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Donnerstag, 23.11.2017

Über das Stadtteilplenum im November 2017

Stadträtin Sabine Weiler (GRÜNE) und Moderatorin dahinter Susanne Torka
Auf dem Weg zu Experten im Huttenkiez: Florian Tienes und Johannes Hipp vom Planungsbüro AG.URBAN


So sehen Rasensessel aus
Sibylle Götz referierte über das Projekt „Bildungsmöglichkeiten in der Kurt-Tucholsky-Bibliothek“ 2017-2018

Grünanlagen, Kulturorte und Leseförderung in Moabit West 

Stadtteilplenum im November 2017

Der Moabiter Ratschlag e. V. und die S.T.E.R.N. GmbH hatten am 21. November 2017 zum letzten Stadtteilplenum im Jahr 2017 eingeladen. Trotz des Regenwetters fanden viele Gäste den Weg in den Stadtschlosstreff. Wie gewohnt moderierte Susanne Torka.

„DEIN ORT IM HUTTENKIEZ“

Unter dem Tagesordnungspunkt „Aktuelles aus dem Kiez“ stellten Florian Tienes und Johannes Hipp vom Planungsbüro AG.URBAN zunächst ihr Projekt „Unser Platz im Huttenkiez - Aktivierung für eine lebendige Nachbarschaft“ vor. Im industriegeprägten Huttenkiez sind Orte für die Nachbarschaft Mangelware. Dafür gibt es viel aktive und engagierte Menschen dort, und mit denen möchte das Team um die beiden jungen Männer gemeinsam Ideen entwickeln. Dazu sind Stadtteilversammlungen geplant, und auch die digitale Beteiligung soll eine Rolle spielen. Ziel des Projektes, das im Oktober startete und über zwei Jahre laufen soll, ist es, im Huttenkiez Orte für die Nachbarschaft zu finden, ein neues Image für das Gebiet zu entwickeln und das dort bereits existierende Engagement zu bündeln, so dass der Nachbarschaftsort - eine Art Hütte, ein Bungalow oder ein ähnliches kleines Bauwerk oder auch nur eine temporäre Nutzung - auch nach Ablauf der Förderung durch das Programm „Soziale Stadt“ weiter geführt werden kann. Angedacht ist, dass an dem neuen Nachbarschaftsort Dinge wie gemeinsames öffentliches Gärtnern („Urban Gardening“) und eine Spielfläche für Kinder entstehen. 

AG.URBAN unterteilt seine Arbeit in vier Phasen: Analysieren und Wissenssammlung - Phase 1 läuft bis Dezember 2017. In dem sehr durch Industriebauten zerklüfteten Kiez haben sie schon einige Nischen und Baulücken identifiziert, die als Orte für die Nachbarschaft in Frage kommen. Unter dem Motto „Die Insel - Heimat & Identität“ liegt 2018 dann das Augenmerk darauf, auf das Projektvorhaben aufmerksam zu machen, die Anwohnerschaft zu beteiligen und zu informieren, um einen geeigneten Ort zu identifizieren. In Phase 3 wird dann „das Mutterschiff“ realisiert, in dem die Ideen der Anwohner praktisch umgesetzt werden, z.B. durch einen Hüttenbau mit Garten drum herum. Wie gesagt soll ein kleiner Nachbarschaftsraum entstehen, z.B. mit Rasensesseln, von denen Tienes und Hipp den Plenumsgästen Entwurfszeichnungen zeigten. Phase 4 heißt bei ihnen „Vernetzen“ und geht bis Ende 2019. Bis dahin soll ein aktives Netzwerk etabliert werden, das den sozialen Ort der Nachbarschaft auch in der Zukunft trägt.

