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Über das Stadtteilplenum am 22. April 2015

Bezirksstadträtin Sabine Smentek und Moderatorin Susanne Torka

Thomas Büttner vom Bildungsverbund

Michael Dressel von der Kurt-Tucholsky-Bibliothek

Christine Frank, Schulleiterin der Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule

Jenny Neubert von der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen in der BVV

 

Der Moabiter Ratschlag e. V. und die S.T.E.R.N. GmbH luden zum Stadtteilplenum im April ausnahmsweise an einem Mittwoch, 22. April 2014, in den Nachbarschaftstreff ein. Moderiert wurde wieder wie bewährt von Susanne Torka.

Unter dem Tagesordnungspunkt "Aktuelles aus dem Kiez" berichtete Thomas Büttner vom "Naturwissenschaftlichen und kulturellen Bildungsverbund Moabit" (BVM), der seit 2012 existiert und eine gemeinsame Initiative der QMs Moabit West und Ost ist. Der Fortbestand des Verbunds ist gesichert, was u.a. auch an den vielen beteiligten Einrichtungen liegt. Das sind u.a. vier Grundschulen, zwei Oberschulen, viele Kindertagesstätten, die Moabiter Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen wie Jugendhaus B8, Otto-Spielplatz und Dünja sowie Kultureinrichtungen und Träger wie das SOS-Kinderdorf e.V. und Ein Quadratkilometer Bildung. Hinzu kommen Einrichtungen von Bezirk und Senat wie die Volkshochschule, die Musikschule Fanny Hensel und die Bibliotheken sowie die TU Berlin, der Kunstverein Tiergarten und das ZK/U. Als Ergebnisse der bisherigen Arbeit brachte Thomas Büttner u.a. den Projektbeirat, die Webseite mit den wichtigsten Informationen www.bildungsverbund-moabit.de, das Leitbild für den BVM, das zusammen mit allen Beteiligten entwickelt wurde, sowie die Tatsache, dass eine Kooperationsvereinbarung mit 30 Einrichtungen abgeschlossen wurde und jährlich ein Moabiter Bildungsfest auf dem Otto-Spielplatz stattfindet. Rund 40 Kooperationsprojekte und 12 spezifische Praxis-Workshops und Fachtage für Pädagogen gibt es, und die Drittmittel-Akquise beläuft sich auf stolze 100.000 Euro (u.a. durch „Kultur macht stark“ und andere Programme des Senats). Weitere Multiplikator-Effekte durch die informelle Vernetzung der Beteiligten untereinander runden das Spektrum des bisher Erreichten ab. Unter den genannten Projektbeispielen wurden z.B. der Familien-Mathe-Tag und das Zirkusprojekt genannt, außerdem „Tanz mit Physik“ und „Die kleinen Bienenforscher - Kunst und Bienen“. Bis Dezember 2014 wurde der BVM mit Geld aus dem Programm Soziale Stadt aus beiden Moabiter QMs finanziert, aktuell gibt es bis Ende 2017 zudem Mittel aus dem Bonusprogramm des Senats für Schulen. Die nächsten Schritte sind laut Thomas Büttner, den BVM weiter zu stabilisieren sowie der Aufbau und die Etablierung von thematischen außerschulischen Lernorten in Moabit.

Quartiersratssprecherin Jutta Schauer-Oldenburg betonte, wie wichtig die Bildungsübergänge der Kinder und Jugendlichen sind. „Immer mehr verlassen die Schule ohne Abschluss. Wie kann man die Übergänge gestalten, damit kein Kind verloren geht?“ Thomas Büttner: Es gibt kein Patentrezept, aber eine spielerische Berufsorientierung wäre ab der 5. Klasse gut, um Eigenverantwortung und Selbständigkeit der Kinder zu fördern, außerdem sollte mehr mit den Eltern gearbeitet werden, sie müssten frühzeitig für die Mitarbeit gewonnen werden.

Quartiersrätin Claudia Mendelssohn, gleichzeitig Lehrerin an der Carl-Bolle-Grundschule, brachte ein Plädoyer für die Bildungslandschaft in Moabit. Das Ausmaß der Vernetzung in Moabit sei ganz besonders. So eine Mischung verschiedenster Bereiche gäbe es ihrer Meinung nach - zumindest innerhalb Berlins - kaum woanders.

