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Montag, 27.01.2020

Das Stadtteilplenum im Januar 2020

Am Dienstag, 21. Januar 2020, fand im Stadtschloss Moabit das erste Stadtteilplenum im neuen Jahr statt, zu dem das QM Moabit West und der Moabiter Ratschlag e.V. herzlich einluden.

Aktuelles aus dem Kiez

Moderiert wurde die Veranstaltung traditionell von Susanne Torka, die zunächst auf die Möglichkeit für das Einbringen von Vorschlägen zum „Klara-Franke-Preis 2020“ bis zum 26. Januar hinwies. Alle zwei Jahre lobt der Verbund für Nachbarschaft und Selbsthilfe in Moabit inklusive Hansaviertel diesen Preis für bürgerschaftliches Engagement aus, der die Anerkennung für ehrenamtliches Engagement in Moabit würdigen soll und individuell auf die Preisträgerinnen und Preisträger abgestimmt wird. Mittlerweile hat die Preisverleihung ihr 10-Jähriges Jubiläum erreicht und auch in diesem Jahr werden wieder engagierte Moabiter, die sich für die Nachbarschaft im Kiez stark gemacht haben, geehrt. Klara-Franke war eine sehr engagierte Anwohnerin der Lehrter Straße, die sich mit viel „Herz und Berliner Chuzpe“ für die Menschen in der Nachbarschaft und u.a. für den Erhalt des Moabiter Krankenhauses einsetzte. Hierfür erhielt sie sogar das Bundesverdienstkreuz.

Die Vorschläge, für würdige Preisträgerinnen und Preisträger können mit einer kurzen Begründung an den Verein für eine billige Prachtstraße – Lehrter Straße, c/o B-Laden, Lehrter Straße 27-30, 10557 Berlin, Tel. 397 52 38, mail: b-laden[at]lehrter-strasse-berlin[.]net gesendet werden, dessen Gründung übrigens auch auf Klara-Franke zurückzuführen ist. Die Preisverleihung findet am 7. März 2020 um 16 Uhr in der Kunststätte Dorothea, Dorotheenstädtische Buchhandlung in der Turmstraße 5 statt. Es gibt Kaffee und Kuchen (gegen Spende) und auch ein kleines Kulturprogramm. Wer mehr über Klara-Franke und frühere Preisträger erfahren möchte, kann hier nachlesen.

Danach stellten Stefanie Huber und Daniela Kemmer das Projekt „Verbraucher stärken im Quartier“ der Verbraucherzentrale Berlin e.V. vor. Das Projekt ist im Quartier Moabit-Ost verortet. Dort, in den Räumen der Selbsthilfe-, Kontakt- und Beratungsstelle Mitte in der Perleberger Straße 4, findet jeweils freitags von 11 bis 13.30 Uhr eine Sprechstunde statt. Wer Informationen und Unterstützung zu allen möglichen Fragen des täglichen Verbraucherdaseins hat, ist hier richtig. Ob Fragen zu Verträgen, Konten, Krediten und Schulden oder Strom und Energieversorgern oder Versicherungen – es wird kostenlos und ohne Termin beraten. Um sich gegen „Abzocke“ schon im Vorfeld abzusichern, bietet das Team auch externe Beratung in z.B. Schulen, Seniorenzentren und weiteren Einrichtungen an.

Kontakt
Verbraucherzentrale Berlin e.V., Verbraucher stärken im Quartier, Hardenbergplatz 2, 10623 Berlin, Tel.: 030 21485-237, E-Mail: Moabit-Ost[at]vz-bln[.]de

Das bundesweite Projekt „Verbraucher stärken im Quartier“ wird durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) aus dem Programm „Soziale Stadt“ und durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) gefördert. Zu einem Artikel darüber von Gerald Backhaus kommen Sie hier 

