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Stets einen kleinen Witz auf den Lippen: Willi Stieger, Hausmeister des Stadtschlosses Moabit

Hausmeister sind ja bekanntlich die gute Seele eines Hauses. Nicht anders verhält es sich mit Willi Stieger. Der ist seit 1998 Hausmeister im Stadtschloss Moabit, mit 65 in Rente gegangen und seitdem ehrenamtlich dort als Helfer aktiv. Er ist ein bekanntes Gesicht hier, wird von vielen für seinen Humor

und seine unkonventionelle Art zu helfen geschätzt. „Herr Stieger hat immer Ideen, ist umsichtig und hat stets einen kleinen Witz auf den Lippen,“ wird ihm gern bescheinigt.

Er begleitet alle Bereiche, packt überall ein bisschen mit an. Hierbei ist er Trägern und Besuchern des Stadtschlosses oft eine größere Hilfe, als er zugeben mag. Denn eigentlich liegt ihm „das Getue“ um seine Person gar nicht, er steht nicht gern im Vordergrund. Nichts desto trotz lebt das Stadtschloss durch ihn. Er stapelt gern „tief“, kennt er doch eigentlich alle Gesichter und viele Geschichten rund um den Nachbarschaftstreff in der Rostocker Straße 32 und den Kiez.

Ursprünglich kommt er aus dem Vinschgau, aus Südtirol. 1969 hat es ihn nach Berlin verschlagen: „Zu Besuch gewesen und hier geblieben“, wie er meint. „Der Liebe wegen. Naja, ich weiß nicht, irgendwann war ich einfach da und habe in Kladow eine Arbeitsstelle kurzfristig bekommen, als Kellner gearbeitet.“ Im KaDeWe war er mal tätig, und auch beim Grünflächenamt. Von dort aus ging es dann zum Schulgarten Moabit, von wo aus er später in das neu umgebaute Stadtschloss wechselte. Er lebt auch seit langem in Moabit, zuerst als Untermieter in der Gotzkowskystraße, nun in der Beusselstraße. Seit über 30 Jahren ist er mit seiner Lebensgefährtin zusammen und hat nun seinen „Alterswohnsitz“ bezogen.

Vom Alter merkt man jedoch nicht so viel: Der vitale große Mann mit dem charmanten Lächeln ist einfach kein Stubenhocker, sondern viel mit dem Fahrrad unterwegs. Beim Tanztee im Stadtschloss ist er immer mit dabei, er tanzt gern und schätzt gutes Essen. Trotz aller Hilfsbereitschaft hat er jedoch „einen eigenen Kopf“, aber das ist eigentlich auch gut so. Dadurch, dass er lange in Moabit lebt, hat er auch die vielen Veränderungen mitbekommen, schätzt sie jedoch nicht alle. Insbesondere die Situation abends auf den Straßen bereitet ihm Sorge: „Da kann man ja nicht mal mehr besoffen nach Hause kommen, man fühlt sich ja nicht mehr sicher,“ protestiert er. Hoppla, soviel Trinkfestigkeit hätte man dann wohl nicht vermutet. Aber da ist schon wieder dieser Ansatz zum feinen Lächeln, ganz so wörtlich sollte man seinen Humor dann wohl doch nicht nehmen. Unser Interviewtermin fällt kurz aus - schon springt er auf, verabschiedet sich höflich und verschwindet im Garten. Denn - Willi Stieger hat noch viel zu tun. 

Text & Foto: Kerstin Heinze