Am Samstag, 9.12.2017, wird die Bürgerbeteiligung von 13 bis 17 Uhr mit einer „kreativen und lustigen Ideensammlung“ vor dem Aldi- Markt in der Huttenstraße 42 beginnen. (FLYER)

Eine Anwohnerin aus der Zwinglistraße fragte danach, wie der Kiez ausgewählt wurde und nach den Indikatoren, nach denen der Erfolg dieses Projekts bemessen wird? - Beatrice Siegert (QM Moabit West): Die Idee entstand auf der Stadtteilwerkstatt durch Bewohner des Huttenkiezes. Der Quartiersrat stimmte dem Projektvorhaben zu, die Steuerungsrunde und das Fachamt des Bezirks Mitte schlossen sich an. Dann begab sich das QM auf Trägersuche dafür und fand die AG.URBAN. Zu den Erfolgsindikatoren zählt u.a., wie viele Veranstaltungen im Rahmen des Projektes stattfinden, ob es gelingt, viele Menschen in den Gestaltungsprozess einzubinden, und ob es am Ende wirklich einen lebendigen Ort der Nachbarschaftsort im Huttenkiez gibt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es im Rahmen dieses Projekts Workshops und ein Stadtforum geben wird, urbane Interventionen mit Vor-Ort-Aktionen, eine Bauphase, interne Analysen, regelmäßige Rückkopplungen mit dem QM, Vernetzung mit Akteuren sowie eine Begleitung der Akteure vor Ort. 

Den Projektträgern wurde der Kontakt zu Green Moabit empfohlen. 

Kontakt: huttenkiez[at]ag-urban[.]de, weitere Info: www.ag-urban.de

PROJEKT „Bildungsmöglichkeiten in der Kurt-Tucholsky-Bibliothek“ 2017-2018

Sibylle Götz leitet das Bibliotheks-Projekt im Auftrag des Moabiter Ratschlag e.V. Sie liebt es, bei ihrer Arbeit mit Kindern, aber auch mit Erwachsenen, verschiedene Medien wie Bücher, Bilderbücher, Bilder und Tablets zu mischen. Was im dritten Projektjahr geschah: weiterhin wurde die Lust auf das Lesenlernen bei den Kleinsten geweckt. Dazu besuchten 11 Kitas aus Moabit West insgesamt 227 Vormittagsveranstaltungen. 731 Erwachsene begleiteten 2253 Kinder, so die Zählung, bei ihren regelmäßigen Bibliotheksbesuchen. Diese finden 14-tägig oder wöchentlich statt. Ziel des Projektes ist es, den Kindern die Inhalte der Geschichten greifbar und erlebbar zu machen. Dabei erhalten Götz und ihr Team Unterstützung durch die Kiezmütter, vor allem bei den fremdsprachigen Lesungen („in der Familiensprache“). Die Kinder entwickeln ihren Wortschatz dadurch weiter, außerdem findet „persönliche Beziehungsarbeit“ durch die Vorleserinnen statt. Das Projekt ist auch mobil und stellte sich in den großen Kitas des Stadtteils vor. Zudem bietet es Bildungsmöglichkeiten auch für Erwachsene an, z.B. für die Ehrenamtlichen und die Kita-Erzieherinnen. Sie erhalten Rat zum Umgang mit technischen Geräten und erfahren z.B. wie Tablets funktionieren. „Dafür sind wir ein Partner mit Wissen und Technik,“ so Sibylle Götz. Sie und ihr Team sind auch sonst viel im Kiez unterwegs, so z.B. beim Straßenfest, im QM und bei Kindergartenfesten, um dort auch Eltern zu erreichen. Hingucker ist dabei immer ihre auffällige „Nachbarschaftswand“. Lesungen finden nicht nur in der Bibliothek im 1. OG des Nachbarschaftstreffs statt, sondern auch an ungewöhnlichen Orte wie dem Sitzungssaal des Rathauses Tiergarten in der Turmstraße.

Projektpartner sind die Diakoniegemeinschaft Bethania gGmbH (Träger der Kiezmütter), die Leseclubs und der VÖBB als Verband der Bibliotheken in Mitte.

Wie Leseförderung konkret aussehen kann, zeigte das Lesefest in der Bibliothek im Herbst, an dem Tag, als der große Regen über Berlin niederging. Dabei gab es auch Musik und Unterhaltung in der mit 130 qm kleinsten öffentlichen Bibliothek im Bezirk Mitte. Ein solches Fest ist auch für 2018 geplant.

