Suche


Veranstaltungen

Veranstaltungen aus dem Quartiersmanagement

Logo EnergiesparratgeberMit dem EnergieSpar-Ratgeber können Sie Heiz- und Stromkosten senken

Gute Dinge einkaufen! Die Zukunft der Moabiter Markthalle

Neue Nutzung der Arminiusmarkthalle

"Marktplatz für die Zünfte" - unter diesem Motto stellten Christoph Hinderfeld, Vorsitzender des Beirats der Zunft AG, und sein vor Ort verantwortlicher Mitarbeiter Martin Rossi am 9.2.2010 im Quartiermanagement Moabit West ihr Nutzungskonzept vor.

Die über 100 Jahre alte Halle soll als eine Art "Zunfthalle" vitalisiert werden und dabei ihren alten Charme - ihre "Aura und Würde", so Investor Hinderfeld - behalten. Bevor die "Halle der guten Dinge" in nur drei Monaten umgebaut und rechtzeitig zum Adventsgeschäft 2010 eröffnet werden soll, gilt es allerdings, noch einige Hürden zu überwinden. Der Verkauf muss perfekt gemacht werden, weitere Mietverträge mit Einzelhändlern stehen noch aus, und die Finanzierung muss bestätigt werden. 

Viel gebaut werden muss gar nicht. Da die Halle vor 10 Jahren bereits saniert wurde, besteht kein Investitionsstau. Es wird keine zweite Ebene wie in der Marheineke Markthalle in Kreuzberg geben. Abgehängte Decken sind nicht geplant, und die Arminiusmarkthalle wird auch keine Tiefgarage erhalten. 

Nicht nur Bio! Auf 3.500 Quadratmetern sollen gute regionale Lebensmittel - teilweise von den jetzigen Händlern -  sowie Produkte aus kleinen Manufakturen angeboten werden.  Geplant sind 40 bis 50 Stände, an denen u.a. Gemüse und Obst, Backwerk, Fleisch und Wurst, Eier, Käse, Gewürze, aber auch Blumen aus fairem Handel verkauft werden. Die Konditionen für die Händler werden günstiger sein als sie es zur Zeit sind. Die Zunft AG verspricht Nettokaltmieten ab 12 Euro pro Quadratmeter für Einzelhändler, ein Imbiss-Stand dagegen wird rund 20 Euro zahlen.

Ein Schwerpunkt innerhalb der Halle wird ein "Concept Store" sein: Auf rund 1.000 Quadratmetern will die Zunft AG als ihr eigener Mieter manufakturelle Produkte anbieten. Darunter sind vor allem Weine von verschiedenen Weingütern, zum Beispiel aus Franken, von der Saar und der Mosel, die diese Stände als ihr "Schaufenster in Berlin" nutzen möchten. Ergänzt wird das Angebot mit Delikatessen aus verschiedenen Ländern, einer Seifenfabrik und einem Porzellanmacher aus Weißensee. Aber auch Premiumanbieter wie die Meißner Porzellanmanufaktur hätten ihr Interesse an Moabit bekundet. Was alle Händler einen soll, ist, dass sie "eine Geschichte zu ihrem Produkt erzählen" können. Und was die Gastronomie angeht, so Hinderfeld, orientiert er sich "eher an Slowfood als Fastfood". Das bestehende Restaurant will er vitalisieren, geplant seien zudem eine Hausbrauerei und eine Schauküche. Als gastronomisches Vorbild nennt er Tim Mälzers "Bullerei" im Hamburger Schanzenviertel. 

In den Kellerräumen, die nicht mehr - wie in den Anfangsjahren der Markthalle - von den Händlern zur Warenlagerung genutzt werden, sollen Kunstprojekte und Veranstaltungen stattfinden.

Zum Problem könnte die Verkehrssituation werden. "Wir brauchen nicht hunderte Parkplätze vor der Tür wie ein Supermarkt", sagt Christoph Hinderfeld. Parkplätze sind rund um die Arminiushalle aber rar und der Verkehr wird zunehmen, wenn die Halle zum Anziehungspunkt wird. Der Investor setzt ganz auf die "exzellente ÖPNV-Anbindung" und darauf, dass sich Kunden, die aus anderen Teilen Berlins anreisen werden, wie er hofft, ihre Erwerbungen von einem Lieferservice nach Hause bringen lassen. Beim Wein zum Beispiel soll die Bestellung in der Halle, die Lieferung aber direkt vom Weingut aus erfolgen.

Klar ist, dass die Markthalle nicht allein von Moabiter Kunden leben kann. Wie aber will die Zunft AG Menschen aus anderen Teilen der Stadt zu den "qualitätsvollen nachhaltigen Produkten" nach Moabit locken? Durch aktives Marketing, durch Artikel in Presse, Funk und Fernsehen, so Hinderfeld. Und "zum Beispiel dadurch, dass jemand auf einer Vespa mit dem Aufdruck 'Arminiusmarkthalle' durch die anderen Kieze fährt und Waren ausliefert."

Während die Drogeriekette Schlecker die Halle verlassen wird und der medizinische Badesalon aus Altersgründen aufhört, bleibt der Supermarkt Norma wegen seines langfristigen Mietvertrages noch 15 Jahre lang vor Ort. Ein privater Wachschutz wie am Potsdamer Platz ist laut Investor Hinderfeld nicht geplant. Er sieht hier keine "black sheriffs".

Und was passiert, wenn sein Konzept nicht aufgeht? Zum Thema Haftung befragt, sagt Hinderfeld: "Wir würden untergehen mit der Halle. Wir sind kein Projektentwickler, der einfach verschwindet, wenn es schief läuft. Und in die Discounter-Richtung werden wir nicht gehen, da das die Marke Zunft AG beschädigen würde."

Zum Investor:

Christoph Hinderfeld (50) ist Westfale und seit 30 Jahren unternehmerisch tätig, u.a. war er mal Eigentümer einer Strumpffabrik in Mannheim. Die Zunft AG wurde 2000 gegründet und hat bisher zum Beispiel mit ihren Investitionen in der Essener Zeche Zollverein und dem Straßenbahndepot Ludwigshafen von sich reden gemacht. Auch in Berlin gab es schon Engagements: Ein ähnliches Konzept wie mit der Moabiter Arminiusmarkthalle hatte Hinderfeld mit der Rinderauktionshalle in Friedrichshain vor, was aber an den Verkaufsverhandlungen scheiterte. Nun wird es in dem Gebäude stattdessen einen großen Markt für Fahrräder geben. Die Zunft AG sieht sich als Mitbewerber des zum Otto-Konzern gehördenden Handelsunternehmens Manufaktum - bekannt mit dem Werbespruch "Es gibt sie noch, die guten Dinge" - und bezeichnet sich bereits jetzt als eine Art "Manufaktum der Weinhändler".

Einen Artikel zum Vitalisierungskonzept für die historische Arminiusmarkthalle finden Sie im neuen "Grünkauf Magazin" hier. "Grünes Licht für die Zunfthalle", einen Artikel im Berliner Abendblatt, hier, und weitere Informationen zum Projekt gibt es direkt auf den Seiten der Zunft AG hier

 

Gerald Backhaus