Dagobert Schulz vom Bildungsträger G.A.L.B. Förderung gGmbH mit Sitz in der früheren Wartburgschule bemerkt sehr viel Freiwilligkeit der Jugendlichen, was er in seiner Einrichtung besonders spürt. „Viele wollen aus ihrem Leben, nachdem sie ohne Abschluss oder Ausbildungsstelle in einem Loch waren, etwas machen.“ Diese Tatsache führt bei G.A.L.B. zu Klassenstärken von fünf Klassen mit jeweils 20 Jugendlichen, die in der Zwinglistraße 37 den mittleren Schulabschluss nachholen oder ihren Sozialassistent machen. „Es sind oft ALG-II-Empfänger, die nach der Schule 2-3 Jahre arbeitslos waren.“ Rund 80 Prozent der Klientel bei G.A.L.B. sind Migranten. Das sei natürlich ein kurativer Ansatz, so Jutta Schauer-Oldenburg. Auch wichtig, aber leider keine Prävention. www.galb.org

Über die momentane Situation in der Kurt-Tucholsky-Bibliothek (KTB) berichtete Michael Dressel. Er begann seinen spritzigen Vortrag mit der Feststellung, dass es sowohl einen Erwachsenen- als auch einen Kinderbereich gibt, dem sein besonderes Augenmerk gilt. 2014 verzeichnete die KTB rund 10.000 Besucher, auch etwa 10.000 Stück (vorwiegend Bücher) beträgt der aktuelle Medienbestand. Seit März 2015 ist wieder Fachpersonal vor Ort, was die Arbeit positiv verändert hat. Auch was die Gestaltung der Räume angeht, ging es voran: Teppiche als „eyecatcher“ wurden angeschafft „zum Wohlfühlen und für Farbspiele mit den Kindern“, und „Bücher werden bei uns immer mehr lebendig gemacht.“ Das Projekt „Bildungsmöglichkeiten entdecken in der KTB“, das seit September 2014 bis September 2016 läuft, hat vor allem das Ziel, Stabilität zu schaffen in Form von Angeboten zur Lern- und Leseförderung. Insbesonders Kitagruppen und Familien sind die Zielgruppen, für Schulklassen ist die Bibliothek zu klein. 

Lesen muss man lernen, so Michael Dressel, der die Kinderbuchautorin Pressler mit den Worten „Lesen lernen heißt Leben lernen“ zitierte. Sprachkompetenz bildet sich in den ersten zehn Lebensjahren aus, sagt die Forschung. Sehr positiv ist es daher zu bewerten, dass zehn Moabiter Kitas in der KTB häufig zu Gast sind - von der City Kita Huttenstraße (pro Woche nehmen sie einen Termin in der KTB wahr, die Gruppen rotieren dabei) bis zur Kita Sprachwelt. Sogar die Kita Rathenower Straße aus Moabit Ost kommt herüber, so dass die KTB insgesamt steigende Teilnehmerzahlen verzeichnen kann, z.B. 260 Kinder im Januar 2015, einem starken Monat, in dem fast 30 Veranstaltungen stattfanden. Davon waren einige auch zweisprachig, damit die Kinder in ihrer Haussprache gestärkt werden. „Das sollte als Profil ausgebaut werden,“ findet Michael Dressel. Außerdem geplant für die Zukunft sind weitere Angebote für Eltern, der Austausch mit anderen Bibliotheken, Bilderbuchkino und Rätsel für Kinder. Eine kleine Schachgruppe hat er bereits gegründet. Und geworben wird für die KTB mit einem neuen Flyer, darauf finden sich „Schlaumis“ und der Slogan „wow: bin ich schlau“. 

Die anwesende Refo-Vertreterin plädierte dafür, auch Kinder, die in keine Kita gehen, so wie die Flüchtlingskinder, nicht zu vergessen. Michael Dressel meinte, dazu könne vielleicht ein spezielles Format entwickelt werden.

Regulär geöffnet ist die KTB von Montag bis Donnerstag, für Lesungen wird aber auch am Freitag geöffnet. Bis zu drei Kitagruppen können an einem Vormittag zu Gast sein. 20 bis 30 Minuten dauert eine Lesung meistens, und danach gibt es „freies Lesen“ mit Michael Dressel, den Erzieherinnen und den ehrenamtlichen Helfern. „Wir versuchen dabei, die Kinder mit Geschichten zu begeistern.“

Zum Thema Buchspenden sagte er, dass der Verwaltungsaufwand im Bezirk recht hoch ist (Bücher ins System aufzunehmen). Außerdem muss er zuvor einen Blick auf die Bücher nehmen, die geschenkt werden sollen. Und es gibt auch eine strategische Entscheidung: möglichst hin zu Neuerwerbungen, um die Bibliothek immer attraktiver zu machen.

