wollten aufmerksam machen auf Leute, die mit Macheten durch unsere Straße laufen, mit Pflastersteinen werfen und Nachbarinnen bedrohen," beschrieben sie ihre Motive. So etwas passierte im und um das inzwischen geschlossene Café in der Waldstraße 5. Die beiden Frauen hatten deshalb schon im Vorfeld der Demo Kontakt zu Akteuren wie dem Polizisten Karl Bösel, zu QM und Moabiter Ratschlag e. V. sowie zu Susanne Torka (B-Laden, moabitonline.de) gesucht. Ihr Appell an die Plenumsrunde lautete, miteinander zu kommunizieren und an einem Strang zu ziehen: "Es bringt etwas, sich zu wehren. Auch wenn man dabei in Kauf nehmen muss, mit seiner Meinungsäußerung im Anschluss vielleicht von anderen missbraucht zu werden." Es sei eine brenzlige Situation gewesen, weil die Kriminellen aus dem Café fast auf die Demonstranten losgegangen wären.

Lotta vom Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) in der Siemensstraße sprach darüber, was für Schwierigkeiten das ZK/U mit seiner Lage zwischen Privatgelände und öffentlichem Raum hat. „Wie werden unsere privaten Gegenstände geschützt?“ Jugendgruppen halten sich oft auf der ZK/U-Terrasse und im Stadtgarten auf, wodurch es dort zu einer starken Vermüllung kommt, "um die wir uns dann kümmern müssen." Außerdem kam es schon zu Gewaltvorfällen, "wenn wir diese Runden beenden wollten." Dabei war es Lotta wichtig festzustellen, dass das Team vom ZK/U die Jugendliche keinesfalls verdrängen möchte, "aber sie müssen sich an gewisse Verhaltensregeln halten." Auch Moderatorin Susanne Torka bestätigte, dass die Regeleinhaltung oft ein Problem darstellt. Sie selbst erlebte lautstarke Störungen bei einer Ausstellung im ZK/U.

Ilona Arabella Troncoso Munoz vom Kindercafé Fräulein Knopfauge in der Oldenburger Straße 40 ("das Café neben der Kneipe") betreibt ihr Café seit Mai 2016. Schon mehrfach erlebte sie Konflikte auf den Bänken am nahe gelegenen Spielplatz mit. Es gab Schlägereien unter Müttern sowie unter Müttern und Vätern. So etwas vor den Kindern auszutragen, fand sie unmöglich und schritt schon mehrmals ein. Probleme in der Straße machen ihr zudem laut schreiende und unflätig fluchende Kinder und Jugendliche sowie die extreme Vermüllung des öffentlichen Raums: "Manchmal räume ich eine Stunde vor meiner Ladenöffnung draußen auf." Konfliktpotential gäbe es ihrer Ansicht nach vor allem zwischen deutschen Eltern und Eltern mit Migrationshintergrund: "Leider durchmischt es sich gar nicht, sondern es gibt eher Konflikte," berichtete sie.

Was kann man da machen? Susanne Torka fragte die Plenumsgäste nach Lösungsvorschlägen.

Lothar Walter aus der Waldstraße, Vertreter einer Nachbarschafts-Facebook-Gruppe, schlug vor: tägliche Reinigung auf den Moabiter Großspielplätzen ("Das verhindert auch die Rattenplage, durch die die Spielplätze wochenlang gesperrt wurden.") sowie gut ausgeschilderte Toiletten. Zudem wäre eine Aufsichtsperson gut, wenn sich dort Kinder aufhalten. So wie z. B. beim Ottospielplatz, vielleicht wäre ein Zaun darum gut?

Ilona Arabella Troncoso Munoz beruhigte schon Kinder von streitenden Eltern und berichtete, dass es bei Konflikten  - wenn sie nicht eingeschritten wäre - bis zum Eintreffen der Polizei keine weitere Hilfe außer ihr gegeben hätte.

Christian Schramm, Straßensozialarbeiter vom Gangway e. V.: Es gibt ja bereits seit Jahren im Sommer Spielplatzbetreuer vom Träger Diakoniegemeinschaft Bethania e. V. Sich mal ein bisschen zu prügeln, gehörte schon immer zum Leben junger Menschen. Auch das Lernen innerhalb einer Jugendgruppe ohne die Anwesenheit Erwachsener findet er wichtig. Er hat ein positives Beispiel: generationsübergreifend angenommen wird die Tischtennis-Ecke am Spielplatz Emdener Straße, so etwas sei ein wahrer Schatz. Es gäbe aber viel zu wenig Mülleimer. Beatrice Siegert ergänzte, dass auf drei Moabiter Spielplätzen im Sommer eine mit QM-Mitteln geförderte Spielplatzbetreuung stattfindet.

