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Montag, 04.02.2019

Über den Umgang mit Rassismus beim Stadtteilplenum Moabit West im Januar 2019

von Gerald Backhaus

Der Moabiter Ratschlag e. V. und die S.T.E.R.N. GmbH luden zum 15. Januar 2019 zu einem besonderen Stadtteilplenum in den Nachbarschaftstreff. Susanne Torka moderierte wie gewohnt.

Unter dem Tagesordnungspunkt „Aktuelles aus dem Kiez“ stellte sich Peter Kapsch vor, der neue Kollege im Stadtschloss, der seit Anfang Januar für zunächst für zwei Jahre im Bereich Vernetzung in Moabit Ost und West für den Moabiter Ratschlag e.V. arbeitet. Er führt das EFRE-Projekt "Verstärkung der Nachbarschaftsarbeit in Moabit West und Ost" durch.

Schwerpunkt-Thema „Wir in Moabit gegen Rassismus und Diskriminierung“

Zunächst stellten sich verschiedenen Organisationen und Initiativen, die gegen Rassismus und Diskriminierung kämpfen, vor. Matthias Vorberg berichtete über den Berliner Register. Diese Meldestelle erfasst seit 2014 rassistische Vorfälle und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Darunter fallen u.a. Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Antiziganismus und Behindertenfeindlichkeit. Die Palette von körperlicher Gewalt über verbale Angriffe und Sachbeschädigung bis hin zu Propaganda in Form von Aufklebern an Laternenmasten – auch Mikroaggression im Alltag genannt - wird statistisch erfasst und aufbereitet, so dass Politik und Verwaltung sowie die Öffentlichkeit erfahren, wo in der Stadt so etwas verstärkt auftritt. Der Träger des Registers in Berlin-Mitte ist der Narud e.V., dem viele Schwarze Menschen mit Herkunft aus utnerschiedlichen afrikanischen Ländern angehören. Laut Matthias Vorberg ist die Lage dramatisch: „Wenn wir alles melden würden, was wir erleben, würden wir gar nicht fertig.“

Kontakt: www.berliner-register.de und http://narud.org/index.php/register-mitte

Jouanna Hassoun, Geschäftsführerin von Transaidency e.V., und ihre Kollegin Felicitas Grützmann berichteten darüber, wie sie den Verein vor rund zweieinhalb Jahren in Moabit etablierten. „Offen füreinander“ ist ein QM-gefördertes Projekt, in dessen Rahmen u.a. Sensibilisierungs-Kurse stattfinden. Es geht bei Transaidency um Themen wie den Umgang mit Extremismus, es gibt Kochabende zusammen mit Geflüchteten, Kurse, in denen Menschen bei Diskriminierungen gestärkt werden sowie Aufklärung-Veranstaltungen für Multiplikator*innen und Betroffene. Außerdem wird 2019 ein Fachtag zum Thema Islam organisiert. Die Projektidee geht auf die Zusammenarbeit des QMs mit den Kiezmüttern zurück.

Felicitas Grützmann stellte das Projekt „Make Hummus not Walls“ vor, bei dem der Transaidency e.V. mit dem israelisch-palästinensischen Restaurant „Kanaan“ in Prenzlauer Berg zusammenarbeitet. Es ist ein partizipatives Verständigungsprojekt zum Nahostkonflikt, das Aktionen zur politischen Aufklärung und Sensibilisierung beinhaltet, so z.B. einen Workshop, bei dem israelisch-palästinensische Tandems gebildet werden. Außerdem werden Tandem-Dialog-Führungen unter dem Motto „Jerusalem im Dialog“ im jüdischen Museum angeboten.

Kontakt: www.transaidency.org

Vielfalt leben, Diskriminierungen entgegen treten, an demokratischen Prozessen mitwirken - James Rosalind und Bettina Pinzl arbeiten für „Demokratie in der Mitte“ in Moabit und Wedding, führen zum Thema Demokratie und Diskriminierungen Fortbildungen durch und begleiten Projekte. Im Fokus haben sie z.B., wie man gesellschaftlichen Druck abbauen kann, u.a. beim Thema Homophobie. Ein weiterer Schwerpunkt ist die geschlechterreflektierte Jugenarbeit.