Zur Bildungslandschaft in Moabit sprach Bezirksstadträtin für Jugend, Schule, Sport und Facility Management, Sabine Smentek (SPD), die seit Januar 2014 im Amt ist. Der auch angekündigte Schulrat Herr Thietz vom Schulamt Mitte sagte leider kurzfristig ab. 

Wichtig ist es, Bildungsräume zu schaffen. Das bestätigt ihre politischen Ansichten, sozialräumlich zu arbeiten, betonte Frau Smentek, die keinen Vortrag vorbereitet hatte, sondern nach einigen einführenden Worten zu den beiden angekündigten Themen die Fragen des Plenums beantworten wollte.

Zum 1. Themenkomplex "Schulentwicklungsplan (SEP) von Mitte", der nach vielen Geburtswehen verabschiedet wurde: Das laufende Schuljahr wurde darin so prognostiziert, das es in fast allen Bereichen sehr nah an der Realität lag. Das war aber die einzige Beruhigung, so die Stadträtin. Denn was in dem SEP nicht berücksichtigt werden konnte, waren die wachsenden Flüchtlingszahlen. Zwei ehemalige Schulen wurden beschlagnahmt und als Flüchtlingsunterkünfte umgenutzt. Es sei eine große Herausforderung für den Bezirk, auch mitten im Schuljahr - monatlich - neue Willkommensklassen mit 10 bis 12 Schülern einzurichten. Die vorher beklagte zu geringe Auslastung einiger Schulen bringt also jetzt Nutzen, aber nichtsdestotrotz sind die Grundschulen voll. Das sei eine andere Situation als noch vor einem Jahr, als Frau Smentek aufgefordert war, aus Kostengründen Schulen zu schließen bzw. Drittnutzungen für die Gebäude zu organisieren. Heute hingegen gibt es großen Bedarf, damit auch die Flüchtlinge in Schulgebäuden unterrichtet werden können. 5.000 mehr Flüchtlinge als im Vorjahr werden 2015 in Berlin erwartet (15.000 im Jahr 2014, 20.000 im Jahr 2015).

Was das Thema Zuzug von Familien mit Kindern durch die Errichtung von Neubauten angeht: Die Datenbank des Senats mit Wohnbau-Orten, woraus man rechnerisch die Zahl der benötigten Kita- und Schulplätze in einem Gebiet ermitteln kann, besagt, dass sich in Moabit West nicht viel verändert hat im Vergleich zum Vorjahr und auch künftig keine großen Zuzüge zu erwarten sind. Grund ist, dass die Verdichtung hier nicht so groß ist wie an anderen Standorten im Bezirk Mitte, wie z. B. in der Lehrter Straße oder am Mauerpark. In Moabit gäbe es nicht viel Anpassungsbedarf, „die hiesigen Schulen werden ausreichen.“

Zu den Schulgebäuden - Smentek ist als einzige Berliner Stadträtin auch für Gebäude zuständig - sagte sie, dass man in Schulgebäuden nur in den Ferien sanieren kann, aber das sei nicht durchzuhalten, da diese Zeit dafür zu kurz ist. Daher werden nun Ausweichquartiere gesucht - das ist eine große Herausforderung. Die 7,1 Mio. Euro, die zusätzlich für Schulsanierung ausgegeben werden können, sind zwar doppelt soviel Geld wie bisher, aber trotzdem wenig durch den hohen Investitionsstau der vergangenen Jahre. Trotzdem die gute Nachricht: Evtl. gibt es bald auch Geld zur Sanierung Moabiter Schulen.  

Jutta Schauer-Oldenburg bemerkte, dass die zwei Grundschulen im Gebiet (die ehem. James-Krüss- und die Carl-Bolle-Schule) derzeit nicht ausgelastet sind. Was passiert ohne Zuzüge, wie geht der SEP darauf ein? - Smentek: es gibt leichte Zuzüge in Moabit West und die Schulen werden ausreichen. Bei der Europacity in der Heidestraße sei das völlig anders, das ist aber ein anderer Einschulungsbereich. Sie plädierte für eine wohnortnahe Schulversorgung: "Kurze Beine - kurze Wege" - nahe wohnende Kinder haben immer Vorrang!

