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Welche Bedeutung hat Arbeit für Sie?

""Wichtig ist der feste Wille, wieder Arbeit zu finden, das kommt beim Vorstellungsgespräch einfach rüber", befindet Karola Kremer.
V.l.n.r.: Julian Landweer, Birgit Kribben, Frank de Wit, Karola Kremer
Julian Landweer richtet die Kamera für den richtigen Bildausschnitt ein

Diese und andere Fragen beantworteten drei Moabiter, die sich intensiv mit dem Thema Arbeit beschäftigen. Die Interviews wurden von einem Team des Institut21 gefilmt und sollen im Rahmen der Jobmesse gezeigt werden.

Karola Kremer, Apothekenhelferin

Das hatte sie sich anders vorgestellt! - Dass man beim Filmen so viel warten muss, hatte Karola Kremer nicht erwartet.
Dabei war die kleine Crew aus dem Institut 21 sehr fachkundig und engagiert dabei, den gewählten Interviewplatz ´lichtmäßig hinzukriegen´, wie Kameramann Julian Landweer sagte.
Das war garnicht so einfach an diesem strahlend hellen Frühlingstag. Das Problem mit dem lauten Vogelgezwitscher hatte Tonmann Frank de Wit rasch gelöst. Aber der Hintergrund! - "Es darf nicht zu sehr nach Urlaub aussehen", darüber waren die beiden sich mit der Redakteurin Brigit Kribben einig. Schließlich soll es ein Video zum Thema ´Arbeit´ werden.

Um die verschiedenen Facetten dieses Themas zu beleuchten, unterhielt Birgit Kribben sich mit Menschen in unterschiedlichen Lebens-Situationen: mit Arbeitssuchenden, mit Arbeitgebern und mit solchen, die gerade wieder eine Arbeit bekommen haben. 

Für letztere stand Karola Kremer. Die gelernte Apothekenhelferin hat am 1. Januar nach einer intensiven Arbeitsplatzssuche ihre neue Stelle angetreten. "Man muss auf jeden Fall offen sein für eine Umstellung. Die Bereitschaft, sich zu verändern, sich zu bewegen, macht auch vieles wett, was man vielleicht noch nicht so gut drauf hat, wie z. B. Umgang mit dem PC, " fasst sie ihre Erfahrungen aus dieser Zeit zusammen. "Und man sollte sich nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen", lautet ein weiterer Tipp von Karola Kremer.

Sie selbst hat diesen Rat auch beherzigt und sich helfen lassen: von den Mitarbeiterinnen  des ServiceZentrums in der Turmstraße 66. Dort wurde sie dabei unterstützt, Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen und nach einem Arbeitsplatz zu suchen, der ihren Stärken und Vorstellungen entspricht.
Karola Kremer ist voll des Lobes für das, was ihr im ServiceZentrum mitgegegeben wurde: "Ohne die Hilfe von dort hätte ich nicht so ein klares Bild von mir selbst gehabt. So konnte ich mich voller Selbstvertrauen und mit hervorragend zusammengestellten Bewerbungsunterlagen vorstellen."

Während des Drehs im Hinterhof der Waldstr. 54 schaut Karola Kremer immer wieder auf die Uhr: "Um 12 muss ich los, sonst komme ich zu spät zur Arbeit".  

Abdallah Hajjir, Chef eines Reisebüros

Abdallah Hajjir ist  im Quartiersgebiet Moabit West sehr aktiv, um seinen Verein, das ´Haus der Weisheit´zu unterstützen
Abdallah Hajjr: "Wir wünschen uns, hier zwei Ausbildungsplätze schaffen zu können"
Durch seine vielfältigen Aufgaben für den Moschee-Verein ´Haus der Weisheit´ hat Hajjir viel Erfahrung mit Behörden und der Verwaltung.

"Disziplin, Anstand und Rücksichtnahme - das erwarte ich von einem Azubi", sagt Abdallah Hajjir und lacht.
Wenn der gebürtige Jordanier lacht, blitzen seine weißen Zähne und die dunklen Augen funkeln - und er lacht viel und gern.
Dabei ist das, was Abdallah Hajjir erzählt, eigentlich gar nicht zum Lachen: er beschreibt die Hürden, die er zu nehmen hatte, als er das Unternehmen vor zwei Jahren gründete.

" Für Reisebüros gibt es ein spezielles PC-Programm. Ich hatte zwar die Software besorgt- aber ich hatte keine Ahnung, wie man damit arbeitet. Da habe ich mir Hilfe geholt", sagt Hajjir und lacht wieder. Die Hilfe, die er brauchte, fand er im "Haus der Weisheit", einem an der Turmstraße ansässigen Moschee-Verein, den Hajjri 1995 selbst ins Leben gerufen hat und in dem er sehr aktiv ist.
Rund 100 Mitglieder hat das HadeWe, wie der Moschee-Verein in Moabit selbstbewußt abgekürzt wird - und die kommen beileibe nicht alle aus dem Kiez. "Sogar aus Brandenburger kommen die Menschen, um bei uns zu beten," sagt Hajjir stolz.

Auch das "Schiff der Weisheit" ist eine Gründung von Abdallah Hajjir. Die KiTa, die arabisch ´Safina´ heißt, nimmt im Besonderen Kinder aus arabischen und aus arabisch-deutschen Familien auf. 

