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20 Jahre Schulgarten Moabit

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Stadtteilplenum im November 2010

Verdiente Ehrenamtliche im Kiez: Moderatorin Susanne Torka (links) bekommt Blumen von Chef-Ratschlägerin Elke Fenster
"Das Kind als Ganzes" betrachtet Bezirksstadträtin Petra Schrader (Die Linke)
Zum ersten Mal dabei: internationale Plenumsgäste wie der Österreicher Anton Walcher (stravio UG)
Eduard Heußen (telea GmbH) bringt Kindergärten und Schulen zusammen
Beate Milluks und Jana Slomiany (rechts) vom CJD sprachen zu "Konzeptentwicklung an Schulen"
"Bereits über 1 000 Unterschriften!" Kiez-Allrounder Knut Pankrath wirbt für die Spielhallen-Petition

"Das Kind als Ganzes sehen" - Über Bildung in Moabit

Das Stadtteilplenum Moabit West im November 2010

Im gut gefüllten Saal des Nachbarschaftshauses wurde zunächst die bewährte Plenumsmoderatorin Susanne Torka, die kürzlich den Ehrenamtspreis erhielt, mit Gratulationen, Applaus und einem Blumenstrauß bedacht. Gerührt leitete sie über zu  "Aktuelles aus dem Kiez". Unter diesem Tagesordnungspunkt wurde das durch den Quartiersfonds III geförderte Projekt "Bildungsnetzwerk Moabit" von Eduard Heußen von der telea GmbH vorgestellt. "Wir versuchen, uns an Inhalten abzuarbeiten und schauen nach, wo Dinge unter den Nägeln brennen", erläuterte er das Projekt, dass z. B. die Kommunikation zwischen Schulen und Kindergärten vorantreibt. Er berät einzelne Schulen und Kitas und organisiert gemeinsame Treffen. Heußen rät den Schulen, "mehr nach außen zu gehen." Gutes Beispiel dafür ist ein "Tag der Offenen Tür", wie er am 27.11. in der Heinrich-von-Stephan-Schule stattfinden wird. Heußens "Bildungsnetzwerk" plant zudem eine "Woche der Moabiter Schulen" im Sommer 2011. Dann sollen interessierte Eltern in Unterricht und Freizeitangebote an den verschiedenen Einrichtungen im Stadtteil schnuppern können. Für Lehrkräfte und Kindergärtnerinnen soll es bald ein ganztägiges Seminar in Öffentlichkeitsarbeit geben.

"Das Wertvollste im Leben ist die Entfaltung der Persönlichkeit und ihrer schöpferischen Kräfte." Dieses Zitat von Albert Einstein gelte auch für problematische Kieze, betonten Beate Milluks und Jana Slomiany vom CJD, die ihr Projekt "Konzeptentwicklung an Schulen" vorstellten. Dessen Ziel sind "tragfähige Gesamtkonzepte" für die erste Gemeinschaftsschule Mitte, Gotzkowsky- und Carl-Bolle-Grundschule sowie die Hedwig-Dohm-Oberschule, um deren jeweilige Profile zu schärfen. Null Bock auf Schule ist nicht - mit Hilfe dieser Konzepte soll "drohender Schuldistanz" der Kinder und Jugendlichen vorgebeugt und ihre Lernmotivation gesteigert werden. Das soll u.a. durch praxisorientierte Kleinprojekte, die Zusammenarbeit mit Werkstätten sowie durch Lesepatenschaften zwischen Ober- und Grundschulen geschehen.

Dagmar Lettner und Carola Marquardt von der Diakoniegemeinschaft Bethania informierten über das Café "Martha und Maria", dessen Küche demnächst umgebaut wird, um es als vollwertige Gaststätte betreiben zu können. Ab Januar 2011 soll das der Fall sein. Im Dezember finden aber bereits Veranstaltungen unter dem Motto "Lesen im Advent" statt, zu denen Eltern mit Kindern herzlich eingeladen sind. Das Café in der Waldstraße 32 hat momentan immer donnerstags und freitags von 16 bis 20 Uhr geöffnet.