Bernd Brunner vom Otto-Spielplatz (Moabiter Ratschlag e.V.) sagte, dass er sehr betroffen sei von den hohen Flüchtlingszahlen, die in seiner Einrichtung zu einer Verdopplung führte. Die Kapazitätsgrenzen sind erreicht. Für die Kinder ist es eine tolle Möglichkeit, außerhalb so homogener Gruppen wie im Flüchtlingsheim und in der Schule zu spielen. Er fragte die Stadträtin, ob es  Kapazitäten gibt, dass der bezirkliche Haushalt diese Arbeit mit den Kindern unterstützt? - Smentek: Die Flüchtlingsunterkunft in der Levetzowstraße wird in ein paar Monaten geschlossen. Das Land Berlin will noch mehr Unterkünfte schaffen und gab eine „lustige Liste“ heraus, auf der im Bezirk Mitte lediglich 4 „ungeeignete Standorte“ genannt wurden (Freiflächen, auf denen mobile Quartiere gebaut werden könnten). Was der Otto-Spielplatz macht, sei auf dem Schirm der Politik, versprach die Stadträtin. Im Jugendbereich soll es mehr Geld geben, hofft sie, und dass das Land im Jugendbereich nachbessert, da die bezirkliche Finanzen bekanntlich sehr knapp sind.

Quartiersrätin Barbara Kirchner ("Ein qkm Bildung") sah einen Widerspruch. Wo werden die Willkommensklassen später in der Regelschule untergebracht? Sie findet es dramatisch, wenn die gerade von ihr und ihren Kolleginnen betreuten Kinder und Familien schnell wieder weg müssen. -Smentek: Familien bleiben in Mitte nur einige Monate, da es Notunterkünfte sind, in denen sie provisorisch untergekommen sind. Finden sie ein anderes Zuhause, sei das nicht zwingend im Bezirk und dem Schuleinzugsbereich der Notunterkunft. Und wichtig sei dabei ein Punkt: Es gibt noch keine valide „Verbleibsstatistik“, die besagt, wer wann wohin - nach der Zeit in der Notunterkunft - zieht. Smentek findet es vertretbar, Institutionen wie Kitas, Schulen und die Leseförderung dort zu stärken, wo die Familien eine eigene Wohnung finden und nicht dort, wo sie vorübergehend in einer Notunterkunft leben.

Quartiersratssprecher Norbert Onken: Sind die Schulen durch die Flüchtlingskinder ausgelastet? Smentek: Wir finden immer noch Klassenräume! Sie verwies auf ein sehr kompliziertes Rechnungssystem. Schuld an den Kostenproblemen in Mitte sei die Gebäudestruktur im Bezirk: Große alte Schulen aus der Gründerzeit mit Foyers und riesigen Aulen rechnen sich danach nicht. Das bedeutet: auch wenn alle Schulen in Mitte zu 100 Prozent mit Kindern belegt sind, bekommt der Bezirk nie seine Kosten voll erstattet. Doch das Budgetdefizit kann wahrscheinlich dieses Jahr etwas gesenkt werden. Im Moment gibt es in Mitte allerdings eine Schülerkapazität in der Größenordnung einer Oberschule zu viel, was sich in den kommenden Jahren durch nachwachsende größere Schülerzahlen verändern dürfte.

2. Themenkomplex: Zweite Gemeinschaftsschule Mitte

Stadträtin Smentek als Sozialdemokratin findet Gemeinschaftsschulen als Modell sehr gut, deshalb möchte sie bis zum Ende der Legislaturperiode Nägel mit Köpfen machen und eine zweite Gemeinschaftsschule im Bezirk installieren. Die Heinrich-von-Stephan-Schule hat bisher keinen Grundschulteil. Die derzeitige Carl-Bolle-Grundschule eignet sich sehr gut dafür, dieser Grundschulteil zu werden. Dazu gäbe es theoretisch zwei Möglichkeiten: eine Fusion beider Schulen oder das Auslaufen der Carl-Bolle-Schule. Für die zweite Variante sind die Würfel gefallen. Nun sei es wichtig, dass beim Aufbau des Grundschulteils beide Schulen auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Formal wird die Carl-Bolle-Grundschule also geschlossen. Der nicht anwesende Herr Thietz steuert diesen Prozess. Es gibt gemeinsame Projektgremien, und „es ist ja noch etwas Zeit, da erst zum Schuljahresbeginn 2016/17 das erste Mal Grundschüler in der 1. Klasse an der Gemeinschaftsschule eingeschult werden.“ Damit das alles funktioniert, sind noch einige Beschlüsse des Bezirks notwendig, „unser Rechtsamt sucht derzeit einen Weg für diese besondere Situation.“

