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Dienstag, 13.10.2020

Durch den Huttenkiez - Kiezrundgang am 1. Oktober 2020

„Auf einen Kaffee im Huttenkiez“ – ein Treffen am Coffeebike mit kleinem Rundgang - Aktion im Rahmen der Veranstaltungswochen „Mitte im Dialog“ am 1. Oktober 2020.

Der westlichste Teil des QM Gebietes Moabit West ist der Huttenkiez, benannt nach der Huttenstraße, die auch oft als die „verlängerte Turmstaße“ wahrgenommen wird. Ab dem kommenden Jahr werden sich die Aktivitäten des Quartiersmanagements verstärkt auf diesen Bereich konzentrieren, da sich hier durch das Monitoring Soziale Stadtentwicklung erhöhter Bedarf gezeigt hat. Das Monitoring beschreibt die aktuelle Lage der Bewohner/innen eines bestimmten sozialräumlichen Gebietes und bildet die Ausgangslage für die Schaffung eines QM-Gebietes. Mehr dazu hier.

Der Rundgang, angeleitet von Manfred Gutzmer, dem Geschäftsstellenleiter des Unternehmensnetzwerks Moabit, und Aischa Ahmed vom QM Moabit West, bot uns einen spannenden Einblick „Hinter die Kulissen“ bzw. Mauern und Zäune und in Hinterhöfe des Huttenkiezes. Eigentlich befinden wir uns hier in „Martinickenfelde“, benannt nach einem französischen Schankwirt. Das waren Zeiten, wo man als Kneipier noch Namensgeber für ganze Stadtviertel sein konnte! Wir erfreuen uns dafür am heißen Kaffee vom „Coffee-Bike“ des QMs.

Es hat zunächst den Anschein, als ob in diesem Teil des Quartiers wenig los sei, verglichen mit der Betriebsamkeit der Turmstraße und der angrenzenden Nebenstraßen. Hier dominieren Industrie-und Gewerbeflächen älteren und neueren Datums. Das Gebiet zwischen Beussel- und Berlichingenstraße ist eher durch Gründerzeitliche Wohnbebauung geprägt. Aber wir befinden uns immerhin im ehemals größten, innerstädtischen Industriegebiet ab 1900. Während des Rundgangs bekommt man immer mehr den Eindruck, mal wieder Zeuge einer Berliner Metamorphose zu werden. Die letzten 30 Jahre lag das Gebiet im (produktiven) Dornröschenschlaf, nun erleben viele Gewerbe- und vermutlich auch Wohnflächen einen Inhaberwechsel. Es ist vielerorts noch unklar, was genau aus den alt-ehrwürdigen Gebäuden, Speichern und Wohnhäusern wird. Bleibt zu hoffen, dass dieser Wandel sich positiv auswirkt.  

Die Eisengießerei Jachmann

Wer in Moabit unterwegs ist, der kennt es – das Backsteingebäude in der Huttenstraße 41-44 mit den hohen Rundbogenfenstern und dem Fabrikturm hinter den Verkaufsflächen von BMW. Wie uns Manfred Gutzmer zunächst verrät, ist dies das ehemalige Fabrikgebäude der Eisengießerei Jachmann von 1900. Diese produzierte die Hohlgusskörper für die Maschinen- und Waffenherstellung. Heute geht es dort weniger martialisch zu, ein professionelles Tonstudio nutzt die Räume zur Postproduktion von Film- und TV-Beiträgen.

Das Unternehmensnetzwerk Moabit e.V. Huttenstraße 34

Direkt an der Ecke Huttenstraße 34/35 / Ecke Neues Ufer ist der Sitz des Unternehmensnetzwerkes Moabit. Gegründet 2009 unter Mitwirkung des QM Moabit West, sind hier rund 30 Mitglieder – die ganze Bandbreite der Moabiter Unternehmen von ganz klein bis ganz groß – vertreten. Das Netzwerk ist eine Interessengemeinschaft und Initiator vieler engagierter Aktionen: z.B. arbeitet es an der Weiterentwicklung des Stadtteilentwicklungskonzeptes Green Moabit und an der weiteren Vernetzung von Verwaltung und Initiativen im Bezirk. Wer mehr erfahren möchte, kann auf der Internetseite https://www.netzwerk-moabit.de/ viele interessante Details lesen.

