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Wie sicher ist Moabit?

Wollen etwas bewegen in Moabit: die Gründernetzwerker und ihre geplante Kochstation, fabelhaft visualisiert von Ebele Okoye www.ebeleokoye.com
Interessierte Plenumsteilnehmer...
...und Moderatorin Susanne Torka
Thomas Büttner

Die Idee des "Co-Workings" - visualisiert von Ebele Okoye...
...und erklärt von Michael Kloos
Dr. Michael Kohlstruck (TU Berlin)
Karl Bösel (Polizei Berlin), stehend

Wie sicher ist Moabit? 

Kriminalität war das Hauptthema auf dem Stadtteilplenum Moabit West im November 2012

Sehr viele Gäste fanden am 20. November 2012 den Weg in den Saal des Nachbarschaftstreffs zum Stadtteilplenum, zu dem Moabiter Ratschlag e. V. und die S.T.E.R.N. GmbH wieder einluden. 

Unter der bewährten Moderation von Susanne Torka ging es bei „Aktuelles aus dem Kiez“ zunächst um zwei Projekte. Thomas Büttner vom Büro Büttner & Partner stellte den „Kulturellen und naturwissenschaftlichen Bildungsverbund“ vor. Dieses Projekt, das seit August 2012 bis Ende 2014 in Kooperation mit den QMs Moabit West und Moabit Ost läuft, hat das Ziel, Kinder und Jugendliche bei ihren „bildungsbiografischen Übergängen“, also vom Kindergarten zur Grundschule und von der Grundschule zur Oberschule, zu unterstützen. Dabei liegt der Fokus besonders auf den Themenschwerpunkten Naturwissenschaften und Kultur. Bereits bestehende Kooperationen zwischen den Moabiter Schulen, Kindergärten und Jugendfreizeiteinrichtungen sollen intensiviert, neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit werden auf- und ausgebaut. Büttner möchte Moabit mit Hilfe des neuen Bildungsverbunds zu einem attraktiven Bildungsstandort machen, in dem auch die einzelnen Einrichtungen attraktiver werden und sich die Familien immer mehr mit ihnen identifizieren. Innerhalb des Verbundes haben sich die Moabiter Einrichtungen zu so genannten Kooperationsclustern zusammen gefunden. Im "Kooperationscluster NaWi" zum Beispiel arbeiten die Kita Emdener Straße, die Carl-Bolle-Grundschule, die Hedwig-Dohm-Oberschule, das Projekt „Ein Quadratkilometer Bildung“ und das Spielhaus auf dem Ottospielplatz zusammen. Das Projekt "Bildungsverbund" verfügt über ein Gesamtbudget von ca. 126.000 Euro, von denen gut zwei Drittel direkt in die Einrichtungen - z.B. in Form von Projekten und Fortbildungen - und in die Öffentlichkeitsarbeit fließen. „Wir haben Honorarmittel, um Fachleute einzukaufen, aber auch Geld für Sachmittel, z.B. für physikalische Experimente,“ so Thomas Büttner. Für die Öffentlichkeitsarbeit des Bildungsverbunds sind neben der Einrichtung einer eigenen Internetseite auch breitenwirksame Veranstaltungen geplant. Mehr Details erfahren Sie in der Projektpräsentation von Thomas Büttner HIER.

Die „raumstar* architekten“ Monika Hebbinghaus, Michael Kloos und Wiebke Wiechell präsentierten dem Plenum ihr „Gründernetzwerk Moabit“. Mit diesem sollen leerstehende Ladenlokale mit einem neuen Nutzungsmodell, „bei dem jeder mitmachen kann“, ausgestattet werden. Gleichzeitig soll dadurch ein Netzwerk für Existenzgründer entstehen, das die Lebensqualität im Stadtteil erhöht und das Dienstleistungsangebot für die Bewohner vergrößert. Gegründet haben sich die „raumstar* architekten“ im Co-Working-Haus „raumstation“ in der Stendaler Straße 4 im Osten Moabits. Auf den 5 Etagen einer ehemaligen Porzellanmanufaktur teilen sich seit 2009 rund 40 Selbständige die Büroarbeitsplätze. Das Unternehmen läuft wirtschaftlich erfolgreich, es gibt mehr Nachfrager als Schreibtische. Dadurch kam die Idee, sich nun den zahlreichen leerstehenden Ladenlokalen zu widmen. Zum Beispiel durch die Einrichtung einer „Kochstation“. Diese Idee lässt sich gut mit „Co-Working plus Kochen“ umschreiben. In einer professionellen Küche sollen Existenzgründer, die Nahrungsmittel herstellen, mit geringen Eigenmitteln etwas Neues auf die Beine stellen können. Dazu teilen sie sich die Ressourcen, d.h. sie mieten sich tageweise in die Profi-Küche ein. Dann kann es sein, dass hier die Marmelade kochende Hausfrau vielleicht auf den Hochzeitstorten backenden Studenten trifft. Der Gästebereich der geplanten „Kochstation“ soll auch vermietet werden, z.B. für Abendessensrunden unter Freunden, und eine weitere Idee, die verwirklicht werden soll, ist das Angebot von günstigem gesunden Mittagstisch. „Wir sind ein ‚Not-only-profit-Unternehmen‘, und unser Ziel ist eine lebendige Food-Community,“ so Monika Hebbinghaus. Wer sich intensiver dafür interessiert, hier der Kontakt zur Projektleitung des durch das Förderprogramm „Lokales Kapital“ finanziell geförderten Projektes: raumstar* architekten, Monika Hebbinghaus, Michael Kloos, Stendaler Str. 4, 10559 Berlin, Tel. 38 10 61 84, www.raumstation-berlin.net