Vertreterin von Refo: je höher die Schulklassen in Moabit, um so weniger vielfältiger und gemischt sind die Klassen, d.h. viele Gutverdienende schaffen ihre Kinder in andere Bezirke, z.B. nach Charlottenburg. - Smentek: Aber die Gemeinschaftsschulen sollen ja gerade soziale Unterschiede aufheben! Sie haben zwar kein formales Einzugsgebiet, sind aber dazu angehalten, zwei Drittel ihrer Plätze für nahe wohnende Kinder bereit zu halten. Genau das strebt die Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule an. Sie berichtete vom Sonderweg im Bezirk Mitte: hier gibt es keine Einzugsgebiete pro Schule, sondern ein sogenanntes „Sprengel-Modell“ mit mehreren Schulen pro Stadtteil. Smentek beruhigte, dass mit der 2. Gemeinschaftsschule in Mitte keine Eliteschule aufgebaut wird.

Barbara Kirchner: 60 Prozent der Kinder in der Carl-Bolle-Schule stammen aus dem Beusselkiez. Wie geht es weiter, wo sollen die Kinder in Zukunft hin? Zu den Einschulungsbereichen kann Smentek nach heutigem Stand noch nicht sagen, ob sie geändert werden müssen. Sie hat die Hoffnung, dass sich durch das Hinzuzählen der beiden Gemeinschaftsschulen daran gar nichts ändern wird.

Jenny Neubert, Grüne (BVV), selbst Lehrerin: Sie sieht riesige Chancen durch die Gemeinschaftsschule, da dort individuelle Förderungen möglich sind. Wichtig sei aber die Frage, wie die gute Arbeit von Projekten an der Carl-Bolle-Schule weitergeführt werden kann, besonders die Roma-Schulmediation? - Smentek: Sie bittet um Verständnis dafür, dass noch nicht alles geklärt ist und noch kein fertiges Konzept vorliegt. „Es ist sehr schwierig, wenn zwei Organisationen zusammenwachsen sollen.“

Christine Frank, Schulleiterin der Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule, lobt den voranschreitenden Prozess der Vereinigung der beiden Schulen. Seit März tagen regelmäßig Arbeitsgruppen aus beiden Schulen, z.B. eine Tages-Rhythmisierungs-Gruppe, und ein Teilkonzept für die Grundstufe liege bereits vor. Die Werbung für die neue Gemeinschaftsschule sei auf bestem Wege: am 12. Mai findet von 18.30 bis 20 Uhr dazu eine Infoveranstaltung vor Ort am Neuen Ufer 6 statt. www.hvstephan.de

Frau Mendelson von der Carl-Bolle-Schule: bei dem ganzen Prozess muss klar sein, dass die Belegschaft der Carl-Bolle-Grundschule dieses Zusammengehen nicht gewollt hat. Nur zwei Kollegen wollen es derzeit mit tragen, viele andere hingegen haben Umsetzungsanträge gestellt. Das gewachsene Team war glücklich, wollte „die Ernte jahrelanger Arbeit einfahren“, bis dann von oben die Meldung kam: „Ihr seid ein Auslaufmodell.“ Man fühlte sich in der Carl-Bolle-Schule nicht wertgeschätzt. Es wird eine enorme Veränderung bedeuten, prognostizierte sie, da die beiden Konzepte der Schulen sehr unterschiedlich seien. Der Bildungsverbund z.B. entstand auf Basis des starken naturwissenschaftlichen Profils der Carl-Bolle-Schule. In der Gemeinschaftsschule sei das anders. „Eine Kiezschule zu sein, heißt für die Carl-Bolle etwas anderes. Unsere Vernetzung ist direkt hier vor Ort.“

Jutta Schauer-Oldenburg erinnerte an die Erfahrungen bei der Fusion der Gotzkowsky- und Wartburgschule zur Miriam-Makeba-Schule, die u.a. auch vom QM Moabit West begleitet wurde. Wenn es an der Carl-Bolle etwas anders gelaufen wäre, u.a. mit größerer Information an beiden (!) Schulen, wäre das viel besser gewesen. - Smentek als nicht-zuständige Stadträtin griff ein, als sie von der mangelten Information an der Carl-Bolle hörte, und meinte: „Nach dem ruckelnden Start wird etwas Produktives entstehen.“ Sie hofft, dass es sich noch weitere Lehrer der Carl-Bolle überlegen, an Bord zu bleiben. Und laut Herrn Thietz gibt es für alle, die sich nicht mit dem Modell Gemeinschaftsschule anfreunden können, andere Einsatzmöglichkeiten in Berlin. 