Die Bibliothek ist für jeden von Montag bis Donnerstag von 12.30 bis 18 Uhr geöffnet. Kinderbücher gibt es nicht nur in deutscher Sprache, sondern auch auf türkisch, arabisch, polnisch, serbokroatisch, portugiesisch und anderen Fremdsprachen. Am meisten wird übrigens arabisch nachgefragt. Jeder erster Samstag im Monat ist ein „offener Samstag“ im Stadtschloss von 13 bis 18 Uhr - für und mit Familien. Der nächste Termin dafür ist der 2.12. An dem Tag findet auch das „Winterfest“ im Rahmen von „Moabit liest“ statt. Mehr dazu unter Termine ganz unten.

Schwerpunkt des November-Plenums war der Besuch von Stadträtin Sabine Weißler (GRÜNE), die seit etwa einem Jahr im Bezirksamt Mitte verantwortlich ist für die Ressorts Weiterbildung, Kultur, Umwelt, Natur, Straßen- und Grünflächen. Ihr Besuch als letzte der Stadträte nach der Wahl im Herbst 2016 war schon mehrmals geplant und musste verschoben werden. Diesmal kam die Moabiterin, die in der Wilhelmshavener Straße wohnt, trotz ihrer Sprunggelenksprobleme nach Moabit West. Zu ihrem Ressortzuschnitt bemerkte sie, dass die Ergänzung von Umwelt & Natur durch das Straßen- und Grünflächenamt sehr sinnvoll ist. Deshalb wollte sie dieses Ressort. Zum Verständnis: das Umweltamt ist nur für private Gelände zuständig, alle öffentlichen Grundstücke werden durch das Grünflächenamt betreut. Beide Ämter müssen sich durch den neu erfolgten Ressortzuschnitt nun besser einigen und alles gemeinsam besprechen. Dieses Vorgehen zeigt Erfolge, so Weißler. Die Ämter hätten sich geeinigt zur bezirklichen Freiflächenplanung, z.B. dort, wo Flächenkonkurrenzen zwischen Schulen und der Öffentlichkeit bestehen, im Fall von „Urban Gardening“ in Parks oder im Fall der im Stadtgarten am ZK/U brachliegenden Kleingarten-Parzellen. Auch die Baumscheibenbegrünung gehört in ihren Verantwortungsbereich. Es sei ein sehr romantisches Bild, dass die Baumscheibe für den Baum da ist und dass Begrüner und Baum respektvoll miteinander umgehen. Die Praxis sieht manchmal anders aus, weshalb sie eine bessere Betreuung und Ansprache der Begrüner durch ihr Amt vorangetrieben habe. „Unsere neue Webseite dazu gibt es seit April. Dort erhält man mehr Beratung durch Experten dazu, was alles geht und was nicht geht.“ (LINK WEBSEITE)

Die Bezirksstadträtin sprach auch über die vielen ärgerliche Baustellen in Mitte, auf denen manchmal wochenlang kein einziger Bauarbeiter zu sehen ist. Viele Firmen und Menschen seien im Baubereich beschäftigt, die koordiniert werden müssten. Sie versucht, dass das Bezirksamt dabei mehr mit der Senatsverwaltung kooperiert.