Dabei kommt Hajjir beruflich eigentlich aus einer ganz anderen Ecke: von hause aus ist er Diplom-Bauingenieur. Aber die Firma, bei der er beschäftigt war, hat zugemacht - und mit einem Mal war der Familienvater arbeitslos. Da gründete er das "Haus der Weisheit", den Moschee-Verein, mit dem die Laufbahn des Abdallah Hajjir als Organisator begann und mit seiner Rolle als Chef eines Reisebüros - vorläuifig- endete. 

"Man ist nie zu alt, um zu lernen", fasst Hajjir seine Erfahrungen zusammen. Und auch er beschreibt den inneren Antrieb mit ähnlichen Worten wie Karola Kremer: " Wenn man etwas unbedingt will, dann bewegt man immer etwas in die gewünschte Richtung - auch wenn es noch nicht das volle Ergebnis ist. Aber so beginnen Entwicklungen!"

Dafür braucht man Zuversicht und Geduld. Hajjir weiß, dass nur so die Dinge sich auch ändern können. Er baut darauf, denn schließlich hat er noch so einiges vor: " In Moabit fehlt ein Erholungszentrum, wo man sich treffen kann, wo man sitzen und Tee trinken und sich unterhalten und sich austauschen kann. Das könnte teils gewerblich, teils gemeinnützig sein. Mit so einem Treffpunkt könnte man das interkultutrelle, interreligiöse Zusammenleben im Stadtteil sehr  fördern und stärken"

Und außerdem wünscht er sich eine Veränderung der Auflagen, die für die Ausbildungsberechtigung gesetzlich vorgeschrieben sind. Bisher darf jemand nur dann ausbilden, wenn er selbst eine qualifizierte Ausbildung in dem entsprechenden Fachgebiet nachweisen kann. Denn schließlich würde er im Reisebüro auch gerne Azubis aufnehmen. Zwei Interessentinnen hat er schon dafür. Und die sind auch bereit zu Disziplin, Anstand und Rücksichtnahme!

Harald Eschweiler, Sozial- und Organisationsmanager

Harald Eschweiler ist HartzIV-Empfänger, "noch", wie der Moabiter sagt. Er arbeitet intensiv daran, dies zu ändern.
Frank de Wit ´verkabelt´ Harald Eschweiler, um bei den Aufnahmen einen guten Ton zu bekommen.
Bei den Interviews hielt Birgit Kribben sich nicht akribisch an ihr Skript, sondern ging im Gespräch auch auf die Antworten ihrer Gegenüber ein.

" Noch", antwortet Harald Eschweiler in sehr bestimmtem Tonfall auf Birgit Kribbens eher rhetorisch gemeinte Einleitung des Interviews, dass er ja HartzIV-Empfänger sei - und sein entschlossener Gesichtausdruck unterstreicht die Ernsthaftigkeit dieser Bemerkung.
 
Während Frank de Wit das Mikro an Eschweilers Shirt befestigt und die Tonkabel unauffällig verlegt, erzählt der 52-jährige von seiner Tätigkeit im Stadtschloss Moabit.
Zwei Jahre lang war er dort als Koordinator für das Veranstaltungsprojekt MoViT zuständig. "Dabei habe ich eine Menge gelernt, und zwar auf allen Ebenen," sagt Eschweiler. "Angefangen bei der Kalkulation und Planung über die Vorbereitung und Durchführung bis zur Abrechnung habe ich mich um alle anfallenden Aufgaben gekümmert."
Dazu mussten die jeweiligen Aufgaben mit dem dreiköpfigen Team, das für Catering, Technik und Öffentlichkeitsarbeit zuständig war, besprochen und geplant werden.

"Ich habe gemerkt, dass mir diese Arbeit sehr liegt und dass es mir Spaß macht, zu organisieren. Um noch qualifizierter und professioneller arbeiten zu können, habe ich eine zweijährige Fortbildung zum Organisations- und Sozialmanager absolviert. Das, was ich dort an Wissen mitgenommen habe, konnte ich in meiner Arbeit für MoViT gleich in die Praxis umsetzen."

Die Tätigkeit für das Projekt im Stadtschloss Moabit endete in diesem Frühjahr. Seit kurzem ist Eschweiler nun als Praktikant im FEZ in der Wuhlheide beschäftigt. In den nächsten Wochen wird er intensiv an der Vorbereitung verschiedener Veranstaltungen mitarbeiten. 
Er ist voller Engagement und bereit, sich einzusetzen und dazu zu lernen: "Das FEZ ist ganz klar eine andere Größenordnung als das Nachbarschaftshaus in Moabit", sagt er. In Europas größtem Kinder- Jugend- und Familienzentrum finden natürlich sehr viel mehr Veranstaltungen statt als im Stadtschloss- und natürlich auch viel größere.
Aber gerade das reizt ihn, das ist genau das, wo Eschweiler in seiner beruflichen Entwicklung gerne hinmöchte: "Mit Professionalität in einem größeren Rahmen arbeiten  - und am liebsten mit einem sozialen Anspruch, in einem sozialen Umfeld."

Die Botschaft ist deutlich: ein neuer Schritt steht an: "Ich will arbeiten! Die Frage, ob ich in die Selbstständigkeit gehe oder eine Anstellung suche, das ist das Thema, mit dem ich mich in den nächsten Wochen auseinandersetzen werde," konzediert Eschweiler. "Und dann heißt es hoffentlich bald: Adieu, Hartz IV!"

emk