Zu Beginn des Hauptschwerpunkts „Wie sicher ist Moabit?“ stellte Dr. Michael Kohlstruck vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin (Arbeitsstelle Jugendgewalt und Rechtsextremismus) die Ergebnisse aus der Untersuchung „Lokale Praxis von Prävention und Intervention bei Kindern in Berliner Kiezen am Beispiel von Moabit West“ vor. In der explorativen Studie aus den Jahren 2009 und 2010, der vor allem Interviews mit Experten zugrunde lagen, ging es zunächst um die sozialdemographische Situation. Die Datenerfassung  ergab u.a., dass es  hier im Stadtteil eine überdurchschnittliche Belastung mit „deliquenten“ Kindern im Vergleich zum Bezirk Mitte und ganz Berlin gibt. Das betrifft auch Kinder unter 8 Jahren. Das „Bild der Lage“ oder auch die „Grunddiagnose“ umschrieb Dr. Kohlstruck wie folgt: „Die Kinder wachsen in zwei Welten auf, die oft sehr konträr sind: Elternhaus versus Bildungseinrichtungen. Dabei kollidieren oft statusschwache Eltern mit verminderten Erziehungskompetenzen auf der einen Seite mit Kindergärten, Schulen und Jugendeinrichtungen, die partizipatorische und emanzipierte Verhaltensgrundsätze verfolgen, auf der anderen Seite.“ Die Werte und Normen der beiden Seiten seien sehr heterogen, so Kohlstruck, „zudem kommt es, dass man gern unter sich bleibt“, was die Experten auch „hohe ethnische Segregation“ bzw. Abgrenzung nennen. Die Anregungen der Studie, die aus der Bestandsaufnahme folgen, sind u.a. der Ausbau und die Verstetigung der Elternarbeit. Das sei besonders wichtig, um die Mütter und Väter, die oft aus anderen Kulturen stammen,  „an unsere zivildemokratischen Werte und Normen heranzuführen.“ Haben Sie weitergehendes Interesse? Den kompletten Bericht über dieses Forschungsprojekt der TU können Sie ab Dezember 2012 hier nachlesen: www.berlin.de/lb/lkbgg/bfg/index.html

Die Gefahrensituation in Moabit schätzte Karl Bösel, der Präventionsbeauftragte des Polizeiabschnitts 33, ein. Exakte Zahlen und Fakten über die Straftaten in Moabit finden Sie im Kriminalitätsbericht, den wir bald hier zur Verfügung stellen werden. Um dessen Essenz aber vorweg zu nehmen: in allen anderen Gebieten des Bezirkes Mitte - außer dem Hansaviertel - gibt es mehr Straftaten pro Einwohner als in Moabit. „Hier muss also keiner Angst davor haben, über die Straße zu gehen und ein Messer in den Rücken zu bekommen,“ so Bösel. „Damit sind auch die kiezbezogenen Straftaten wie Kneipenprügeleien und Fahrraddiebstähle gemeint.“ Letztere gehören, wie z.B. auch Kellereinbrüche, zu den Eigentumsdelikten, und die führen die Hitliste der Verbrechen in Moabit an. Die Zahl der Drogendelikte - zu zwei Dritteln handelt es sich dabei um Cannabis - sei in Moabit sehr hoch, so der Polizist, „aber viele Fälle bedeuten in diesem Fall, dass wir Polizisten gute Arbeit geleistet haben. Denn Drogendelikte werden - im Unterschied zu Einbruch und Diebstahl - kaum von jemandem angezeigt.“ 