Zu den Grünanlagen in Mitte fasste sie zusammen: Der Kleine Tiergarten hat sich erstaunlich gut stabilisiert und weist einen „normalen Pflegezustand“ auf, d.h. dass bisher noch nicht viel kaputt gemacht wurde. Die Aufregung um die Sitzkiesel hat sich gelegt und dann gebe es da „intelligent angelegte“ Staudenbeete. Zum Problem des Obdachlosen-Containers im Kleinen Tiergarten bemerkte sie, dass dieser viele Vorteile habe. Alle bezirklichen Kinderspielplätze sind aktuell geöffnet, und zum Rattenbefall auf manchen von ihnen gab sie den Tipp, dass man keine Tauben füttern solle, weil das auch Ratten anziehe. Zum Dauerproblem Müll - ihr persönlicher Ehrenkodex sei es, nach einem Picknick alles wieder mitzunehmen - berichtete sie, dass der Bezirk gemeinsam mit dem DEHOGA ein Projekt entwickelt habe, um Touristen darüber zu informieren, ihren Müll im Park und auf der Straße bitte selbst zu beseitigen. Weißler erwähnte, dass das Bezirksamt auch für Nistanlagen für Vögel und für Rückzugsorte für Insekten in den öffentlichen Grünanlagen sorgt. Und der begrünte Mittelstreifen einer Straße müsse ihrer Ansicht nach „nicht aussehen wie eine Einbauküche“. Er brauche also nicht regelmäßig gemäht zu werden, damit er auch als Lebensraum für Insekten dient. Fazit: „Eine Stadt ist per se schmutzig!“

Zu ihrem Bereich Kultur und Weiterbildung: Die Bauvorhaben im Objekt Turmstraße 75 werden vor allem durch Mittel der Städtebauförderung finanziert. In dem Gebäude sollen Mischformen von verschiedenen Konzepten umgesetzt werden. Es soll ein repräsentatives Haus für den Kiez werden, auf dass man Stolz sein kann, denn es müsse in Moabit „doch noch etwas anderes außer der neuen Schultheiss-Shoppingmall geben.“

Zum Thema Erinnerungskultur: „Das ist eines unserer Hauptarbeitsfelder im Bezirksamt!“ Da gehe es z.B. um den Güterbahnhof Moabit, von dem aus während des Nationalsozialismus Juden deportiert wurden. Dieser Gedenkort wurde nach 20 Jahren Vorarbeit mit Hilfe der Senatsverwaltung umgesetzt und wird aktuell durch die benachbarte Theodor-Heuss-Schule gepflegt. Das Denkmal in der Levetzowstraße wird demnächst saniert. Dort wird die Bepflanzung geändert, um das ursprüngliche Konzept der Architekten wieder herzustellen. 

In der anschließenden Diskussion wurde die Stadträtin gefragt nach dem beklagenswerten Zustand in der Zwinglistraße, speziell vor dem Haus Nr. 35/36. Eine Anwohnerin, die nach 20 Jahre im Ausland wieder dorthin zurück kehrte, findet, dass sie jetzt auf einer Müllhalde lebt. Küchen und kaputte Fernsehgeräte stehen da auf dem Bürgersteig herum sowie Bauschutt-Container ohne Funktion. Gegenüber des Pamuk-Ladens gibt es einen Grünstreifen, der - in Anspielung auf die Worte der Stadträtin - nicht insektenkompatibel sei. Es kämen gezielt Leute, um ihren Müll abzuladen, z.B. eine ganze Küche. Ganz zu schweigen von den viele Hundehaltern, die von woanders extra in die Zwinglistraße kämen, damit sich ihre Vierbeiner hier erleichtern können. Der Gesamteindruck, der entstand, ist, dass es hier so versifft ist, dass man einfach seinen Müll dazu werfen kann. - Sabine Weißler: So etwas ist Sache der BSR. Die Müllfahrer haben ein spezielles Raster, wann sie welche Straßen entlang fahren. Sperrmüll-Container sind so teuer, dass deshalb manche Leute ihren größeren Müll selbst illegal entsorgen. Die Abgabe von Sperrmüll wiederum empfänden viele als zu kompliziert, z.B. sei das offizielle Entsorgen von Dachpappe so teuer, dass manche Leute ihre Dachpappe lieber einfach im Wald vergraben. Wem illegal entsorgter Müll auffällt, der solle bitte nicht beim Ordnungsamt anrufen, weil die Beamten nur Leute belangen können, die sie auf frischer Tat ertappen, sondern immer die BSR benachrichtigen! 

Ein weiteres Beispiel für Irrsinn in der Straßenreinigung, was aus dem Plenum genannt wurde, waren die absurden Fußweg-Staubsauger, die nur in der Mitte des Bürgersteigs reinigen und nicht an den Rändern.

