Suche


Veranstaltungen

Veranstaltungen aus dem Quartiersmanagement

Logo EnergiesparratgeberMit dem EnergieSpar-Ratgeber können Sie Heiz- und Stromkosten senken

Kathrin Düntsch-Potratz und der Abschied von der Refo-Kita

"Abschied ist ein scharfes Schwert", sang Schlagerbarde Roger Whittaker in den achtziger Jahren. Wie wahr! Die evangelische Kirchgemeinde Moabit West bringt es im Infokasten vor ihrer Kindertagesstätte "Refo" ganz passend mit einem Bibel-Zitat auf den Punkt:

"Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr alleine lenkt seinen Schritt."(Spr. 16,9)

Ende Juli schließt die Kita "Refo" in der Wiclefstraße 31 endgültig ihre Pforten. Früher tobten hier rund 100 Kinder durch die zwei Etagen, die Zwischenhöfe und den schönen Hofgarten. Seit der Schließungsbeschluss 2006 fiel, wurde sukzessive ausgedünnt, also kaum noch Kinder wurden neu aufgenommen. 

Was aus den letzten 20 Kindern wird? "Neun von ihnen kommen jetzt in die Schule, und der Rest wechselt zu anderen Kitas," sagt Leiterin Kathrin Düntsch-Potratz. Am 9. Juli feierte sie mit Kindern, Kolleginnen und Eltern ein Abschiedsfest. "Das gab es jedes Jahr für die Kinder, die in die Schule kommen. Die bekommen Schultüten und Arbeitsmappen überreicht. Diesmal spielen die Kinder aber Theater, den 'Kleinen Stern'. Es ist also schon etwas Besonderes - das letzte Mal eben."

Warum Schluss ist mit einer Kita, die sehr gut angenommen wird im Kiez, deren Kinder nicht nur aus evangelisch-geprägten Familien stammen, sondern auch aus muslimischen, wo es ein gutes Mischungsverhältnis von Kindern mit deutscher und nichtdeutscher Herkunftssprache gibt, versteht man als neuer Besucher erst einmal gar nicht. Wirtschaftliche und bautechnische Gründe wie fehlende Fluchttreppen benennt die Leiterin. Die Eltern hätten sich für den Erhalt eingesetzt und Briefe an Bischof und Bürgermeister geschrieben, auch nach einem neuen Standort wurde gesucht - leider alles ohne Erfolg.

Diese Kita nach Jahrzehnten aufzugeben ist ein sehr schwerer Schritt, manche Erzieher haben hier 30 Jahre lang gearbeitet. Ihre Kolleginnen wurden in den letzten Jahren innerhalb des Kirchenkreises versetzt, die letzte Verbliebene, Larissa Patz, wechselt bald nach Marienfelde. Und Kathrin Düntsch-Potratz selbst, die ihren Beruf über alles liebt, geht nach 16 Jahren als Leiterin der "Refo" nun zur St. Simon Kita in Kreuzberg, wo sie bis zu ihrer Pensionierung wieder Gruppenarbeit machen wird. "Kinder geben einem soviel wieder, man wird gleich am Morgen umarmt...," schwärmt die gebürtige Berlinerin, die selbst vier Kinder und schon drei Enkel hat. Um die will sie sich dann im Ruhestand noch mehr kümmern. Kathrin Düntsch-Potratz singt im Chor der Refo-Gemeinde und hält sich mit Laufen und Aerobic fit. "Natürlich tut der Abschied weh," sagt sie. Sie trauert, ist aber gleichzeitig schon gespannt auf die neue Herausforderung in der Kreuzberger Kita.

Was mit dem Interieur, Möbeln und Spielsachen in der Wiclefstraße passiert? Vieles geht an andere Kitas, den Rest erledigt eine Entrümpelungsfirma. Im August wird Katrin Düntsch-Poratz ganz allein hier sein, um alles abzuwickeln, denn das Gebäude muss leer übergeben werden. "Etwas Neues fängt an," ruft sie mir nach, gar nicht mehr so traurig.

Zu Geschichte und Konzept der Kita "Refo":

Bis 2006 umfasste diese Einrichtung vier Gruppen im Elementarbereich (Kinder im Alter von 2,5 bis 6 Jahren) und zwei Krippengruppen (Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren). Und so wurde die Einrichtung damals beschieben:

"Es gibt zwei Etagen: in der unteren Etage befinden sich die Krippe und vier Elementargruppen mit einem großen Spielplatz und zwei kleinen Zwischenhöfen; in der oberen Etage sind das Büro und Räume für das Personal angesiedelt. Insgesamt gibt es sechs Gruppenräume, drei Aktionsräume und eine große Halle, die von den Kindern genutzt werden. Kinder mit Behinderung werden hier integriert.

Das Team besteht z.Zt. aus sechs Mitarbeiterinnen und einem Mitarbeiter: mit Leiterin acht pädagogische Kräfte und mit Köchin vier Wirtschaftskräfte. Um jungen Menschen Gelegenheit zu geben, die Arbeit mit Kindern kennen zu lernen oder ihre Ausbildung zu ergänzen, werden Praktikantinnen oder Praktikanten gerne angeleitet.

Das erklärte Ziel dieser Kita ist es, den Kindern aus den verschiedensten Teilen der Erde die hiesige Kultur nahe zu bringen. Indem man mehr voneinander erfährt, baut man Ängste vor dem Fremden ab, und  Familien wird Mut gemacht, sich zu begegnen, u.a. im Kindergarten und dann auch im Alltagsleben. Die ErzieherInnen tragen zur Förderung von Kontakten zwischen den Familien der unterschiedlichsten Kulturen bei. Ein großes Hindernis beim sich "Kennen lernen" sind die mangelnden Deutschkenntnisse der Familien aus anderen Kulturkreisen. Deshalb wird sich hier besondere Mühe bei der Sprachförderung der Kinder gegeben; in Verbindung mit einem großen Bewegungsangebot.

Einmal pro Woche kommt die Pfarrerin, Frau Sigrid Neubert zu den Kindern in die Gruppen. Nach einem Anfangsritual erzählt sie den Kindern biblische Geschichten, manchmal in Verbindung mit Dias oder Bilderbüchern.

Es gibt soooo... viel zu entdecken für Kinder....
... und es macht Spass, sie dabei zu beobachten, mit ihnen gemeinsam Dinge auszuprobieren und mit ihnen gemeinsam zu staunen: egal ob es Farben sind, die sich vermischen und wunderschön aussehen - ob es kleine selbst gebastelte Kunstwerke sind - ob es Sand ist, der warm und weich durch die Finger rieselt - ob es Wasser ist, das eiskalt ist - oder ob es Schnecken sind, die ihre Spuren auf den Steinen hinterlassen....

Dies ist nur ein kleiner Teil von dem, was Kinder in den ersten Jahren alles begreifen lernen. Die Erzieherinnen der Kita Refo freuen sich, sie dabei begleiten zu dürfen und ihnen recht viel Positives für ihr Leben mitgeben zu können."

 

KONTAKT (bis 31. Juli 2010):

Wiclefstraße 31
10551 Berlin
Tel: 030/ 398 799 44
Email: kita.refo[at]gmx[.]de

 

Text und Fotos: Gerald Backhaus