Schwerpunkt-Thema "Kita, Schule und Jugendarbeit in Moabit"

Schwerpunkt des November-Plenums war das Thema "Kita, Schule und Jugendarbeit in Moabit". Welche aktuellen Entwicklungen bestehen? Wie verzahnen sich Bildungs- und Jugendarbeit? Diskutiert wurde mit Petra Schrader, der Stadträtin für Bildung und Jugend im Bezirk Mitte zu den Themen Kita, Schule und Jugendeinrichtungen in Moabit. "Kinder als Ganzes betrachten," so das Credo der Politikerin, die dafür warb, dass Eltern ihre Kinder zum Zwecke der Sprachförderung "möglichst früh in die Kita geben" und mit aktuellen Zahlen in ihr Referat einstieg: Über 88 Prozent betrage der Versorgungsgrad bei den 3- bis 6-jährigen in Moabit West, bei den unter 3-jährigen allerdings nur 38 Prozent, während andere Regionen in Mitte da über 50 Prozent verzeichnen. 80 Prozent der Kinder im Kiez besuchen eine Kita länger als zwei Jahre, aber 42 Prozent der Kinder "mit nichtdeutscher Herkunftssprache" hätten Probleme bei den Einschulungsuntersuchungen. Das soll sich laut Schrader in Zukunft bessern, u.a. durch eine Qualitätsvereinbarung zwischen den Kitas und dem Land Berlin sowie durch Fortbildungskurse für Kita-Erzieher, die das Sprachförderzentrum Mitte organisieren wird. Die Bezirksstadträtin betonte die Wichtigkeit der Schnittstellen zwischen Kita und Schule und zwischen Schule und Berufsausbildung. 

Warme Schulspeisung und Pausenbrote für alle?

Immer mehr Mädchen und Jungen sind übergewichtig, bereits vor der Schuleinführung sind es in Moabit 12,5 Prozent (Berlin 11 Prozent), Tendenz leider steigend. Gesunde Ernährung und sportliche Betätigung sollten deshalb gefördert werden. Sie berichtete von Vorzeigeprojekten wie "Kitas bewegen", durch das Kinder, Eltern und Erzieher gemeinsam angeregt werden, sich mehr zu bewegen und an dem über 30 Kitas im Bezirk teilnehmen. Gesunde Ernährung solle immer mehr zum Thema in den Schulen gemacht werden, wünschte sich Schrader. Das könne u.a. durch mehr Projektarbeit im Unterricht sowie Besuche im Schulumweltzentrum, das beliebte Kochkurse anbietet, geschehen. Zur Essensversorgung äußerte sich auch eine Vertreterin der Heinrich-von-Stephan-Schule, die beklagte, dass die dortige Mensa mit 90 Plätzen und über 200 Mitessern viel zu klein sei. Was an ihrer Schule hingegen gut funktioniere, sei eine gemeinsame Verpflichtung von Schule, Schülern und Eltern. Letztere unterschreiben dort dafür, dass sie ihren Kindern jeden Tag ein Pausenbrot mitgeben. Auf den Mensa-Vorwurf reagierte die Schulplanerin des Bezirks, Frau Wiesner, mit ihrer Zusage, sich die Lage vor Ort anzusehen und nach einer Lösung zu suchen. Die könne sie sich durch eine "Verdichtung" vorstellen, d.h. mehr Tische und Stühle in der Mensa aufzustellen als bisher. Die flächendeckende Essensversorgung sei ganz wichtig, ebenso wie die Barrierefreiheit der Schulgebäude. Auf ein entsprechendes Programm des Senats zum Thema Inklusion wartet der Bezirk momentan, so Petra Schrader. Als sehr positiv beschrieb sie das Programm "Vertiefte Berufsorientierung" (VBO), dass sich um Jugendliche kümmert, die vor ihrem Schulabschluss stehen und unschlüssig sind, welcher Beruf zu ihnen passt und wofür sie sich bewerben sollten. Zur Zusammenarbeit von Schulen und der Jugendhilfe gibt es ein bezirkliches Konzept, das sie Interessierten gern zur Verfügung stellen wolle, bot die Stadträtin an. Generell sind "unsere Schulen viel besser als ihr Ruf". 