Polizist Karl Bösel: "Mindestens die Hälfte aller bisher erwähnten Dinge bleibt der Job der Polizei, z. B. wenn jemand mit einer Machete durch Moabit läuft." Viele der Anwesenden im Raum könnten hingegen gut vermitteln bei anderen Problemfeldern. Zur Lage auf dem Spielplatz Emdener / Oldenburger Straße: Dazu gibt es keine Anzeigen bei der Polizei. Man solle sich bitte an ihn wenden, wenn dort etwas passiert, "das müssen wir im Auge behalten!"

Alexander Kujus: Gehwegschäden und krumme Papierkörbe müssten repariert werden. Man sieht es an den baulichen Maßnahmen rund um die Markthalle, wie gut das wirkt. Wenn ein Kiez schlecht aussieht, dann wird dort auch Müll abgeladen usw. - Susanne Torka: Forderungen wie diese müsste man an das Grünflächen- und das Ordnungsamt des Bezirks Mitte senden.

Elke Fenster vom Moabiter Ratschlag e. V. berichtete über heftige Konflikte mit Moabiter Familien, die sich - ganz anders als im Lied "Goldene Straßenregeln" beschrieben - verhalten. "Wir kriegen ganz nah mit, wie man hier miteinander umgeht, dass manche hier auf dem Stadtschloss-Gelände Müll abladen und in die Grünanlage pinkeln." Nächste Woche soll es zu dieser Problematik eine Gesprächsrunde mit den Bewohnern der Rostocker Straße geben. Mediatoren kommen hinzu. Beide Seiten sollten in einem Klima miteinander verkehren, in dem man sich nicht gegenseitig beschimpft. Wichtig sei besonders, andere nicht per se als Gruppe schlecht zu machen a la „Ihr gehört gar nicht hierher.“ Stattdessen müsse man über bestimmte Verhaltensweisen reden.

Sonja Kreitmair (SPD), Mitglied in der BVV Mitte, fand es gut, dass hier darüber diskutiert wird. Sie selbst könne hier im Plenum keine Lösungen anbieten, versprach aber, die Probleme in die BVV mitzunehmen.

Nathalie Dimmer, Anwohnerin Waldstraße, beklagte den Zugang zu den Behörden: Mehrfach hatte sie vergeblich versucht, mit dem Ordnungsamt in Kontakt zu kommen. Die Bürger sollten erfahren, wie man sich für etwas einsetzen kann, aber wenn Behörden monatelang nicht reagieren und mauern, ist das natürlich frustrierend.

Gangway-Mitarbeiter Christian Schramm machte ein Angebot an das ZK/U und andere Plenumsgäste: "Wir sind für Jugendliche im öffentlichen Raum da. Wir sind zwar keine Feuerwehr, aber wir helfen gern zu vermitteln!" Irgendwer sei bei Gangway immer erreichbar - Kontakt-Telefon Gangway: 030/3923374 und mobil Christian: 0173/7946966, Cem: 0171/5176218, Banu 0176/87109401.

Karl Bösel, Polizei: er habe hohen Respekt vor der Gangway-Jugendsozialarbeit, ganz wichtig sei aber, dass niemand Angst haben dürfe, sich im öffentlichen Raum zu bewegen. Zu dem Thema optisch schlecht wirkende Straßen und Gehwege führte er als Beispiel die düstere Kruppstraße an, in der sich das Polizeirevier Abschnitt 33 befindet. "Dort passiert gar nichts. Obwohl die Straße schlecht aussieht, gibt es dort nie eine Anzeige."

Lotta vom ZK/U: Der Kiez wird gentrifiziert und es gibt viel Verdrängung. Viele Leute können es sich nicht leisten, weiter in Moabit zu leben, kommen jedoch immer noch gern her, um ihre Kontakte nicht zu verlieren. Aber wo können sie sich aufhalten, wo treffen? Sie selbst wuchs mit Drogenspritzen auf dem Spielplatz auf, aber "wenn diese Situation verändert wird: Wo sind dann die Leute? Sie müssen sich woanders verstecken! Und wo können Jugendliche Lärm machen, wo gibt es dafür andere Orte als Kinderspielplätze? Es darf nicht nur darum gehen, dass es überall leise und gemütlich wird." - Karl Bösel sieht sich keinesfalls als Verdränger, möchte Suchtkranke aber in Beratung bzw. Behandlung wissen. Drogenspritzen gehören entsorgt in besonderen Behältern und nicht in den Sand eines Kinderspielplatzes. "Aber man sollte nie vergessen, dass auch Jugendliche und Alkoholiker draußen im öffentlichen Raum sein dürfen. Es gibt keine Gesetze gegen junge Menschen und Leute, die nach Alkohol stinken!"

