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Bezirkseltern-Ausschuss des Bezirks Mitte unterstützt den "Brandbrief" der SchulleiterInnen

Berlin-Mitte braucht eine Zukunft für seine Kinder! Wir sind erfreut, dass die Schulleiter des Bezirkes Mitte endlich aktiv wurden und die Probleme im Schulbereich öffentlich und klar angesprochen haben.

Der Bezirkselternausschuss Mitte, der bereits im Sommer 2008 auf der Kreuzberger Elterndemo auf unhaltbare Zustände auch im Bezirk Mitte hingewiesen hat, solidarisiert sich ausdrücklich mit dem Gesagten und fordert Herrn Zöllner und das Abgeordnetenhaus von Berlin unmissverständlich dazu auf, endlich und sofort mehr finanzielle und personelle Mittel für den Berliner Schulbereich zur Verfügung zu stellen.

Eine alleinige Änderung der Schulstruktur erscheint uns nicht ausreichend, um die bisherigen Probleme zu lösen. Die Zustände in den Schulen im Bezirk Mitte stellen sich für die Eltern und die SchülerInnen folgendermaßen dar:

- Die Klassen in der Schulanfangsphase sind mit 24 – 28 Kinder zu voll – es sind schließlich noch Lernanfänger!! Eine sonderpädagogische oder gar individuelle Förderung junger Kinder ist derzeit nicht möglich, die LehrerInnen sind mit verhaltensauffälligen Schülern und Lernproblemen überfordert und allein gelassen.
Es ist auffallend, dass gerade im Bezirk Mitte immer mehr Kinder verhaltensauffällig oder gar von Lernbehinderung betroffen sind. Auch in höheren Klassen fehlen Schulpsychologen und Sonderpädagogen. Ganz zu schweigen von der Problemen misslungener Integrationspolitik in unserem Bezirk!

- Die Klassenfrequenzen in den Oberschulen mit bis zu 32 Kindern sind ebenfalls zu hoch, um das angestrebte individualisierte Lernen umzusetzen.

- Die Lehrpläne sind überfüllt für eine Verkürzung der Schulzeit, Oberschüler haben z.T. mit Hausaufgaben und häuslichen Übungen eine Wochenarbeitszeit von bis zu 50 Stunden.

- Unterrichtsausfälle wegen Krankheit, Fortbildung, Vertretungen oder anderer bürokratischer Arbeitsverpflichtungen sind überdurchschnittlich angewachsen und werden zumeist geschönt, indem „preiswerte“ Vertretungskräfte mitarbeiten (ErzieherInnen, ÖBS- bzw. MAE-Maßnahmen, Lesepaten, Ehrenamtliche u.a.) bzw. dafür Förderstunden und DaZ-Unterricht ausfällt.

- Überhaupt ist die Lehrerausstattung nach den neuen, hochgelobten Vorschriften der Zumessung mit durchschnittlich 100% eine Größe auf dem Papier, wird in den Schulen aber nicht angetroffen!
Die Nothilfe „Personalkostenbudgetierung“ ist ein bürokratischer Tiger, der Schulleiter z.T. wochenlang beschäftigt, aber leider meist erfolglos – viele Anbieter für Ersatzmaßnahmen sind doch nicht verfügbar, bereits an anderen Schulen untergekommen oder treten ihren Dienst überraschend nicht an, weil eine andere Schule mehr geboten hat!

- Lehrkräfte sind immer häufiger überfordert, weil nicht ausreichend ausgebildet entsprechend den neuesten Anforderungen. Reformen wie die Schulanfangsphase sind zwar zu begrüßen, können aber nicht erfolgreich sein, so lange die Lehrkräfte nicht mitspielen bzw. mitspielen können. Es mangelt an ausreichenden Fortbildungsangeboten und Coachings für die Kollegien. Viele Kollegen hoffen noch immer, dass das Ganze zurückgenommen wird!

- Der Sanierungszustand der Schulgebäude ist bekanntlich eine Katastrophe! Es ist nicht verwunderlich, wenn SchülerInnen, aber auch LehrerInnen schwer zu motivieren sind, in die Schule zu gehen! Es ist eine Respektlosigkeit gegenüber allen in diesen Gebäuden Arbeitenden! Es wird nur noch davon übertroffen, dass aufgrund eines Energiesparcontracts die Raumtemperaturen manchmal ins Bodenlose fallen – und alle frieren (zumeist zieht es durch alte Fenster), was die Erkältungen fördert und noch mehr Unterricht ausfallen lässt.