Herr Nake fragte zum Essener Park, der keinen öffentlichen Zugang hat und den das Grünflächenamt angeblich an das Jugendamt abgeben wolle: wie ist da der aktuelle Stand? Man kommt nur noch von der Stromstraße aus hinein in diese Grünanlage. - Stadträtin Weißler: Sie kennt den aktuellen Stand dort nicht. Schlecht kontrollierbare Flächen wie der Essener Park würden gern abgegeben, und das Jugendamt hätte an einem Teil des kleinen Parks Interesse gezeigt. Das Grünflächenamt möchte die Fläche generell aber öffentlich halten.

Grünanlagen und Parks sind extrem wichtig gerade in den hochverdichteten Gebieten der Innenstadtbezirke. Entlang der Bremer Straße gibt es einen öffentlichen Grünzug mit kleinen Parks, Spiel- und Bolzplätzen und einem Grundstück der Gewobag. Stadtrat Gothe hätte dort Wohnungsbau genehmigt, obwohl im Flächennutzungsplan etwas anderes steht, trug Herr Nake vor. Wie setzen Sie sich dafür ein, dass dieses Mini-Grün gestärkt und nicht geschwächt wird? - Sabine Weißler: es gibt eine Diskussion dazu zwischen Stadtrat Gothe und ihr. Es sind finanzielle Mittel vorhanden, um den Grünzug zu gestalten und aufzuwerten. „Das Grün soll dort ertüchtigt werden“, das besprochene Baugrundstück gehöre aber wohl nicht dazu.

Zur Jugendverkehrsschule (JVS) in der Bremer Straße bemerkte Herr Nake: sie hat sehr hohe Betriebskosten für Abwasser (ca 5.000 Euro pro Jahr). Es gibt die Idee, dass das vorhandene Abwasser in die Grünflächen versickern könnte, was viel Geld sparen würde. - Weißler: Das klingt interessant, gehört aber in den Verantwortungsbereich des Schulamts.

Rudolf Blais: wann werden im Ottopark die beschlossenen Nachbesserungen umgesetzt, und wann wird der geschlossene Biergarten-Eingang geöffnet? Aktuell gibt es nur einen Zugang über das Kirchengrundstück, es sei aber „ein Park für alle“. Außerdem mahnte er die Begrünung von versiegelten Gartenhöfen an sowie Müll und Brennkohle in den großen Schalen im Park. Werden sie nicht als Brunnenschale oder Denkmal betrachtet, sondern als Ort zum Grillen? - Sabine Weißler: sollen wir als Bezirksamt deshalb etwa die Schalen abbauen? Im Anschluss äußerte sie sich zum Drogenhandel im Kleinen Tiergarten: Wir wollten verhindern, dass Drogenhändler im großen Stil dort heimisch werden. Dazu gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei. Wenn keine Polizei zu sehen ist, heißt das nicht, dass keine vor Ort ist. Das gezielte Vorgehen scheint verhindert zu haben, dass aus dem Ottopark / Kleiner Tiergarten ein größerer Drogenumschlagplatz geworden ist. Die Situation dort sollte man analysieren, also was genau die Umgestaltung gebracht hat und ob das Gegenteil vom „Effekt des zerbrochenen Fensters“ eingetreten ist. So wird der Effekt genannt, wenn Zerstörungen weiteren Vandalismus nach sich ziehen. Das Bezirksamt möchte laut Sabine Weißler eine Art Beißhemmung erreichen, also dass sich niemand traut, mutwillig etwas kaputt zu machen. Das Parkcafé wird im Sommer 2018 fertiggestellt. Der Wirt übernimmt auch die Betreuung der öffentlichen Toiletten dort, und die Eröffnung wird etwa zeitgleich zur Fertigstellung der Schultheiß-Einkaufsmall stattfinden.

