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Stadtteilplenum zu "Aktionsraum plus"

Jasemin Türkmen (links) und Eva-Maria Kaes vom Netzwerk Schulentwicklung sowie Moderatorin Susanne Torka (sitzend)
Jens Evers von Wittenburg und Nurten Cinar vom CJD
"Local first": Herbert Bents zeigt dem Plenum sein Porträtfoto eines Schuhmachers aus Alt-Moabit, vorn Susanne Torka
Das sind sie: die Spezialisten für "Aktionsräume plus": Dietmar Borchardt (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung) und Petra Patz-Drüke (Bezirksamt Mitte)

Was bedeutet "Aktionsraum plus?"

Am Dienstag, 19. Oktober 2010, traf sich das Stadtteilplenum Moabit West im Nachbarschaftshaus in der Rostocker Straße, um sich vor allem diesem Schwerpunkt zu widmen.

Zunächst aber wurden unter dem Motto "Aktuelles aus dem Kiez" drei Projekte vorgestellt. „Hilfe, mein Kind ist in der Pubertät!“ und „Umgang mit Medien“ lauten die Themen der ganz speziellen Elternabende, die Eva-Maria Kaes und Jasemin Türkmen vom Netzwerk Schulentwicklung anbieten. Die beiden warben für ihre Veranstaltungen der Reihe „Familien-Zeiten“ in der Gotzkowsky-Schule. Am 15. November geht es von 18.30 bis 20.30 Uhr in der Aula um das Thema „Respekt in der Familie“. Die Gäste erwartet kein Vortrag mit Flipcharts, so Kaes, sondern Improvisationstheater. Das heißt, Familienszenen werden vorgespielt, im Anschluss mit dem Publikum diskutiert und danach erneut und verändert gespielt. Dazu eingeladen sind alle Eltern des Stadtteils.

 „Unser Erfolg kommt durch Nurten Cinar. Sie ist unser Garant für die Popularität im Kiez,“ lobte Jens Evers von Wittenburg seine Kollegin. Die beiden berichteten über die Projekte des CJD Berlin, das seit 2008 einen Laden in der Emdener Straße betreibt. "Familien und Chancen" heißt das durch den Quartiersfonds III geförderte Projekt, durch das Menschen mit Migrationshintergrund auf verschiedenen Gebieten unterstützt werden. Insgesamt nahmen bisher 119 Menschen, darunter 90 Prozent Hartz-IV-Empfänger, diese Unterstützung in Anspruch. Besonders hohe Nachfrage gibt es bei den Nachhilfe-Angeboten in Deutsch, Mathematik und Englisch für Schüler der 7. bis 10. Klassen, „da werden wir regelrecht überrannt und haben Wartelisten, weil wir sie umsonst anbieten“, so Evers von Wittenburg.

„Local first – kaufen Sie lieber hier als woanders,“ so das Credo von Herbert Bents, der im Rahmen seines Projektes „Nachbarschaften – Gewerbebetriebe in Moabit“ seit 2009 zehn Betriebe im Kiez porträtierte. Er möchte mit seinen Porträts von Geschäftsleuten wie der Bäckerei Seidenschnur und der Tischlerei Bitter + Schneider die Anwohner dazu anregen, das lokale Gewerbe mehr wahrzunehmen und wertzuschätzen. Bents unterteilte die Porträts, in denen die Menschen auch selbst zu Wort kommen, in die Bereiche Handwerk, Handel und Gastronomie. Zu sehen waren seine Werke während des Weihnachtsmarktes in der Arminiusmarkthalle und im Rathaus in der Turmstraße. Gern würde er mit seinen Bildern und Texten in die Schulen gehen, da die Porträtierten den Jugendlichen als Vorbilder dienen könnten.