Jutta Schauer-Oldenburg fragte zum Bildungs- und Kulturzentrum Turmstraße 75: 2014 gab es grünes Licht für die Nutzungs- und Bedarfsanalyse. Sie nahm teil, und die Humboldt-Uni sendete ihr die Ergebnisse dieser Analyse. Aber wie ist der aktuelle Stand bei dem Projekt? - Smentek fand das Konzept hochinteressant, es stammt aber nicht aus ihrem Ressort. Zum Konzept ihrer Amtskollegin, Kulturstadträtin Weißler, machte sie Vorschläge, die allerdings noch nicht gemeinsam beraten wurde. Das derzeit am Gebäude aufgebaute Gerüst bedeutet übrigens nur eine Havarie-Reparatur, damit nicht noch weitere Fassadenteile herunter fallen. „Das hat nichts mit dem Konzept zu tun. Die Maßnahme ist nur eine Sicherung, keine Sanierung.“

Termine und Verschiedenes:

Elke Fenster, Moabiter Ratschlag e.V. hatte zwei Termine zum Vormerken: Das „Fest der Nachbarn“ wird am 29. Mai von 15 bis 19 Uhr in der Rostocker Straße gefeiert, und das „Theater der Erfahrung“ bringt ein Stück zum Thema Verdrängung mit dem Titel „Berliner Pflanzen“ in zwei Sprachen am 5. Mai um 18 Uhr im Nachbarschaftshaus.

Thomas Büttner: Das 3. Bildungsfest findet am 11. Juni von 14 bis 18 Uhr auf dem Otto-Spielplatz statt.

Refo-Vertreterin: Wir können die Gebäude nun für 99 Jahre nutzen. Das wird am 30. April ab 19.30 Uhr mit einem „Tanz in den Mai“ bei Refo gefeiert.

Beatrice Pfitzner (QM Moabit West) wies auf den 9. Mai, den "Tag der Städtebauförderung" hin, an dem es viele Veranstaltungen gibt, z.B. um 11 Uhr einen Rundgang zum Thema Green Moabit (Treff in der Huttenstraße 3). Im ZKU werden um 13 Uhr Quartiersfilme wie der über „15 Jahre QM Moabit West“ gezeigt. Und sie selbst leitet eine Führung durch die Moabiter Beweggungslandschaft. In Moabit Ost gibt es um 13 Uhr drei parallele Begrünungsaktionen, verkündete Dorine Grass (QM Moabit Ost), u.a. in der Lübecker Straße am Obdachlosenhaus und in der Pritzwalker Straße.

Beim Bildungsträger G.A.L.B. findet am 4. Juni von 10 bis 16 Uhr ein „Tag der offenen Tür“ statt, bei dem sich Schüler in den Werkstätten präsentieren und man live den Unterricht verfolgen kann.

Carl-Bolle-Grundschule: Als Abschluss der laufende Projektwoche zum Thema Kunst findet am 24. April ein Hoffest mit Schulhofeinweihung durch Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke ab 9 Uhr statt. Hier mehr dazu.

Jutta Schauer-Oldenburg wies auf die BVV am 23. April hin, zu der einige Quartiersräte gehen. Dort geht es u.a. um eine Bürgeranfrage zur Verpflichtungserklärung der Firma Gastrogroßmarkt Hamberger, wie sie sich sozial im Umfeld einbringen möchten. Hamberger hatte versprochen, u.a. die Diakoniegemeinschaft Bethania und die Moabiter Schulen zu unterstützen, das stand in dieser Erklärung.

Susanne Torka wies darauf hin, dass sich der Tisch gegen Gentrifizierung am Mieten-Volksentscheid beteiligt.

Und am 16. Mai findet ein Kiezspaziergang durch die Bremer, Waldenser und Oldenburger Straße statt. 14 Uhr ist Start am Treffpunkt Bremer- Ecke Birkenstraße. Hier mehr dazu: http://wem-gehoert-moabit.de/2015/04-kiezspaziergang-in-moabit/

Die zusammengefassten Ergebnisse und Inhalte der Stadtteilplena sind HIER nachzulesen.

Text & Fotos: Gerald Backhaus