Suche

Newsletter bestellen für


Veranstaltungen

Sonntag, 07. Mai 2017 , 11:00 Uhr

Gütermarkt am ZK/U

Sonntag, 04. Juni 2017 , 11:00 Uhr

Gütermarkt am ZK/U

Sonntag, 02. Juli 2017 , 11:00 Uhr

Gütermarkt am ZK/U

Logo EnergiesparratgeberMit dem EnergieSpar-Ratgeber können Sie Heiz- und Stromkosten senken

Wohnprojekte, Reparaturführer, Väter-Projekt, SportPark und verkürzte Bibliotheken-Öffnungszeiten: Das Stadtteilplenum im März 2013

Moderatorin Susanne Torka
...mit Prof. Susanne Hofmann
Urs Walter (FU Berlin)

Männer vom Väter-Projekt
Aziz Lamere, NARUD e.V.
Der SportPark im Osten Moabits
Louisa Mühlenberg vom SportPark
Reparatur-Expertin Alexandra Höhne (StadTräume)
Jörg Arndt, Leiter des Amts für Weiterbildung und Kultur
Stefan Rogge, Leiter der Stadtbibliotheken in Mitte

Einen Tag vor dem kalendarischen Frühlingsanfang musste man sich durch jede Menge Neuschnee hin zum Nachbarschaftshaus kämpfen, wo das Stadtteilplenum am 19. März stattfand. Dazu eingeladen hatten wie immer der Moabiter Ratschlag e.V. und das Quartiersmanagement Moabit West der S.T.E.R.N. GmbH, es moderierte wie immer gewohnt professionell Susanne Torka. Dieses Mal gab es kein Hauptthema, sondern eine Mischung aus verschiedenen Schwerpunkten.

„Intelligente Nachbarschaften“ – geht der Trend zu WGs?

Den Anfang machte ein Team der Technischen Universität Berlin, Fakultät VI, Institut für Architektur, das seine Arbeiten zum Thema „In welcher Stadt wollen wir wohnen?“ vorstellte. Dazu waren Prof. Susanne Hofmann und ihre Assistenten Dr. Andrea Benze und Diplomingenieur Urs Walter gekommen. Sie stellten dem Plenum eine Auswahl der Wohnbauentwürfe für fünf Grundstücke im Westen Moabits auf „Lücken und Restflächen“ vor. Für diese entwickelten ihre Architekturstudenten neue Formen gemeinschaftlichen Wohnens, auch „mitWohnen“ genannt. In der Vorbereitung dazu hatten die jungen Frauen und Männer einige Moabiter Anwohner interviewt und sich mit deren Tagesablauf, der aktuellen Wohnsituation und ihren Vorstellungen sowie dem konkreten jeweiligen Ort in der Berlichingen-, Hutten-, Ufnaustraße und Kaiserin-Augusta-Allee beschäftigt. Die einzelnen Wohnprojekte, die sie dann künstlerisch umsetzten, tragen Namen wie „Vertikaler Dorfplatz“, „Zahn“, „Kiezbühne“, „Mediastreet“ und „Wohnort Stadtnatur“. Allen gemeinsam ist, dass dort nicht nur separat in herkömmlichen Wohnungen gewohnt wird, sondern dass Gemeinschaftseinrichtungen wie ein großes Treppenhaus mit Sofaecken oder eine gemeinschaftlich zu nutzende Dachterrasse eine große Bedeutung haben. Der „Wohnort Stadtnatur“ z.B. wurde konzipiert für Leute, die gern einen Garten hätten. Er öffnet sich am meisten hin zum Stadtraum, hier gibt es einen gemeinschaftlichen Hobbyraum und eine Gemeinschaftsküche, und alle Wohnungen sind an einen Grünbereich angeschlossen, der tagsüber z.B. von den Kindern des Projekts „Lernort Natur“ genutzt wird.

Männer gesucht für das neue Väter-Projekt des NARUD e.V.

Aziz Lamere vom NARUD e.V. stellte sein interkulturelles Väter-Projekt vor, das seit Jahresbeginn – über zwei Jahre finanziert mit Geld aus dem Programm „Soziale Stadt“ – in Moabit West aktiv ist. Es wendet sich analog zum im Kiez bekannten Projekt „Mütter für Mütter“ (MüfüMü) an Männer, die bereits Kinder haben, und an werdende Väter. Männer sind ebenso wie Mütter mit vielen Fragen und Unsicherheiten konfrontiert, die ihre neue Rolle mit sich bringt. Zunächst fand Netzwerkarbeit statt, so Aziz Lamere, um Teilnehmer für eine Vätergruppe zu rekrutieren und den Gruppenprozess in Gang zu setzen. Dazu wurde auch ein arabisch stämmiger Mann aus dem Kiez als Leiter und Identifikationsfigur gefunden. Die beteiligten Männer können sich innerhalb dieser Vätergruppe Rat holen und untereinander austauschen. Der Projektträger NARUD e.V., der mit der Elternakademie der VHS Mitte kooperiert, möchte zudem feste Sprechstunden für Beratungen, aber auch regelmäßige Gruppentreffen im Stadtschloss organisieren. Hier können die Männer Kontakte zu anderen Vätern knüpfen, viel über die Bildung und Entwicklung ihrer Kinder lernen und diese besser fördern. Eines der Ziele ist es, über diese erworbenen Kompetenzen die Mütter in Erziehungsfragen zu entlasten, und es wird auch Angebote geben, die von den Männern und ihren Kindern gemeinsam genutzt werden. Im Väter-Projekt sind alle Väter – samt Familien und Kindern - willkommen, unabhängig von Alter und Herkunft. Es werden viele Sprachen, u.a. französisch, türkisch, arabisch und portugiesisch gesprochen. Es werden noch Teilnehmer gesucht. Interessenten melden sich bitte bei Aziz Lamere. Kontakt: NARUD e.V., Aziz Lamere, Tel. 91515416 oder 0176/88074039, E-Mail: info[at]narud[.]orgwww.narud.org

