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Um Wohnen in Moabit ging es am 28. Mai 2013 beim Stadtteilplenum

Beim Rundgang mit der Genossenschaft MUT durch den Unionpark bei starkem Gewitterregen
Plenums-Ort diesmal: das ZK/U

Philipp Horst (ZK/U) und Susanne Torka
Hier geht es um die Genossenschaft MUT...
...und ihre Bebauungspläne der Vergangenheit...
...und hier die umstrittenen Bebauungspläne der Zukunft
Architekt Volker Simon
Gründungsmitglieder der Woge
Am Megafon: Maike Varenkamp vom Runden Tisch Gentrifizierung
Carsten Thieme erläutert das Projekt der Baugruppe in der Bandelstraße
Fassade des Hauses in der Bandelstraße

Genossenschaften, Baugruppen und mehr - rund um das Wohnen in Moabit

Rund um das Thema Wohnen in Moabit drehte sich fast alles beim Stadtteilplenum im Mai, zu dem der Moabiter Ratschlag e. V. und die S.T.E.R.N. GmbH als Beauftragte für das Quartiersmanagement Moabit West wieder gemeinsam einluden und das Susanne Torka moderierte. Es fand diesmal im ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik - in der Siemensstraße 27-49 statt. Zuvor gab es eine Führung der Genossenschaft MUT durch den Unionpark, die mit rund 30 Personen sehr gut besucht war, aber leider aufgrund starken Regens und Gewitters früher als geplant beendet werden musste. 

Unter dem Tagesordnungspunkt „Aktuelles aus dem Kiez“ berichtete Philipp Horst vom Verein Kunstrepublik e.V., dem Hausherrn und Gastgeber des Plenums, über die aktuelle Situation im ehemaligen Güterbahnhofsgebäude und dem umgebenden Stadtgarten. Die bisher im Frühjahr im ZK/U stattfindenden Speisekino-Veranstaltungen, bei denen es neben Filmen auch ein Menü für 5 Euro zu essen gibt, können in der kalten Jahreszeit nur mit Hilfe einer Heizkanone in der Halle durchgeführt werden. Für den nächsten Termin im Juni hofft Philipp auf sommerliche Temperaturen und eine Open-Air-Veranstaltung. Überhaupt wird im Sommer viel mehr im ZK/U passieren als im Winter. Der Cafébetrieb soll langsam aufgenommen werden (ab Juni immer freitags, samstags und sonntags). Und zu den zahlreichen halböffentlichen Veranstaltungen in Haus und Garten wie Symposien und Workshops sind die Moabiter immer herzlich willkommen. www.zku-berlin.de 

Hajo Toppius vom Produktionsbüro "Kollegen 2,3" kündigte die Moabiter Musiktage 2013 an, die er mit seinem Team wie bereits 2012 in Zusammenarbeit mit dem QM Moabit West organisieren wird. Es wird Straßenmusikkonzerte und einen Musikzirkus am 13. und 14. September geben. An den zwei Tagen veranstalten „Kollegen 2,3“ zahlreiche Konzerte, musikalische Installationen und ein buntes Rahmenprogramm. Am 13. September verwandeln Rotationsstraßenmusikkonzerte die Turmstraße in eine große Bühne. Dabei sind verschiedenste Musikrichtungen vertreten: zwischen Salat und Tomaten beim Gemüsehändler, im Schaufenster eines leer stehenden Geschäfts oder vor der Bäckerei werden Ensembles, Solo-Künstler oder auch ein ganzer Chor auftreten. Der 14. September bietet wieder einen Musikzirkus mit Konzerten, Ständen, einem Kinderprogramm und Installationen zum Mitmachen. Sowohl Künstler vom letzten Jahr, wie die kunterbunte Zirkus-Musik-Truppe Goodnight Circus und das Duo Desmond Garcia & The Desperate D., als auch neue Musiker werden dabei sein. Hajo Toppius ist offen für weitere musikalische Vorschläge, man solle sich dazu einfach an ihn wenden, Kontakt: Tel. 42018461, http://www.kollegenzweikommadrei.de/ 