Zu den Sturmschäden, durch die 12 Bäume gefällt werden mussten, gab es die Frage danach, welche Baumnachpflanzungen es nun in der Folge gibt. Wenigstens zwei große neue Bäume? - Weißler: was nachgepflanzt wird, weiß sie nicht. In Parks könnten es z.B. Kastanien sein. Viele Leute sind sorglos im Umgang mit Naturereignissen und joggen, kaum dass der Sturm vorbei ist, trotzdem an Stellen entlang, an denen es gefährlich werden könnte. Deshalb gibt es Parksperrungen. 

Und zur „angeblich so tollen“ Spiellandschaft, bemerkte Rudolf Blais, dass sie keinen nachhaltigen Wert habe und dass bei der Parkumgestaltung insgesamt 9-10 Mio. Euro Fördergelder vergeudet wurden. - Weißler: sie sieht die Spielplätze durch viele Kinder genutzt, wenn sie durch den Park geht.

Maren Dorner von der Initiative Kino für Moabit fragte nach einer konkreten Zeitplanung im Objekt Turmstraße 75. Wie genau wird der große Eingangs-Foyer-Bereich gestaltet? Und werden wir als Anwärter/potentielle Interessenten auch involviert oder ist nur Platz für die bisherigen Nutzer der bezirklichen Immobilie? - Sabine Weißler: Sie als Film-Verein sind prädestiniert für die Nutzung und deshalb sollte auch die Kinotechnik in einem der Räume bedacht werden. Das Berlin Kolleg wurde überzeugt, Räume abzugeben. Finanziert werden die Bauvorhaben in folgendem Umfang: 2019 mit 800.000 Euro, 2020 fließen dann 2 Mio. Euro, und im letzten Jahr (2021) sind 1,2 Mio Euro geplant. 

Wird ein Kino in der Turmstraße 75 entstehen? - Sabine Weißler: Nein, aber es wird einen Raum geben, in dem Filmvorführungen möglich sein sollen.

Susanne Torka: gibt es auch einen Raum für den Heimatverein Tiergarten, der sehr frustriert ist, weil er aktuell keine Bleibe hat? - Weißler: Das Gebäude des Stadtschlosstreffs, in das der Verein zog, als er aus den Räumen in der Turmstraße 75 ausziehen musste, gehört zum Fachvermögen des Jugendamts. Das stellte dem Heimatverein mal einen Raum zur Verfügung, der dann wegfiel, als der Fahrstuhl wegen der Barrierefreiheit eingebaut wurde. Nun soll sie als Verantwortliche für Weiterbildung & Kultur (nicht Jugend) für Ersatz sorgen. Es sei momentan generell schwierig mit Räumen, die Dritten wie z.B. Vereinen überlassen werden. „In der Turmstraße 75 ist definitiv kein Platz für Vereine!“ Stadtrat Gothe bot dem Heimatverein die Mitnutzung der Stadtteilvertretung in der Krefelder Straße an, was dieser jedoch ausschlug. Aktuell sei die Lage angespannt, weil das Bezirksamt selbst Räume anmieten muss, um die Kernaufgaben der Verwaltung zu erfüllen. Das liegt daran, dass in den vergangenen Jahren - man erinnere sich an Haushaltssperre und Einstellungsstopp - sehr viel Personal abgebaut wurde. In diesem Zuge wurden auch bezirkliche Gebäude für andere Nutzungen weitergegeben oder veräußert. Aktuell werden nun erstmals wieder Personalstellen geschaffen, aber die Gebäude für die zusätzlichen Mitarbeiter bekommt man nicht so schnell zurück.

Herr Walter aus der Waldstraße fragte zu den Sitzbänken in Moabit: wann werden marode Bänke aufgearbeitet? In der Waldstraße sind sie durch die Sanierung gut in Schuss, so dass alle hierher kommen. - Stadträtin Weißler: Die Bänke in der Wilhelmshavener Straße, in der sie lebt, sind ganz verschwunden. Die Berliner Bank AG würde Sitzbänke sponsorn, aber sie wurden ständig zerstört und schließlich abmontiert. Die Bänke an der Jonasstraße verschwanden auf Bestreben der Anlieger, die keine Alkoholiker-Szene vor ihrer Tür mehr haben wollten. Weißler selbst möchte gern mehr Bänke in Mitte haben und mehr Geld für Erhaltungsmaßnahmen im Straßenraum ausgeben. Mehr Geld sei schon dafür vorgesehen, aber das wird nicht reichen. In der Bremer Straße soll es mehr Bänke geben. - Walter: Könnte man nicht einen Aufruf starten, Sitzbänke zu spenden? Wie wäre es mit Bank-Paten? - Weißler: Das sei schwierig, weil es damit so wäre wie mit Bäumen, die zwar gespendet werden, aber dann von der Stadt erhalten werden müssen.