Kita-Nutzung, Nachhilfe-Bedarf, Jugendarbeit und Sonderschüler

Beatrice Pfitzner vom QM Moabit West wies darauf hin, dass es aus ihren Erfahrungen vom bestehenden Kita-Netzwerk bei vielen Kindern oft an der Regelmäßigkeit des Kindergartenbesuchs mangele, was gezielte Förderung oft nicht möglich mache. Zudem käme die Tatsache, dass Eltern aus Gebieten mit überlasteten Kitas wie Friedrichshain und Kreuzberg nach Moabit ausweichen und dann, so bald  in Wohnortnähe ein Platz frei werde, dorthin wechseln. Ihr Wunsch ist es, dass das neue Sprachförderzentrum die laufenden Sprachförderprojekte auf ihre Wirkung hin evaluiert. Laut Petra Schrader erfolgt eine solche Evaluierung von Sprachfördermaßnahmen an Kitas bereits. Zudem will der Bezirk allen Kindereinrichtungen, die das möchten, Beratung auf diesem Gebiet anbieten.

Auf Hinweise aus dem Plenum auf die steigende Nachfrage nach Nachhilfe-Angeboten reagierte Petra Schrader mit der Zielvorstellung, die Schulen durch individuelle Lehrmethoden so aufzustellen, "dass am besten gar keine Nachhilfe mehr notwendig ist." 

"Wird auch die Jugendarbeit überflüssig, wenn die Schulen immer besser werden?" Die Frage von Elke Fenster vom Moabiter Ratschlag nach dem Stellenwert von Jugendfreizeiteinrichtungen, beantwortete die Politikerin eindeutig: "Nein, außerschulische Aktivitäten und Ferienangebote sind ganz wichtig!" Fenster bedauerte, dass das gut angenommene "Rucksackprojekt", über das wir bereits berichteten, wegen auslaufender Förderung leider abgebrochen werden muss. Eine Lesepatin bezog sich auf die Reform, durch die ein Großteil der Berliner  Sonderschulen aufgelöst wird, und fragte nach dem Verbleib der Sonderschüler der Wartburgschule. Frau Schrader antwortete, dass alle Klassen zusammen bleiben und nicht auseinander gerissen würden. Momentan würde gesucht nach geeigneten Schulen, an denen man diese Klassen integrieren könne.

Neue Themen und Termine

Nach der Themensuche für kommende Plena - genannt wurden u.a. die Verkehrssituation in den beruhigten Straßen, die wilden Müllkippen sowie Gesundheitsförderung und Familienbildungsarbeit - rief Beatrice Pfitzner vom QM die Anwesenden dazu auf, sich mit Projekten für Mittel aus dem Quartiersfonds II zu bewerben. Trotz der stark eingeschränkten Mittel im Programm Soziale Stadt durch die aktuellen Kürzungen der Regierung werden bis 29.11. neue Projekte gesucht, vor allem im Bereich "Starke Nachbarschaft". Außerdem brachte sie das Plenum auf den neuesten Stand zur "Spielhallen-AG" und ermunterte alle Interessierten, am 1.12. am Rundgang durch die Spielotheken teilzunehmen. Sie warb zudem für die "3. Lange Nacht des Buches" in der nächsten Woche, während Rudolf Blais auf die Protestveranstaltung gegen die Sparpläne der Regierung am 26.11. ab 10 Uhr am Brandenburger Tor sowie auf folgende Aktivitäten von "Mitte 21" hinwies: Am 26.11. um 18 Uhr im Rathaus Tiergarten wollen er und seine Mitstreiter die Möglichkeiten diskutieren, ein autofreies Wochenende in Berlin zu organisieren, und am 30.11. um 20 Uhr geht es um "Grünes Wohnen" im Kiez. Und noch ein Ausblick: das nächste Plenum findet im Januar 2011 statt. Mehr Information zur Tagesordnung gibt es wieder vorab hier auf unserer Seite. 

Den Bericht zum vergangenen Plenum im Oktober, in dem es vor allem um die "Aktionsräume plus" ging, finden Sie hier.

Text und Fotos: Gerald Backhaus