Betreiberkonzept des SportParks Moabit

Die Basketballtrainerin und Lehrerin Louisa Mühlenberg berichtete dem Plenum über das Betreiberkonzept des SportParks Moabit. Da das Gelände im Osten Moabits für viele „Westler“ ein weißer Fleck auf dem Stadtplan ist, erläuterte sie das Gelände zunächst anhand einer Karte. Seit Oktober „netzwerkt“ die junge Frau in einem Büro im Tribünengebäude auf dem Poststadion-Gelände in der Lehrter Straße 59. Bezahlt durch das Förderprogramm Stadtumbau West soll sie für zunächst zwei Jahre ein Betreibernetzwerk auf dem zwölf Hektar großen Gelände zwischen Lehrter und Seydlitzstraße aufbauen. Ziel ist es, „den Fritz-Schloß-Park, diverse Sporteinrichtungen rund um das Stadion und Einrichtungen wie B-Laden und Moabiter Kinderhof mehr miteinander zu verbinden, damit man alles als Gesamtgelände versteht.“ Ihre primäre Aufgabe dabei sei es, Informationen zu bündeln und eine Internetseite für den SportPark aufzubauen, auf der sich u.a. Sportvereine mit ihren Angeboten präsentieren. Mühlenberg rief alle Anwesenden dazu auf, ihr Bewegungsangebote vorzuschlagen, „und ich helfe dann bei der Organisation von Räumen.“ So konnte sie z.B. die Tucholsky-Schule an die Humboldt-Universität vermitteln und ihr dadurch für eine Tanz-AG einen Raum im Tribünengelände besorgen. Dagegen dass Frauen und Mädchen derzeit noch recht wenig auf das Gelände kommen - „kein Wunder, bei sieben Fußballplätzen gibt es einen großen Männerüberschuss“ - möchte sie gern etwas tun. Angedacht wird im Moment ein „genderspezifischer Ausbau“ des alten Werferplatzes. Dazu sollen Fitnessgeräte aufgestellt werden, die jederzeit und von allen genutzt werden können. Kontakt: www.sportpark-poststadion.de

Reparaturgewerbe in Moabit-West und „Moabiter Online-Reparatur-Führer“

Alexandra Höhne von der Organisation StadTräume, die u.a. mit dem SOS-Kinderdorf, der Carl-Bolle-Schule und dem Projekt „Brauchbar“ des Moabiter Ratschlag e.V. kooperiert, stellte das u.a. durch den Aktionsfonds und die EU geförderte Projekt „Kultureparatur“ vor. Zu diesem seit anderthalb Jahren laufenden Projekt zählt - neben Müll-Bastelaktionen mit Kindern - eine Broschüre über das Reparaturgewerbe in Moabit-West sowie der „Moabiter Online-Reparatur-Führer“. Die Methode, nach der zwei Sozialwissenschaftlerinnen und eine Anwohnerin die Studie anfertigten, erläuterte sie als „qualitative Studie mit hermeneutischem Ansatz“. Dafür wurden 29 semi-strukturierte Interviews mit Geschäftsinhabern von Polstereien, Schlüsseldiensten usw. geführt. Die Thesen, die sich daraus ergaben, sind folgende: „Reparaturgeschäfte unterscheiden sich durch den Grad ihrer Spezialisierung, einige Reparaturen werden durch die Hersteller erschwert oder verhindert, Veränderungen in Moabit beeinflussen die Nachfrage nach Reparaturen, Handwerker haben Schwierigkeiten qualifizierte Mitarbeiter zu finden und das Interesse an Vernetzung und weiterführenden Projekten variiert stark.“ Zu den Handlungsvorschlägen, wie darauf reagiert werden sollte, zählen laut Alexandra Höhne u.a., dass man die Reparaturläden sichtbarer macht, die Kiezbewohner motiviert, auch in ihrem Kiez zu konsumieren und das Handwerk als Arbeitgeber attraktiver macht. Konkrete Details gibt es in der Studie, die im QM-Vorort-Büro vorliegt, und den Online-Reparatur-Führer finden Sie hier: http://www.kultureparatur.org

Verkürzte Bibliothekenöffnungszeiten – warum und was tun?

