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Die Neue im Team: Sibel Olguner

Interview mit Quartiersmanagerin Sibel Olguner
 
Treffpunkt nahe des Büros der S.T.E.R.N. Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung mbH in Prenzlauer Berg. Im Gebiet zwischen Torstraße und Wasserturm ist die Firma des Quartiersmanagements Beusselstraße beheimatet, und nur einen Katzensprung davon entfernt wohnt auch Sibel Olguner. Wegen des milden Winterwetters verlegen wir das Interview mit der neuen Projektleiterin nach draußen und spazieren durch diesen Kiez.

Unterwegs in der Welt

Sibel Olguner ist in Bremen geboren und aufgewachsen. Sie studierte in Marburg Deutsch und Politikwissenschaften und arbeitete in Istanbul beim Goethe-Institut in der Kulturabteilung und später als Projektleiterin in der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer in Istanbul. Die 48jährige bringt spannende internationale Erfahrungen mit nach Moabit. Von Istanbul aus brach sie zu mehreren längeren Auslandsaufenthalten, u.a. nach Damaskus, Bern und Bukarest auf, bevor sie 2010 mit ihrer Familie nach Wien zog. 2013 kamen die vier von dort nach Berlin. Sibel studierte hier Germanistik und leitete bis zum Jahresende 2020 vier Jahre lang das nun verstetigte und ebenfalls von der S.T.E.R.N. betreute und auch im Bezirk Mitte gelegene QM-Gebiet Brunnenviertel-Ackerstraße. Dort war sie für die Bereiche Integration, Nachbarschaft und Familien sowie Stadtteilkultur und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Als sie 2017 dort als Quartiersmanagerin ihre Arbeit aufnahm „habe ich zuerst nichts verstanden, denn die Verwaltungssprache ist eine eigene Sprache. Wenn man keine Stadtplanerin ist und aus einem ganz anderen Bereich kommt, sind einem viele Begriffe fremd. Doch hatte ich tolle Kolleginnen, die mich eingearbeitet haben. So konnte ich mich ganz schnell einfuchsen“, erzählt sie von ihrer Anfangszeit.

2017 bis 2020 - vier Jahre im QM Ackerstraße
 

Im QM Ackerstraße übernahm sie 2019 die Projektleitung. Sie erlebte mehrere Personalwechsel und seit März 2020 dann, wie man ein Quartiersmanagement unter Pandemiebedingungen am Laufen hält. Die Menschen im Brunnenviertel hatte sie schnell ins Herz geschlossen. „Das merkte ich bei unserem Abschiedsfest ganz besonders, da wurde es sehr emotional.“ Im September veranstaltete das QM-Team ein Fest, um sich für 15 Jahre Zusammenarbeit zu bedanken, auf dem Gelände des Sportvereins Rot-Weiß Viktoria Mitte. Finanziert aus dem Baufonds entstand dort das Viki-Haus, ein Ankerort im Gebiet. „Für mich verkörpert das Quartier Ackerstraße das Ideal von einem Berlin, in dem unterschiedlichste Leute zusammenleben und gemeinsam was wuppen. Gerade in der Pandemiesituation habe ich erlebt, wie die Leute dort das Beste auch aus einer solchen Grenzsituation machen.“ Besonders schätzt Sibel das Netzwerk des interkulturellen Dialogs als ein gelungenes Beispiel für die nachhaltige Verankerung von Kooperationsstrukturen. „Natürlich gab es den Anstoß dafür durch eine Förderung, doch funktioniert dieser Dialog nun schon seit Jahren ohne Förderung, weil sich das Familienzentrum und die verschiedenen Religionsgemeinden dafür engagieren.“ Nach Spezifischem in dem Gebiet im Stadtteil Wedding befragt, berichtet Sibel neben der Vermüllung des öffentlichen Raumes, mit der viele Gebiete in Berlin zu kämpfen haben, von mangelnden Einkaufsmöglichkeiten und Verkehrsproblemen: „Keine Fahrradwege und Schwierigkeiten, einen Parkplatz zu finden, weil es viel Pendelverkehr zum AEG-Gelände gibt.“