- Die räumliche Übertragung der Horte in die Schulgebäude war die sinnloseste, leider aber finanztechnisch argumentierte und damit schnell akzeptierte Reform der Vergangenheit. Viele Schulen gerade im Westteil waren und sind nicht dafür ausgelegt gewesen. Wir müssen heute erleben, dass ganze Schulgebäude überfüllt sind, Klassenräume verkleinert wurden, Räume für Fach- und Teilungsunterricht fehlen, keine adäquaten Freizeitangebote existieren und auch die Schulhöfe nicht für einen Ganztagsbetrieb geeignet sind. Eine Beaufsichtigung ist noch gegeben – eine pädagogische Betreuung bei einem Personalschlüssen von 1 : 22 nicht mehr möglich! Ein wirklich gut funktionierendes System wurde abgeschafft!

- Eine Essensversorgung im Grund- und Oberschulbereich ist notwendig, die Mensen - soweit überhaupt vorhanden - sind aber grundsätzlich zu klein konzipiert und das derzeit existieren-de System Catering nicht geeignet, unseren Kindern eine Vorstellung von gesundem Essen und einer Essenskultur zu vermitteln. Die Politik, die Kindern 10 – 20 Minuten Zeit gibt zum Essen, ist eine verfehlte Politik. Bislang bieten die meisten Oberschulen und sämtliche Sonderpädagogischen Schulen keine Mittagessensversorgung an – und das bei Schultagen von bis zu 9 Schulstunden!

Dieses „kurze“ Bild zeigt anschaulich, warum Berlin bei Pisa so schlecht abschneidet, und der Bezirk Mitte insbesondere im Berlinvergleich den letzten Rang einnimmt.

Wir Eltern haben die Nase voll! Berlin-Mitte braucht eine Zukunft für seine Kinder! Wir fordern eindringlich und sofort folgende Maßnahmen umzusetzen:

1.) Abkoppelung der Lehrerzumessung von Schüler-Kopf-Zahlen; Lehrerzumessung nach Klassen, unabhängig der Schülerzahl; Doppelsteckung mit explizit ausgebildetem Personal in den Klassen 1 - 6; mind. 115-% Ausstattung je Schule, Abschaffung der Personalkosten-budgetierung und der Lehrerfeuerwehr; Zuschläge für Schulen in sozialen Brennpunkten

2.) Verringerung der Klassenstärken (im Grundschulbereich max. 18 Kinder, im Oberschulbereich max. 22 Schüler), damit individualisiertes Lernen sowie Binnendifferenzierung wirklich möglich werden.

3.) Deutliche Verstärkung der Personalausstattung (LehrerInnen, ErzieherInnen, Schulpsychologen, Sonderpädagogen, Sozialpädagogen, Sekretärinnen, Schulhausmeister, Reinigungskräfte) – sofortiger Einstellungskorridor zu Bedingungen wie sie in Hamburg oder Nordrhein-Westfalen gelten.

4.) Bauliche Sanierung aller Schulgebäude, einschließlich Turnhallen, Hortgebäuden und Außenanlagen wie Schulhöfen oder/und Neubau entsprechender Gebäude.

5.) Nur wenn diese Maßnahmen endlich beschlossen sind, macht eine Schulstrukturveränderung wirklich Sinn!

Wir fordern entsprechend den Problemlösungsstrategien bei der Finanzkrise ein „Milliarden-schweres“ Sofortprogramm für alle Berliner Schulen. Ein Masterplan für die nächsten 10 Jahre muss her! Konkrete Ergebnisse erwarten wir spätestens bis zu den Berliner Wahlen im Jahre 2011! Daran werden wir die Parteien messen!

Wir Eltern haben die Nase voll! Berlin braucht eine Zukunft für seine Kinder!


Für den Vorstand des Bezirkselternausschusses Schule im Bezirk Mitte
Michael Wiesemann-Wagenhuber (Vorsitzender)

Michael-Wiesemann-Wagenhuber/emk