Vom 11. bis 24. März 2019 organisiert Demokratie in der Mitte im Verbund mit Narud e.V., Transaidency e.V. und Jugendmigrationsdienst im Quartier (CJD) die Initiative „Zusammen gegen Rassismus Wedding&Moabit“

Kontakt: www.demokratie-in-der-mitte.de, facebook: @zusammengegenrassismus

Christiane Beckmann berichtete vom Moabit hilft e.V. So heißt die 2013 von Diana Henniges gegründete Nachbarschaftsinitiative, die seit 2016 ein gemeinnütziger Verein ist und sich als aktive Bürgerinitiative für den Schutz von Verfolgten und Flüchtlingen nach der Genfer Flüchtlingskonvention einsetzt. Organisiert werden – neben diversen Aktionen, Hilfs- und Beratungsangeboten – auch Demonstrationen und Redebeiträge. Ganz wichtig ist das Netzwerken, aber auch das Aufdecken und Öffentlich-Machen von Rassismus. Das Credo von Christiane Beckmann: „Das Wichtigste am Anfang ist, dass man den Menschen Glauben schenkt und ihnen vertraut.“

Kontakt: https://www.moabit-hilft.com

Plenum mal anders – statt großer Runde drei kleinere

Diesmal verfuhr das Organisationsteam des Plenums nach der Methode des World-Cafés, d.h. dass aus den Gästen drei Gruppen von jeweils rund acht Menschen gebildet wurden, die sich an drei Tischen zusammensetzten und sich zunächst gegenseitig mit ihren Tätigkeiten, Projekten und Erfahrungen vorstellten. Dabei wurden teilweise sehr persönliche Geschichten erzählt, z.B. von Familienmitgliedern, die Rassismus am eigenen Leib erlebten - ob verbal oder körperlich, oder von den Flüchtlingsmädchen der Gesangsgruppe „Levetzow-Girls“, die von Jutta Schauer-Oldenburg betreut werden. Berichtet wurde von der Antirassismus-Arbeit im TheaterX - wo man sich über anderes unterhalten kann als mit Schulkameraden (Stichwort „geschützte bzw. sichere Räume“) - bis hin dazu, was man konkret bei Mobbing-Fällen unternimmt und wo genau man Hilfe bekommen kann. Dafür wurden z.B. die Opferhilfe in Moabit und Reachout genannt.

Kontakt: http://www.opferhilfe-berlin.de/opferhilfe/beratungsstelle

https://reachoutberlin.de/de/content/berlin-tiergarten-96

An den drei Tischen mitgehört und notiert

Es wurde darüber diskutiert, wie man mit Hassreden im Alltag und in den sozialen Medien umgeht, und mit der Diskriminierung von Menschen, „die im Fokus stehen, weil sie für eine andere Welt eintreten.“ Es wurde u.a. berichtet von Menschen, die nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, von Personen, die zuerst Kontrollen in U- und S-Bahn ausgesetzt sind. Auch die zwischen Geflüchteten existierenden Diskriminierungen untereinander– wurden thematisiert.

Was wird getan gegen Rassismus? Die Ehrenamtlichen vom Moabit hilft e.V. wirken zunächst bei der Aufklärung mit. Wichtig sei es, die Menschen selbst sprechen zu lassen und mit den deutschen Gesetzen und Grundrechten bekannt zu machen. Zivilcourage sei ganz wichtig: “Rausgehen und ein positives Gefühl geben, sich z.B. in der U-Bahn bewusst mal direkt neben jemand anders Aussehenden zu setzen.“ Der Moabit hilft e.V. gibt Schulungen dazu, wie man sich im Fall von rassistischen Vorfällen konkret verhalten sollte. Ob polnischer Wanderarbeiter, Syrerin oder Obdachloser - bei der „Politik der offenen Tür“ in der Turmstraße 21 (Haus R) kann jeder zwischen 9 und 17 Uhr vorbei kommen und mitmachen oder helfen. Man solle nicht separieren, sondern etwas Gemeinsames machen. Besonders Geflüchtete zu separieren sei keine Lösung, denn „selbst wenn sie gut funktionieren, sind Flüchtlingsunterkünfte sogar eine Form der Apartheid.“ Wichtig sind hingegen niedrigschwellige Orte als Begegnungsmöglichkeit aller Menschen. 

Schwierig ist es bei der Schikanierung und Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen in der Schule. Bei diesem Thema gingen die Meinungen besonders auseinander: Einerseits seien Schulen „offene Systeme, die in den sozialen Raum hinaus reichen“, andererseits „kann man dort auf Granit beißen und als schikaniertes Kind keine Hilfe bekommen und auf eine andere Schule versetzt werden.“ Der schwierigste Schritt und das Kernproblem ist, Diskriminierung nicht hinzunehmen. Man sollte gerade den jungen Menschen mehr Stabilität und Selbstbewusstsein geben, sie darin trainieren, sich verbal verteidigen zu können und hre Rechte und Pflichten zu kennen. Das Schulgesetz schützt, nach einer Einschätzung, wenig.