Unter dem Hauptthema des Plenums - “Wohnen in Moabit - Welche Möglichkeiten gibt es?“ kamen zunächst Vertreter der Mietergenossenschaft Unionplatz Tiergarten eG (MUT) zu Wort. Vorstandsmitglied Norbert Thömen, der auch schon die vorangegangene Führung geleitet hatte, berichtet über das Entstehen der Genossenschaft in den 80er Jahren. Damals sollte die Wohnanlage, die Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde und in deren Zentrum sich der Unionpark befindet, für eine Schule und einen Sportplatz abgerissen werden. Die Genossenschaftler retteten die Gebäude und modernisierten sie. Die MUT-Wohnungen werden heute mit Fernwärme versorgt, es gibt begrünte Dächer und eine Solaranlage. 202 Wohnungen gehören zur MUT, der Bedarf ist allerdings viel größer, über 120 Bewerbungen liegen derzeit aus den eigenen Reihen und der Nachbarschaft vor. Besonders gefragt sind altersgerechte und barrierefreie Wohnungen. Doch leider lässt sich der derzeitige Altbau-Wohnungsbestand nicht oder nur zu hohen Kosten umbauen, weshalb sich die Frage nach Erweiterungs-Neubauten für die Genossenschaft stellt. MUT bewarb sich 2012, dem „Jahr der Genossenschaften“, mit einer Idee zur Finanzierungsmöglichkeit von bezahlbarem Wohnraum und gewann dafür einen Preis vom Senat. Die Idee beinhaltete zwei Neubauten bzw. Anschlussbauten an bestehende MUT-Häuser auf der Fläche des Unionparks und kratzt dabei an ein Tabu: die teilweise Bebauung einer Grünfläche, um deren Erhalt sich auch die Genossenschaft in früheren Jahren eingesetzt hatte. Konkret wünscht sich MUT, das bezirkseigene Grundstück in der Bremer Straße 48, auf dem sich momentan eine Wiese befindet, in Erbpacht zu bekommen, um es – finanziert durch ein zinsloses Darlehen der IBB – mit einem Mehrgenerationenhaus mit 27 barrierefreien Wohnungen zu bebauen. Zudem ist eine Lückenbebauung zur Wiclefstraße hin angedacht, bei der allerdings der Durchgang im Erdgeschoss zum Park erhalten bliebe. „Als Gegenleistung bieten wir der Kommune an, uns an der Parkpflege zu beteiligen,“ so Norbert Thömen. 

Über diese so genannte „Nachverdichtung“ des Quartiers waren einige Plenumsteilnehmer, darunter Quartiersratssprecher Norbert Onken und Quartiersrat Martin Blattmann entsetzt. Sie und andere sprachen ihre Befürchtungen aus, dass der Park in der Folge eventuell nicht mehr öffentlich zugänglich wäre und dass es Zäune und abschließbare Türen gäbe. Außerdem wurde die genannte Kaltmiete i.H.v. 8,50 Euro pro qm von vielen Plenumsbesuchern nicht als „bezahlbarer Wohnraum“ empfunden. Die MUT-Vorstände Norbert Thömen und Volker Simon, zugleich Vertreter der Architektengruppe PLANSTADT und mit den Entwürfen betraut, entkräfteten die Befürchtungen damit, dass es sich zunächst um eine Idee und kein Bauvorhaben handele. Nettokaltmieten von 8,50 Euro pro qm sind bei einem Neubau angesichts explodierender Baukosten das Ziel. Ob sie sozial verträglich sind mag für viele schwer verständlich sein, aber günstiger zu bauen – gerade unter dem erhöhten Aufwand der Barrierefreiheit - ist heutzutage wohl nicht machbar. 

Ein weiterer Kritikpunkt im Plenum war die Beschlusslage der Genossenschaft, also eigentlich Genossenschaftsinterna, z.B. ob der Vorstand demokratisch verfahren sei und im Sinne aller Mitglieder handele, ob der Aufsichtsrat die Bebauungsvorhaben billige usw. Aber: „Hier baut kein Vorstand ohne OK seiner Mitglieder“, so Norbert Thömen, und „Beschließen kann man nichts, so lang das Grundstück nicht frei ist.“ So verteidigte eine Anwohnerin, die gleichzeitig MUT-Mitglied ist, das Vorgehen des Vorstands. BVV-Mitglied Frank Bertermann (B90/Die Grünen) warf MUT daraufhin vor, dass es eine fraktionsübergreifende Aussage in der BVV gab, dass die Genossenschaft gegenüber dem Bezirk einheitlich auftreten müsse. Dazu finden Sie eine Anmerkung von Frank Bertermann ganz unten.