Ilona Arabella Troncoso Munoz (Kindercafé Fräulein Knopfauge) wohnte früher in der Beusselstraße. Sie rief oft die Polizei wegen Jugendlichen an, die zum Kiffen abwechselnd in Hinterhöfe gingen. Ja, aber wo können die sonst hin? Aus ihrer Café-Erfahrung berichtete sie davon, dass sich die Eltern kleiner Kinder gegenüber den Älteren, die bei ihr Kaffee trinken, oft distanziert verhalten. Ihr Ziel sei es daher, Räume für viele verschiedene Menschen zu schaffen und sie zusammen zu gestalten.

Karl Bösel nutze die Gelegenheit, um das Plenum Folgendes zu fragen: Wie sicher  fühlen Sie sich im Kleinen Tiergarten rund um den U-Bahnhof Turmstraße?

Ilona Arabella Troncoso Munoz: Super sicher! Sie selbst habe aber auch kein Angstpotential. Ganz anders war es, als sie Gewalt miterlebte. Sie war zufällig dabei, als eine junge Frau mit Hund im Kleinen Tiergarten verprügelt wurde. Am meisten schockierte sie dabei nicht die Gewalttat an sich, sondern dass rund 30 Leute zusahen, aber nur zwei davon halfen. Ilona selbst rief die Polizei und ein junger Mann sprang vom Rad und half dem Opfer direkt, während alle anderen nur zusahen. „Das war erschreckend!“

Wann macht es denn überhaupt Sinn, bei einem Gewaltakt einzugreifen? - Karl Bösel: Helfen ist schwierig und jedes Mal eine Abwägungssache. Er freut sich über jeden, der hilft, möchte aber auch nicht, dass es noch mehr Verletzte gibt. Daher gilt generell: Gehen Sie nicht dazwischen, aber rufen Sie um Hilfe, beziehen Sie andere Passanten mit ein und rufen Sie die Polizei! Eine gewisse Gleichgültigkeit, vor allem aber die eigene Ängstlichkeit und Unsicherheit beeinflussen uns dabei, sich vernünftig in eskalierenden Situationen zu verhalten.

Christian Schramm erzählte von einem Streit zwischen Jugendlichen und zwei betrunkenen Bauarbeitern. Er sei unsicher gewesen, dazwischen zu gehen. Er hat in seiner langen Berufspraxis als Straßensozialarbeiter noch nie Prügel bezogen, weiß als Profi allerdings auch, wie man solche Situationen verbal entschärfen kann.

Georg Thieme, Geschäftsstraßenmanagement Turmstraße (Stadtteilladen Krefelder Straße) berichtete davon, dass seine Firma in das Konfliktzentrum Kleiner Tiergarten eingebunden sei. Das Wichtigste ist es, vor Ort Ansprechpartner zu haben: „Sie können zu uns kommen oder zum QM gehen“, und man sollte „den Schneid haben, etwas zu melden.“ Eine Frau z. B. meldete ihm, dass das WC am Ottopark zu einer Fixerstube geworden sei und er kümmerte sich darum, das weiterzuleiten. Als Zeuge eines Gewaltakts sollte man delegieren und andere Anwesende involvieren. "Einfach mal laut sagen: 'Wir sind 10 gegen 2' und über seinen eigenen Schatten springen!"

Ilona Arabella Troncoso Munoz: leicht zugängliche Selbstverteidigungskurse wären gut. Gibt es so etwas von der Polizei? Außerdem wäre es eine Idee, Schilder im Park aufzustellen, auf denen man Notrufnummern und Ansprechpartner findet.

Karl Bösel: Die Notfall-Rufnummer 110 kann man auch ohne Notfall anrufen, um sich Rat zu holen. Die Probleme werden dort von erfahrenen Kollegen nach Relevanz bzw. Dringlichkeit schnell sortiert.

Opferberaterin Reachout: Ob sich Unbeteiligte eingemischt haben oder nicht, ist immer ein wichtiger Punkt. Wenn niemand reagiert, ist das für die Opfer besonders dramatisch. Sie wies hin auf die Reachout-Kampagne „Handeln! Man gönnt sich ja sonst nichts.“ Die war vor allem in den Berliner S-Bahnen zu sehen. Es hätte auch einen guten Effekt für zufällige Zuschauer, sich nicht einfach weg zu ducken, sondern konkret zu helfen.