Obdachlosigkeit in Berlin

Der Schwerpunkt des Plenums widmete sich einem weiteren wichtigen sozialen Thema, der Obdachlosigkeit in Berlin. Hierzu wurden verschiedene Träger eingeladen, die nacheinander ihre Arbeit vorstellten: Zunächst erläuterte Christiane Grote, Mitarbeiterin der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, die Aktion die „Nacht der Solidarität“ am 29./30. Januar 2020. Danach berichteten zwei engagierte Mitarbeiter der Zentralen Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot in der Levetzowstraße 12aüber die Schwerpunkte und Angebote ihrer Arbeit. Karsten Krull und seine polnischsprachige Kollegin erzählten abschließend von der täglichen Arbeit und ihren Herausforderungen in der Wohnungslosentagesstätte „Warmer Otto“ in der Wittstocker Straße 7.

Die „Nacht der Solidarität“ der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales

Die „Nacht der Solidarität“, eine groß angelegte Aktion der Senatsverwaltung, soll einen Überblick darüber verschaffen, wie viele Menschen in Berlin tatsächlich nachts draußen „auf der Straße“ schlafen müssen, also obdachlos sind. Sie sind bislang schwer erreichbar, genaue Zahlen liegen nicht vor. Mit der Zählung, die größtenteils mit Hilfe freiwilliger Teams und kooperierender Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe durchgeführt wird, soll nun die bisherige Schätzung von 6.000 bis 10.000 Menschen konkretisiert werden. Wunsch und Ziel ist es auch, (zusätzliche) Hilfs- und Beratungsangebote zu entwickeln. Die ehrenamtlichen Teams sollen die obdachlosen Menschen zunächst zählen und bei entsprechender freiwilliger Bereitschaft auch zu ihrer Lebenssituation befragen.

Der Schwerpunkt der Aktion in dieser Nacht liegt tatsächlich in der Zählung und Befragung, weniger auf Beratung oder konkreter Unterstützung, z.B. mit warmen Getränken/Kältehilfe der obdachlosen Menschen. Gesetzt wird jedoch auf Sensibilisierung und somit auch niedrigschwellig auf Solidarisierung der Berlinerinnen und Berliner mit dem Thema Obdachlosigkeit. Worauf der Titel der Zählung „Nacht der Solidarität“ beruht, wird auf der Webseite des Senats genauer erklärt: „Eine Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungen werden zu Themen und Fragestellungen der Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit im gesamten Land Berlin von sozialen Trägern und Institutionen durchgeführt. Vor und nach der Nacht der Solidarität können sich so Berlinerinnen und Berliner über das Thema informieren. Bei Interesse besteht für die Freiwilligen und weiteren Aktiven die Möglichkeit, sich auch nach Abschluss des Vorhabens weitere Informationen per E-Mail zusenden zu lassen. Möglichkeiten des freiwilligen Engagements in dem Themenfeld Obdachlosigkeit sollen aufgezeigt und beworben werden."

Das Interesse, ehrenamtlich an dieser Zählung mitzuwirken, ist auf große Resonanz gestoßen. Über 3.500 Ehrenamtliche haben sich bereit erklärt, das Anmeldeverfahren ist mittlerweile abgeschlossen. Die sozialen Träger und Einrichtungen der Nachbarschaftsarbeit stellen in der Nacht vom 29. zum 30. Januar 2020 ihre Räume für Vor-Ort-Büros zur Verfügung, von dort aus wird die Zählung dann koordiniert und Infomaterial sowie eine einheitliche Ausrüstung (Westen, Taschen) zur Verfügung gestellt. Die Zählung soll möglichst jährlich wiederholt werden. Die Information der obdachlosen Menschen über die geplante Zählung wurde u.a. durch mehrsprachige Aushänge der BVG kommuniziert. Weitere Informationen und Pressemeldungen finden Sie auf der Website der Senatsverwaltung

Die Zentrale Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot

Auf direkte Tuchfühlung mit dem Thema Wohnungslosigkeit und somit ggf. der Obdachlosigkeit geht das Team der Zentralen Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot in der Levetzowstraße 12a. Das Team besteht aus Sozialarbeiterinnen, Verwaltungsmitarbeitern und Ehrenamtlichen. Die Träger der Einrichtung sind die Berliner Stadtmission und der Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V. Die Zentrale Beratungsstelle ist eine Anlaufstelle für Menschen, die keine Wohnung haben, vom Verlust der Wohnung bedroht sind oder sich in einer vergleichbaren Notlage befinden. Jährlich besuchen rund 3.300 Menschen die Beratungsstelle, davon etwa 75 Prozent Männer und rund 25 Prozent Frauen.

