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Andreas Rauhut

Einer, der anpackt: Mit Andreas Rauhut, Quartiersrat in Moabit West, sprachen wir über das Projekt "Refo Moabit" und sein Engagement im Kiez

Den gebürtigen Hamburger, der zuerst ein Semester Flugzeugbau und dann Theologie studierte, treffe ich vor der Refo-Kirche an der Ecke Beusselstraße/Wiclefstraße. Dorthin kommt er mit seinem Rennrad geflitzt. Der werdende Vater schreibt gerade an seiner Dissertation zu dem sozialethischen Thema „Armut und Gerechtigkeit“ und arbeitet zudem ein paar Tage im Monat an der Universität Erfurt. Andreas Rauhut, Jahrgang 1982, lebt mit seiner Frau Claudia nicht weit entfernt. Den Interviewort hat er ganz bewusst gewählt: Um diesen teilweise leer stehenden Gebäudekomplex kreisen viele seiner Gedanken und Taten. Hier ist das Projekt „Refo Moabit – Kirche im Kiez“ verortet, zu dessen Gründungsmitgliedern Rauhut gehört. 

Vor zwei Jahren kam der junge Mann nach Berlin-Moabit. Unter anderem zog den praktizierenden Protestanten die Vorstellung an, die Refokirche, die seit 2004 nur noch wenig als Kirche genutzt wird, wieder richtig zu beleben. Momentan werden einige Räume vom JugendtheaterBüro bespielt, und im Kirchenschiff mit der brillianten Akustik musizieren zwei Chöre. Gemeinsames Leben, Gottesdienste, soziale Arbeit und politisches Engagement hier im Kiez zu verknüpfen, hat sich Andreas Rauhut auf die Fahne geschrieben. Zu den fünf Gründungsmitgliedern von „Refo Moabit“ stießen schnell weitere Männer und Frauen, mittlerweile sind es 25. Einige von ihnen sind Sozialarbeiter, Leute, „die sich nichts sehnlicher wünschen, als den 2010 geschlossenen Refo-Kindergarten wieder zu eröffnen.“ Partys an jedem ersten Freitag im Monat gibt es jetzt schon auf dem idyllischen Kita-Hof, und Gottesdienste in der Kirche finden derzeit nicht wie üblich am Sonntagmorgen, sondern  immer freitags um 20.15 Uhr statt. Derzeit werkeln die Projektmitarbeiter, darunter auch Rauhuts Bruder, an einem wirtschaftlichen Nutzungskonzept für den ganzen Gebäudekomplex. Dieses wollen sie zusammen mit der Stadtmission der evangelischen Kirche, die Eigentümerin von Grundstück und Gebäuden ist, vorstellen. Ob die Stadtmission und „Refo Moabit“ zum Zuge kommen und das Team seine Pläne verwirklichen kann, soll sich im Oktober entscheiden. Rauhut träumt aber schon jetzt davon. Auf die Frage nach der Zukunft, stellt er sich vor, dass im Refo-Komplex in fünf bis zehn Jahren ein lebendiges alternatives Gemeindeleben tobt, und dass es eine pulsierende Inklusionskita gibt, in der sich Kinder und Erzieher unterschiedlicher Herkünfte tummeln. „Ich selbst würde dann auch gern hier im Kirchenanbau wohnen. Es sollten nicht nur normale Mieter einziehen, sondern Menschen, die die Idee eines gemeinsamen Lebensprojektes teilen.“

Klar sind Neukölln und Mitte hipper. Rauhut gibt zu, damit am Anfang geliebäugelt zu haben. Doch dann entbrannte er für Moabit: „Hier ist es schön und schmerzhaft zugleich!“ Was dem Strahlemann so gefällt ist, dass die Bevölkerungsmischung in Moabit „am authentischsten“ ist. Natürlich ist der Stadtteil voller großer Kontraste: „Ich habe hier eine Menge geniale Menschen mit viel Herzblut kennen gelernt. Und gleichzeitig gibt es so viel Hoffnungslosigkeit.“ Um von Anfang an richtig Fuß zu fassen in seinem Wohnort, stellte er sich im Herbst 2009 als Quartiersrat zur Wahl und wurde prompt in das Gremium hinein gewählt. Dort ist er einer der Jüngsten. Weil man damit viel bewegen kann und direkt auf die Förderung von Projekten und die Entwicklungen im Kiez Einfluss nimmt, wird er auch bei der kommenden Wahl am 3. und 4. November wieder kandidieren.

 

erschien auch in der moabiter INSELPOST im September 2011

 

Text & Foto: Gerald Backhaus