„Immer an der Wand lang“ geht es an der Backsteinmauer Neues Ufer entlang. Flankiert vom Charlottenburger Verbindungskanal,  der den Blick auf die Verladerampe der 440 Tonnen schweren  Siemens-Gasturbinen nur Eingeweihten (das sind Sie ja jetzt) preisgibt. Die Turbinenfabrik in der Huttenstraße 12 – 19 (Peter Behrens, 1909) gehört heute zur Division Power und Gas des Siemens-Konzerns. Ursprünglich baute die AEG hier Dampfturbinen für Kraftwerke.

Menzel Motorenfabrik

Das Werk der Menzel Elektro-Motorenfabrik https://www.menzel-motors.com/de/ exisitert seit 1958 auf dem Gelände Neues Ufer 19 – 25. Die großen Motoren werden international eingesetzt.
Das mittelständische Unternehmen gibt es seit 1927, wie lange der Standort am Neuen Ufer noch genutzt wird, ist allerdings momentan unklar.

Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule / Neues Ufer 6

Wir lassen die großen Maschinen hinter uns und widmen uns den Moabiter Schülerinnen und Schülern. Vor dem großen Backsteingebäude der Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule am Neuen Ufer 6, erläutert uns Aischa Ahmed einige Details. Bis 2010 war die Schule im Stephan-Kiez ansässig. Mit steigender Schüler/innenzahl stieg auch der Raumbedarf, weswegen man in das Gebäude am Neuen Ufer umzog. Um auch Platz für die wachsende Grund- und Oberstufe zu haben, wurde 2017 ein Modularer Ergänzungsbau auf dem Schulgelände (sichtbar von der Kaiserin-Augusta-Allee) gebaut, der in den kommenden Jahren noch erweitert werden soll.

Das QM Moabit West hat hier die Errichtung einer Schülerfirma initiiert, die z.B. ein leckeres Frühstücksangebot anbietet. Die Schule verbleibt auch 2021 im QM-Gebiet, dann als einzige Schule im künftigen Gebiet. Wir können uns also auf kommende interessante Projekte freuen.

Jugendclub Schlupfwinkel / Kaiserin-Augusta-Allee 100

Um die Ecke, in der Kaiserin-Augusta-Allee 98-100 befindet sich die Jugendfreizeit-Einrichtung „Schlupfwinkel“. Hier werden Wochentags mittags bis 19 Uhr vielfältige Angebote für die Freizeitgestaltung gemacht, wie (Tischtennis, Kicker, Poolbillard, Schularbeitshilfe, Bewerbungstraining, Fußball, Kochgruppe u.v.m.). Wie der Name schon sagt, soll der „Schlupfwinkel“ auch ein Rückzugsort, Ort der Akzeptanz sein und bei Bedarf Beratung und Unterstützung bei verschiedensten Themen sein. Auch ist der „Schlupfwinkel“ ist u.a. Standort der Fahrradwerkstatt, initiiert durch das QM Moabit West.

Überquert man die Kaiserin-Augusta-Allee und folgt der Wiebestraße, die die Kaiserin-Augusta-Allee mit der Huttenstraße verbindet, ist man wieder mitten in einem Stück Berliner Industriegeschichte. Auf der linken Straßenseite, wo heute der AWA-Veranstaltungssaal ist, war ursprünglich die Zigarettenfabrik Rothmann ansässig. Durch die Berlinförderung vor der Wende war West-Berlin ein „Mekka der Tabakbranche“, rund 80% der in der BRD gerauchten Zigaretten wurden in Berlin produziert. Nach der Wende und mit Wegfall der Förderung gaben die Werke die Standorte in Berlin auf. So auch Rothmann 1993; die Marken „Lux“ und „Lord Extra“ sind Berliner/innen jenseits der 40 sicherlich noch ein Begriff. Direkt dahinter folgen die Loewe-Höfe, aktuell auch im Zustand des Besitzerwechsels.

Die Loewe-Höfe

Die Bauten stammen von Alfred Grenander aus dem Jahre 1907, als Architekt bekannt z.B. durch den Bahnhof Wittenbergplatz. In dem denkmalgeschützten Verwaltungsbau wurden einst Maschinen gehandelt, später kam die Produktion von Näh- und Werkzeugmaschinen sowie Schusswaffen hinzu. Die Geschichte des Gebäudes ist gleichermaßen schrecklich wie spannend: So kaufte zunächst die Gesellschaft Gesfürel (Gesellschaft für elektrische Unternehmungen) 1936 Aktien der in Schwierigkeiten geratenen AEG für 25 Mio Reichsmark. Die jüdischen Nachkommen bzw. Erben von Ludwig und Isidor Loewe wurden kurze Zeit später 1937 im Zuge der „Arisierung“ aus dem Unternehmen gedrängt und verließen Deutschland; der Anhang „Ludwig Loewe & Co.“ wurde gestrichen. Schließlich wurde die Gesfürel-Gesellschaft 1943 auf die AEG fusioniert.