Eine Bewohnerin aus der Zinzendorfstraße fragte zu den Müllcontainern am Straßenrand: brauchen sie eine Genehmigung? - Weißler: ja. Und die Müllbehälter im Kleinen Tiergarten sind meist so aufgeklappt, dass nicht Menschen, sondern Vögel den Müll heraus klauben und im Park verteilen.

Jemand fragte nach Gasflammen bzw. Heizpilze: dürfen die eingesetzt werden? Wohin kann man sich wenden, wenn einen das ärgert? - Weißler: Heizpilze sind in Mitte verboten. Stehen sie auf öffentlichem Straßenland, wird vom Grünflächenamt dagegen vorgegangen. Stehen sie allerdings nicht auf öffentlichem Straßenland, wie z.B. vor dem Lokal am Alexanderplatz zwischen Kino und S-Bahn, dann können die Restaurantbetreiber so viele Heizpilze aufstellen, wie sie wollen.

Eine Nachbarin fragte nach Bänken am Neuen Ufer, die auch sehr kaputt sind. Und warum werden nach den Sturmschäden keine Obst- und Nussbäume nachgepflanzt, wenn schon neue Bäume gepflanzt werden? Dann könnten auch Früchte geerntet werden. - Weißler: Ja, wir wollen „Mitte essbar machen.“ Doch gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, was Natur in der Stadt bedeutet, und es gibt sehr geeignete Obstbäume, die nicht im Winter geschnitten werden müssen. Beispielsweise stehen im Viertel nahe des BND mehrere Obst- und Walnussbäume. Weißler selbst kann sich den Einsatz von Obstbäumen sehr gut in Mitte vorstellen, doch ihre Ämter sind dahingehend noch in einem Findungsprozess. Als positive Beispiele erwähnte sie zwei Apfelbäume im Kleinen Tiergarten und Ebereschen auf dem Bolle-Gelände. 

Nicola Kluftinger vom Moabiter Ratschlag e.V. fragte nach der Bremer Straße: Was geschieht mit der dortigen Gartenarbeitsschule, soll da am Gebäude etwas gemacht werden im Zuge der Aufwertung? - Weißler: Dieses Gelände ist nicht in ihrem Verantwortungsbereich, sie fragt aber gern dazu nach.

Herr Nake: fast überall in Berlin sind Fahrradständer Mangelware. Warum geht es aber dann, wenn man extra Anträge zur Aufstellung stellt? Gibt es kein systematisches Programm dafür oder ist das dem Zufall überlassen, wo Ständer hinkommen? Er erwähnte, dass z.B. beim Brotwerk in der Essener Straße Fahrradständer fehlen. - Weißler: so viele Ständer, wie wir bauen wollen, können wir nicht bauen. Man kann sich melden mit Vorschlägen zu Wunschorten, die dann nach und nach abgearbeitet werden. Inzwischen wurden 80 Orte in Mitte identifiziert, aber es geht an manchen Stellen einfach nicht, z.B. wegen der vorgeschriebenen Gehwegbreite. Am S-Bahnhof Bellevue z.B. musste die Stadt mit der Bahn über Fahrradständer verhandeln. Um neue Ständer dort zu installieren, nahm das Bezirksamt in der Flensburger Straße Parkplätze weg, was für Unmut bei Autofahrern sorgte. Ein gutes Beispiel sei an der Ecke Friedrichstraße / Dorotheenstraße zu erleben, wo es durch viele neue Ständer eine bessere Sicht auf die Straßenkreuzung gebe. Das Geld für Fahrradständer kommt übrigens von der Senatsverwaltung - Stichwort neues Mobilitätsgesetz. Die Bezirke setzen es praktisch um, nur gibt es dabei aktuell leider einen Umsetzungsstau. 

