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Eine für alle: Nicola Kluftinger über den Schulgarten und Moabit

Eine für alle

Nicola Kluftinger über den Schulgarten und Moabit

"Heute war eine Kindergartengruppe mit ganz Kleinen da. Mit denen wollten wir dieses und jenes Spiel machen, aber dann waren sie so fasziniert von einem Eisloch im Brunnen, das sie unbedingt erforschen mussten. Da dachten die Erzieherin und ich: 'Locker bleiben, lassen wir sie einfach mal machen. Gerade das ist ja das Schöne am Schulgarten."

Fast jeder in Moabit kennt wohl Nicola Kluftinger, die quirlige Frau vom Moabiter Ratschlag e.V. 2011 übernahm sie von Bernd Brunner die Leitung für das außerschulische Programm im 8.000 Quadratmeter großen Schulgarten in der Birkenstraße. In den warmen Monaten ist Nicola dort fast täglich präsent. Garantiert antreffen kann man sie bei den Gartenfesten, Flohmärkten, Veranstaltungen wie der Moabinale und den Tagen des offenen Gartens, zu denen jeder einfach hinkommen kann. In ihrer Freizeit engagiert sie sich als Quartiersrätin für den Kiez. Aufgewachsen im ländlichen Baden-Württemberg studierte sie zunächst Architektur in Karlsruhe. Später fand sie es aber schöner, beruflich "etwas mit Menschen zu machen". Nach Berlin kam sie durch ihren Partner, der das Poststadion vor 20 Jahren mit umbauen sollte. "Vier Mal bin ich inzwischen innerhalb Moabits umgezogen. Unsere erste Wohnung war in der Stephanstraße, dort wurde ich zum ersten Mal schwanger." Inzwischen hat Nicola drei leibliche Kinder und lebt mit einem neuen Partner und dessen zwei Kindern in einer Patchworkfamilie. "Es ist toll, aber organisatorisch auch anstrengend. Alle fünf Kinder sind fast nie gleichzeitig da, weil sie auch bei ihrem Vater oder ihrer Mutter sind. Praktisch wechseln wir daher von der Großfamiie zur Kleinfamilie. Wir sind meistens zu fünft, manchmal zu siebt, aber auch an manchen Wochenenden nur zu dritt."

Zum Schulgarten kam sie nach einer Orientierungsphase über die "generationsübergreifende Freiwilligenarbeit". Das erste Gespräch mit Bernd Brunner, der heute den Spielplatz im Ottopark leitet, hätte sie fast abgeschreckt. "Er sagte: 'Wenn man eigene Ideen hat und weiß, was man will, dann ist man genau richtig bei uns im Schulgarten.' Aber ich war mir damals gar nicht so sicher, was ich wollte." Sie machte dann ab 2008 aber einfach ehrenamtlich mit, gab zuerst Kurse im Filzen und gestaltete Flyer. "An der Zeit zusammen mit Bernd gefiel mir besonders das Arbeiten im Team" - etwas, das sie später als Einzelkämpferin vermisste. Wer möchte etwas Gärtnerisches oder was mit Töpfern machen und wer mit dem Lehmbackofen? Was ist mit der Kräuterspirale? Zu ihren Aufgaben gehört neben dem Zusammenstellen des Schulgarten-Programms die Akquise von Fördermitteln und Spenden zur Finanzierung der außerschulischen Angebote. Dazu ist viel Organisationstalent sowie die Koordinierung von Kursleitern, Ehrenamtlichen und Kindergruppen gefragt. Durch die unklare Finanzierungssituation wegen der Haushaltslage des Bezirks Mitte leben sie und ihre vielen Mitstreiter immer wieder im Ungewissen, wie es weitergeht. "Anfang Dezember noch nicht zu wissen, ob es uns im Januar überhaupt noch gibt, ist schon zermürbend. Aber ich bin immer optimistisch, dass es weiter geht!"

Moabit findet sie "super zentral und zum Glück noch bezahlbar. Und ich kenne inzwischen unglaublich viele tolle engagierte Leute, auch durch meine Arbeit im Quartiersrat." Außerhalb Berlins hat sie ein Haus in der Natur, denn sie mag es sehr, an den Wochenenden "richtig draußen" zu sein. "Vielleicht ziehe ich später ja mal ganz raus? Aber eigentlich liebe ich den Wechsel zwischen Stadt und Land." Die Gentrifizierungsangst mancher Moabiter teilt sie nicht: "Mir gefällt das Normale hier und ich denke nicht, dass es in Moabit so wie in Prenzlauer Berg wird. Ich finde es super, dass neue Leute mit vielen Ideen hierher kommen. Und nicht nur unser Schulgarten, auch der neue Moabiter Stadtgarten und die Umgestaltung von Ottopark und Kleinem Tiergarten gefällt mir. So etwas hält Leute, die sich überlegen, hier weg zu ziehen." Weit weg zieht es Nicola auch ab und zu. Längere Zeit war sie in Mexico und der Türkei auf Reisen. Ihre dortigen Erlebnisse hielt sie für andere fest und veröffentlichte im Wohnmobil-Verlag einen Türkei-Reiseführer.

Gerald Backhaus (Text, Fotos)