Die Kurt-Tucholsky-Bibliothek in der Etage über dem Nachbarschaftstreff, in dem das Plenum tagte, und auch die Bibliothek Tiergarten-Süd in der Lützowstraße haben seit 11. März 2013 nur noch an einem Nachmittag pro Woche geöffnet. "Aus akutem Personalmangel wegen unbesetzter Stellen aufgrund einer Haushaltssperre in Verbindung mit Erkrankungen müssen zwei Bibliotheksstandorte der Stadtbibliothek Mitte ihre Öffnungszeiten reduzieren", hieß es dazu von der zuständigen Bezirksstadträtin für Weiterbildung, Kultur, Umwelt und Naturschutz, Sabine Weißler. Leider konnte sie selbst wegen eines anderen Termins nicht ins Plenum kommen, es vertrat sie Jörg Arndt, der Leiter des Amts für Weiterbildung und Kultur. Ihn begleiteten Stefan Rogge, der die Stadtbibliotheken in Mitte leitet, sowie Ingrid Reintjes vom Amt für Weiterbildung und Kultur. Alle drei bedauern die Einschränkungen sehr und bitten um Verständnis dafür.

Grund sei trotz des Erfolges der kommunalen Bibliotheken in Mitte – 2,8 Mio. Entleihungen und rund 1 Mio. Besucher im Vorjahr – die anhaltende Personalknappheit. Stellen von Mitarbeitern, die pensioniert wurden, können aus Gründen der Haushaltskonsolidierung nicht neu besetzt werden. Zudem fordert der Senat vom Bezirk einen weiteren Stellenabbau von 11,5 Prozent bis 2016. Erklärtes Ziel sei es aber, die ursprünglichen Öffnungszeiten wieder herzustellen und die beiden Bibliotheksstandorte zu erhalten. Die Kurt-Tucholsky-Bibliothek ist von großer Bedeutung für den Kiez, sagte Elke Fenster vom Moabiter Ratschlag e.V., die enthusiastisch für die Bibliothek, die schon einmal vor 11 Jahren geschlossen werden sollte, eintrat. „Sie ist sehr gut vernetzt mit den Kindergärten und Schulen hier.“ Ihre Sorge ist, dass diese Strukturen kaputt gehen könnten. Diese Sorge teilte auch Mittes Chefbibliothekar Stefan Rogge und berichtete, dass im alten Bezirk Mitte von 10 Bibliotheksstandorten im Jahr 1992 heute nur noch einer existiert. Zudem müsse er mit 80 statt der vorgesehenen 100 Personalstellen auskommen. Und Jörg Arndt sagte, dass es auch intern im Bezirksamt schwierig sei, sich als „freiwillige Leistung“ – und das sind die Bibliotheken  nun einmal - gegen gesetzlich vorgeschriebene kommunale Leistungen durchzusetzen.

„Gerade wurde entschieden, dass unser Ankaufsetat um 100.000 Euro gekürzt wird, und danach wird er noch einmal um 25 Prozent abgesenkt... Wir hoffen daher auf Ihre Unterstützung!“ Er plädierte dafür, dass die von den Kürzungen betroffenen Anwohner auf die Politik einwirken sollen. Rogge hofft auf ein Bibliotheksgesetz, das nach seiner Kenntnis in den Programmen einzelner Parteien vorgesehen ist. Das Fortschreiten der Digitalisierung im Buchbereich sieht er nicht als Gefahr, einmal weil die Bibliotheken nicht nur Ausleihstationen sind, sondern immer auch als Orte des Lernens und der Begegnung dienen. Andererseits deshalb, „weil wir selbst auch dabei mitmachen und auf die zunehmende Nachfrage reagieren. Aber natürlich ist der digitale Wandel eine große Herausforderung für uns, gerade unter den derzeitigen Kostenproblemen.“ Der Moabiter Ratschlag e.V. hat zu den verkürzten Öffnungszeiten der Kurt-Tucholsky-Bibliothek eine Unterschriftenaktion gestartet, in der er den Erhalt dieses Bildungsangebots im Brennpunkt Moabit West fordert. Die Listen liegen im Stadtschloss-Treff aus bzw. sind zum Ausdrucken auf der Webseite des Moabiter Ratschlag e.V. zu finden. Hier mehr Info zu: Kurt-Tucholsky-Bibliothek nur noch einen Tag geöffnet

Termine zum Vormerken

- 8.4. Nationalfeiertag der Roma, dazu findet ab 15 Uhr ein vom RAA organisiertes Fest im Stadtschloss statt, Details finden Sie hier 

- April-Plenum am 16.4. zum Thema Wirtschaft

- Mai-Plenum zum Thema „Wohnen“ findet wegen der Feiertage im Mai ausnahmsweise nicht am 21.5., sondern erst am 28.5. statt. Auch der Ort ist ein anderer: ZKU (Moabiter Stadtgarten), zuvor ist ein Rundgang durch Häuser der Genossenschaft MUT geplant.

Die zusammengefassten Ergebnisse und Inhalte der Stadtteilplena sind hier nachzulesen.

Text & Fotos: Gerald Backhaus / Flyer: Moabiter Ratschlag