Was versteht man unter "Aktionsräume plus"? Was bringen sie für Wedding und Moabit? Welche Chancen sind damit verbunden? Licht ins Dunkel wollten Dietmar Borchardt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Petra Patz-Drüke, die Beauftragte für Stadtteilmanagement vom Bezirksamt Mitte, bringen. Borchardt  referierte zum Konzept dieses Konstrukts, während sich Patz-Drüke auf die Umsetzung im Bezirk Mitte konzentrierte. Mehrfach machten beide klar, dass es sich bei den „Aktionsräumen plus“ nicht um neue Förderkulissen und Programme handelt. „Sie sind keine Überstruktur,“ insistierte Borchardt, sondern „Moderatoren zwischen bereits vorhandenen Akteuren und Strukturen.“ Zusätzlich zu den 70 Millionen Euro, die Berlin für Bauinvestitionen und soziokulturelle Projekte pro Jahr ausgibt, wird es also keine weiteren Geldmittel für Projekte in den Kiezen geben. Stattdessen soll unter der Moderation der „Aktionsräume plus“ nun „Bestehendes wie die Förderung durch die Quartiersfonds und das Programm Städteumbau West zusammen gefasst werden.“ Ein großer Vorteil daran sei, zeigte Borchardt anhand einer Gebietskarte, dass künftig auch Projekte aus den „Lücken“ oder „weiße Flecken“ zwischen den bisherigen QM-Gebieten gefördert werden könnten. Damit sollen die – wohlgemerkt bisherigen - Fördermittel potentiell mehr Menschen erreichen. Außerdem verspricht sich der Senat eine Entbürokratisierung der Förderszene. Ob der Plan aufgeht, soll Ende 2012 durch eine Evaluation der „Aktionsräume plus“ festgestellt werden. Patz-Drüke verbindet mit der Kreation des Aktionsraumes Wedding/Moabit die Hoffnung, dass das Geld für Bildung effektiver und sinnvoller eingesetzt wird. Bildung hätte oberste Priorität im Bezirk, betonte sie. Gut laufende Vorzeige-Projekte wie die „Elternlotsen“ sollten nicht an den QM-Grenzen halt machen, sondern im ganzen „Aktionsraum plus“ Schule machen und statt kurzfristiger Projektförderung eine Regelförderung anstreben, also fest in die Schulstrukturen verankert werden. Momentan laufe die Ausschreibung, um einen Gebietsbeauftragten für den „Aktionsraum plus Wedding/Moabit“ zu bestimmen. Dieser externe Dienstleister, so Borchardt, sollen die verschiedenen Förderkulissen ab Dezember 2010 koordinieren. Bedarfsorientierte Treffen der Steuerungsrunde, in denen „Themen von unten mit Experten besprochen werden sollen“, sind drei Mal pro Jahr geplant.

Die Ausführungen der beiden Gäste hinterließen das Plenum recht ratlos. Moderatorin Susanne Torka sprach vielen aus dem Herzen mit ihrem Eingeständnis, nicht wirklich verstanden zu haben, wozu die „Aktionsräume plus“ eigentlich erfunden wurden und wie sie funktionieren sollen. Die Publikumsfragen wurden kurz und knapp beantwortet. Wie sich die Kürzungen bei der Städtebauförderung auf die „Aktionsräume plus“ auswirken werden, soll besprochen werden, wenn die Kürzungen feststehen. Die provokante Frage nach Abschaffung der Quartiersmanagements wurde verneint, die QMs werden natürlich nicht abgeschafft, hieß es von Seiten der Referierenden, sondern innerhalb der Aktionsräume mit anderen Akteuren vernetzt. Die Bürgerbeteiligung übernehmen die Bezirksämter, so Senatsvertreter Dietmar Borchardt, „die sind schließlich gewählt und vertreten die Bewohner.“ Ganz praktisch könne man formlose Projektanträge direkt an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung stellen, erzählte er aus seiner Praxis. Diese würden dann bei Eignung in Absprache mit Bezirksamt und Quartiersmanagement zur Realisierung gebracht. „Dieses Verfahren muss noch verbessert werden,“ betonte Petra Patz-Drüke. Dietmar Borchardt empfahl allen, die sich mehr für die „Aktionsräume plus“ interessieren, die Internetseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: www.stadtentwicklung.berlin.de Über den Unterpunkt „Soziale Stadt“ kommt man zu den „Aktionsräumen plus“ und kann dort die Ist-Aufnahme der Situation in allen fünf Berliner „Aktionsräumen plus“, die „integrierten Stadtentwicklungskonzepte“ (INSEK), nachlesen.

Zum Schluss wurden Termine genannt. Am 27. Oktober findet um 19 Uhr im Rathauscafé der nächste Runde Tisch zum Turmstraßenfest statt. Am 28. Oktober wird von 13 bis 15 Uhr der Fitnessplatz im Outdoorpark am Neuen Ufer eröffnet. Die „AG Anti-Spielhallenboom“ (bislang ein Arbeitstitel) trifft sich wieder am 2. November um 17 Uhr im Vor-Ort-Büro des QMs Moabit West. Über die Lichtwochen des Moabiter Ratschlags im „Schlupfwinkel“, bei denen Fahrradfahrer ihre Drahtesel sicher machen können, berichten wir hier. Und das nächste Stadtteilplenum Moabit West wird am 16. November stattfinden.

Den Artikel zum Plenum im September, in dem es vor allem um die Spielhallen in Moabit ging, finden Sie hier.

Fotos & Text: Gerald Backhaus