Kontakt zur Mietergenossenschaft Unionplatz Tiergarten eG (MUT): http://mut-berlin.net/ 

Im Anschluss stellte sich die „WohnGenossenschaft Moabit iG“ (Woge), eine neue Genossenschaft für Moabit, vor. Die Gründungsmitglieder hatten vorab im Rahmen der Initiative „Wem gehört Moabit?“ rund 800 Häuser im Ostteil Moabits untersucht und festgestellt, dass sich ein großer Teil davon im Besitz von Großinvestoren befindet. In der Folge fanden sich Arbeitsgruppen zusammen, darunter ein „Stammtisch selbst genutztes Wohneigentum“, der aber bald wieder einschlief, und die Genossenschaftsgründer. Die neue Genossenschaft möchte bezahlbaren Wohnraum schaffen und erhalten. Ihr Ziel sind dauerhaft stabile Mieten für Altbau und Neubau im unteren Preissegment, denn „wir wollen auch Kleinverdienern und Transferempfängern die Mitgliedschaft an unserer Genossenschaft anbieten.“ Angestrebt werden eine generationsübergreifende Bewohnermischung, eine Etage für Pflegebedürftige sowie im Erdgeschoss eine kulturelle Einrichtung mit Küche. Noch fehlt den Genossen in Gründung allerdings ein geeignetes Objekt zum Starten, im Moment werden mehrere Moabiter Gebäude geprüft. Am 14. Juni um 18 Uhr trifft sich die Gründungsvorbereitungsgruppe im B-Laden in der Lehrter Straße 27-30. Interessenten sind herzlich willkommen. Kontakt und weitere Informationen zur Woge finden Sie hier: www.woge-moabit.de

Maike Varenkamp stellte kurz den „Runden Tisch Gentrifizierung“ vor, der sich seit einem Jahr ein Mal pro Monat trifft. „Jedes Mal kommen 10 bis 20 Leute am zweiten Dienstag im Monat zu uns in die Zunftwirtschaft. In Zukunft wird der Treffpunkt allerdings ein anderer sein.“ Erklärtes Ziel der Gruppe ist es, keine Vertreibung von Einkommensschwachen aus Moabit zuzulassen. Wie das erreicht werden kann, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Die nächste Veranstaltung genau zu diesem Thema ist die Bezirkskonferenz „Mietenstopp in Moabit“, die am 4. Juni 2013 im Stadtschloss stattfindet. Hier mehr dazu: http://www.moabitwest.de/Drei-Veranstaltungen-zum-Thema-Wohnen-in-Moabit.4793.0.html 

Zu guter Letzt gab Carsten Thiemann, Geschäftsführer der Planungs- und Baugemeinschaft "Baugruppe Moabit GbR" einen Überblick über seine Baugruppe, die eine Lückenbebauung in der Bandelstraße durchführt. Die 28 Erwachsenen hatten sich beim Liegenschaftsfonds um das Grundstück beworben, bekamen mit ihrem Mehrgenerationen-Konzept den Zuschlag und konnten 2011 den Kaufvertrag unterzeichnen. Zu zwei Dritteln sind es Alt-Moabiter, die in die 24 Wohneinheiten neben dem ehemaligen Moabiter Krankenhaus einziehen werden. „Unser Ziel war ein selbst gestaltetes Haus mit Leuten unter einem Dach, die man vorher kennt und mag…und das Ganze für Erstellungskosten von 2.000 Euro pro qm.“ Gerade ist der Rohbau fertig geworden. Klar ist bereits, dass sich die Baukosten nicht so günstig gestalten ließen, „aber wir sind bei rund 2.100 Euro gelandet.“ Carsten Thiemann berichtete über einige Details der Gestaltung des Gebäudes, z.B. dass es sich architektonisch gut einpasst zwischen ein Haus aus der Gründerzeit und eines aus den 50er Jahren, dass es mit Fernwärme beheizt wird, dass Garten und Terrasse gemeinschaftlich genutzt werden, und dass es im Erdgeschoss eine Gewerbeeinheit und einen Gemeinschaftsraum geben wird. Letzterer steht nicht nur den Bewohnern für Familienfeiern zur Verfügung, sondern ist auch für Nachbarn aus dem Kiez z.B. als Kursraum buchbar. Der Mietpreis steht noch nicht fest, da die mit der Hausverwaltung beauftragte Firma noch am Wirtschaftsplan für das Objekt arbeitet. Er soll sich aber an den Betriebskosten orientieren, so Carsten Thiemann. Kontakt zur Baugruppe in der Bandelstraße: www.baugruppe-moabit.de