Eine Besucherin des Plenums fragte nach dem „Urban Gardening“-Projekt im Wedding namens „Himmelbeet“. Wie geht es damit weiter? - Weißler: wir unterstützen das, aber vielleicht muss es eine Ausweichstelle dafür geben. Behördlicherseits ist das die Sache ihrer Stadtratskollegen Gothe und Spallek. 

Zur Finanzierung der Pflege der Grünflächen berichtete Sabine Weißler, dass es dafür ein jährliches Budget von 106 Mio. Euro für alle Bezirke Berlins gebe, wohlgemerkt inklusive der Müllbeseitigung. Das Budget der BSR für einige ausgewählte Grünflächen hingegen beträgt 130 Mio. Euro pro Jahr. 

Verschiedenes, Termine

Nicola Kluftinger (Moabiter Ratschlag) wies auf den Wintermarkt am 2.12. hin, der von 12-17 Uhr im Schulgarten in der Birkenstraße mit kleinem Markt sowie Aktionen wie Kerzenziehen und Adventsgestecke basteln usw. stattfindet. Von dort aus wird es einen Spaziergang zum Wintermarkt im Stadtschloss in der Rostocker Straße geben.

Maren Dorner (Kino für Moabit) wies darauf hin, dass am Freitag (24.11.) und am nächsten Montag (27.11.) letzte Kino-Termine mit finanzieller Förderung des Programms Soziale Stadt stattfinden. Es geht darin um Flüsse im Film, und zwar handelt es sich um eine Flüchtlingsgeschichte und eine Doku rund um den heiligen Fluss Ganges in Indien.

Beatrice Siegert (QM Moabit West) berichtete, dass „Green Moabit“ Energieberatungen in Kooperation mit der Verbraucherzentrale Berlin am 13.12. und am 10.1. anbietet im Vor-Ort-Büro des QMs.

Außerdem wies sie auf eine große Veranstaltung in ganz Moabit hin: Vom 27.11. bis 2.12. findet „Moabit liest“ mit der 9. Langen Nacht des Buches statt. Am 29.11. wird um 16.30 Uhr auch im neuen QM-Büro eine Lesung von Julia Latscha stattfinden. Die Autorin liest aus ihrem Buch „Lauthalsleben: Von Lotte, dem Anderssein und meiner Suche nach einer gemeinsamen Welt“. (LINK zur Buchnacht)

Susanne Torka wies daraufhin, dass am selben Abend (29.11.) im Stadtschloss eine Diskussion zum Thema Zweckentfremdungsverbotsgesetz mit Stadträtin Sandra Obermeyer (LINKE) stattfinden wird. Dort sollen u.a. geplante Gesetzesänderungen vorgestellt werden.

Am 3.12. veranstaltet die Kulturfabrik in Moabit Ost einen Wintermarkt.

Am 10.12. findet ein Singen mit einem Akkordeonspieler im B-Laden ab 15 Uhr statt. 

Am 15.12. wird es ein weiteres Fest in Moabit Ost geben, und zudem wird auch in diesem Dezember wieder ein lebendiger Adventskalender veranstaltet.

Themensammlung für Plena 2018

- Beim Plenum am 16. Januar wird es um das Thema Obdachlosigkeit gehen.

- Im Februar stellt sich das neue Büro für Bürgerbeteiligung beim Plenum vor.

Weitere Themenwünsche: Ein neues Projekt über Jugendmigrationdienste im Quartier soll in einem der ersten Plan Anfang des kommenden Jahres vorgestellt werden.

Vergangene Stadtteilplena: Die Berichte der vergangenen Stadtteilplena finden Sie wie immer unter folgendem Link: http://www.moabitwest.de/Das-Stadtteilplenum.171.0.html

Text & Fotos: Gerald Backhaus