Vorstellung der Ergebnisse im Plenum

Im Anschluss an die Diskussion innerhalb der Runden an den drei Tischen gab es eine kurze Auswertung im gesamten Plenum. Dort wurde u.a. darüber berichtet, das Jutta Schauer-Oldenburg Strafantrag gegen eine Gruppe junger Männer gestellt hatte, die die Levetzow-Mädchen belästigt hatten. Außerdem beschwerte sie sich nach einem rassistischen Vorfall auf Usedom bei der Integrationsbeauftragten von Mecklenburg-Vorpommern und der Kurverwaltung von Zinnowitz. Diese finanziert nun als eine Art Entschädigung die Kosten für einen Ostsee-Ausflug der Mädchen. Wichtig sei es, nach außen hin zu strahlen, denn die Mädchen sind „Menschen wie Du und ich“.

Weitere angesprochene Punkte waren u.a. folgende:

  • mehr bei der frühkindliche Bildung ansetzen, bessere Lehrerbildung

  • alle sollten Zivilcourage im täglichen Leben zeigen und ein positives Gefühl vermitteln, sich nicht isolieren („mal ohne Kopfhörer in der Bahn sitzen“), gemeinsam etwas unternehmen, mehr offene Räume schaffen, etwas gegen Vorurteile unternehmen (z.B. bei der Frage „Stimmt es, dass Flüchtlinge Handys bekommen?“)

  • was kann man tun, um mit Antirassismus-Projekten besser gesehen zu werden, welche Zielgruppen außer den Schulen gibt es? - z.B. mit Sportvereinen und der Freiwilligen Feuerwehr zusammenarbeiten

  • auf Antirassismus- und Antidiskriminierungs-Projekte sollte mehrsprachig hingewiesen werden, damit auch Betroffene, die (noch) nicht gut Deutsch können, erreicht werden

  • Außerdem sollte man sich auch dem weitgehend bagatellisierten Problem der Diskriminierung von Deutschen widmen.

Resonanz zur Aufteilung der Gäste auf die drei Tische

Die Methode ist sehr gut geeignet bei einem so sensiblen Thema, das man vielleicht nicht in einem großen Rahmen besprechen möchte, und zudem, weil dadurch mehr Menschen zu Wort kommen und sich gehört fühlen. Das ermöglicht vor allem Plenums-Neulingen den Einstieg.

Hinweise/Kritik: beim nächsten Mal sollte man bessere Zeitpläne zum Tischwechsel machen, zudem wäre eine Vorab-Information darüber, wer an welchem Tisch sitzt, gut. 

Verschiedenes, Termine

Im Februar findet das Plenum ausnahmsweise nicht wie üblich am dritten Dienstag, sondern erst am 26.2. statt. Zu Gast ist dann die neue Jugendstadträtin des Bezirks Mitte Ramona Reiser.

Bis 18.1. sollte man sich melden, wenn man mit seinen Veranstaltungen bei den „Internationalen Wochen gegen Rassismus – Zusammen gegen Rassismus Wedding Moabit“ ins gedruckte Programmheft möchte. Online-Hinweise gehen natürlich auch später noch.

Die Geschichtswerkstatt Tiergarten beschäftigt sich in diesem Semester mit der Migration nach Moabit. Es wird drei Termine zum „nicht übereinander, sondern miteinander reden“ geben. Dabei soll sich, wer in diesem Rahmen erzählen mag, bei Susanne Torka melden. Kontakt:http://www.heimatverein-tiergarten.de info[at]heimatverein-tiergarten[.]de Tel. +49 30 93953353

Der Fachtag zum Thema „Wie offen ist Moabit für den Islam?“ findet am 13.2.2019 in der Refogemeinde statt, Anmeldung dazu bei Jouanna Hassoun: jouanna.hassoun[at]transaidency[.]org

Wunsch- und Themensammlung für kommende Plena im Jahr 2019

- Petra Leischen: Armuts- und Verdrängungsproblem in Mitte (dazu gibt es bereits die Ausstellung „Wege aus der Armut“ in der Waldstraße 7)

- Baumscheiben: Was darf man pflanzen? Dazu bitte Gärtner und Grünflächenamt anfragen

Am 26. Februar 2019 findet das nächste Stadtteilplenum statt. 

Die zusammengefassten Inhalte und Ergebnisse aller Stadtteilplena werden immer hier veröffentlicht.

Text & Fotos: Gerald Backhaus