Projektraum Waschküche: ein ganz besonderer Ort

Da Sibel einen besonderen Bezug zu Kultur und Kunst hat, engagierte sie sich sehr für die Kulturtage, die sie zusammen mit dem QM-Team und dem Nachbar-QM Brunnenstraße und den Akteuren im Brunnenviertel organisierte. In diesem Rahmen kam es auch zu einem neuen Projektraum: „Wir entdeckten eine Waschküche im Besitz der Degewo, die wir spannend fanden, und dachten, dass es schön wäre, diesen Raum mit den alten Waschmaschinen mit Kultur, Kunst und nachbarschaftlichen Nutzungen zu bespielen.“ Dadurch erreichten sie, dass die Waschküche gemeinsam mit der Degewo, die ein starker Partner im Quartiersrat war, zu einem Veranstaltungsort in Trägerschaft der evangelischen Gemeinde der Versöhnung umfunktioniert werden konnte.„Das war ein sehr langer Prozess. Es musste umgewidmet werden, ein Notausgang eingebaut werden und einiges anderes.“ Um so schöner war’s dann, dass die Waschküche zum Ende des QMs im Dezember 2020 offiziell - pandemiebedingt digital - eröffnet werden konnte. „Eine tolle Location in Mitte“, schwärmt Sibel, „und eine Art Geschenk an die Nachbarschaft, das wir ihr hinterlassen konnten.“ Zu den Ankerorten im Brunnenviertel zählen neben dem Projektraum Waschküche und dem Viki-Haus das Familienzentrum Wattstraße.

Ehrenamtliches Engagement bei Puduhepa

Neben ihrer Tätigkeit für das Quartiersmanagement engagiert sich Sibel stark in der Solidaritätsinitiative Puduhepa. Der Name stammt von einer hethitischen Königin des 13. Jahrhunderts. Vor drei Jahren gründete sie diesen Verein zusammen mit Frauen, die nach 2015 aus der Türkei emigriert sind. Darunter sind vor allem Akademikerinnen, Frauen aus den Bereichen Soziologie, Theater und Film, insgesamt rund 150. Was dort passiert, ist vielfältig: ehrenamtlicher Deutschunterricht, Seminare zu Themen wie sexuelle Belästigung sowie eine regelmäßige Gruppe, die sich mit Literatur beschäftigt und bei der sich, aktuell online, auch Schriftstellerinnen aus der Türkei einklinken. „Da ist so eine Frauenpower drin, die ich total toll finde und auch brauche.“ Künftig kann der Verein einen Beratungspavillon der Degewo in der Brunnenstraße beziehen, freut sich Sibel, auch weil ihr diese Ecke durch ihren früheren Wirkungskreis sehr vertraut ist.

...und seit 2021 Projektleiterin im QM Beusselstraße
 
Sibel Olguner begann mit ihrer Arbeit in Moabit Anfang Januar 2021 als Projektleiterin. Sie bildet zusammen mit Aischa Ahmed und Katharina Zöller das neue Team des verkleinerten Quartiers Beusselstraße. Zu ihren Tätigkeitsschwerpunkte zählen vor allem Projektentwicklung, Fördermittelmanagement, Bewohneraktivierung und Öffentlichkeitsarbeit. Die drei Kolleginnen kennen sich schon länger, u.a. von Besprechungen beim Träger S.T.E.R.N. Mit Katharina arbeitete Sibel zudem in der Ackerstraße einige Monate direkt zusammen. Zu ihrem neuen Büro in der Rostocker Straße fährt sie meistens mit dem Fahrrad. Das dauert von Prenzlauer Berg aus eine gute halbe Stunde und bringt sie vor der Arbeit in Schwung. Außerdem entdeckt sie beim Radeln durch den Kiez immer wieder Neues. Was sie sich wünscht? „Dass ich die Menschen in Moabit bald besuchen und mich vorstellen kann. Dass ich die Trägerlandschaft richtig kennenlerne. Persönliche Begegnungen sind mir sehr wichtig. Und ich bin optimistisch, dass das bald geht.“
 
Text und Interview-Fotos: © Gerald Backhaus

Die anderen Fotos stammen von S.T.E.R.N./QM Brunnenviertel-Ackerstraße