Suche


Veranstaltungen

Veranstaltungen aus dem Quartiersmanagement

Logo EnergiesparratgeberMit dem EnergieSpar-Ratgeber können Sie Heiz- und Stromkosten senken

Besuch im Westhafen

Moabit ist eine Insel und die hat natürlich auch einen Hafen, direkt zwischen Putlitz- und Beusselbrücke: Im Westhafen thronen seit Jahrzehnten die roten Backsteinspeicher der BEHALA, der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft mbH, weithin über die Gleise entlang der Siemensstraße sichtbar. Der Westhafen, gebaut ab 1914, ist mit einer Fläche von 430.000 Quadratmetern der größte Hafen der Stadt und war in den 1920er Jahren sogar der größte Binnenhafen Deutschlands. Die BEHALA wurde 1923 als Betreiber-Gesellschaft für den Hafen gegründet.

Heute ist die BEHALA mit 120 Beschäftigten und einem Umschlag- und Transportvolumen von rund 4.000.000 Tonnen pro Jahr immer noch bedeutend in Sachen Logistik und auf dem Gelände herrscht ordentlich Betrieb.  So ist man u.a. Verkehrsdrehscheibe für Osteuropa, insbesondere für Polen, aktiv nicht nur auf dem Wasser, sondern auch dem Schienennetz. Verschifft und auf dem Schienenweg transportiert und gelagert werden z.B. die Waren einer großen Kaufhauskette oder Produkte der Siemens AG. Bis zur Wiedervereinigung beherbergten die Westhafenspeicher auch die Senatsreserve für den Fall einer zweiten Blockade Berlins. Grundnahrungsmittel, Gebrauchsgüter, Medikamente und Kohle, insgesamt über vier Millionen Tonnen, die an rund 700 meist geheimen Plätzen auf ihren Einsatz warteten.

Der Zweite Weltkrieg zerstörte rund 60% der Hafenanlagen, von 35 Kränen waren nur noch sechs intakt. Auch sie sind heute nicht mehr in Betrieb, sondern als Industriedenkmäler zu besichtigen. Der neue, imposante Schwergutkran hat eine Tragfähigkeit von 350 Tonnen. Auf dem Wasserweg ist noch mehr drin: Der „Güterschubleichter“, ein langes, grün gestrichenes Schiff, speziell für den Transport der Siemens-Turbinen entwickelt, hat sogar eine Tragfähigkeit von 1.000 Tonnen. So bietet die BEHALA einen Schwergut-Shuttle-Service incl. der Straßentransporte mit Ladungsgewichten bis 500 Tonnen an. Die Last verteilt sich bei dem 6,30 m breiten und 23,00 m langen Trailer auf 192 Einzelräder.

Zu den Hauptumschlaggütern gehören neben Baustoffen und Kohle auch Genuss und Nahrungsmittel sowie Maschinenteile und Papier. Täglich kommen im Containerterminal Züge aus den deutschen Seehäfen und dem Ruhrgebiet zur Versorgung der Stadt an. Auch eigene Lokomotiven sind vorhanden, denn die BEHALA ist auch Eisenbahnverkehrsunternehmen. Vermietet werden Hallen, Freilagerflächen und Büroräume; zum Beispiel im großen Verwaltungsgebäude mit dem prägnanten Turm, aber auch in den sanierten Wirtschaftsgebäuden.

Seit 1997 nutzt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz den zum Magazin umgebauten alten Getreidespeicher, Den Speicher teilen sich das Geheime Staatsarchiv mit der Zeitungsabteilung und der Kinderbuchabteilung der Berliner Staatsbibliothek. 2001 kamen im Rahmen des Berliner Hafenkonzepts von 2001 eine Container-Verladestation, eine Roll-on-roll-off-Anlage und eine Anlegestelle für Binnen-Kreuzfahrtschiffe hinzu.  Diese ist jedoch, bedingt durch Bauarbeiten, derzeit nicht in Betrieb.

Am 9. April 2013 lud die BEHALA zum Stammtisch des Unternehmensnetzwerkes Moabit,  im Rahmen der spannenden Führung konnten spannende Fotoaufnahmen entstehen, die Sie sich hier ansehen können.

Grundsätzlich ist das Gelände einen Besuch wert und offen zugänglich, dennoch darf man nicht vergessen: Hier sind „Leute bei der Arbeit“ und ist schweres Gerät am Werk, also ist ein wenig Aufmerksamkeit geboten. Aber unabhängig vom wirtschaftlichen Standortfaktor, gehören die Westhafenspeicher einfach zum historischen Erbe von Moabit und Wedding und haben auch über die Jahre nichts an Reiz eingebüßt.

Text & Fotos: Kerstin Heinze