Wohnen ist ein sehr wichtiges Thema und geht jeden an. Daher wird es auch beim kommenden Stadtteilplenum, das am 18. Juni 2013 - wieder im Stadtschloss - von 19 bis 21 Uhr stattfindet, darum und im besonderen um den Stadtentwicklungsplan Wohnen für Berlin gehen. Staatssekretär Ephraim Gothe hat seine Teilnahme als Diskussionsgast zugesagt.

Termine zum Vormerken

Unter „Termine & Sonstiges“ wies Elke Fenster noch einmal auf das am Freitag, 31. Mai, von 16 bis 18 Uhr im Ottopark stattfindende „Fest der Nachbarn“ hin: „Wir haben Platz für 300 Leute, jeder sollte etwas zum Essen mitbringen, und Künstler werden etwas darbieten.“ Vorher, um 13.30 Uhr, starten Kiezspaziergänge für Ältere von vier Treffpunkten aus in die Parks von Moabit und kommen zum Abschluss auch zu der „Runden Tafel“ in den Ottopark. Hier mehr Details zu beiden Veranstaltungen: http://www.moabitwest.de/Nachbarschaftsfest-am-31-Mai-2013-im-Ottopark.4788.0.html http://www.moabitwest.de/Spaziergaenge-durch-Moabit-am-31-Mai-2013.4799.0.html

Philip Schreiterer vom Verein Moabit e.V. warb für die Filmkaraoke-Reihe, die zum nächsten Mal am 12. Juni um 20 Uhr im Filmrauschpalast stattfindet. Er kündigte zudem schon einmal die Verschönerungsaktion in der Waldstraße am 17. August 2013 an. Dort sollen auf dem Teilstück zwischen Siemens- und Waldenserstraße u.a. Hecken geschnitten, das Schachspiel repariert und Blumen gepflanzt werden. Philip appellierte an die Anwesenden, sich selbst mehr im Kiez zu engagieren, z.B. als Anwohner selbst mit anzupacken, um vorhandene Grünanlagen mit in Schuss zu halten. Er und seine Vereinskollegen bieten ihre Erfahrung an, andere Moabiter bei derartigen Aktionen in ihren jeweiligen Straßen zu unterstützen. Kontakt: www.verein-moabit.de

Last but not least warb Beatrice Pfitzner vom QM Moabit West noch einmal für das Atelierwochenende „Ortstermin 2013“, das vom 7. bis 9. Juni 2013 an vielen Orten im Kiez stattfindet. Kommen auch Sie mal hin und schnuppern Kunst, hier geht es zu den Details: http://www.moabitwest.de/Ortstermin-2013.4772.0.html

Die zusammengefassten Ergebnisse und Inhalte der Stadtteilplena sind hier nachzulesen.

 

* Anmerkung von Frank Bertermann:

Da die Darstellung m. E. nicht meinen Aussagen in der Sitzung entspricht, würde ich Sie bitten, die Darstellung wie folgt zu berichtigen: "Frank Bertermann (Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses der BVV Mitte) informiert über eine Stadtentwicklungsausschusssitzung am 24.4.2013, in der die MUT ihr Projekt vorgestellt hat. Im Ergebniss wurde fraktionsübergreifend u. a. bemängelt, dass innerhalb der Genossenschaftsgremien (Aufsichtsrat, Genossenschaftsversammlung) noch kein abschließender Konsens über die Umsetzung des Projektes erfolgt ist. Dies sei jedoch eine zwingende Voraussetzung für die Fraktionen, sich überhaupt über die weiteren Verfahrensschritte einer evtl. Bebauungsplanänderung zu verständigen.

Text & Fotos: Gerald Backhaus