Lothar Walter (Facebookinitiative Waldstraße) arbeitet in einem Pflegeheim und muss daher frühmorgens mit der U-Bahn zum Platz der Luftbrücke fahren. Nach seinem Hund warf dort jemand eine Flasche Bier. Seine Erfahrung ist es, dass sich bei Gewaltdelikten niemand einmischen möchte. Zudem kritisierte er, dass der Platz der Luftbrücke nicht als „kriminalitätsbelasteter Ort“ eingestuft sei. Er erlebte dort seine eigene Ohnmacht, fühlte sich allein gelassen und beklagte die Ignoranz der Sicherheitsorgane. Einmal hätte er über die Notrufsäule um Hilfe gebeten und wurde dort vertröstet. Seine Idee zum erhöhten Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum: mehr Präsenz z. B. von Kontaktbereichsbeamten der Polizei auf der Straße "so wie früher", denn es gebe zwar Videoüberwachung, "aber die springt nicht in dem Moment z. B. akustisch an, wenn vor Ort etwas passiert, sondern hilft der Polizei erst im Nachhinein."

Nathalie Dimmer (Waldstraße) findet, dass man sich nicht allein fühlen muss, sondern sich stattdessen zusammentun sollte. Außerdem müsste es mehr Veranstaltungen und Präventionskurse geben, bei denen es darum geht, an wen man sich bei welchem Problem wenden kann.

Karl Bösel antwortete auf die Bemerkung mit dem kriminalitätsbelasteten Ort im Fall des Platzes der Luftbrücke: Schwerpunkt-Ort bedeutet lediglich, dass es dort zusätzliche Polizeistreifen gibt. An anderen Orten gibt es aber nach wie vor die normale Polizeipräsenz.

Alexander Kujus fragte zur Kriminalitätsstatistik von Moabit - hat sich was gewandelt? - Karl Bösel: Die Antwort darauf ist schwierig. Vieles in Moabit sei in den letzten acht Jahren besser geworden, aber es gebe aktuell einen Anstieg von Fahrraddiebstählen und Einbrüchen zu verzeichnen. Die Zahl der Gewaltdelikte hingegen verringerte sich von Jahr zu Jahr immer mehr, nahm dann 2016 aber wieder etwas zu.

Elke Fenster, Moabiter Ratschlag e. V., gab einen Rat: Konflikte gibt es immer unter Menschen. Vorbeugen oder helfen kann manchmal schon, sich zu grüßen und freundlich zu einander zu sein. Man sollte sich nicht negativ beeindrucken lassen, auch bei offensichtlichem Fehlverhalten anderer - vielleicht müssen sie noch dazulernen?

Ilona Arabella Troncoso Munoz, deren Eltern aus Chile stammen, findet, dass man das gegenseitige Kennenlernen und die Migration thematisieren sollte. Sie selbst lässt aber auch das eine oder andere Vorurteil erst einmal stehen. Nicht jeder ist gleich Nazi oder Rassist - mit diesem Vorwurf könne man Menschen schnell verprellen, so dass sie "dicht machen". Stattdessen sollte man besser die Kultur pflegen, miteinander ins Gespräch zu kommen: "Lieber Dialog statt roter Karte." - Lotta (ZK/U) dazu: Man muss über Handlungen sprechen, aber man sollte auch verbalen Rassismus ansprechen und nicht relativieren.

Termine und Verschiedenes:

Susanne Torka wies auf die Broschüre zur Nachbarschaftshilfe vom Moabiter Ratschlag e. V. hin. Mehr zu den Angeboten hier: http://moabiter-ratschlag.de/nachbarschaftshaus/ und auf die Mieterberatung für Milieuschutzgebiete in Mitte. Für die Gebiete Birkenstraße & Waldstraße findet sie im Stadtteilladen Moabit in der Krefelder Str. 1a, 10555 Berlin statt. Montag 16:00-18:00 Uhr, Donnerstag 10:00-12:00 Uhr (Erreichbarkeit außerhalb der Sprechzeiten: Tel.: 030-443381-29, Fax: 030-443381-12, Mail: team-moabit[at]mieterberatungpb[.]de

Außerdem berichtete sie darüber, dass der Döberitzer Grünzug in Moabit-Ost weiter gebaut werden soll. Dazu gibt es eine Umfrage des B-Ladens, die online oder vor Ort bis zum 19. Februar 2017 auszufüllen ist. Hier finden Sie mehr dazu: http://www.moabitwest.de/Umfrage-zum-Weiterbau-des-Doeberitzer-Gruenzugs.6040.0.html

Christian Schramm von Gangway: In unseren drei Jugendklubs in Moabit wurden kürzlich 50-Watt-Spots zusammen mit dem Energiekonzern eon installiert, wodurch die Beleuchtung von drei Bolzplätzen gewährleistet ist - ein super Erfolg!

Das nächste Plenum findet erst am Dienstag, 21. Februar 2017, statt. Schwerpunkt-Thema: Zu Gast ist der neue Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel.

Die zusammengefassten Ergebnisse und Inhalte der Stadtteilplena sind HIER nachzulesen.

Text & Fotos: Gerald Backhaus