Aus dem Plenum kamen Fragen wie die danach, wie die Polizei Moabit sicherer machen möchte. Karl Bösel antwortete, dass er einmal durch Vorbeugung gerade bei Kindern und Jugendlichen viel erreicht - „Drei Viertel meiner Zeit verbringe ich an Schulen“ -  andererseits aber oft auf taube Ohren stößt: „Wenn ich Hausverwaltungen den Einbau sicherer Kellertüren empfehle, winken die oft aus Kostengründen ab. Ich kann niemanden zwingen, schlauer zu werden!“ Moabiter Besonderheiten gäbe es gar nicht so viele, „in letzter Zeit gehäuft Einbrüche in Autos wegen der Navigationsgeräte.“ Zum Drogen-„Bermudadreieck“ Emdener Straße befragt sagte Karl Bösel, dass er der Drogenhändler und -kuriere und auch dem angeblichen Umschlagplatz, einem Spätverkauf, nur schwer habhaft werden könne: „Um einen Laden zu schließen, muss ich erst einen Richter überzeugen, was sehr schwierig ist. Und die Drogenkuriere werden ständig ausgetauscht, da gibt es immer wieder neue Fußsoldaten.“ Dass es nur sehr wenige Polizisten mit Migrationshintergrund gibt, bedauert der Präventionsbeauftragte, aber es braucht eben Zeit, „bis so ein Kollege heranwächst.“ Den Hinweis aus dem Plenum, "dass wir die teilweise hohe Sozialkompetenz von Jugendlichen mit Migrationshintergrund besser nutzen und sie mehr einbeziehen sollten" griff Dr. Kohlstruck auf. Er kristallisierte die gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen in manchen ethnischen Gruppen als großes Problem heraus und hob die große Bedeutung von Kulturmittlern - wie die für die Roma-Kinder an Moabiter Grundschulen - hervor: "Es kann aber nicht sein, dass die Schulleitung aller zwei Monate Anträge auf die Fortsetzung dieser Projekte stellen muss. Eine Verstetigung in Form von verlässlichen Regelangeboten wären da wichtig!"

Nach der Diskussion wurden die kommenden Termine verkündet, darunter die Talkshow "Moabit trifft...", die am 16.12. im Laden "Natur and more" stattfindet und einen interaktiven Jahresrückblick zum Thema hat. Am 2.12. findet im Stadtschloss ein Familiensonntag statt. Das durch das QM geförderte Projekt "Lieber Laden voll als Laden leer" sucht noch interessierte Hausbesitzer und Makler (Kontakt zu Projektleiterin Franziska Wilbrandt über das QM Moabit West, Rostocker Str. 3, 10553 Berlin, Tel. 39 90 71 95, E-Mail: qm-moabit[at]Stern-berlin[.]de), und der "Runde Tisch Gentrifizierung Moabit" möchte im Januar den "Mietenstopp"-Film in Moabit zeigen, Zeit und Ort sind noch nicht bekannt (Kontakt: Susanne Torka, c/o B-Laden, Lehrter Str. 27-30, 10557 Berlin, Tel. 3975238, E-Mail: b-laden[at]lehrter-strasse-berlin[.]net)

Für das nächste Stadtteilplenum am 15. Januar 2013 hat sich Bezirksbürgermeister Dr. Hanke angekündigt, und bei einem Termin im Frühjahr soll es um "Wohnen in Moabit" gehen. Ideen für kommende Plena werden noch gesucht. Als nächstes soll es evtl. um das Beteiligungsverfahren beim östlichen Kleinen Tiergarten gehen, um Green Moabit, das neue Gründerzentrum und auch um das Thema, wie mehr Migranten ins Plenum geworben werden können.

Wer unterstützen möchte, dass in Moabit wieder draußen zu schwimmen möglich wird, kann tatkräftig helfen, den Vorstand der Berliner Bäderbetriebe davon zu überzeugen - auf der neuen Internetseite des Vereins MOABIT IST BESTE finden Sie die Kontakte dazu: http://www.verein-moabit.de.

Ganz wichtig zum Vormerken ist der 18. Januar 2013: an diesem Freitag veranstaltet das QM Moabit West von 15 bis 20 Uhr die Ideenwerkstatt für die Jahre 2013 bis 2015 im Stadtschloss. Die Einladung dazu finden Sie HIER.

Die zusammengefassten Ergebnisse und Inhalte der vergangenen Stadtteilplena sowie Termine sind hier nachzulesen.

Text & Fotos: Gerald Backhaus