Wohnungslosigkeit ist nicht gleich Obdachlosigkeit, vielmehr kommen Wohnungslose oftmals zunächst bei Freunden, Familie oder in „Zweckgemeinschaften“ unter. Letzteres betrifft oftmals Frauen, die vor der Obdachlosigkeit die Abhängigkeit einer ungewollten Beziehung bzw. eine ähnliche Abhängigkeitssituation auf sich nehmen. Von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen sind nicht gleich immer psychisch kranke oder von Alkohol oder Drogen abhängige Menschen, sondern bei der gegenwärtigen Mietpreislage auch Vollzeitarbeitnehmer im Niedriglohnsektor, z.B. Gastronomie, Reinigungskräfte oder Kurierdienste, die sich die überhöhten Lebenshaltungskosten nicht mehr leisten können.

Das Angebot der Beratungsstelle reicht von der kostenlosen, individuellen Beratung in der akuten Notsituation und Vermittlung in weiterführende Hilfen auch über Beratung zur Klärung von Leistungsansprüchen und Unterstützung bei Problemen mit Behörden und Ämtern. Auch Präventionsarbeit wird geleistet, etwa bei drohendem Wohnungsverlust, der leider mittlerweile schnell von statten geht. Man stelle sich einfach z.B. eine Eigenbedarfskündigung des Wohnungseigentümers bzw. Vermieters vor oder eine mehrmonatige Schuldensituation, die die Mietzahlung verzögert. Wer der Amtssprache Deutsch nicht mächtig ist, hat hier zusätzliche Probleme. Daher kann die Beratung auch auf Englisch oder ggf. Französisch erfolgen.

Durch die Einbindung in das Netzwerk der Berliner Wohnungslosenhilfe und der angrenzenden Fachdienste kann bei der Vermittlung in weiterführende Hilfen auf ein breites Spektrum an Einrichtungen zurückgegriffen werden. Zusätzlich werden außerdem praktische Information sowie die Möglichkeit zum Einrichten einer Postadresse und Schließfächer angeboten. Die Postfächer stellt die Beratungsstelle zur Verfügung, damit Menschen ohne festen Wohnsitz ihre finanziellen Bezüge nicht verlieren und postalisch weiterhin erreichbar sind.

Der „Warme Otto“, die Wohnungslosen-Tagesstätte der Berliner Stadtmission

Karsten Krull, Sozialarbeiter, und seine polnisch-sprachige Kollegin betreuen im „Warmen Otto“ der Wohnungslosen-Tagesstätte der Berliner Stadtmission in der Wittstocker Straße 7 Menschen ohne Wohnung und diejenigen, bei denen Wohnungsverlust droht, mit Rat und Tat. Aber auch Menschen, die einmal wohnungslos waren oder einfach Probleme haben, finden hier einen geschützten Ort, in dem man sich ihrer Probleme annimmt und zuhört. Denn auch für viele Menschen mit Wohnung stellt der Umgang mit Ämtern und das tägliche (Über-)Leben eine große Herausforderung dar.

