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Uta Heyne, eine Moabiter Schulleiterin

"Langes gemeinsames Lernen ist mir wichtig"

Im Gespräch mit Uta Heyne, Schulleiterin der ersten Gemeinschaftsschule im Bezirk Mitte

Aus dem staubigen Aktenarchiv der James-Krüss-Grundschule wurde im Frühjahr 2010 eine helle Mensa für die Schüler. Das ist vor allem der Verdienst von Uta Heyne. Als sie vor neun Jahren mit ihrer Arbeit als Schulleiterin hier in Moabit begann, beobachtete sie in den ersten Wochen und Monaten, wie alles an der Schule funktioniert. Beispiel Pausenversorgung: Da viele Kinder nichts von den Eltern mitbekamen, regte sie den Verkauf von belegten Schrippen und Obst auf dem Flur an. Das kam gut an. "Aber die Räumlichkeiten gaben es nicht her, dass man zum Beispiel Milchreis verkauft, denn den isst man schlecht im Stehen." Also kam sie auf die Idee, aus dem Kellerarchiv eine Mensa zu machen. Neun Jahre lang hat sie gekämpft für die Neugestaltung der Kellerräume. Mittlerweile gibt es nicht mehr nur eine Pausenversorgung mit belegten Brötchen. Der Anbieter "Drei Köche" kocht nun jeden Tag. "Mein Ziel ist es, dass alle Kinder etwas Warmes zum Mittagessen bekommen." Und das Angebotene soll von guter Qualität sein, also gesundes Essen wünscht sich Uta Heyne, die Mutter zweier erwachsener Kinder ist.

Sie selbst wurde 1960 im thüringischen Ilmenau geboren und studierte in Jena Pädagogik. 1983 begann sie ihre Tätigkeit als Lehrerin für Geschichte und Deutsch. Uta Heyne leitet seit neun Jahren die James-Krüss-Schule und war vorher Schulleiterin in Marzahn-Hellersdorf, "in einem Wohngebiet mit vielen Kindern, in dem aus drei Grundschulen eine wurde." An Moabit gefallen der in Friedrichshain lebenden Schulleiterin besonders "die lieben und dankbaren Schüler." Solche, von denen sie zum Beispiel erfährt, dass sie in den Ferien die Schule vermisst haben.

Im Rühren der Werbetrommel für gute Sachen ist sie eine Meisterin. Das zeigt, mit viel ansteckendem Enthusiasmus sie die Idee der Gemeinschaftsschule,  zu der sich "ihre" James-Krüss-Grundschule mit der Moses-Mendelssohn-Oberschule in diesem Jahr vereinigte, angegangen ist. Viel Überzeugungsarbeit war und ist dazu notwendig. "Es nicht immer leicht, da sich viele Eltern nicht von vornherein mit dem Gedanken an die Gemeinschaftsschule anfreunden konnten." Um für die Gemeinschaftsschule zu werben, kooperiert sie daher mit Kindergärten und die Zusammenarbeit mit dem Träger SOS-Kinderdorf im Rahmen der Ganztagsgestalung, die schon im vierten Jahr läuft, wird weiter ausgebaut.

Schulkameraden und dicke Freunde von der ersten bis zur zehnten Klasse? 