Spielplatz Wiebestraße (Industriestandort)

Rückwärtig der Classic-Remise, bzw. des „Meilenwerks“ in der Sickingenstraße liegt ein Spielplatz, der von zwei Kitas flankiert wird.Der Platz sollte ursprünglich bereits aus Mitteln des QM-Baufonds umgestaltet und aufgewertet werden, die Verhandlungen sind jedoch noch nicht zu Ende geführt.

Blickt man vom Spielplatz entlang der Gleise des ehemaligen Straßenbahndepots sieht man die Metalldächer der Classic-Remise. Diese heizen sich im Sommer sehr stark auf. Im Rahmen des Green Moabit-Projekts wird derzeit angedacht, wie man die Dächer klimatisch optimieren kann. Z.B. durch eine Dachbegrünung, die das Gebäude kühlt und gleichzeitig durch den Verdunstungseffekt die Umgebung abkühlen kann. Auch Solarpanels sind als Idee bereits aufgekommen.  

CJD Berlin-Brandenburg / Sickingenstraße 20 – 28

Schräg gegenüber liegt in der Sickingenstraße  der Standort des CjD Berlin-Brandenburg.
Hier ist seit 2017 auch das Projekt „Jugendmigrationsdienst im Quartier“ des JMD Promigra Mitte ansässig. Nadine Krüger und ihre Kollegin arbeitet von hier aus mit wichtigen Akteuren im Kiez, wie beispielsweise dem Bezirksamt, dem Jugendamt Mitte, dem Quartiersmanagement Moabit West und anderen sozialen Trägern, zusammen. Ziel ist, Begegnungsorte für junge Menschen im Quartier aufzubauen und junge Geflüchtete in ihren Unterkünften zu betreuen. Auch die Elternarbeit steht im Fokus, um deren Kompetenzen zu stärken. Das QM Moabit West ist hier Kooperationspartner. Zahlreiche Mikroprojekte sind hier schon auf die Beine gestellt worden, wie z.B. die Planung der internationalen Wochen gegen Rassismus, Moabit schafft Talente (in Kooperation mit Dünja e.V.), Ferienprogramm in Kooperation mit z.B. mit Karame e.V.

Jugendhaus B8 und Stadtschloss Moabit / Rostocker Straße 32

Im Jugendhaus B8 in der Berlichingenstraße 8 riecht es lecker nach Grillgut, das Team um Projektleiterin Miriam – Sebastian und Hassan, haben den Grill angeworfen um die rund 15 Kids und Jugendlichen mit Würstchen und Köfte im Brot zu versorgen. Aktuell muss das B8 einen Wasserschaden verkraften, ein Teil des Mobiliars musste vor die Tür geräumt werden. „So sieht es nicht immer aus“, bekräftigt Sebastian. Der schöne Garten hinter dem Haus bezeugt dies, ein wenig Gartenidyll inmitten des Großstadtdschungels.

Letzte Stationen des Rundgangs sind das Stadtschloss Moabit, wo u.a. das Stadtteilplenum Moabit West abgehalten wird und zahlreiche Projekte ihren Ursprung fanden und finden. Träger ist der Moabiter Ratschlag e.V. Susanne Vogt-Likus führt uns durch die Kinderetage, einem Ort für Kinder im Grundschulalter. In der App https://stadtschloss-kids.chayns.net/aboutus finden Kinder alle Angebote aktuell erklärt und können direkt Kontakt aufnehmen.

Stadtteilbüro des QM Moabit West

Mit wunden Füßen aber vielen tollen Eindrücken können wir abschließend im Büro des QM Moabit West in der Rostocker Straße 35 noch am Fotowettbewerb „Klick Moabit“ 2020 unsere drei Favoriten unter den besten Bildern wählen. Bis zum 5.11. kann nach Anmeldung im Stadtteilbüro oder unter mein berlin.de abgestimmt werden. Das Motto des Wettbewerbs lautete „zwischen Spree und AEG“ und es ist schön, auf den Fotos so viele Motive unseres Rundgangs wieder zu treffen – interessant in Szene gesetzt durch die Augen der vielen Fotograf/innen. Die Fotos erscheinen dann im Wandkalender 2021, der kostenlos im QM-Büro erhältlich sein wird.  

 

Text & Fotos (bis auf die anders gekennzeichneten): Kerstin Heinze