Karsten Krull erklärte zunächst detailliert die Situation, mit denen wohnungslose Menschen von Verwaltungsseite aus konfrontiert sind und wie es oftmals zu der Wohnungslosigkeit kommt. Das Klientel der Tagesstätte ist ähnlich wie in der Beratungsstelle, jedoch ist der Anteil an Menschen, die zumindest früher obdachlos waren, hier höher. Im „Warmen Otto“ existiert ein Angebot an Serviceleistungen wie Essen oder Kleiderkammer und Duschen. Jedoch versteht man sich nicht so sehr als reine „Verpflegungsstation“, sondern möchte die Menschen beraten, vermitteln und einen sozialen Rahmen bieten. Auch psychisch Erkrankte kommen in die Einrichtung, da das Gesundheitssystem oftmals hier nicht greift. Die Menschen kommen dort nicht an, da die Anforderungen - wie Therapiebereitschaft - nicht selbstverständlich vorhanden sind. Im Rahmen des Europaprojekts „PewE“ ist z.B. derzeit ein Psychologe vor Ort. Sehr wichtig ist auch die persönliche Beziehungsarbeit zu den Besuchern des „Warmen Otto“, denn viele fassen auch nicht bei ihrem ersten Besuch Vertrauen in das Beratungsangebot und offenbaren ihre Geschichte. Generell macht es auch die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt Menschen, die vorab in betreuten Wohnverhältnissen temporär untergebracht wurden, schwer, nach dem Ablauf der Betreuung dort zu bleiben oder eine neue Bleibe zu finden. Ca. 60 Prozent der Menschen haben keine Wohnung, davon lebt ca. ein Drittel auf der Straße oder übernachtet in der Kältehilfe.

In den letzten 5 bis 6 Jahren ist die Anzahl von Menschen aus EU-Ländern, dem Baltikum und Süd(ost)europa stark angestiegen und macht mittlerweile rund die Hälfte der Besucher aus. Haben diese keine Arbeit und auch vorab kein Arbeitsverhältnis in Deutschland gehabt, erhalten sie keine Bezüge und sind daher oft mittellos. Der „Europäische Hilfsfonds für besonders benachteiligte Personen“ finanziert seit drei Jahren im „Warmen Otto“ das PewE-Projekt, das eine polnisch- und russischsprachige Beratung ermöglicht. „Das Projekt richtet sich an neuzugewanderte wohnungslose EU-Bürger. Es bietet Beratung in Deutsch, Polnisch, Russisch, Französisch, Englisch, Spanisch, einerseits durch Straßensozialarbeit, andererseits in den Räumen der Wohnungslosentagesstätte Warmen Otto.“ Nähere Informationen zum Projekt und zum EHAP-Fonds erhalten Sie auf der Webseite des „Warmen Otto“

Termine und Sonstiges

Noch in diesem Frühjahr soll auf dem Plenum das Projekt der „Bewässerungsgruppe Waldstraße“ vorgestellt werden, das nun vom Bezirksamt/Grünflächenamt die Möglichkeit erhalten hat, einen dortigen Wasseranschluss zu nutzen.

Bis zum 15. Januar 2020 konnten noch Veranstaltungen für die „Internationale Woche gegen Rassismus“ des Bündnis „Demokratie in Mitte“ eingereicht werden. Die Eröffnung der Wochen finden im ZK/U von 14. März 2020 von 15 bis 18 Uhr statt.

Die neuen Veranstaltungsflyer des SOS-Kinderdorfs Waldstraße sind gedruckt und erhältlich.

Die nächste Sitzung des Betroffenenrats Lehrter Straße findet am 4. Februar 2020 statt. Es kommen zwei Mitarbeiterinnen des Stadtplanungsamtes und informieren über bereits geplante und teils begonnene Maßnahmen des Stadtumbau West (Poststadion/Fritz-Schloß-Park u.a.
Termin: 4. Februar 2020 19 Uhr, B-Laden, Lehrter Straße 27-30, 10557 Berlin

Das Bezirksamt Mitte wird mit der BIM Pläne entwickeln, das Gelände des Moabiter Krankenhauses nach zu verdichten. Der Abgeordnete Taylan Kurt regt die Beteiligung an den Plänen durch die BVV und weitere bezirkliche Akteure sowie die Anwohnerschaft an.

Die Berichte zu den vergangenen Plena können Sie hier nachlesen.

Text & Fotos: Kerstin Heinze / GB