…kein Problem mehr in Moabit, in Zukunft können die Kinder zehn oder im Fall, dass sie Abitur machen, sogar dreizehn Jahre gemeinsam die Schulbank drücken.  Im August 2010 fusionierten James-Krüss-Grundschule und Moses-Mendelssohn-Oberschule. Uta Heyne ist seitdem Chefin von rund 100 Lehrern und Erziehern, 750 Schüler besuchen die neue Gemeinschaftsschule. 2012 wird es noch einen Schritt weiter gehen, dann wird das aufbauende Theodor-Heuss-Gymnasium in den Gebäudekomplex in der Stephanstraße mit einziehen. In Zukunft können Moabiter Mädchen und Jungen also die Jahre zwischen der Zuckertüte und dem Abi innerhalb einer Institution bzw. in einem Schulgebäudekomplex verbringen. "Wir sind dabei, eine gute Gemeinschaftsschule zu werden," sagte die 49-jährige im Sommer. Die Fusion der beiden Schulen begleitete sie von Anfang an. Großer Vorteil dabei war es, sich an einer Schule bestens auszukennen. "Man weiß, dass es dort gut läuft. An der James-Krüss-Schule habe ich mit Frau Poggendorf eine Stellvertreterin, von der ich weiß, dass sie das weiter trägt, was ich dort aufgebaut habe." Also konnte sie sich auf das Neue konzentrieren. Dazu braucht sie einen gut funktionierenden Terminkalender, denn "jeder muss wissen, wann ich wo bin." Sie teilt sich auf, momentan verbringt sie zwei Tage in der James-Krüss- und drei Tage in der Moses-Mendelssohn-Schule. Aber vieles geht auch per Telefon oder E-Mail. Zu Fuß sind es 15 bis 20 Minuten, die die rasende Schulleiterin von Tür zu Tür unterwegs ist. "Die Kinder haben es mal gezählt, es sind rund 3 600 Schritte," die sie für die etwa 1,5 Kilometer brauchen.

"Wo hole ich das Kind ab, und wie kann ich es fördern?" 

So beschreibt Uta Heyne kurz und knapp ihre Methodik. Im Gegensatz zum reinen Frontalunterricht, steht heute das individualisierte Lernen im Vordergrund. "Wenn ein Kind zwei Jahre braucht, um das Einmaleins oder die Bruchrechnung zu können, dann bekommt es eben die zwei Jahre." Ganz wichtig sei es, dass die Kinder in der Grundschule "Das Lernen lernen." Statt 45 Minuten 90 Minuten an einem Thema dran bleiben – Schulleiterin Heyne favorisiert Blockunterricht und auch fächerübergreifenden Projektunterricht. Eine Rhythmisierung des Schultages mit einer Verzahnung von Unterricht und Freizeitaktivitäten, "damit sich Lern- und Erholungsphasen abwechseln," ist ihr Ziel. "Mir ist das lange gemeinsame Lernen wichtig, und dass keiner aussortiert wird. Es gibt keine Empfehlungen mehr, sondern die Kinder gehen nach der sechsten Klasse hierher und lernen hier weiter," sagt sie mit Blick auf den Hof der Moses-Mendelssohn-Schule. Früher sind Tränen geflossen bei der Verabschiedung der sechsten Klassen in der James-Krüss-Schule. "Ein Vorteil ist es jetzt, dass sich die Kinder hier nicht neu kennenlernen müssen. Damit kann man ganz anders in die Lernsituation einsteigen."

Nach ihren Wünschen für die Zukunft befragt, sprudelt Uta Heyne los. "Mehr Verständnis der Eltern für die Gemeinschaftsschule" wünscht sie sich und mehr Kooperationen mit Unternehmen im Stadtteil. "Viele Schülerinnen und Schüler stammen aus Elternhäusern mit Biografien, die nur begrenzt zum Vorbild für ihren Nachwuchs taugen, da sie keiner geregelten Berufstätigkeit nachgehen. Man sollte daher bereits in der ersten Klasse mit der Berufsvorbereitung beginnen, damit die Kinder bessere Vorstellungen davon bekommen, wo sie beruflich später mal  hinwollen." Wie zum Beispiel in den Großmarkt in der Beusselstraße, mit dem die Schule bereits zusammenarbeitet. Oder durch die Bürgerplattform, die sich für ihre Schule als Patenschaftsschule entschieden hat, und durch die die Jungen und Mädchen spannende Menschen und deren Lebensläufe kennen lernen. Damit immer mehr Branchen und Themenfelder abgedeckt werden können, sind neue Kooperationspartner immer willkommen im Büro der dynamischen Schulleiterin.

Mehr Informationen zur Gemeinschaftsschule finden Sie hier:

www.moses-mendelssohn-schule.de www.james-kruess-schule-berlin.de

Text und Fotos: Gerald Backhaus